Fair, offen und fachkompetent

Vergangene Woche leitete der CDU-Abgeordnete Karl Traub im Landtag die letzte Sitzung des Ausschusses für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz dieser Legislaturperiode. Da Traub im März 2016 nicht mehr für den Landtag kandidieren wird, war dies auch seine letzte Sitzung als Vorsitzender dieses Gremiums. "In der Rolle als Ausschussvorsitzender habe ich mich immer sehr wohl gefühlt. In den Fachausschüssen werden nicht die großen Fensterreden gehalten, sondern es wird die eigentliche Arbeit der Landespolitik gemacht", sagte Traub. Seit 2001 ist er bereits Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses. Ihn freue, dass er jedes Mal mit den Stimmen aller Fraktionen gewählt wurde. Über 250 parlamentarische Initiativen wurden von ihm in den vergangenen 15 Jahren in den Ausschusssitzungen aufgerufen und zur Debatte gestellt. Dabei mussten unter Traubs Sitzungsleitung mit Willi Stächele, Rudolf Köberle, Peter Hauk und Alexander Bonde vier Landwirtschaftsminister dem Gremium Rede und Antwort stehen.

Quelle: SWP vom 23.12.2015

Der stellvertretende Vorsitzende Klaus Käppeler (SPD) bedankte sich im Namen der Mitglieder des Ausschusses bei Traub mit einem kleinen Präsent für seine 15 Jahre als Ausschussvorsitzender und seine stets faire und offene Sitzungsleitung, die von viel Fachkompetenz geprägt gewesen sei.

Neues Inklusionsgesetz

 Hechingen (spd). Im Rahmen einer offenen Gesprächsrunde zum neuen Inklusionsgesetz hat der SPD-Wahlreisabgeordnete Klaus Käppeler in Hechingen mit Fachleuten aus Schulen und Behinderteneinrichtungen diskutiert. Der Einladung gefolgt waren Schulleiter, Sonderpädagogen, Mitarbeiter aus der Behindertenhilfe sowie Vorstandsmitglieder des Sozialverbandes VDK. Der Termin war bewusst gewählt: Die Veranstaltung fand am „Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung“ statt. Käppeler hatte im Vorfeld über Facebook an diesen Tag erinnert und damit bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Sein Beitrag im sozialen Netzwerk wurde mittlerweile von über 3,7 Millionen Menschen gelesen und von über 30.000 Nutzern aktiv mit anderen geteilt.

"Mit der Aufhebung der Sonderschulpflicht im Sommer haben wir alle Schulen für Kinder und Jugendliche mit Behinderung geöffnet, das schließt Privatschulen und freie Träger ausdrücklich mit ein“, stellte der SPD-Abgeordnete Klaus Käppeler in seinem einführenden Vortrag klar. Das neue Gesetz ermögliche betroffenen Eltern erstmals ein qualifiziertes Wahlrecht, ihr Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf entweder an einer allgemeinen Schule oder an einer Sonderschule anzumelden.

„Die Verhandlungen mit den kommunalen Spitzenverbänden zur Finanzierung waren leider schwierig und haben sich unnötig lange hingezogen“, räumte Käppeler ein, der als Schulpolitischer Sprecher im Landtag maßgeblich an der Formulierung des Gesetzes beteiligt war. Es sei aber schließlich gelungen, eine einvernehmliche Lösung zu finden, die den Schulen eine fundierte Planung ermögliche. „Bis 2017 wird die Landesförderung für Begleitmaßnahmen schrittweise auf jährlich 30 Millionen Euro erhöht, bis 2022 werden rund 1.440 zusätzliche Lehrkräfte zur Verfügung stehen“, berichtete der Abgeordnete.

Käppeler erläuterte im Detail die organisatorischen und pädagogischen Begleitmaßnahmen, die auf eine Stärkung der Schule vor Ort abzielten. „Wir müssen an den Schulen ein Klima schaffen, durch das inklusive Beschulung bald zum normalen Schulalltag gehört“, forderte Käppeler. Die anwesenden Fachleute teilten Käppelers Einschätzung, dass an den Schulen und bei den Pädagogen eine große Offenheit für das Inklusionskonzept bestehe.

Klaus Käppeler, der seit vielen Jahren die Grund- und Hauptschule Hohenstein leitet, konnte an diesem Abend auch als Praktiker mit den anwesenden Fachleuten spezielle Themen wie das künftige Berufsbild der Sonderpädagogen oder die Integration von Menschen mit Behinderung in das Berufsleben behandeln. „Die Rückmeldungen von Fachleuten aus der Praxis zeigen, dass wir in Baden-Württemberg den richtigen Weg beschritten haben“, so Klaus Käppelers Fazit. Auch die enorme Resonanz und teilweise sehr persönlichen Kommentare betroffener Eltern auf seiner Facebook-Seite bestärkten ihn in seinem Engagement für das neue Gesetz.

Der SPD-Abgeordnete bedankte sich auf Facebook in einem Kommentar für die zahlreichen Rückmeldungen. „Wir stehen nicht am Anfang einer Entwicklung, sondern wir befinden uns in einem Prozess. Ich wünsche mir, dass wir bald nicht mehr über das ‚Ob’, sondern nur noch über das ‚Wie’ der Inklusion diskutieren. Die Reaktionen auf meinen Eintrag machen Mut.“

Obere Grenze: 15 Millionen

Die Türen zu den Klassenzimmern stehen halb offen; draußen auf dem Lichthof haben sich Schüler und Lehrer kleine Lerninseln gebaut. Zu viert üben die Kinder Mathe an runden Tischen. Platz nimmt dort, wer die neue Formel bereits verstanden hat und sich an komplizierteren Aufgaben versuchen will.

Während die Mädchen und Jungen, die noch nicht ganz so weit sind, im Klassenzimmer weiter auf Unterstützung der Pädagogen zählen können. So lange, bis auch sie wissen, wie’s geht.

Lernen an der Gemeinschaftsschule: Schüler individuell zu fördern, ist das große Thema des pädagogischen Modells, das auch die Dettinger Schillerschule seit dem Herbst 2013 praktiziert. Mit Erfolg, zieht Schulleiter Stefan Hertl jetzt eine Bilanz. Nicht nur die Schülerzahlen seien in Dettingen enorm gestiegen – und zwar von noch 17 Fünftklässlern im vorletzten Jahr der Werkrealschule auf mittlerweile 53 Gemeinschaftsschüler im ersten Jahr der Sekundarstufe. Auch das pädagogische Konzept scheint an der Schillerschule aufzugehen, betonte der Rektor am Rande eines Besuchs des Landtagsabgeordneten Klaus Käppeler (SPD), des Dettinger Bürgermeisters Michael Hillert sowie des Hauptamtsleiters Ralf Barth an der Schillerschule.

Dem verbreiteten Vorbehalt etwa, an der Gemeinschaftsschule blieben schwächere Schüler auf der Strecke (weil sie nicht ausreichend gefördert werden können), setzen die Dettinger ihre eigenen Erfahrungen entgegen: "Bei uns ist das definitiv nicht der Fall – das hat sich in den vergangenen zwei Jahren gezeigt", urteilt Stefan Hertl. Und sein Kollege Jochen Kuhn, Lehrer in besagter Matheklasse, bestätigt: In einem differenzierter Unterricht bleibe genügend Zeit für Schüler mit Fragen und Nachholbedarf. "Dann erklären wir den Sachverhalt eben einmal mehr."

Apropos differenzierter Unterricht: Den praktizieren die Dettinger rein räumlich gesehen noch in einer Art Provisorium, so Stefan Hertl. Räume für die Lerngruppen gibt es nämlich wegen des Platzmangels nicht – weswegen die Kinder momentan noch zum Üben auf den Flur ausweichen müssen. Das soll sich jedoch ändern, wenn die Gemeinde Dettingen die geplante Sanierung der Schillerschule angeht. Mit dem Großprojekt möchte der Schultträger einerseits baulich bessere Bedingungen für die Gemeinschaftsschule und ihr pädagogisches Konzept schaffen – andererseits die Weichen stellen für den in Zukunft einzigen Dettinger Schulstandort.

Wie mehrfach berichtet, hatte der Gemeinderat Mitte des Jahres beschlossen, die Uhlandschule mittelfristig zu schließen und mit allen Grundschülern in die Schillerschule zu ziehen. Ehe es soweit ist, muss die Gemeinde aber ordentlich Geld in die Hand nehmen: 15 Millionen Euro hat Bürgermeister Michael Hillert jetzt als Obergrenze für das Projekt Schillerschule definiert. "Mehr geht mit mir nicht", sagte der Rathauschef, der sich aber nochmals klar zur Gemeinschaftsschule bekannte: "Eine Gemeinde mit knapp 10 000 Einwohnern darf sich eine weiterführende Schule leisten. Das ist eine Investition in die Zukunft", urteilte Hillert – auch mit Blick auf die rund 100 Geburten, die Dettingen jährlich verzeichnet.

Was die Umbau der Schillerschule angeht, liegt der Verwaltung nun übrigens ein Entwurf vor. Selbigen will der Gemeinderat eventuell bereits in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag, 10. Dezember, 19 Uhr, diskutieren.

Der Bürgermeister hadert indes vor allem mit den Ausgaben, die die Kommune in Sachen Brandschutz für die Schiller- und Uhlandschule (kleine Lösung) aufbringen muss. "Das führt zu einem Offenbarungseid und ist selbst für eine finanzstarke Gemeinde wie Dettingen kaum zu stemmen", sagte Hillert in Richtung des Landtagsabgeordneten Klaus Käppeler. Für den Umbau der Schillerschule müsse die Gemeinde geplante Baumaßnahmen streichen – unter anderem Vorhaben in puncto Tiefbau.

Von Klaus Käppeler indessen gab’s ein Lob für die Arbeit der Pädagogen an der Dettinger Gemeinschaftsschule – und eine Ansage in Sachen Umbau. Da wolle auch das Land "eine ganze Menge" beitragen. Im Gespräch ist momentan etwa ein Drittel der förderfähigen Kosten.

Quelle: SWP vom 05.12.2015, Autorin: CHRISTINA HÖLZ

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„Inklusion bewegt viele Menschen“

Ein Eintrag auf den Facebook-Seiten des SPD-Landtagsabgeordneten Klaus Käppeler hat bundesweit ein unerwartet starkes Echo ausgelöst. Über 3,7 Millionen Menschen haben zwischenzeitlich den Eintrag Käppelers zum Thema Inklusion gelesen. Von 30.000 Facebook-Nutzern wurde der Eintrag bislang geteilt und zudem häufig mit persönlichen Kommentaren versehen. Der betreffende Eintrag besteht aus einem Zitat Käppelers aus einer Plenardebatte im Landtag: „Mädchen und Jungen mit Behinderung gehören in die Mitte der Gesellschaft – nicht an ihren Rand.“ Illustriert wird das Zitat mit einem Foto eines kleinen Mädchens mit Down-Syndrom.

„Der Eintrag war als einfache Erinnerung an den kommenden Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung in der ersten Dezemberwoche gedacht“, beschrieb der SPD-Landtagsabgeordnete seine Motivation. Er sei noch immer überrascht über das starke Echo, vor allem über die vielen Kommentare. Die zahlreichen Reaktionen zeigten, wie viele Menschen das Thema „Inklusion“ bewege und noch immer bekümmere. „In vielen Facebook-Kommentaren berichten Angehörige und Freunde behinderter Menschen von ihren Erfahrungen, darunter viele traurige Begebenheiten, aber auch positive Erlebnisse, die Mut machen“, sagte Käppeler. Viel E-Mails und Briefe, teilweise mit sehr berührenden und emotionalen Berichten, hätten ihn zusätzlich erreicht.

Dass es auch kritische Rückmeldungen insbesondere von Pädagogen und Mitarbeitern aus der Behindertenhilfe gab, ist für Käppeler ein Indiz, dass die Gesetzgebung im Land überfällig war. „Wir sind nun in Baden-Württemberg auf der Zielgeraden, die Konvention der Vereinten Nationen zu erfüllen, dass behinderte Kinder und Jugendliche Zugang zu allgemeinen Schulen haben müssen“, zeigte sich Käppeler überzeugt. Er selbst hatte als Landtagsabgeordneten federführend an der Ausgestaltung des baden-württembergischen Inklusionsgesetzes mitgewirkt.

Zum 1. August 2015 wurde im Land die Sonderschulpflicht aufgehoben. Damit haben die Eltern in ein qualifiziertes Wahlrecht, ihr  Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf entweder an einer allgemeinen Schule oder an einer Sonderschule anzumelden. Gefordert werden gruppenbezogene Lösungen, um einen möglichst umfassenden Einsatz von Sonderpädagogen im gemeinsamen Unterricht an der Grundschule oder der weiterführenden Schule gewährleisten zu können.