Verlässliche Grundschule macht Hauptschule zu schaffen

Dass das Thema Unterrichtsausfall den Eltern auf den Nägeln brennt, zeigte eine Podiumsdiskussion, deren Moderator von unserer Zeitung kam, am Montagabend in der Gutenbergschule. Rund 100 Interessierte waren der Einladung der Elternbeiratsvorsitzenden Irene Pickard-Klapwijk gefolgt.

RIEDERICH Nicht dass der Verdacht aufkommen sollte, die Pädagogen an der Riedericher Hauptschule seien faul oder inkompetent: „Wir haben sehr engagierte Lehrer, die sehr viele Vertretungsstunden übernehmen, nur damit der Unterricht nicht ausfällt“, betonte Irene Pickard-Klapwijk am Montagabend. Das Grundproblem an der Hauptschule sei aber, dass seit Beginn des laufenden Schuljahres schon jetzt 111 Stunden ausgefallen seien. Als Hauptverursacher für diese Misere stehe die Grundschule da, die ja per Verordnung verlässlich zu sein habe. Deshalb müssten die Lehrer von der Hauptschule dort immer wieder einspringen, wenn Not am Mann sei.

Ursache sei laut Jürgen Wissenbach vom Staatlichen Schulamt Reutlingen eine familienpolitische Entscheidung gewesen, die für die verlässliche Grundschule gestimmt hatte. „Dementsprechend wurde es als nicht mehr so wichtig angesehen, größere Schüler an der Schule zu wissen.“

Dem widersprach aber Pickard-Klapwijk als Organisatorin der Podiumsdiskussion heftig. Sie wolle ihren zwölfjährigen Sohn sehr wohl an der Hauptschule gut untergebracht, und nicht auf der Straße herumhängen, sehen.

Andere Gründe für den hohen Unterrichtsausfall an der Riedericher Hauptschule hatte SDP-Landtagsabgeordneter und Hauptschullehrer Klaus Käppeler in der Fortbildung ausgemacht, dem Schullandheim oder auch den Projektprüfungen, die jeweils Lehrer binden und für zusätzlichen Stundenausfall sorgen würden. „Auch dafür brauchen wir mehr Lehrerstunden,“ betonte der einzige Vertreter einer politischen Partei am Montagabend.

Dem Vorwurf der Elternbeiratsvorsitzenden, es gäbe genug Lehrer, sie müssten nur eingestellt werden, entgegnete Wissenbach: „Bei langfristigen Krankheiten haben wir Schwierigkeiten Lehrer zu finden, die wir befristet einstellen können.“ Laut einem Mitarbeiter des Arbeitsamtes gebe es im Kreis Reutlingen zurzeit 18 gemeldete arbeitslose Hauptschulpädagogen.

Eine weitere Lösungsmöglichkeit für das Dilemma Stundenausfall zeigte Pickard-Klapwijk auf: Zahlreiche Lehrer befänden sich im Erziehungsurlaub. „Von denen wären einige bereit, einzuspringen“, behauptete sie. Und das nicht nur im Pflichtbereich, der laut Michael Giehrl, Rektor der Gutenbergschule, zu 100 Prozent abgedeckt sei. „Es kann aber sein, dass der Ergänzungsbereich in Zukunft kleiner wird“, mutmaßte Wissenbach.

Elke Picker, Vorsitzende des Landeselternbeirates, hatte am Montagabend gefordert, die Gesellschaft für die Bildung zu mobilisieren. Der „PISA-Schock“ gehe langsam schon wieder verloren. Aktiviert werden müssten alle Bürger, um der Bildung zu ihrer angemessene Bedeutung zu verhelfen.

„Was ist mit den Schülern, die eine gute Ausbildung wollen“, fragte Vanessa de Leo, Schülersprecherin der Gutenbergschule, dazwischen. Der Stundenausfall an ihrer Schule gehe schließlich zu Lasten der Schüler. Sie glaube nicht daran, dass in der neunten Klasse dieses Jahr gute Prüfungen abgelegt würden. „Da gibt es wegen dem Unterrichtsausfall einfach zu viele Kenntnislücken.“ Diese Beobachtung hat auch Pickard-Klapwijk als Mutter von drei schulpflichtigen Kindern gemacht: „Ich habe jede Menge damit zu tun, nachmittags mit meinen Kindern nachzuholen, was in der Schule versäumt wird.“

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