Einbringung des Inklusionsgesetzes

Frau Präsidentin,
meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen,

dies ist nicht die erste Schulgesetzänderung, die diese Landesregierung vollzieht. Und doch ist der heutige Tag ein ganz besonderer: Mit der Einbringung des heutigen Gesetzentwurfes wird die Sonderschulpflicht in Baden-Württemberg schon bald der Geschichte angehören. Mädchen und Jungen in unserem Bundesland werden die allgemeine Schule besuchen dürfen, auch wenn sie einen Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot haben. Sie werden nicht mehr länger aussortiert, wenn sie dies nicht wollen. Und wenn sie – oder ihre Eltern – sich doch für mehr Schonraum entscheiden und auch künftig lieber die Sonderschule besuchen, dann wird auch das möglich sein.

Die schulische Inklusion ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Aktionsplans Inklusion. Diesen hat unsere Sozialministerin Katrin Altpeter bereits in der vergangenen Woche vorgestellt.

An dieser Stelle und gleich zu Beginn möchte ich all jenen danken, die mit ganzer Kraft und Überzeugung für dieses Gesetz gearbeitet, beinahe möchte ich sagen gekämpft haben: Zuvorderst unserem Kultusminister Andreas Stoch und dem SPD-Landesvorsitzenden und Finanzminister Nils Schmid. Der ehemaligen Stabsstelle im Kultusministerium, namentlich Norbert Zeller und Daniel Hager-Mann. Norbert Zeller war Inklusion ein Leben lang ein Herzensanliegen – persönlich und beruflich. Danke auch an Sönke Asmussen, Referatsleiter Sonderschulen und dem Chefjuristen des Kultusministeriums, Felix Ebert. Ganz besonders danke ich dem Behindertenbeauftragten des Landes Gerd Weimer, der für den Inklusionsgedanken geradezu brennt. Danken möchte ich auch den Mitstreitern im Staatlichen Schulamt Tübingen und den Sonderschulen in meinem Umfeld für ihre konstruktive Begleitung in den vergangenen Jahren. Last but not least danke ich schließlich unserem Koalitionspartner für die zielführende Zusammenarbeit.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, dieses Gesetz ist ein Meilenstein in der Schulgeschichte unseres Bundeslandes. Und es macht mich stolz, dass ich als Mitglied einer Regierungsfraktion daran mitwirken durfte.

Es ist ein Meilenstein, auch weil damit mehr verbunden ist als die bloße Änderung des Schulgesetzes. Es ist ein Signal, das weit über den Bildungsbereich hinausgeht. Denn Inklusion ist eine Aufgabe für alle. Inklusion bedeutet, Berührungsängste abzubauen, alte Denkschablonen abzulegen, sich öffnen für Neues. Und es ist nicht der Endpunkt einer äußerst komplexen und in Teilen kontroversen Debatte um die Herausforderungen und Ansprüche an ein inklusives Schulsystem. Es ist ein erster notwendiger, rechtlicher Schritt, der nun mit Leben gefüllt sein will.

Es sollte jedoch nicht der Eindruck entstehen, dass wir erst am Anfang stehen. Nicht nur in den Modellregionen sondern im ganzen Land kommen Schulleitungen und mit ihnen die Lehrerinnen und Lehrer schon seit langem den Wünschen nach inklusiven Bildungsangeboten nach. Sie suchen pragmatische, unbürokratische Lösungen und sind gleichsam Pioniere der Inklusion. Durch das heute eingebrachte Gesetz wird dieses Tun gleichsam legalisiert und bekommt einen verbindlichen Rahmen, der größere Handlungsspielräume ermöglicht.

Wie kontrovers die Debatte bisweilen geführt wurde, zeigen die Positionen an beiden Enden des Inklusionsgedankens: Da steht auf der einen Seite der Philologenverband, der eine zieldifferente Beschulung am Gymnasium generell in Frage stellt. Demgegenüber positioniert sich beispielsweise die Elterninitiative Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen mit ihrer Maximalforderung nach einer vollständigen Abschaffung des Sonderschulwesens. Doch wer mit Extremen hantiert, erweist dem Inklusionsgedanken einen Bärendienst: Niemals werden wir alle Kinder über einen Kamm scheren können.

Inklusion ist eine Aufgabe für ALLE Schularten! Wir möchten, dass alle Schulen sich von dieser gesellschaftspolitischen Frage angesprochen fühlen und nicht nur wenige Schwerpunktschulen die alleinige Verantwortung übernehmen. Ich kann es nachvollziehen, wenn für viele Schulen und Schulträger der Respekt vor dieser Aufgabe enorm ist. Dennoch möchte ich sie alle ermutigen, sich mit Inklusion zu beschäftigen, vor allem die Schulleitungen und die Lehrerinnen und Lehrer.

Letztere sind jene, die den Inklusionsgedanken Tag für Tag umsetzen und leben. Ich verspreche Ihnen, wir lassen Sie mit dieser großen Aufgabe nicht allein. Und ich bin sicher, dass durch die Reform der Lehrerbildung die Akzeptanz und das Selbstverständnis gegenüber diesem Thema wachsen werden.

Die Erfahrungen an meiner eigenen Schule bestärken mich darin: Als vor einigen Jahren die ersten Kinder mit Inklusionsbedarf bei uns anklopften, standen meine Kolleginnen und Kollegen dieser Aufgabe noch mit großem Respekt und eher skeptisch gegenüber. Gemeinsam mit der Förderschule und dem Staatlichen Schulamt haben wir dann aber nach Lösungen gesucht, wie Inklusion gelingen kann. An Assistenten und Sonderpädagogen im Unterricht mussten sie sich erst gewöhnen, stellten dann aber den Mehrwert für alle Kinder fest. Heute sind die Lehrerinnen und Lehrer nicht nur an meiner, sondern an vielen Schulen davon überzeugt, dass es nur diesen Schritt in die Zukunft, den Schritt in ein inklusives Schulwesen geben kann. Die Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf sind keine Last für die Klassen, sie sind eine Bereicherung.

Spätestens seit dem von der letzten Landesregierung eingeführten Schulversuch zur Inklusion wissen wir, dass es Inklusion aber nicht zum Nulltarif geben kann. Insofern bin ich der CDU für den Schulversuch beinahe „dankbar“: Er hat unmissverständlich vor Augen geführt, dass der Wunsch nach Inklusion mehr Personal und mittelfristig auch mehr Sach- und Investitionsmittel erfordert!

Den Inklusionsgedanken, der seitens der CDU-geführten Landesregierung vorherrschte, kann ich jedoch nur in Ansätzen nachvollziehen. Für uns ist es keine Frage, dass die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf zum Klassenteiler zählen!

Wir sehen auch die Notwendigkeit, zusätzliche Lehrkräfte einzustellen – das haben Sie schon von Minister Stoch gehört. In diesem Jahr waren es für die Umsetzung bereits 200 zusätzliche Stellen. In den kommenden Jahren werden weitere 200 pro Jahr hinzukommen und fortfolgend die Zahl weiter steigen.

Inklusion kann jedoch nicht gelingen, ein Inklusionsgesetz nicht verabschiedet werden ohne den Schulterschluss mit der kommunalen Seite. Einmal mehr ist es unserem Kultusminister gelungen, hier eine gemeinsame Grundlage zu erarbeiten: Nach der Regionalen Schulentwicklung und der Ganztagsschule nun die Inklusion. Andreas Stoch hat dies mit den Kommunalen Landesverbänden in nur wenigen Monaten geschafft – allerdings in harten Verhandlungen.

Bis zu 100 Millionen stellt das Land den Kommunen zunächst als Ersatzleistung für die kommenden Jahre in Aussicht. Sollte die Praxis zeigen, dass diese Mittel nicht ausreichen, ist ein weiterer Zuschlag bereits vereinbart. Für den Schulbau gilt Konnexität. Für die übrigen Felder wie Schülerbeförderung oder Eingliederungshilfe gilt die Zusage des Landes, dass bei einer Abweichung von mehr als 10 Prozent gegenüber den Ansätzen nachverhandelt werden kann.

An die Adresse der Schulträger sei gerichtet: Nicht an jeder Schule müssen bauliche Voraussetzungen für Inklusion geschaffen werden. Begleitung und ggf. Assistenz werden wir den Schulen jedoch nach Bedarf an die Hand geben, damit Inklusion gelingen kann.

Noch kann Niemand ganz genau sagen, wie sich die Inklusion im Land entwickeln wird. Diese Entwicklung ist maßgeblich verknüpft mit der Nachfrage nach inklusiven Schulangeboten seitens der Eltern. Im Schnitt zeigen die Modellregionen einen Wert von 28% aller Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Die Zukunft wird zeigen, ob dieser Wert der Realität entspricht. Angesichts dieser Unsicherheit ist es deshalb klug, die weitere Entwicklung zu evaluieren und 2018/19 Bilanz über erforderliche Nachbesserungen zu ziehen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, abschließend will ich Ihnen verraten, dass es ein CDU-Abgeordneter war, der mir mit zwei Sätzen aus der Seele sprach. Hubert Hüppe – ehemaliger Beauftragter der Bundesregierung für Menschen mit Behinderung – Hubert Hüppe stellte unmissverständlich fest:

"Wer Inklusion will, sucht Wege. Wer sie nicht will, sucht Begründungen.“

Ich würde mir sehr wünschen, dass Sie, verehrte Kolleginnen und Kollegen der Opposition, sich ein Herz fassen und in der zweiten Lesung mit uns für dieses Gesetz stimmen. Die Welt bleibt nicht stehen, sie dreht sich weiter und all die Mädchen und Jungen mit Behinderung gehören in die Mitte dieser Gesellschaft – nicht an ihren Rand!

Vielen Dank!

Infostand

Auf Initiative des Kreisvorstandes wurde auf dem Samstagsmarkt an der Johannesbrücke in Hechingen ein Info-Stand aufgebaut. Trotz des herrlichen Wetters und der Anwesenheit von MdL Klaus Käppeler sowie des Kreisvorsitzenden Alexander Maute, war der Besucherandrang recht verhalten. Die wenigen Interessenten wurden jedoch, vor allem von Klaus Käppeler, kompetent informiert.

Spätlese · NACHHALTIGKEIT: Immer die Radfahrer

Ein Zentimeter dürfte Metzingens OB Fiedler gestern davon getrennt haben, sich, sein Leben, seine Wünsche, Träume und Hoffnungen wahlweise neu zu überdenken oder ganz aufzugeben. Es war so ein Tag, wie er im Leben von Kommunalpolitkern hin und wieder vorkommt. An solchen Momenten hält Landrat Reumann seine Rede unter einem breitkrämpigen Strohhut, der Landtagsabgeordnete Käppeler grinst in kurzen Hosen und hautengem T-Shirt an sein Fahrrad gelehnt über das vom Landrat ausgesprochene Lob, heute besonders dynamisch auszusehen, und OB Fiedler liegt ausgestreckt mitten auf dem Kelternplatz auf dem Rücken.

Wobei sein weißes Hemd und die feine Nadelstreifenhose schwer damit zu kämpfen haben, eine gewisse Restseriosität auszustrahlen, was ihnen insofern nicht leicht gemacht wird als ein Herr in Mountainbikemontur mit einem BMX-Rad unentwegt über den in Reglosigkeit erstarrten OB drüberhüpft. All diese Szenen für sich genommen, hätten durchaus das Format frei nach Ken Keseys Roman "Einer flog über das Kuckucksnest" in einer Welt ohne allzu starre Konventionen zu spielen, wobei solche Freiheiten in der Regel solchen Orten vorbehalten bleiben, die oft von gummiverstärkten Wänden umschränkt sind. Doch in Wirklichkeit ist der Strohhut der Sonne geschuldet, das hautenge T-Shirt den modischen Erfordernissen modernen Radfahrens. Und die rückwärtige Lage des OB sowie das springende Fahrrad gehörten zur Show-Einlage beim Start der Nachhaltigkeitstour. Nun aber zurück zu dem einen Zentimeter: Um so viel verfehlte der Stuntman den OB. Insofern war auch die Show geprägt von Nachhaltigkeit.

Quelle: SWP vom 15.06.2015, Autor: Peter Kiedaisch

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Ein „gelungenes Konzept“

Ganz unaufgeregt und auf die Minute pünktlich fuhr der Umweltminister in seinem Brennstoffzellenfahrzeug vor. Er bedankte sich bei der Architektenkammer für die Beteiligung an den Nachhaltigkeitstagen, an denen insgesamt 870 Veranstaltungen und Aktionen in Baden-Württemberg stattfanden. Eine davon war die Führung durch das Biosphärenzentrum, das laut der stellvertretenden Bezirksvorsitzenden der Architektenkammer Tübingen, Monika Fritz, unter Berücksichtigung der Denkmalschutz-Auflagen und in Anwendung energetischer Grundsätze mit hoher gestalterischer Qualität saniert wurde. Klimaveränderungen und ihre Auswirkungen machten eine Anpassung im Bausektor notwendig, es müssten neue Strategien entwickelt werden.

Im Biosphärenzentrum ist dies zweifellos gelungen. Architekt Ralf Straub beschrieb, wie aus den beiden benachbarten Gebäuden mit einstiger Kommandobarracke und ehemaligem Wachgebäude ein attraktives Informationszentrum mit jährlich rund 20 000 Besuchern entstanden ist. Die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude wurden mit einem, sich den Bestandsgebäuden untergeordneten, Glasbau verbunden, in dem sich die zentrale barrierefreie Erschließung und der Foyerbereich befinden. In der ehemaligen Kommandobarracke sind eine interaktive Ausstellung, Büroräume des GeoParks, Multifunktions- und Seminarräume sowie Büros der Biosphärenverwaltung untergebracht. Im ehemaligen Wachgebäude gibt es ein Café, im Bereich der einstigen Arrestzelle im Obergeschoss sind kleine Vortragsräume eingerichtet. Die in den Jahren 1898 bis 1910 errichteten Bestandsgebäude wurden energetisch saniert mit der Zielsetzung, die Vorgaben der Energieeinsparverordnung um 30 Prozent zu unterschreiten ohne die Anforderungen des Denkmalschutzes zu beeinträchtigen.

Durch eine hervorragende Dämmung der Innenwände, einen effizienten Energieeinsatz und eine Pellettheizung in einem eigens konstruierten Anbau gelingt eine Unterschreitung sogar um 60 Prozent. „Es wurden ausschließlich Baustoffe aus der Region verwendet“, betonte Straub und erntete für das gelungene Ensemble ein dickes Lob von Franz Untersteller. „Hier wurde etwas gemacht, das in die Zukunft weist. Das ist ein gelungenes Konzept in Bezug auf Energie und Nachhaltigkeit“, freute er sich. Flankiert von dem Bundestagsabgeordneten Michael Donth (CDU), von den Landtagsabgeordneten Klaus Käppeler (SPD) und Thomas Poreski (Grüne) sowie von Bürgermeister Mike Münzing, Petra Bernert (Leiterin des Biosphärengebiets), Tobias Brammer (Biosphärenzentrum) und den Architekten Ralf Straub und Andreas Hartmaier, schaute sich der Umweltminister interessiert in den Räumen um. Er streifte durch die Ausstellung, ließ sich die Region mit ihrer Landschaft und ihren Besonderheiten wie der Schneckenzucht oder der Schäferei vorstellen und zeigte sich begeistert über den Aufbau der Ausstellung, die er gleich selbst interaktiv erlebte. Bürgermeister Mike Münzing nutzte die Gelegenheit, auf die Situation des Alten Lagers, die nach wie vor in der Schwebe ist, hinzuweisen. „Es ist wichtig, dass das Ensemble im Ganzen erhalten bleibt“, betonte er und berichtete von einem Investor, der hier ein ganzes Biosphärendorf mit Forschung, Bildung, Gastronomie, regionalen Produkten und vielem mehr einrichten will. „Nun hoffen wir, dass endlich eine gemeinsame Lösung mit der BImA als Eigentümerin zustande kommt. Die BImA muss endlich mal Ja sagen“, so Münzing.

Umweltminister Untersteller ließ sich Zeit und freute sich über die Art und Weise, wie Nachhaltigkeit hier im Biosphärenzentrum sichtbar gemacht wird. „Nachhaltigkeit macht nur Sinn, wenn sie von der Breite der Bevölkerung mitgetragen wird“, meinte er.

Quelle: SWP vom 14.06.2015, Autorin und Foto: Maria Bloching

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Katrin Reichenecker neue SPD-Vorsitzende

Der Bericht des scheidenden Vorsitzende Michael Schwarz war geprägt von den Ereignissen rund um die Kommunalwahl 2014. Auch Kassierer Steffen Hummel gab seinen Rechenschaftsbericht ab.

Der Tagesordnungspunkt Neuwahlen nahm im weiteren Verlauf des Abends viel Platz ein, da sich der erste Vorsitzende Michael Schwarz nach 18 Jahren an der Spitze des Ortsvereins auf eigenen Wunsch nicht mehr für das Amt zur Wahl stellen wollte. Gleiches galt für die 2. Vorsitzende Liliane Richter und für Schriftführer Tommy Pesch. Neu gewählt zur ersten Vorsitzenden wurde die Sirchinger Ortsvorsteherin Katrin Reichenecker. Zur 2. Vorsitzenden ernannte die Versammlung die Bad Uracher SPD-Stadträtin Marlene Eggert.

Als weiterer 2. Vorsitzender wurde Horst Thielkes im Amt bestätigt. Auch Kassierer Steffen Hummel wurde wieder gewählt. Neuer Schriftführer ist Manfred Wendler.

Die neuen Beisitzer sind: Heidemarie Pfeiffenberger, Michael Schwarz, Martin Lorenz.

Als Kreisdelegierte vertreten Katrin Reichenecker, Marlene Eggert, Horst Thielkes, Manfred Wendler, Eberhard Hübner und Walter Mogg den Ortsverein Bad Urach/Dettingen. Im Anschluss berichteten Fraktionsvorsitzende Marlene Eggert aus der Arbeit im Gemeinderat sowie Klaus Käppeler (MdL) aus der Landespolitik. Dabei sorgten die Themen Bildungspolitik und Gesundheitsversorgung für angeregte Diskussionen.

Quelle: SWP vom 12.06.2015

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Jahreshauptversammlung des SPD-Ortsvereins Münsinger Alb

Neben den üblichen Regularien standen noch zwei weitere gewichtige Tagesordnungspunkte auf dem Programm des Abends, nämlich die Ehrung langjähriger und verdienter Mitglieder sowie das derzeit auch für Münsingen aktuelle Thema Gemeinschaftsschule.

Als besonderen Gast durfte Ortsvereinsvorsitzender Jochen Klaß außerdem den SPD-Landtagsabgeordneten des Wahlkreises Klaus Käppeler begrüßen.

In seinem Rückblick betonte  Klaß v.a. den überwältigenden Erfolg des Ortsvereins bei den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr. Mit 30 % hat die SPD hier sogar die traditionelle Hochburg Mannheim übertroffen und gehört somit zu den erfolgreichsten SPD – Ortsvereinen Baden-Württembergs.

Das Geheimnis dieses Erfolgs sieht Klaß in der Zusammensetzung der Liste, die die SPD in Münsingen noch als echte Volkspartei auswies.

Nach dem Kassenbericht von Oliver Bott und dem Bericht des Kassenprüfers Jan-Dirk Naegelsbach nahm Klaus Käppeler die Entlastungen vor. Sowohl der Kassier wie auch der gesamte Vorstand wurden durch die anwesenden Ortsvereinsmitglieder einstimmig entlastet.

Käppeler übernahm auch anschließend die Ehrungen verdienter Mitglieder des Ortsvereins :Mit der goldenen Nadel für 50-jährige Mitgliedschaft  wurden Heinz und Traude Linder sowie Marie-Luise Mayer ausgezeichnet.Heinz Linder erwarb sich besondere Verdienste als langjähriger Vereins- und Fraktionsvorsitzender, während Marie-Luise Mayer sich viele Jahre als Mitglied des Gemeinderats und in ihrer 40-jährigen Verwaltung der Kasse um den Ortsverein verdient gemacht hat. Traude Linder war als Schriftführerin im Ortsverein tätig.

Für 40 Jahre Zugehörigkeit zum Ortsverein und langjährige Arbeit im Ortschaftsrat in Dottingen an der Seite von Ludwig Baisch wurde Ulrich Eberbach geehrt.

Der thematische Teil des Abends war der Gemeinschaftsschule gewidmet. Während Klaus Käppeler das Thema von der Ebene der Landespolitik aus beleuchtete und dabei die Gründe für die Einführung der Gemeinschaftsschule erläuterte, ging die Schulleiterin der Schillerschule Nicole Breitling anschließend auf die konkrete Situation  vor Ort ein.

Sie zeigte auf, wie sich Unterricht in den letzten Jahren gewandelt habe: Individueller,stärker auf die unterschiedlichen Lerntempi der Schüler ausgerichtet und vernetzter gehe es zu. Und obwohl die Schule bereits jetzt auf einem sehr guten Weg sei, müsse doch bei der Weiterentwicklung der Schillerschule zur Gemeinschaftsschule noch ein gehöriges Stück Arbeit bewältigt werden, meinte Breitling zum Abschluss.

Beide Referenten beantworteten anschließend in der Diskussion noch offene Fragen  der Mitglieder der Versammlung.

Für längeres gemeinsames Lernen

Eine besondere Liebe verbinde ihn mit dem engagierten Bisinger Ortsverein, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler zu Beginn seiner Präsentation zum Thema Bildungspolitik im "Grünen Baum" in Zimmern. Dieser gehörte einst zum Wahlkreis Käppelers. Am Donnerstagabend hatte der Ortsverein zur Gesprächsrunde zum großen Thema Schule eingeladen.

Bildungspolitik und Schulentwicklung sind auch in Bisingen seit geraumer Zeit ein brisantes Thema. Die Zeit der Werkrealschule scheint abgelaufen. Gerade noch neun Schüler waren für das Schuljahr 2014/15 für die fünfte Klasse der Werkrealschule angemeldet worden, mindestens 16 Schüler sind erforderlich. Für das kommende Schuljahr sind die Aussichten ebenfalls schlecht, nur sechs Anmeldungen liegen vor. Alternativen sind die sogenannte "neue Realschule" oder die Gemeinschaftsschule.

Auf die Frage, was er als schulpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion und als Rektor der Hohensteiner Grund- und Hauptschule empfehlen würde, antwortete Käppeler, dass er persönlich immer für längeres gemeinsames Lernen sei. Es komme vor allem auch darauf an, was das Kollegium wolle und wozu es bereit sei.

So sei die Gemeinschaftschule ein Konzept, das man von innen heraus gestalten muss. Auch SPD-Kreisvorsitzender Alexander Maute, der als Lehrer in Rangendingen tätig ist, bestätigte diese Ansicht. Man müsse sich als Kollegium auf diese veränderte Pädagogik einlassen und sich gemeinsam auf diesen Weg machen. Dieser sei jedoch, wie er aus eigener Erfahrung sagen könne, ein sehr fruchtbarer. "Ich erlebe, dass die Schüler mit Lust lernen", sagte Maute.

Die Stimmung zur Gemeinschaftsschule ist im Bisinger Ortsverein eine durchaus Positive. Die Einführung des Konzeptes Gemeinschaftsschule war jedoch nur ein Aspekt, den Klaus Käppeler in seiner Präsentation "Bildungsaufbruch 2016, eine Erfolgsbilanz" beleuchtete. Der Wechsel 2011 habe sich aus Sicht der Bildungs- und Schulentwicklung gelohnt. Man habe in die Schulsozialarbeit investiert, Ganztagesangebote ausgebaut und nicht zuletzt den Elternwillen gestärkt. Gemeint ist der vieldiskutierte Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung. Die Frage der Vorsitzenden Gisela Birr, ob dadurch der Druck von den Kindern gefallen sei, beantwortete der Landtagsabgeordnete mit einem klaren Ja.

Dass zukünftig jede Schule inklusiv sein würde, sei ebenfalls ein großer Erfolg. Die Möglichkeit ihr behindertes Kind auf eine Sonderschule zu schicken, bleibe den Eltern jedoch weiterhin erhalten.

Auch Kritik am politischen Schaffen seiner Partei erklang an diesem Abend. So hätte man aus seiner Sicht die Umkehr von 44 Gymnasien zu G 9 nicht genehmigen sollen, was er im Nachhinein feststellen musste. Dies habe letztendlich zu sehr viel Verwirrung geführt.

Quelle: SWP vom 13.06.2015, Autorin: Karin Iova

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