Die Ausstellung „Sie sind Königinnen“ ist bis Ende Februar im Rathaus zu sehen

Nochmals als Kind oder, um ein noch entspannteres Leben zu führen, als Katze, möchten einige der Damen, die sich für die Ausstellung "Sie sind Königinnen" fotografieren ließen und der Künstlerin Katharina Gütter ihre Geschichten dazu erzählten, wiedergeboren werden. Doch trotz dieser sicherlich nicht ganz ernst gemeinten Wünsche sprechen etliche der älteren Damen im Alter zwischen 77 und 103 Jahren von "einer schönen Kindheit", arm sei man zwar gewesen, aber "nein, wir hatten damals nie das Gefühl, dass etwas fehlt", ist oftmals zu hören.

Zu Ohren kamen diese Erzählungen auch der Metzingerin Katharina Gütter, als sie ihre Mutter in einem Seniorenheim besuchte. "Diesen Stolz und diese Würde, die ich bei diesen Frauen spürte, wollte ich unbedingt festhalten und sichtbar machen", verrät die Künstlerin über den Ursprung ihrer Ausstellung. Bei einem Tässchen Kaffee bei ihrem Nachbarn und früheren Klassenkameraden, Metzingens Hauptamtsleiter Günter Käpernick, wurde die Idee dann zu einem konkreten Projekt, für das sich mit der Paul-Lechler-Stiftung, der Volksbank-Stiftung und der Stadt Metzingen auch rasch Sponsoren finden ließen.

Die bereits erwähnte Tiefgarage kam ins Spiel, als der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler seine Parteigenossin und Sozialministerin, Katrin Altpeter, zwischen Tür und Angel unter dem Stuttgarter Landtag fragte, ob sie nicht zur Eröffnung der Ausstellung kommen möchte, sie "war sofort begeistert von diesem bemerkenswerten Ansatz der Ausstellung."

So erlebte das Rathaus Metzingen gestern die wohl größte Vernissage seiner Geschichte. Scharenweise waren nicht nur die beteiligten rund 30 "Königinnen" und ihre Angehörigen, sprich der Hofstaat, sondern auch das gemeine Volk gekommen, um die beachtlichen Lebensleistungen der Frauen zu würdigen, die mit der Ausstellung aus der Vergessenheit in den Mittelpunkt gerückt werden, wie es Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler ausdrückte. "Wie es sich für Königinnen geziemt: Ich verneige mich voller Respekt und Dankbarkeit vor ihnen", sagte er voller Anerkennung.

"Diese Ausstellung macht Geschichte erlebbar. Man spürt förmlich die wehmütigen und schmerzlichen Erinnerungen der Damen und die Wertschätzung, die die Künstlerin ihnen entgegengebracht hat", ergänzte Ministerin Altpeter. Und sie prophezeite: "Die Ausstellung wird ihren Weg von Metzingen aus machen und wird Frauen auch andernorts Mut geben, ein aufrechtes Frauenleben zu führen."

Katharina Gütter berichtete von den Erzählungen der Frauen, wie es aus Sicht der Frauen überhaupt zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten kommen konnte und wie die anfängliche Euphorie in Trauer umschlug, als erste Opfer zu beklagen waren. "Ich hatte viel Freude dabei, aus meinem eigenen Ich herauszutreten und die Welt durch die Augen der Frauen aus einer anderen Generation zu sehen", sagte Gütter. Sie wünscht auch den Ausstellungsbesuchern viel Freude beim Entdecken dieser Welt.

Zu Klängen des Salonorchesters der Musikschule unter der Leitung von Henry Großmann wurden die "Königinnen" und ihre Gäste auch königlich im Sitzungssaal des Rathauses bewirtet und sicherlich ausführlich zu ihren Erlebnissen befragt.

Quelle: SWP vom 26.01.13, Autor: Michael Koch

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Hunderte feiern mit beim Fasnetsspiel

Auch fünf Grad minus konnten den Burladingern das Vergnügen am Fasnetsspiel nicht nehmen. Hunderte pilgerten am Samstag in die Josengasse.

Das achte Fasnetsspiel nach seiner Wiederbelebung ließ keinen Zweifel daran, dass die Burladinger Fasnet einen neuen Höhepunkt hat. Kein anderes Ereignis ist vielfältiger, witziger, stimmungsvoller.

Morgens beim gemeinsamen Frühstück der 200 Akteure im Café Roder malte sich Joachim Gerlach in seinem Brautspruch aus, was wäre, wenn die Männerdomäne Fasnetsspiel in Frauenhand fiele: „In dr Häuser do miastet Leit Kaffee und Wässerle ausscheka, suscht dädet dia sich noch am dritta Haus d’Finger in Hals nei heka. In jede Gass dädet dia Breckele lacha und d’Nautle miasdet wieder alles sauber macha.“

Und dann ging es auch schon los. In zwölf Gruppen zogen die Hochzeitslader von Haus zu Haus, Terminnöte programmiert. Denn hie und da konnte man auch mal vortrefflich verhocken. Mit dabei waren auch prominente Kassenbuben, die mit ihren Kassen schepperten, was das Zeug hielt. Die Landtagsabgeordneten Karl-Wilhelm Röhm, Klaus Käppeler und Andreas Glück freuten sich, wenn etwas in die Kasse kam.

Am Nachmittag dann buntes Stelldichein in der Josengasse und Bühne frei für den Läufer Johannes Leibold, der wieder mal das lokale Geschehen aufs Korn nahm. Im Publikum mit dabei: Landrat Günther- Martin Pauli, die Bundestagsabgeordnete Annette Widmann-Mauz und Bürgermeister Harry Ebert.

Der Läufer brachte den Tourismus und die Stadthalle zusammen: „Ruina hemmer gnuag, i mach mir bloß Sorga, dass d’Stadthalla doch it umbaut wud, weil ma noch a Ruine mei zom agucka hot.“ Vor allem aber den von Bürgermeister Ebert ungeliebten Rathaussturm am Fasnetsfreitag machte Leibold abermals zum Thema: „’s Rothaus isch offiziell zua a dem Dag, Rothäusler sodde e dr Freizeit komma, und i sag; Des sich it reacht, dass ma dia alt Traditio auf die Art kippt. (. . .) Der Freiteg isch em Bürgermoischter halt a Dorn im Aug, ond wisset ihr, was i do glaub, des isch grad so, weil halt der Ma, am Fasnetsfreiteg halt it auf sei ka.“ Aber punktum: Ein Rathaussturm am Donnerstag sei für die Nautle nicht machbar: „Am Doschdeg isch auser Terminplan voll.“

Zunftmeister Josef Entreß begrüßte dann die Besucher und überreichte zusammen mit Hubert Pfister den prominenten Teilnehmern eine Collage mit der „Großen Koalition der Kassenbuben“ als Erinnerung. Mittlerweile hatten sich über 400 Besucher eingefunden, die sich trotz technischer Probleme am Lustspiel um Sepp, den Superknecht, freuten. Auf der Bühne ging’s druntger und drüber, Verwechslungen nahmen ihren heiteren Lauf, und dem Selbstgebrannten wurde mehr zugesprochen als gut tat. Nur Sepp, der Superknecht, behielt einen kühlen Kopf. Als Akteure wirkten wie in den Vorjahren Johannes Holzer, Michael Mauz, Bernhard Schmid, Hubert Pfister, Robert Kramer und Josef Entreß mit. Udo Bartsch debütierte als Viehhändler.

Viele Besucher waren in historischer Kleidung erschienen. Nach dem Fasnetsspiel wurde ein Teil der „Hauzegscheke“ in Form von Eiern und Speck aus einer großen Pfanne an die Bevölkerung ausgegeben. Das tat gut bei fünf Grad unter null – ebenso wie die Wärme, die von Feuerkörben und schwedischen Fackeln ausging.

Quelle: SWP vom 27.01.13, Autor: Eugen Leibold

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Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Metzingen kann ab dem nächstem Schuljahr mit G9 starten

Stuttgart (spd) Unter den 22 Gymnasien, die ab dem Schuljahr 2013/2014 den Schulversuch G9 durchführen dürfen, ist auch das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Metzingen. Diese Information erhielt heute der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler, der betonte: „Viele Eltern und Schüler in meinem Wahlkreis wünschen sich G9. Ich freue mich daher, dass diesem Wunsch in Metzingen künftig entsprochen wird.“ Dies sei eine wirklich gute Nachricht für die Schule und alle am Schulleben Beteiligten, denn damit könne in Metzingen, das ja über kein berufliches Gymnasium verfügt, das Abitur nun auch wieder in neun Jahren erlangt werden. „Ziel ist“, so Käppeler, „dass möglichst viele Jugendliche das Abitur als Schulabschluss erreichen.“

Der neue Kultusminister Andreas Stoch (SPD) gibt die 22 Gymnasien, die zum nächsten Schuljahr wieder G9 anbieten können, am Donnerstag, 24. Januar 2013 in einer Landespressekonferenz bekannt, nachdem schon zum laufenden Schuljahr in einer ersten Tranche 22 Gymnasien zum Zug kamen. Für die zweite Tranche lagen 52 Anträge von 48 Schulträgern vor.

Bei aller Freude über die Genehmigung für Metzingen bleibt dem Abgeordneten jedoch auch ein Wermutstropfen: „In meinem Wahlkreis haben sich insgesamt drei Gymnasien um die Genehmigung des Schulversuchs bemüht. Hechingen und das Graf-Eberhard-Gymnasium in Bad Urach sind jedoch bedauerlicherweise abgelehnt worden, da nur ein Schulversuch je Landkreis genehmigt wird.“ Glücklicherweise sei die Wahl des Ministeriums zwar auf eine Gemeinde in seinem Wahlkreis gefallen, so Käppeler. Speziell für Bad Urach sei die erneute Ablehnung aber dennoch bitter. Bereits zum zweiten Mal hatte sich das Graf-Eberhard-Gymnasium für einen G9-Zug beworben, beide Male mit der Unterstützung des SPD-Abgeordneten. Käppeler betonte hierbei, dass die SPD-Landtagsfraktion bis zuletzt versucht hatte, mehr Schulen als den nun insgesamt 44 genehmigten (22 ab Schuljahr 2012/13, 22 weitere ab 2013/14) die Einrichtung von G9–Zügen zu ermöglichen. „Wir haben uns vielfach für eine deutliche Ausweitung dieses Schulversuchs stark gemacht“, erinnert sich der Parlamentarier. Beim grünen Koalitionspartner habe die Fraktion dafür jedoch keine Zustimmung erreichen können. Damit müsse es nun bei den genehmigten Gymnasien bleiben, so Käppeler abschließend.

477 Millionen Euro vom Land für Kleinkindbetreuung und Kindergärten

Stuttgart (spd) Das Land Baden-Württemberg unterstützt die Städte und Gemeinden in der Region Eningen/Ermstal, Münsinger Alb und Zollernalb 2013 mit voraussichtlich rund 13,8 Millionen Euro. Wie der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler (Zwiefalten) mitteilte, haben fast alle Kommunen entsprechende Mittel beantragt. Sie profitieren damit von erhöhten Zuschüssen, auf die sich die grün-rote Landesregierung und kommunale Spitzenverbände geeinigt hatten.

„Mich freut besonders, dass wir trotz scharfer Sparvorgaben beim Landeshaushalt die nötigen Mittel bereitstellen können“, erklärte der SPD-Abgeordnete Käppeler. Damit werde der „Pakt für Familien mit Kindern“, den das Land mit den Städten und Gemeinden 2011 vereinbart hatte, nun Realität. „Schon die ersten drei Jahre Förderpraxis zeigen deutlich, dass vor Ort ein großer Bedarf besteht und welche Lücken insbesondere in der Kleinkindbetreuung noch immer zu schließen sind“, sagte Käppeler.

Der SPD-Abgeordnete verwies in diesem Zusammenhang auf die beantragten Landesmittel allein in seinem Wahlkreis mit einer Steigerung zum Vorjahr von rund 10 Prozent bei Zuschüssen für Kindergärten und fast 22 Prozent für die Betreuung von Kleinkindern. „Es ist daher nur logisch und konsequent, dass die Landesregierung diese Förderpolitik im Einvernehmen mit den Kommunen auch in den nächsten Jahren fortsetzen will“, stellte Käppeler klar.

Bei den Zuschüssen für die örtlichen Kindergärten nannte Käppeler als herausragende Beispiele Bad Urach mit 652.000 Euro (2012: 468.000  Euro), Mehrstetten mit 89.000 Euro (2012: 53.000 Euro) und c mit 78.000 Euro (2012: 43.000 Euro).

Bedeutsam findet Käppeler auch die Steigerungen bei den Landeszuschüssen für Tageseinrichtungen und die Tagebetreuung von Kleinkindern gerade in kleineren Kommunen im ländlichen Raum, etwa in Grabenstetten mit 44.000 Euro (2012: 18.000 Euro), Grafenberg mit 176.000 Euro (2012: 88.000 Euro) oder Hohenstein mit 96.000 Euro (2012: 18.000 Euro). Aber auch größere Kommunen wie etwa Hechingen mit 537.000 Euro (2012: 345.00 Euro) würden in die Lage versetzt, die Betreuungsangebote zu verbessern und auszuweiten.

Streit um Schüler verhindern

Viele Haupt- und Werkrealschulen im ländlichen Raum sehen sich mit sinkenden Schülerzahlen konfrontiert. In verschiedenen Fächern müssen Klassen jahrgangsübergreifend unterrichtet werden. Das Land will mit Hilfe eines Schulentwicklungsgesetzes auf den künftigen Kurs steuernd einwirken. In der Aula der Trochtelfinger Werdenbergschule sprach Dr. Frank Mentrup, Staatssekretär im Kultusministerium und künftiger Oberbürgermeister von Karlsruhe, am Dienstagabend vor weit mehr als 100 Zuhörern über das Thema "Regionale Schulentwicklung im ländlichen Raum".

Eingangs erinnerte Mentrup an die seit langem sinkende Übergangsquote auf die Werkrealschulen. Fazit: Auch ohne die neu geschaffenen Gemeinschaftsschulen sei eine Zukunftsplanung unerlässlich. Die Gemeinschaftsschulen ermöglichten einem größeren Teil der Viertklässler an den bestehenden Standorten von Werkrealschulen, weiter im Ort zur Schule zu gehen. Mentrup wertete die Gemeinschaftsschule daher als ein "echtes Angebot für die Stabilisierung des Schulstandortes", obwohl natürlich das Ziel "längeres gemeinsames Lernen" vorrangig sei.

Jeweils 40 Prozent der Absolventen von Haupt- und Realschulen gehen laut Mentrup weiter zur Schule und machen Mittlere Reife beziehungsweise Abitur. Somit sei die Entscheidung für eine weiterführende Schule nach der vierten Klasse verfrüht.

Die Gemeinschaftsschulen bieten alle Bildungsabschlüsse der Sekundarstufe 1 und bei ausreichender Schülerzahl gegebenenfalls auch eine gymnasiale Oberstufe. Laut Mentrup verstärken sie soziale Bindungen, halten die Berufsorientierung länger offen, stärken die Bildungsgerechtigkeit und bieten die Chance, auf den Erhalt von mehr Schulstandorten. In Zahlen: Von derzeit 2000 Schulstandorten im Land könnten 1500 weiterbestehen, während es bei der Fortführung des derzeitigen dreigliedrigen Schulsystems nur 1200 wären. Eine wichtige Voraussetzung ist allerdings die ausreichende Größe. Ein Schulentwicklungsgesetz soll einen Korridor als rechtliche Grundlage vorgeben, um einen Streit um die Schüler zu verhindern. Für die Zulassung einer Gemeinschaftsschule muss diese eine gesicherte Zweizügigkeit bieten. Im Raum steht die Zahl von mindestens 40 Schülern. Bei einer durchschnittlichen Übergangsquote von 40 Prozent (50 Prozent wenn keine andere weiterführende Schule am Ort ist) sollte ein Jahrgang also rund 100 Kinder umfassen. Entscheidend ist dabei nicht die aktuelle Schülerzahl sondern die prognostizierte Entwicklung, erläuterte Schulamtsdirektor Wolfgang Straub vom Staatlichen Schulamt.

Zur Schüleranzahl können noch 10 bis 30 Prozent aus den Nachbarorten – sofern diese zustimmen – hinzugerechnet werden. Ausnahmen sind laut Mentrup denkbar, wenn die Schüler andernfalls mehr als 30 Kilometer zurücklegen oder länger als eine halbe Stunde Bus fahren müssten. Doch die Anzahl der unterschiedlichen Bildungsabschlüsse, die geboten werden, stellt kleine Schulen mit nur wenigen Lehrern vor schwere Probleme. Kleine Klassen im ländlichen Raum seien zudem gegenüber weitaus größeren Einheiten in den Städten ungerecht, gab Mentrup zu bedenken.

Derzeit erreichen weder Engstingen noch Trochtelfingen oder Sonnenbühl die geforderten Schülerzahlen. Gefragt ist also die Zusammenarbeit der Gemeinden. Gibt es keine Einigung, wird ein Klärungsverfahren eingeleitet. Mentrup forderte jedoch zur Kooperation auf, damit die Entscheidung nicht durch das Ministerium getroffen werden müsse.

Demgegenüber plädierten der Trochtelfinger Bürgermeister Friedrich Bisinger wie auch sein Sonnenbühler Amtskollege Uwe Morgenstern für Ausnahmen im ländlichen Raum. "Derzeit ist keine Gemeinde zu Kooperationsvereinbarungen bereit", sagte Bisinger. Für den bevölkerungsschwachen ländlichen Raum seien Ausnahmegenehmigungen nötig. Oftmals zeige sich, dass nach dem Start der Gemeinschaftsschule noch weitere Kinder hinzukommen. "Doch dazu muss der Start erst einmal ermöglicht werden", forderte Bisinger.


Gemeinschaftsschulen: Anforderungen für die Genehmigung

Das neue Schulentwicklungsgesetz soll es der Landesregierung ermöglichen, die Schullandschaft steuernd mitzugestalten.

Im Fokus der Gemeinden stehen die Gemeinschaftsschulen. Die genauen Anforderungen für eine Genehmigung sind noch offen. Allerdings soll die Zukunftsfähigkeit gesichert sein. Derzeit wird eine Zweizügigkeit gefordert, im Raum steht die Zahl von 40 Schülern pro Jahrgang. Zudem gilt vermutlich die Grundannahme, dass 40 Prozent eines Jahrgangs in die Gemeinschaftsschule wechseln. Das bedeutet, eine Gemeinde benötigt als Voraussetzung für die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule eine Nenngröße von 100 Kindern pro Jahrgang. Ein Blick in die Statistik offenbart, dass dies derzeit von keiner der Gemeinden auf der Alb, die mit einer Gemeinschaftsschule liebäugeln, erreicht wird. Dies zeigen die Zahlen der 2-, 3- und 4-Jährigen für Trochtelfingen (55, 53, 51), Sonnenbühl (69, 55, 70) und Engstingen (45, 38, 38) – Stichtag 31. Dezember 2011.

Quelle: SWP vom 17.01.13

Autor: Ralf Ott, Foto: Privat

Bildung: Das Dilemma der kleinen Schulen

HOHENSTEIN/TROCHTELFINGEN. Als Schulleiter, Lehrer und Landtagsabgeordneter kennt Klaus Käppeler beide Seiten. Als Klassenlehrer der »Neuner« an der Hohensteinschule genießt er bei einer Klassengröße von gerade mal elf Schülern fast paradiesische Unterrichts-Verhältnisse – und als Politiker einer zum Sparen verpflichteten Regierungspartei wirkt er daran mit, diese Landschulidylle abzuschaffen. Das Schulentwicklungsgesetz, das in Baden-Württemberg derzeit vorbereitet wird, soll unter anderem regeln, wie die Schullandschaft im Land zukunftssicher gestaltet wird. Aber auch, unter welchen Bedingungen Schulen geschlossen werden.

Anpfiff für eine neue Zukunft an den Schulen im Land? Auch Klaus Besch, Rektor in Würtingen, verfolgt die Debatte zur regionalen Schulentwicklung gespannt. FOTO: Patricia Kozjek»Formal hat das Land keine Möglichkeit, Schulen zu schließen«  Bislang hat der Staat hier wenig Handhabe, wie Käppeler berichtet. Wenn die Schülerzahlen zurückgehen und Schulen nicht mehr genug Kinder haben, um Jahrgangsklassen zu bilden, werden Klassenstufen zusammengelegt. Wie in den früheren Dorfschulen werden manchmal mehrere Jahrgänge gemeinsam unterrichtet. »Formal besteht von Landesseite keine Möglichkeit, Schulen zu schließen«, so der SPD-Politiker. Jedenfalls dann nicht, wenn die Standortkommunen das nicht wollen. In diesem Schuljahr haben es rund dreihundert Schulen in Baden-Württemberg nicht geschafft, eine eigenständige fünfte Klasse zu bilden. »Viele Standorte kämpfen«, weiß der Schulpolitische Sprecher der SPD auch aus eigener Erfahrung um das Dilemma der Hauptschulen, denen nach dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung mehr denn je die Schüler fehlen. Bei gut 900 Hauptschulen im Land hat damit jede dritte eine kritische Größe erreicht. Wie viele Fünftklässler weiterführende Schulen mindestens haben müssen, ist deshalb eine Vorgabe, die im Schulentwicklungsgesetz festgeschrieben wird. Wie hoch dabei die Messlatte gelegt wird, das wird für auch für viele Schulen auf der Alb oder im Raum Reutlingen die Zukunft entscheiden. Denn stabile Jahrgangsklassen von 16 Schülern haben in diesem Schuljahr längst nicht alle erreicht, darunter die Hohensteinschule, an der nur acht Fünftklässler angemeldet wurden. Auch in Lichtenstein wird jahrgangsgemischt unterrichtet. Andere Haupt- und Werkrealschulen – etwa in Genkingen, Großengstingen und Trochtelfingen – schaffen die nötigen Schülerzahlen nur knapp. Politisch geht es zum einen um die Qualität von Bildung, zum anderen natürlich aber auch ums Sparen. Denn Zwergschulen und Kleinklassen, in denen die Lehrer immer weniger Schüler unterrichten, kommen das Land teuer. Klaus Käppeler verweist auf das Ziel der Koalitionsregierung, bis zum Jahr 2020 11 600 Lehrerstellen zu streichen – bei sinkenden Schülerzahlen müsse auch in diesem Bereich zurückgefahren werden. Nur wo? Und wie? Das Schulentwicklungsgesetz, das laut Käppeler im Lauf des Jahres verabschiedet werden soll, gibt die Rahmenbedingungen vor. Nach bisherigem Stand werden die Staatlichen Schulämter an den Regierungspräsidien die regionale Schulentwicklungsplanung in ihren Bereichen koordinieren, dabei im Blick haben, wo Einrichtungen eine kritische Größe erreicht haben und wo sie vielleicht zusammengelegt oder geschlossen werden müssen. Dabei werden bestehende Busverbindungen eine Rolle spielen, sagt der SPD-Abgeordnete: »Man kann für immer weniger Schüler nicht neue ÖPNV-Angebote schaffen.« Die Städte und Gemeinden sollen zur Schulentwicklungsplanung gehört werden. Allerdings habe die Diskussion um die Standorte für Werkrealschulen gezeigt, dass einvernehmliche Lösungen oft schwierig sind, erinnert Käppeler: »Man hat gesehen, wie die Kommunen um ihre Schulen kämpfen.« Deshalb sind Diskussion und Mediation zwar vorgesehen, »am Ende wird aber eine Entscheidung stehen«. Letztendlich wird dann der Staat bestimmen, welche Schulen geschlossen werden, damit die Einrichtungen in den Nachbargemeinden besser ausgelastet sind und Bestand haben. »Man hat gesehen, wie die Kommunen um ihre Schulen kämpfen«  Schulpolitisches Ziel der Landesregierung ist laut Käppeler ein Zwei-Säulen-Modell, das neben dem Gymnasium flächendeckend Gemeinschaftsschulen vorsieht. Vor allem für Realschulen, die bereits heute Jugendliche mit ganz unterschiedlichem Leistungsspektrum integrieren müssen, sieht der Bildungspolitiker hier noch viele Möglichkeiten. Über achtzig weitere Gemeinschaftsschulen landesweit werden jetzt genehmigt. Gefährdeten Hauptschulen, die sich als Gemeinschaftsschule in die Zukunft retten wollen, macht Käppeler wenig Hoffnung. Eine Voraussetzung für die Genehmigung seien Jahrgangsstärken von achtzig bis neunzig Kindern im Einzugsgebiet, damit für die Gemeinschaftsschule eine stabile Zweizügigkeit erreicht wird. (GEA) Thema Schulentwicklung»Regionale Schulentwicklung im ländlichen Raum« ist heute, Dienstag, 15. Januar, Thema einer Informationsveranstaltung in Trochtelfingen. Staatssekretär Dr. Frank Mentrup (SPD) aus dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg ist der Referent des Abends, der um 19.30 Uhr im großen Foyer der Werdenbergschule (Neubau) beginnt. Zentrales Thema wird sein, wie sich die Schullandschaft in der Region verändern wird, was regionale Schulentwicklungsplanung bedeutet und wo ihre Chancen liegen. Dabei wird auch das Thema Gemeinschaftsschule angesprochen. (em) Quelle: Gea vom 15.01.13Autor: Christine Dewald, Foto: Patricia Kozjek

Landtagsabgeordneter Klaus Käppeler und Bundestagskandidatin Rebecca Hummel würfeln mit

Am Mutschel-Abend des SPD-Ortsvereins Bad Urach werden auch der Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler und die Bundestagskandidatin Rebecca Hummel teilnehmen. Am kommenden Donnerstag, 17.01.13 ab 19:00 Uhr im Gasthof Hirsch in Bad Urach werden das achtzackige Hefegebäck ausgewürfelt. Natürlich besteht auch die Möglichkeit mit den Politikern ins Gespräch zu kommen und in lockerer Atmosphäre über Kommunal-, Landes- und Bundespolitik zu diskutieren. Oder eben einfach nur sein Glück beim Würfeln auf die Probe zu stellen.

Betr.: Gemeinschaftsschule

Endlich kommt mit der Gemeinschaftsschule nach jahrelangem Stillstand wieder Bewegung in die erstarrte Schullandschaft. Ich argumentiere vor dem Hintergrund meines eigenen Werdegangs: Grundschule an einer Einklassenschule, Gymnasium bis zum Abitur und zeitweise Gastschüler an der Waldorfschule, Student an einer Jena-Plan-Schule, Lehrer an Volksschulen, Weiterstudium an der Universität, Leiter einer Einklassen-schule, 24 Jahre lang Rektor an Grund- und Hauptschulen (darunter an einer Modellschule), Schulrat und zuletzt Hochschullehrer an der Pädagogischen Hochschule Weingarten.

In diesen vielen Jahren habe ich immer wieder erfahren, wie wichtig es ist, Kinder und Jugendliche individuell und differenziert zu unterrichten. Die viel zu frühe Aussortierung der Schüler nach Klasse 4 der Grund-schule in die 3 gängigen Schularten ist falsch, weil sie dort unter der Annahme unterrichtet werden, die Klasse sei homogen zusammen-gesetzt und man könne allen im gleichen Umfang und zeitgleich das-selbe Bildungsangebot vermitteln.

Die Gemeinschaftsschule ist nur die folgerichtige Weiterentwicklung, die leider sehr schnell vorangetrieben werden musste, um überhaupt etwas zu bewegen. Die "neue Lernkultur" ist gar nicht so neu, denn die  Konzeptionen greifen vielfach auf das Gedankengut der Reformpäda-gogik des letzten Jahrhunderts zurück: Lernen in Gruppen statt im Klassenverband, individuelle Förderung frei vom Notendruck, kein Sitzenbleiben, Wochenpläne, Helfersystem und vor allem Freude an der Arbeit stehen im Mittelpunkt. Schule wird unter diesen Perspektiven auch für die Lehrenden verschiedener Schularten wieder interessanter, wenn sie kooperieren, gemeinsam Gedanken austauschen, Ziele und Lern-wege erarbeiten und differenziert anbieten können.

Gemeinschaftsschulen könnten auch dazu beitragen, Schulen im ländlichen Raum zu erhalten. Die Schüler dürften  im Ort bleiben statt unnötige Fahrwege zu zentralen großen Schulen zurücklegen zu müssen. Die derzeit geforderte Zweizügigkeit wäre aber für kleinere Schulen nicht unbedingt notwendig.

Wer weiterhin am Dreigliedrigen Schulsystem festhält, hat nicht erkannt, welche Lehr- und Lern- und Arbeitsformen auch im Blick auf die dramatisch veränderte Medienwelt heute wichtig sind.

Und wer das alles nicht glauben will, sollte sich doch einmal schon bestehende Gemeinschaftsschulen oder andere Reformschulen ansehen und dabei feststellen, dass diese Schulform für viele Kinder und Jugendliche der richtige Weg ist.