Kultur als wichtiger Standortfaktor

Höhepunkt der Veranstaltung, die unter dem Motto »Rot in den Mai« stand, war eine Gesprächsrunde mit Nils Schmid und seinem Namensvetter, dem Unternehmer Carl-Heiner Schmid, zum Thema »Wirtschaft, Bildung und Kultur – Solitäre oder Teamplayer?«. Bernd-Ulrich Steinhilber befragte sowohl den SPD-Minister als auch den Unternehmer zu ihrer Beziehung zur Kultur, zum Stellenwert von Bildung und Kultur in der Region und zu Zusammenhängen und Abhängigkeiten, die sich im Zusammenspiel der drei Standortfaktoren ergeben. »Jeder soll die Chance haben, weiter zu kommen«  Als sein wichtigstes Anliegen nennt Carl-Heiner Schmid, in seinem Unternehmen jedem das gleiche Bildungsangebot zu ermöglichen: »Mein Grundsatz ist: Jeder soll die Chance haben, weiter zu kommen, unabhängig davon, ob er von der Haupt- oder Hochschule kommt.« Großen Wert lege er vor allem auf eigenverantwortliches Handeln seiner Mitarbeiter. Gerade durch die duale Aus- und Weiterbildung und die weitreichenden Qualifizierungsangebote an der HS-Führungsakademie – bestehend aus Kursen und Trainee-Programmen – würde dieses Ziel gefördert: »Wir wollen unseren Mitarbeitern eine Zukunft bieten«, so Schmid, der in den letzten 30 Jahren eine im Bereich des Ausbau-Gewerbes deutschlandweit agierende Unternehmensgruppe mit rund 4 000 Mitarbeitern aufgebaut hat. Auch Minister Nils Schmid macht sich in seinen Antworten für eine Politik stark, die die Bildung in den Mittelpunkt stellt und Auszubildende nicht als billige Arbeitskräfte benutzt: »Wir müssen über das Berufliche hinaus Bildung anbieten, denn Bildung ist mehr als das Vermitteln von Skills.« Zudem plädiert er für mehr kulturelle Bildung an den Schulen und weist auf zahlreiche Schnittstellen zwischen Wirtschaft und Kultur hin: »Auch Künstler sind Unternehmer, auch sie müssen wirtschaftliche Risiken eingehen.« Er vertrete die Ansicht, dass die Wirtschaft auf die Kultur angewiesen ist, denn die Ausgaben für Kultur hätten durchaus Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg. Das zeige auch das Beispiel Reutlingen, wo Kultur ein wichtiger Standortfaktor sei: »Wir sind ein Sozialstaat, aber auch ein Kulturstaat«, so Nils Schmids Überzeugung. »Wir sind ein Sozialstaat, aber auch ein Kulturstaat«  

Vor der abschließenden Gesprächsrunde begrüßte der Vorsitzende der Reutlinger SPD-Fraktion, Helmut Treutlein, die Gäste, unter ihnen Oberbürgermeisterin Barbara Bosch, und nannte die Beschaffung von bezahlbarem Wohnraum sowie die Konsolidierung des Haushalts als wichtigste Themen der Kommunalpolitik. Zudem wies er auf das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer hin und forderte die europäischen Regierungen auf, zu handeln: »Humanität ist nicht teilbar«, sagte er mit Hinweis auf das bisherige Versagen der EU-Länder.

Wie gewohnt kam auch die Kultur beim SPD-Jahresempfang nicht zu kurz: Zwischen den Grußworten des Landtagsabgeordneten Klaus Käppeler und einer Einführung des SPD-Kreisvorsitzenden Sebastian Weigle umrahmte das Tonne-Theater den Abend mit Auszügen aus einem Theaterstück mit behinderten Akteuren und aus Heiner Kondschaks Oper »Helden lieben Tod und Teufel«.

Der Abend endete mit einem Schlusswort der Reutlinger SPD-Vorsitzenden Daniela Harsch und geselligem Ausklang in den oberen Spitalhof-Räumen.

Quelle: Gea vom 27.04.2015, Autor: Jürgen Spiess

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Marathon durch die Schulsysteme

Die Entscheidung gegen Kretschmann hieß für den Bad Uracher aber, einen zweistündigen Parforceritt durch sämtliche Arbeitsfelder der Bildungspolitik mitzugehen – ein anstrengender, aber erhellender Ritt.

Die Stadt ohne G9-Modell

Eingeladen hatte die Reutlinger SPD, deren Kreisvorsitzender Sebastian Weigle den Kultusminister mit »Andi« begrüßte, während Stoch die Reutlinger SPD seinerseits mit »Genossinnen und Genossen« ansprach. Der Empfang war herzlich: »Nennen Sie mir einen Kultusminister, der so viele Reformen in so kurzer Zeit auf den Weg gebracht hat«, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler, bevor er zum Besuch des Ministerpräsidenten nach Urach eilte.

Die Reutlinger wiederum staffierten den Kultusminister mit aktuellem Grundwissen aus. Oberbürgermeisterin Barbara Bosch rief die Bedeutung der Stadt als Bildungsstandort in Erinnerung: 30 Schulen in städtischer Trägerschaft, die von 11 000 Schülern besucht werden. An allen weiterführenden Schulen gibt es Ganztagesangebote. Bosch berichtete vom Reutlinger Modell der Fördervereine, bei dem die Ganztagesbetreuung organisatorisch in der Hand der Eltern liegt. Bosch sprach von stabilen gymnasialen Belegungen, von Übergangsquoten um die 50 Prozent, von stabilen Realschulen, von einer deutlich wachsenden Akzeptanz der Gemeinschaftsschulen, von sterbenden Werkrealschulen.

Man wisse, was man an der reichen Bildungslandschaft habe – »und das Umland weiß es auch«. Dass ausgerechnet Reutlingen das G9-Modell nicht anbieten könne, weil die Stadt nicht Stadtkreis sei, darüber werde man »sicher nochmals reden können«. Um die bestehenden Schulen entwickeln zu können, wende Reutlingen erhebliche Mittel auf. Etwa für den Umbau der Schulen in Gemeinschaftsschulen: Allein die Eduard-Spranger-Schule, die im Schuljahr 2013/14 Gemeinschaftsschule wurde, habe Investitionskosten von 3,4 Millionen Euro verursacht. Darauf entfielen 2,5 Millionen für die Änderung des Raumprogramms.

Stoch wiederum streifte alle Bereiche der Bildungspolitik innerhalb kurzer Zeit. Er blickte zunächst auf die Versäumnisse der Vorgängerregierung. Sie habe auf entscheidende Veränderungen nicht reagiert, weil ihr der Mut gefehlt habe, »den Menschen die Wahrheit zu sagen«. Daraus resultiere ein erheblicher Reformstau. Als Beispiel nannte er das Schulwahlverhalten. Bereits vor fünf Jahren sei klar gewesen, dass das dreigliedrige Schulsystem in der Fläche nicht haltbar sei. Ein Gutachten von 2010 belege indes, dass von 1 200 Schulstandorten lediglich 280 überlebensfähig gewesen wären. »Die Befunde lagen vor, gehandelt wurde nicht.«

Das Konzept der regionalen Schulentwicklung, das seit einem Jahr in Kraft ist, gebe die richtige Antwort. Im Bereich der allgemeinbildenden Schulen wird darin ein Zwei-Säulen-System mit dem Gymnasium und einem auf der Grundschule aufbauenden integrativen Bildungsweg angestrebt.

Schattendasein der Grundschule

Die Grundschule wiederum führe in vielen Bereichen ein Schattendasein. Im Nachtragshaushalt stünden 180 zusätzliche Deputate für Grundschulen mit besonderen Bedürfnissen – »wir müssen in den Grundschulbereich deutlich stärker investieren.«

In manchen bildungspolitischen Fragen sei Baden-Württemberg ohnehin »noch Entwicklungsland«. So werde das Ganztageskonzept weiterhin in seiner pädagogischen Wirkung unterschätzt. Die Ganztagesbetreuung werde weiterhin kritisch beäugt als Konkurrenzmodell zur klassischen Familie und zu Vereinen und Verbänden. Deshalb sei es wichtig, dafür »außerschulische Partner« in die Schule zu holen und sie leistungsgerecht zu bezahlen. Dadurch steige die Akzeptanz für Ganztagesschulen in der Bevölkerung erheblich. Deshalb habe er mit 50 Verbänden Rahmenvereinbarungen hierzu getroffen.

Ideal sei bei der Ganztagesbetreuung ein rhythmisiertes Unterrichtskonzept, in dem sich kognitive Lernphasen und Schonprogramme abwechselten. Stoch berichtete vom Gespräch mit einem türkischen Vater, der seinen Sohn zu Hause sprachbedingt nicht fördern könne und sich nun durch die Ganztagesförderung entlastet sehe. »Es ist ein wesentlicher Schlüssel zur Bildungsgerechtigkeit.«

Stoch streifte auch das Thema der Sprachförderung für Flüchtlinge. »Wir brauchen für die Flüchtlingskinder die Möglichkeit eines konzentrierten Spracherwerbs.« Dazu seien im vorigen Jahr 200 zusätzliche Deputate geschaffen worden. Insgesamt würden von 500 Millionen Euro im Nachtragshaushalt 300 für die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen vorgesehen. Die Ausgaben im Bildungsbereich seien ein entscheidender Faktor, den Flüchtlingen ein menschliches Willkommen zu bereiten. Die richtigen Lehrkräfte zu haben, sei dafür entscheidend.

Weitere Themen waren Sonderschulen, Inklusion, Arbeitsbedingungen von Lehrern und Krankheitsvertretungen von Lehrern. Angesichts der Vielzahl der angesprochenen Themen sprach der SPD-Kreisvorsitzende Weigle bei Stochs Verabschiedung von einem »wahren Marathon«.

Quelle: Gea vom 24.04.2015, Autor: Jörg Conzelmann

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Stadtentwicklung und Jugendbeteiligung

Die Jungsozialisten haben sich im vergangenen Jahr in Hechingen und Haigerloch unter anderem mit der Stadtentwicklung und der Jugendbeteiligung befasst. Besonders beschäftigte die Jusos die Eröffnung der Landeserstaufnahmeeinrichtung in Meßstetten und das Asylrecht sowie die Frage, wie Flüchtlingen angesichts der Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten geholfen werden kann.

Christoph Ott dankte für die Mitarbeit und freute sich, dass es mit den meisten bisherigen Vorstandsmitgliedern auch im neuen Gremium weitergehe. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde erneut Christian Woitelliet gewählt. Den Posten des Pressesprechers hat weiterhin Niklas Jung. Beisitzer sind Nils- Simon Fischer, Urs Unkauf und Manuel Schmoll.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler sprach über die Aufgaben und Problemstellungen, mit denen der ländliche Raum in den nächsten 20 bis 30 Jahren konfrontiert werde. Gut 60 Prozent der Baden-Württemberger leben in ländlich geprägten Gebieten. Es gelte, für diese auch in Zukunft Mobilität, schulische und medizinische Versorgung, moderne Infrastruktur und öffentliche Daseinsvorsorge sicherzustellen. Dabei befinde sich das Land auf einem guten Weg. Durch die Einrichtung sogenannter Terminservicestellen sollen Patienten schneller einen Termin bei einem Facharzt vermittelt bekommen. Der dringend nachgefragte Breitbandausbau werde mit 31,7 Millionen Euro im Jahr gefördert. Auch trumpfe der ländliche Raum mit seiner beachtlichen Zahl an sogenannten "Hidden Champions" auf. Das sind mittelständische Unternehmen, die in ihrer Branche Weltmarktführer sind und vom Land besonders gefördert werden.

Klaus Käppeler freute sich, dass die Jusos in Hechingen und Umgebung aktiv in der Politik mitmischen und damit der Jugend eine Stimme geben.

Info Die nächste Veranstaltung der Hechinger Jusos ist am 1. Mai eine Wanderung mit anschließender Diskussion zu tagesaktuellen Themen.

Quell: SWP vom 20.04.2015

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Umgang mit der gestiegenen Heterogenität an den Realschulen

Herr Präsident, meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen!

Seit die CDU hier im Land vor nunmehr fast vier Jahren die Oppositionsbänke beziehen musste, hat sie die Realschule für sich entdeckt. Seither lässt sie keine Gelegenheit aus, die Arbeit an den Realschulen zu loben –das darf sie- und lauthals nach mehr Unterstützung für diese Schulart zu schreien – so auch mit ihrem Antrag aus dem Januar 2014, über den wir uns heute austauschen dürfen.

(Zwischenrufe der Abg. Peter Hauk und Karl Zimmermann, CDU)

Wenn man bedenkt, dass die CDU vor unserem Regierungsantritt 2011 genügend Zeit gehabt hätte, die Realschule so zu stärken, wie sie es nun von uns fordert, kommt man schon ins Grübeln. Während sie ihrem Lieblingskind Gymnasium ganze 10 Poolstunden angedeihen ließ, gab es keine einzige für die Realschulen. Das hat sich erst mit dieser Legislaturperiode und der Übernahme der Regierungsverantwortung durch uns geändert.

Aktuell bekommen die Realschulen 2,2, ab dem kommenden Schuljahr sogar 6 Poolstunden pro Zug. Frau Boser hat gerade ausgeführt, wie der Plan weiter aussieht.

Die von der CDU entfachte Diskussion kann also ungeniert als scheinheilig bezeichnen –heute Morgen haben wir über Sein und Schein schon ausführlich diskutiert-, auch vor dem Hintergrund, dass sie Stand heute kein abgestimmtes Konzept zur Weiterentwicklung der Bildungslandschaft präsentieren kann – im Gegensatz zu uns.

Scheinheilig ist auch die Behauptung, dass die Realschulen sich erst seit dem Wegfall der Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung mit Heterogenität auseinandersetzen müssen. Die Realschule war und ist seit jeher die Schulart mit der heterogensten Schülerschaft. Dort finden sich sowohl Schülerinnen und Schüler mit Gymnasialempfehlung, als auch jene, die es „gerade mal so“ geschafft haben, eine Empfehlung für die Realschule zu bekommen. So hat das 8-jährige Gymnasium der Realschule bis zu 1/3 Schülerinnen und Schüler mit Gymnasialempfehlung beschert. Und wenn in der Zeit von 1995 bis 2010 die Schülerzahlen an den Werkrealschulen von 40.000 auf 23.000 zurückgegangen sind, so werden sich manche hiervon auch an den Realschulen finden.

Damit kein falsches Bild entsteht von der Entscheidungsfindung der Eltern, stelle ich noch eine weitere Zahl in den Raum: Trotz Wegfall der Verbindlichkeit halten sich noch immer 90% der Eltern an die Grundschulempfehlung. Dies ist eine Zahl, die sich erfahrungsgemäß in den nächsten Jahren noch etwas nach oben einpendeln wird. Da bin ich sicher.

Auch lohnt in diesem Zusammenhang ein Blick auf die Grundschulen im Land. Dort herrscht naturgemäß die größte Heterogenität, der die Lehrerinnen und Lehrer an vielen Schulen mit Wochenplanarbeit begegnen. Während einer oder zwei Stunden pro Schultag lernen die Kinder selbst organisiert auf unterschiedlichem Niveau mit unterschiedlichen Aufgaben.

Ich vermute, Ihnen kommt dies bekannt vor. Schade, dass die Kinder diese Lernform kaum an Realschulen oder Gymnasien vorfinden, wohl aber an der Gemeinschaftsschule. Wenn sie dann in die fünfte Klasse kommen, wird ihnen an manchen Gymnasien und Realschulen stattdessen erklärt, dass sie jetzt richtig lernen und den Kinderkram vergessen sollen. Kontinuität sieht anders aus.

Was die Zunahme der Sitzenbleiber angeht, möchte ich Sie doch bitten, die Kirche im Dorf zu lassen. Seltsamerweise haben ungefähr 180 Realschulen gar keine Sitzenbleiber, während andere Realschulen nach alt praktiziertem Muster aussieben. Es stimmt, dass sich die Zahl der Sitzenbleiber insgesamt erhöht hat, jedoch nicht auf astronomischem Niveau, wie Sie das die Menschen glauben machen wollen. Konkret reden wir hier von einer Zunahme von 0,7 auf 1,8 Prozent.

Wir nehmen die Zunahme gleichwohl sehr ernst und haben auch vor diesem Hintergrund unser Konzept zur Weiterentwicklung der Realschulen aufgesetzt. Dies wird selbstverständlich begleitet sein von Fortbildungsmöglichkeiten für die Lehrerinnen und Lehrer, die schon jetzt an einer Realschule unterrichten.

Als kleines Schmankerl am Rande darf ich Ihnen noch verraten, dass die Sitzenbleiberquote in Bayern höher ist als jene in Baden-Württemberg. Bayern ist jedoch das einzige westliche Bundesland, in dem die Grundschulempfehlung noch verbindlich ist.

(Zuruf des Abg. Friedrich Bullinger, FDP/DVP)

Liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU: Wenn Sie sich tatsächlich für die Realschulen interessieren, dann hören Sie damit auf, scheinheilige Debatten wie diese zu führen, sondern kehren Sie zur Sachlichkeit zurück.

Herr Kollege Wacker, sie haben vorhin einige Beispiele zitiert, wo Realschulen entsprechend protestieren. In einem Interview, einem Gespräch mit dem Realschulleiter Paul Geiselhart aus Ehingen –das ist einer der schwärzesten Wahlkreise, die wir in Baden-Württemberg haben-

(Zuruf des Abg. Georg Wacker, CDU)

heißt es – ich zitiere-:

„Uns geht es gut. Das sagt ein zufriedener Leiter der Realschule Ehingen.“

Vielen Dank!

(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der Grünen)