Antrag zu „Arbeit und Ausstattung der Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUAs) und des Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamts Aulendorf (STUA)“

Landtag von Baden-Württemberg                                   Drucksache 15 /535

15. Wahlperiode                                                     Eingang: 22.09.2011  14:50

Antrag

der Abg. Klaus Käppeler u. a. SPD Arbeit und Ausstattung der Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUAs) und des Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamts Aulendorf (STUA)  

Der Landtag wolle beschließen,

die Landesregierung zu ersuchen

zu berichten,

1. wie sich das Aufgabenspektrum der Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUAs) und des Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamts (STUA Aulendorf) aufgrund der Verschärfung von Grenzwerten, neu ins Bewusstsein geratenen Schadstoffen, neuen EU- und Bundesvorgaben und sogenannten Lebensmittel- und Futtermittelskandalen in den vergangenen Jahren entwickelt hat;

2. welche Kosten die CVUAs und das STUA Aulendorf in den vergangenen fünf Jahren (jeweils getrennt für Personalaufwand und Sachkosten) verursacht haben;

3. in welchem Umfang in den vergangenen fünf Jahren Anschaffungen und Investitionen in den CVUAs und im STUA Aulendorf vorgenommen wurden, insbesondere auch für Messtechnik;

4. wie sich in den genannten Einrichtungen die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den vergangenen fünf Jahren entwickelt hat und welche weitere Personalentwicklung bislang vorgesehen war bzw. ist;

5. ob und inwieweit bei der Personalentwicklung sichergestellt war bzw. ist, dass ein ausreichender Einstellungskorridor zur Gewährleistung der erforderlichen Sachkunde vorhanden ist.

21.09.2011

Käppeler, Winkler, Reusch-Frey, Kopp, Storz SPD

Begründung

Im Zuge der immer wichtiger werdenden Überprüfung von Lebens- und Futtermitteln wie auch Textilien, Spielzeug und anderen Bedarfsgegenständen spielen die CVUAs und das STUA Aulendorf eine zentrale Rolle, da sie für alle unteren Verbraucherschutzbehörden die sehr wichtigen Analysen durchführen. Eine Schwächung dieser Einrichtungen würde die erforderlichen und gewünschten Verbesserungen des Verbraucherschutzes im Land verhindern.

Die Antwort der Landesregierung auf diesen Antrag findet sich unter folgendem Link:

 

 

Related Links

Gesundheitstag Eningen: Damit der Körper schwungwoll bleibt

Zuvor hatte Eningens Bürgermeister Alexander Schweizer auf das klare Bekenntnis der Kommune zur Gesundheitsfürsorge hingewiesen. Man unterstütze den Bau moderner Hausarztpraxen und werbe um die Ansiedlung von Nachwuchsmedizinern in Eningen. Mit Sporteinrichtungen und zwei Sportvereinen verfüge Eningen über eine ausgezeichnete Gesundheitsinfrastruktur.

24 Aussteller aus Eningen und Umgebung präsentierten Gesundheitsdienstleistungen, aber Produkte vom calcium- und magnesiumreichen Mineralwasser bis hin zum Toilettenaufsatz bei eingeschränkter Mobilität im Alter.

Nach den Grußworten von Bürgermeister und Landrat forderte Dr. Barbara Dürr, verantwortlich für die Gesamtorganisation, zu einem Rundgang in und um die Halle auf. Die Landtagsabgeordneten Karl-Wilhelm Röhm und Klaus Käppeler schlossen sich dabei Reumann und Schweizer an. Vor dem Rundgang durften sie sich mit einem Saft aus Obst von Eninger Streuobstwiesen stärken.

»Wie steht’s mit Ihrem Rücken?«, fragte wenig später Sportwissenschaftler Christoph Anrich, der sich mit einigen Matten und Geräten auf der Empore eingerichtet hatte. Bürgermeister Alexander Schweizer erklärte sich bereit, sich auf Beweglichkeit und eventuelle Verspannungen untersuchen zu lassen. Mit zufriedenstellendem Ergebnis, das Anrich jedoch optimieren konnte durch Lösen von Blockaden und Übungen unter Einbeziehung von Erkenntnissen aus der Hirnforschung – das tue gut, fördere die Lebensqualität und werde deshalb auch angenommen, so der Sportwissenschaftler, der derzeit zusammen mit dem Reutlinger Gesundheitsamt im Rahmen eines Pilotprojekts die Fitness von Vorschulkindern bis zu Hochbetagten untersucht.

 

Anrich legte den Kommunal- und Landespolitikern besonders ans Herz, alles zu tun, um bettlägerige ältere Menschen wieder mobil zu machen. Mit Übungen, bei denen das Gleichgewicht geschult werde und bei denen Kraft aufgebaut werde, sei das bei vielen möglich. »Wir zahlen die volle Pflege, tun aber nichts, um diese Menschen wieder in die Mobilität zu bringen.«

Schmerzfrei leben – das war der Wunsch vieler Menschen, die an diesem sonnigen Tag in die Grieshaber-Halle fanden. Und so waren die Stände, die eine bestimmte Schmerztherapie anboten, besonders gut besucht. Andere Standbetreiber klagten dagegen über wenig Interesse, so am Mineralwasserstand oder dem Beratungs- und Informationsstand einer Krankenkasse.

Aha-Erlebnisse gab’s bei den Vorträgen rund um das Thema »Hüfte-Knie-Schulter«. Es wurde unter anderem erörtert, warum Schulterverletzungen so lange nachbehandelt werden müssen und was bei der Reha nach Stürzen beachtet werden muss. Bei allen drei Vorträgen drängten sich rund 80 Besucher in das TSV-Vereinsheim.

(Quelle: Reutlinger Generalanzeiger vom 18.10.2011; Autorin: Magdalena Kablaoui)

Related Links

Klaus Käppelers Redebeitrag zur Bildungsdebatte im Baden-Württembergischen Landtag vom 13.10.2011

PLENUM   15. Sitzung, 13.10.2011  

 

7. a)  Antrag der Fraktion der FDP/DVP und Stellungnahme des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport
Zukunft der Werkrealschule
Drucksache 15/205

 

b)  Antrag der Fraktion der CDU und Stellungnahme des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport
Vorliegende Anträge auf Einrichtung der sogenannten Gemeinschaftsschule
Drucksache 15/356 (geänderte Fassung)

Frau Präsidentin,

meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen!  

Seit über dreißig Jahren erlebe ich hautnah und persönlich als Lehrer und als Schulleiter alle Rettungsversuche für die Hauptschule.  In der Hauptschule wurde die Orientierung in Berufsfeldern eingeführt, lange bevor die Realschule mit BORS und das Gymnasium mit BOGY nachzogen. Die Projektprüfung erfuhr hier ebenso  ihre Feuertaufe wie die Fächerverbünde. Mit dem guten Start in der Hauptschule versucht man frustrierte Kinder zu motivieren.

Dabei hat die Akzeptanz dieser weiterführenden Schule immer weiter abgenommen. Wobei es da deutliche Unterschiede zwischen ländlich geprägten Hauptschulen und den sog. Brennpunktschulen in den Städten zu beobachten war.  

Mit der Einführung der Werkrealschule neuen Typs wollte die alte Landesregierung ein weiteres Mal etwas retten, was nicht zu retten ist: Nur noch drei Prozent der Eltern in der Grundschule wünschen sich nach der neuesten Allensbach-Studie für ihr Kind die Hauptschule. Mit der Maßgabe der Zweizügigkeit haben Sie das Ende der Hauptschule eingeläutet und die neue Werkrealschule als das Heil verkauft. Dabei hatte man den Eindruck, dass der damalige Finanzminister Bildungspolitik betrieben hat und nicht die Fachleute aus dem Ministerium. Sie haben kleine Hauptschulen gedrängt, ihre Selbständigkeit zugunsten eines Zusammenschlusses mit der Nachbarschule aufzugeben. Sie haben bewusst in Kauf genommen, dass kleine Hauptschulen im Ansehen weiter gelitten haben, weil sie die Werkrealschulen als die bessere Alternative propagiert haben.

Dabei waren gerade die Hauptschulen in den ländlich geprägten Gegenden durchaus erfolgreich. An meiner Schule beispielsweise haben in den vergangenen Jahren 70% der Schülerinnen und Schüler den Weg in die zweijährige Berufsfachschule genommen, in der sie eine Mittlere Reife erwarben, die eine hohe Akzeptanz in der Wirtschaft hat. Oder sie  fanden den direkten Einstieg in den Beruf.  

Mit der vorgesehenen Kooperation mit den Berufsfachschulen in der 10. Klasse haben Sie eine organisatorische Missgeburt gezeugt, die Gleichartiges noch nicht gesehen hat.

Vor zwei Jahren war ich zu einer Besprechung eingeladen, bei der das Staatliche Schulamt den Schulleitern von Haupt- und Werkrealschulen einerseits und Berufsschulen andererseits erklärte, wie dies zu organisieren sei. Ich spare mir die Bemerkungen der Betroffenen. Die Schulbehörden hatten jedenfalls Mühe, sich loyal zu verhalten, Kollegen waren fassungslos, Kopfschütteln allerseits.

Mich würde interessieren, wer Ihnen dieses Modell verkauft hat, dass die Klassenverbände aufgelöst und die Schüler zwei Tage an der Berufsfachschule, die anderen drei Tage  an der Werkrealschule unterrichtet werden sollten.  Ich habe jahrelang in den oberen Klassen der Hauptschule unterrichtet. Glauben Sie mir, diese Schülerinnen und Schüler brauchen den Klassenverband, brauchen einen Klassenlehrer als Bezugsperson, die möglichst viel in der Klasse und nahe bei den Schülern ist. Nur wenn der Lehrer oder die Lehrerin seine Schüler sehr gut kennt ist eine optimale individuelle Förderung möglich.

 „Der Verlust an pädagogisch kontinuierlichem Arbeiten ist aus Sicht der neuen Landesregierung nicht zumutbar“ heißt es in der Antwort auf Ihren Antrag. Glauben Sie mir, im Kollegenkreis wurde über diesen Plan nicht so höflich gesprochen.

Seien Sie froh, dass Sie die Verantwortung nicht mehr tragen und danken Sie uns, dass wir hier Korrekturen vornehmen – Sie ersparen sich damit Schmäh und Spott.  

Zu den vorliegenden Anträgen auf Einrichtung der sogenannten Gemeinschaftsschule:

Gemeinschaftsschule ist keine Schule, in der alle Kinder zu einem Einheitsbrei geschlagen werden und sie hat auch keine Einheitslehrer die – Ihrem Weltbild entsprechend – den Kampfbegriffen von Einheitsfront oder Einheitspartei entspricht! Die Gemeinschaftsschule zeichnet sich gerade dadurch aus, dass sie Unterschiede zulässt, fördert und so jedem Kind in seiner Verschiedenartigkeit gerecht wird. Ein hoher Anspruch, fürwahr – aber lohnt es sich nicht, dafür mal die Scheuklappen abzulegen, Neues zuzulassen. 

Ja wir haben diese neue Schulform so genannt, und wenn sie diese Schule noch so oft mit Apostroph versehen, als etwas Unanständiges, als etwas, was man am besten nicht anfasst.  

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen von den Oppositionsbänken:

Einmal mehr werden Sie erkennen, dass der Bürgerwille mit Ihren verkrusteten und zementierten Vorstellungen nicht übereinstimmt:

Das Interesse an der Auftaktveranstaltung zur Gemeinschaftsschule in Ludwigsburg vergangene Woche war überwältigend. Und die Resonanz auf diese Veranstaltung ebenso, von Schulräten, Lehrern bis hin zu Bürgermeistern.

In der Begründung für Ihren Antrag formulieren Sie, dass „die Bürgerschaft auf ein differenziertes Bildungsangebot mit Haupt- und Werkrealschulen, Realschulen sowie Gymnasien verzichten muss“. Wenn Sie sich mit den Eckpunkten der Gemeinschaftsschulen auseinandergesetzt haben, dann wissen Sie, dass gerade die Bürger vor Ort, die Schulen und die Schulträger darüber entscheiden, ob sich eine ihrer Schulen auf den Weg macht, Gemeinschaftsschule zu werden.

Die Eltern müssen also auf nichts verzichten – im Gegenteil, ihnen werden neue Möglichkeiten eröffnet. 

Vor 10 Jahren noch haben Sie vehement die Ganztagesschule abgelehnt – und es hat lange gedauert, bis Sie den real existierenden Bedarf an Ganztagesbetreuung akzeptiert haben.

Noch heute verteidigen Sie ein selektives und sozial ungerechtes Schulsystem, als ob man Ihnen ein Heiligtum zerstören würde. Auch hier übergehen Sie die Meinung der Eltern, die sich von der Hauptschule abgewandt haben. 97 % sehen ihre Kinder in einer anderen Schule – einschließlich der Gemeinschaftsschule.

Die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land lassen sich von Ihnen nicht vorschreiben, was für Ihre Kinder gut ist. Das bestimmen sie selbst. Und das ist gut so.

Klaus Käppeler zu Gast beim Hüttenwochenende der Jusos Hechingen/Haigerloch

Ansprechpartner der Jusos bei ihrer Tagung in der Kolpingshütte in Boll waren der Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler und der Hechinger SPD-Fraktionschef Jürgen Fischer. Einen Willkommensgruß entbot ihnen der Vorsitzende Marius Thoy.

Klaus Käppeler hob die Wichtigkeit des Bahnprojekts Stuttgart 21 hervor. Es handele sich hierbei nicht nur um einen Bahnhof, sondern um das wichtigste Infrastrukturprojekt der letzten Jahrzehnte. Nahezu 100 Jahre sei der Bahnhof in Stuttgart nicht mehr grundlegend modernisiert worden. Nun sei es bitter nötig. Warum verweigert sich ein Teil der Baden-Württemberger so dagegen? Das fragten sich Käppeler und die Runde – und gingen auch auf die Argumente der S21-Gegner ein. Dabei wurde die Umweltzerstörung durch Abholzung einiger Bäume relativiert. Es würden zwar Bäume gefällt, aber die viel größere Fläche des Kopfbahnhofes im Gegenzug mit neuen Bäumen bepflanzt. Außerdem würden in Stuttgart zu sämtlichen anderen Baumaßnahmen zirka 300 bis 400 Bäume im Jahr gefällt. Der bestandene Stresstest des Projekts bestätige die Richtigkeit des Projekts, unterstrich Käppeler. Das Gegenkonzept K21 weise zu viele Schwächen auf. Denn ein Kopfbahnhof mit größerer Kapazität benötige mehr Fläche, da er wesentlich mehr Gleise besitze und die Verkehrsführung in den Vororten viel komplizierter sei, da man nur aus einer Richtung in den Bahnhof einfahren könne.

Als die Runde in einem gemütlichen Abend endete, äußerte sich Käppeler sich noch zur akuellen Diskussion um die Pkw-Maut. Käppeler befürwortet eine solche Maut. Die Umsetzung muss allerdings richtig angegangen werden. Und: Es bestehe keine Notwendigkeit, eine Maut zu erheben, die den Betrag von 76,50 Euro überschreitet.

Jürgen Fischer berichtete beim Frühstück am folgenden Morgen aus dem Hechinger Der 2. Vorsitzende der Jusos, Nils-Simon Fischer, überreichte Fischer zum Dank einen edlen Tropfen und beendete damit die sehr aufschlussreiche und interessante Tagung.

(Quelle: SWP vom 12.10.2011)

Related Links

Weinrauchs Musik führt Gemeinderäte nach Frankreich

Es war ein besonderer Anlass, der die Gemeinderäte Bärbel Walzer, Kurt Betz, Bruno Auchter, Siegfried Waidmann mit Ehefrau Tanja, Klaus Käppeler, Bürgermeister Hubertus-Jörg Riedlinger und Nathalie Waidmann als Übersetzerin, 1000 Kilometer zurücklegen ließ: die Auftritte des Ernest Weinrauch-Chores in den Kirchen von La Tessoualle und der Kreisstadt Cholet (wir haben berichtet).

Dem herzlichen Empfang im Rathaus von Bürgermeister Marc Gental schloss sich am Folgetag ein interessantes Besichtigungsprogramm an: So wurden einem Türenschreinereiunternehmen und einer Kücheneinrichtungsfirma Besuche abgestattet. Weitere Schwerpunkte bildeten die Begehungen des Rinderhofs der Familie Barbaud, wo der frühere Bürgermeister Paul Barbaud die Zwiefalter begrüßte, sowie die Kiwi-Produktion der Familie Pousin. Auch das Kulturzentrum Tessallis und die Sporthalle wurden besichtigt. Daneben gab es um die Konzerte herum ausgiebig Zeit für einen Informationsaustausch über die Entwicklungen der Gemeinden. In La Tessoualle, unweit der Kreisstadt Cholet, wohnen mittlerweile 3100 Einwohner. Für diese wurden neue Baugebiete erschlossen; auch die Gewerbestruktur hat sich weiter optimiert. Bei den Gesprächen waren des Weiteren die unterschiedlichen rechtlichen Gemeindeverfassungen Thema. Anfallende Verwaltungsarbeiten werden in La Tessoualle in großem Umfang von der von mehreren Gemeinden gebildeten Verwaltungsgemeinschaft erledigt. An der verbleibenden Arbeit auf dem Rathaus beteiligen sich die jeweiligen Ausschussvorsitzenden, die zeitweise bei ihren privatwirtschaftlichen Arbeitsstellen dafür freigestellt werden.

Das partnerschaftliche Miteinander der beiden Gemeinderäte konnte in den Zusammenkünften und Gesprächen weiter intensiviert werden.

Als ein besonderes Ereignis gestaltete sich der gemeinsame Abschlussabend des Besuches mit den französischen und deutschen Mitgliedern des Ernest-Weinrauch-Chores in der Festhalle.

Nach vier Tagen hieß es dann schon wieder "Adieu" bis zum nächsten Treffen. Das lässt allerdings nicht lange auf sich warten: Bereits zum Adventsmarkt werden Freunde aus La Tessoualle mit einem Stand in Zwiefalten sein.

Alb-Bote online, 14.10.2011

Streik beim „Schwarzwälder Boten“

Stuttgart (spd) Der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler hat sich in den seit Januar dieses Jahres andauernden Streik der Beschäftigten beim „Schwarzwälder Boten“ eingeschaltet. Die rund 280 betroffenen Mitarbeiter des „Schwabo“ wehren sich gegen die Ausgliederung ganzer Geschäftsbereiche, was gleichzeitig den Ausstieg aus den regulären Tarifverträgen bedeuten würde. Von dieser Entscheidung sind sowohl Redakteure als auch Angestellte in der Anzeigenverwaltung und Druckvorstufe betroffen, die dann bis zu einem Drittel ihres Einkommens verlieren könnten.

Für Käppeler hat die Lösung des Konflikts beim „Schwarzwälder Boten“ Signalwirkung für die gesamte Branche. „Ich weiß, dass viele Journalisten und Angestellte anderer Zeitungen in der Region und weit darüber hinaus auf den Schwabo schauen.“ Denn sollte sich der Eigentümer Südwestdeutsche Medienholdung (SWMH) mit seiner Strategie durchsetzen, so auch Käppelers Befürchtung, werden andere Teile des Konzerns wie die Zeitungshäuser der Südwestpresse diesem Negativbeispiel folgen.

„Es kann nicht angehen, dass Tarifverträge ausgehebelt werden und Journalisten mit Hochschulabschluss und Volontärausbildung nur noch monatliche Festgehälter von knapp 900 Euro plus freiwillige Zulagen bekommen sollen“, begründete Käppeler seinen Appell an die Arbeitgeber, zum gültigen Tarifvertrag zurückzukehren. Die von der Südwestdeutschen Medienholdung vorgeschlagene neue Gehaltsstruktur für die Druckvorstufe hält Käppeler ebenfalls für skandalös. „In der Druckindustrie werden normalerweise rund 16 Euro Stundenlohn bezahlt, beim Schwabo sollen Mediengestalter künftig nicht einmal mehr die Hälfte bekommen.“ Besonders empörend findet der SPD-Abgeordnete die Pläne der SWMH, weil der Konzern wirtschaftlich hervorragend dastehe. „Hier geht es nicht um die Sanierung eines maroden Betriebes, sondern allein um Gewinnmaximierung.“

Er sei im Grundsatz ein Verfechter der Tarifautonomie, „Gewerkschaften und Arbeitgeber sollten ihre Angelegenheiten eigentlich ohne Einmischung von außen regeln“, so Käppeler. Wenn aber die Gefahr besteht, dass in einer ganzen Branche die Tarifverträge ausgehebelt werden, dürfe die Politik eine solche Entwicklung nicht einfach hinnehmen. Dies gelte für die Medienbranche sogar ganz besonders. „Journalisten sind wichtige Hüter unserer Demokratie, schlecht bezahlte Redakteure aber sind erpressbar und arbeiten irgendwann mit einer Schere im Kopf.“

Klaus Käppeler moderiert Bildungsgipfel der SPD in Heidenheim

Sie will aufgeschlossene Schulen, kritische Lehrer, mutige Eltern, und sie verspricht den „Duft der Freiheit, der durch die Schule geht“: Wo immer Gabriele Warminski-Leitheußer erzählt, wie sie als Kultusministerin 60 Jahre konservative Bildungspolitik umkrempeln will, ist durchaus Aufbruchstimmung mit im Spiel.

Und eine gehörige Portion Neugier samt gespannter Erwartungshaltung. Die brachten denn auch die rund 250 Teilnehmer eines von der SPD-Landtagsfraktion im Heidenheimer Congress Centrum initiierten Bildungsforums mit. Schulleiter, Lehrer, Eltern, kommunale Entscheidungsträger und Vertreter der Schulverwaltung nutzten die ihnen am Freitagabend gebotene Gelegenheit, die neue Kultusministerin kennenzulernen, die den aus der ganzen Region kommenden Gästen die Grundlinien des von ihr verfolgten Bildungsaufbruchs erläuterte.

Diese Bildungspolitik geht nach den Worten des Heidenheimer Landtagsabgeordneten Andreas Stoch mit einem Prozess des Dialogs und der Diskussion einher. „Wir hören zu und nehmen die Beteiligten vor Ort mit“, so der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion. „Es geht darum, Barrieren aufzulösen,“ ergänzte Klaus Käppeler, Schulpolitischer Sprecher der Fraktion. „Wir wollen keine Bildungspolitik von oben“, erläuterte schließlich die auf einen neuen Kommunikationsstil und auf Toleranz setzende Ministerin, von denen sich die anwesenden Lehrer ausdrücklich zum Querdenken und Mitdenken aufgefordert sahen. „Es wird niemand mehr bestraft in diesem Bildungssystem, der eine andere Meinung hat“, versprach die Vertreterin des Kultusministeriums, das sich durch Beratung, nicht durch Missbilligung definieren will.

Und ein großes Ziel verfolgt: Baden-Württemberg wolle die bisherige soziale Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen aus bildungsfernen Elternhäusern beenden und international auf Spitzenplätzen landen. Gute Schulen und sehr engagierte Lehrer seien das Pfund, mit dem man dabei wuchern könne, so Warminski-Leitheußer, die sich überzeugt zeigt, die Schulabbrecherquote auf null bringen zu können.

Die mit einer Abkehr vom klassischen dreigliedrigen Schulsysem verbundene rot-grüne Bildungspolitik setzt auf die Kommunen und damit auf Impulse von der Basis. Anstatt ein Raster übers Land zu legen, wolle man Angebote machen und Veränderung ermöglichen, damit sich die Schullandschaft den Bedürfnissen vor Ort anpassen könne.

Grundvoraussetzung für diesen Prozess sei eine ausreichende Unterrichtsversorgung, bei der die Ministerin noch deutliche Defizite sieht, was in der anschließenden Diskussion von Lehrerseite mehrfach bestätigt wurde. Unter gerade eklatanten Mangelerscheinungen leidet dieser Darstellung zufolge die Krankheitsreserve, die die Ministerin bis 2016 von derzeit 1,5 auf 2,5 Prozent und damit auf den Bundesdurchschnitt aufstocken will. Zudem soll die von vielen Pädagogen schlecht benotete Lehrerfortbildung verbessert werden.

Wichtiger Bestandteil des Reformpakets ist der Ausbau der Ganztagsschule. „Für die Bildungsgerechtigkeit ganz wichtig“, befand Warminski-Leitheußer, die frühere Bildungsbürgermeisterin von Mannheim, „wir brauchen da ein flächendeckendes Angebot.“ Bildungspolitisches Leitprojekt sei die Gemeinschaftsschule und damit ein neuer Schultyp, der mehr soziale Gerechtigkeit und gleichzeitig bessere Leistungen ermöglichen solle. 30 solcher Schulen sollen ab Herbst 29012 im Land starten, und auch Heidenheim rechnet sich gute Chancen aus, mit der Westschule und der Adalbert-Stifter-Realschule bei der Einführung dieser neuen Schulform dabei zu sein.

Mit einer Reform der Haupt-und Werkrealschulen will die Stuttgarter Bildungspolitikerin die Möglichkeit bieten, auch einen Realschulabschluss anzubieten. Neue Wege skizzierte sie nicht zuletzt für die Gymnasien, wo auch ein neunjähriger Zug möglich sein soll. „Ich selbst halte das G8 für falsch“, bekannte sie in Heidenheim: „Aber es gibt G8 und es gibt Städte, die damit klar kommen.“ Eine weitere Baustelle sind die beruflichen Schulen, wo man schrittweise an das strukturelle Unterrichtsdefizit herangehen will.

Ein wesentlicher Eckpunkt der bildungspolitischen Planungen stellt die Abschaffung der verpflichtenden Grundschulempfehlung dar. Beim Heidenheimer Bildungsforum wurde dieses Thema durchaus kontrovers diskutiert. Während Gabriele Warminski-Leutheußer und Andreas Stoch glühende Verfechter einer durch intensive Beratung gestützten Elternentscheidung sind, den Stress aus der Grundschule nehmen wollen, sind manche Schulpraktiker skeptisch. Sie sehen in der neuen Freiheit eher die Gefahr, dass Kinder in die falsche Schule kommen und letztlich zu Schulabbrechern werden. Lehrer seien die besten, die den schulischen Weg beurteilen könnten, denn – so eine Stimme aus dem Publikum – „Eltern haben alle die besten Kinder“.

(Quelle: Heidenheimer Zeitung vom 9.10.2011)