Verbraucher muss sich auf Untersuchungsergebnisse verlassen können

Neckar-Odenwald-Kreis. Lebensmittelsicherheit und Vertrauen in die staatlichen Kontrollen von der Frische und Gesundheit unserer Lebensmittel haben einen wichtigen Einfluss auf die Kaufgewohnheiten der deutschen Verbraucher. Trotz allen Rufen nach ‚billig-billig‘ muss der Käufer sicher sein können, dass das, was er isst, auch kontrolliert und damit schmackhaft ist und dem entspricht, was ‚drauf steht‘. Dies wird durch die staatlichen Kontrollgremien unregelmäßige Proben und Untersuchungen gewährleistet. Im Rahmen ihrer Arbeit im Bereich Landwirtschaft und Verbraucherschutz, bestärkt durch die zunehmenden Untersuchungen auch aus dem hiesigen Bereich, war deshalb für die sozialdemokratischen Agrarpolitiker mit ihrem Vorsitzenden Gerd Teßmer die Staatliche Untersuchungsanstalt Augustenberg (LUFA) Ziel eines Arbeits- und Informationsbesuches.
Im Rahmen der Besuche und Gespräche mit Landwirten, Berufsverbänden und staatlichen landwirtschaftlichen Einrichtungen war immer wieder zur Sprache gekommen, dass Kontrollen zuverlässig und von anerkannten Stellen gezogen und ausgewertet werden müssten. Deshalb statteten die Mitglieder des Arbeitskreises Ernährung und Ländlicher Raum der SPD-Landtagsfraktion der „Staatlichen landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) Augustenberg“ bei Karlsruhe einen Besuch ab. Daran nahmen der Arbeitskreisvorsitzende MdL Gerd Teßmer, sein Stellvertreter MdL Klaus Käppeler, MdL Christoph Bayer und MdL Alfred Winkler, sowie Landtagskandidat Johannes Stober (WK Karlsruhe I) und der parlamentarische Berater der Arbeitskreises Nils Opitz-Leifheit teil.

Zu den Gesprächspartnern der LUFA gehörten der Leiter der Einrichtung Direktor Dr. Norbert Haber, Prof. Dr. Norbert Leist (Abteilungsleiter für agrarbiologische Untersuchungen), Dr. Armin Trenkle (Abteilungsleiter für chemisch-physikalische Untersuchungen) und Dr. Berthold Deller (Abteilungsleiter für Bodenuntersuchungen und Stoffhaushalt), Horst Sturm von der Zentralverwaltung und Ministerialrat Thomas Berrer vom Referat 23 Pflanzenproduktion mit dem Leitenden Direktor Thomas Würfel (Referat 23) aus dem Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum.                     .
Der Arbeitskreisvorsitzende Gerd Teßmer dankte zunächst für die schnelle Zusage der LUFA-Leitung auf die Besuchsanfrage des Arbeitskreises. „Die Agrarpolitiker der SPD-Landtagsfraktion halten es für wichtig, dass die Agrarpolitiker im Parlament regelmäßig auch mit den Einrichtungen in Baden-Württemberg Kontakte pflegen, die im agrarischen Bereich untersuchen und forschen und der Landesregierung und dem Parlament zuarbeiten. Dies ist deshalb ein Arbeitsbesuch und hat mit der Landtagswahl im März terminlich nichts zu tun. Die LUFA hat im Land einen guten Ruf und wir SPD-Parlamentarier haben uns vorgenommen, Ihre Arbeit kennenzulernen und Ihnen für Ihre Leistungen zu danken“.
Direktor Dr. Norbert Haber hieß die Abgeordneten willkommen und sprach an, dass man in den letzten Jahrzehnten von Agrarpolitikern kaum besucht worden sei. Die SPD-Besucher merkten sehr schnell, dass man sich bei der LUFA auf diesen Besuch tatsächlich intensiv vorbereitet und gefreut hatte. Direktor Dr. Haber machte deutlich, dass man eine Dienststelle des Ministeriums Ländlicher Raum sei und durch die staatliche Anerkennungsstelle der Lebensmittelüberwachung und bei der Internationalen Vereinigung für Saatgutuntersuchung akkreditiert ist. Eine Bescheinigung der LUFA sei demnach im Saatgutbereich ein international anerkanntes Dokument. Die Hauptaufgaben dieser Landesanstalt sind in den regelmäßigen Bodenuntersuchungen, insbesondere zur Ausgleichsfeststellung im Rahmen der ‚Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung‘ (SchALVO) und des Marktentlastungs- und Kulturlandschaftsausgleichs (MEKA) zu sehen. Weiterhin sei man für chemische, bodenkundliche und biologische Untersuchungen zuständig. Dazu werden an der LUFA Untersuchungsmethoden entwickelt und geprüft. Durch die Vergabepraxis des Landes von Proben an Privatlabors komme der Kontrolle und der Anerkennung von derartigen Laboratorien durch diese Landesanstalt eine große Bedeutung zu. Hier wurde sehr schnell klar, dass die LUFA Laboratorien Staatsaufträge vergeben aber auch entziehen könne.
Aber auch im Forschungsbereich sei man, wie Dr. Trenkle und Dr. Deller betonten,  in den Bereichen der agrarkulturchemischen und bodenkundlichen und in der agrarbiologischen und agrarökologischen Forschung tätig. Schon seit Längerem stelle man Ausbildungsplätze für Laborantinnen und Laboranten in den Bereichen Biologie, Chemie und Gärtnerei (Fachrichtung Obstbau) und darüber hinaus im Bürokommunikationsbereich zur Verfügung.
Die SPD-Abgeordneten um MdL Gerd Teßmer interessierte naturgemäß auch die Zukunftsperspektive der LUFA als zukünftiges „Landwirtschaftliches Zentrum Augustenberg“ ab 2007, wenn man Teile der Landesanstalt für Pflanzenbau von Forchheim und der Landesanstalt für Pflanzenschutz in Stuttgart und die gesamten chemischen Untersuchungen dieser drei Landesbetriebe am Standort vereinige. Hier würden wohl neue bauliche Maßnahmen notwendig. Als Vertreter des Ministeriums räumte Ministerialrat Thomas Berrer  beim zweiten Diskussionsthema „Auswirkungen der Verwaltungsreform im agrarischen Bereich“ freimütig ein, dass durch die Eingliederung der Landwirtschaftsämter in die Landratsämter „die landwirtschaftliche Kompetenz der Landratsämter abnimmt“, da die Fachbeamten der früheren Landwirtschaftsämter vermehrt anderweitig eingesetzt würden. MdL Alfred Winkler, in der SPD-Fraktion für grüne Gentechnik zuständig, forderte eine Einschätzung des Einsatzes von genveränderten Organismen (GVO) durch die Fachleute der LUFA ein. Es wurde deutlich, dass man die Forschung im GVO-Bereich für richtig halte und den Abgeordneten zugestanden, dass man bei der Einschätzung der grünen Gentechnik sehr wohl nach den Zielen fragen dürfe. MdL Gerd Teßmer, MdL Klaus Käppeler und MdL Alfred Winkler wollten hier aber deutliche unterschieden haben zwischen Gewinnoptimierung als Forschungsziel oder Minimierung des Herbizid- und Fungizideinsatzes durch Genveränderung. MdL Christoph Bayer fragte noch nach der Grenzwertfeststellung bei Saatgut nach, damit der Anwender sicher gehen könne, auch genfreies Saatgut erhalten zu haben. Professor Dr. Norbert Leist machte hierbei deutlich, dass ein Zertifikat der LUFA dies im Rahmen der Feststellbarkeit garantiere.
Mit einem Überblick über den 2005 neu eingerichteten Obstbauversuchsbetrieb und nach Anfrage von Johannes Stober nach den bei der LUFA Beschäftigten – bietet doch Augustenberg für 160 Personen aus der näheren Umgebung rund um Karlsruhe und saisonweise für 100 Aushilfskräfte Arbeit – dankte MdL Gerd Teßmer namens des SPD-Arbeitskreises für das offene und freundliche Gesprächsklima und betonte, dass die erhaltenen Informationen in die landwirtschaftliche Arbeit gut einfließen lassen könne.

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