Ute Vogt und SPD-Landtagskandidaten bei der Seifenfabrik Enzian

METZINGEN/TÜBINGEN Sie war nicht gekommen, um zu lernen, wie man jemanden ordentlich einseift. „Das brauche ich nicht“, sagte Ute Vogt, die gestern die Seifenfabrik Enzian in Metzingen und später das Technologie-Zentrum Tübingen besichtigte. „Mir ist dieses Gebäude hier aufgefallen, ich wollte mir die Fabrik mal ansehen.“ Und dabei erfuhr sie, dass diese eine von nur noch fünf großen Seifenfabriken in Deutschland ist.

Beim Rundgang durch die Seifenfabrik, wo in riesigen Kesseln ein Brei aus Fett, Lauge und Wasser köchelt, scheute sie sich nicht, es dem Seifensieder gleichzutun – und den Finger einzutauchen. „Sbitzelt auf der Zunge“, stellte sie fachmännisch fest. Ein Seifensieder erkennt bei dieser Geschmacksprobe, ob die Seife gut wird. Politisch war der Besuch natürlich auch gemeint, ohne dick aufzutragen. Die SPD-Spitzenkandidatin, die Ministerpräsident Oettinger auch beim Thema Arbeit angreifen will und kürzlich dessen Wirtschaftspolitik kritisiert hatte, erkundigte sich beim Rundgang nach den Arbeitsplätzen, nach Absatzmärkten und dem Standort Deutschland.

Bei Firma Enzian ist „Made in Germany“ noch ein Markenzeichen, weil es auch einige Großkunden so wünschen. Produziert wird mit 90 Beschäftigten ausschließlich in Metzingen, in einem eigenen Labor entwickeln Chemie-Techniker neue Produkte. Außerdem gehört einiges an Fachwissen dazu. Für eine gute Syndetseife „müssen 98 Parameter zusammenpassen“, so der Geschäftsführer Michael Bazlen. Etwa 25 Prozent der Produktion sind eigene Seifenprodukte, der Rest wird im Lohnauftrag für namhafte deutsche und schweizerische Kosmetikunternehmen gemacht. Im schwarzen Hosenanzug und Haarschutz gings weiter durch die Räume voller Seifen- und Waschmittelduft. Wobei Ute Vogt betonte, dass in Deutschland insbesondere Arbeitsplätze für ungelernte Kräfte fehlten und deshalb solche Betriebe wichtig seien. Dabei gab sie sich unkompliziert, sprach mit Seifensieder und Seifenabpackerin. Und bekannte am Schluss, dass sie daheim auch noch die herkömmliche Kernseife benutzt. „Nach der Gartenarbeit ist das genau richtig“, sagte sie – was einen Seifenhersteller nur freuen kann. Denn die so genannten festen Seifen werden von den flüssigen Seifen in Tuben immer mehr verdrängt. Einzig irritierend war für die SPD-Frau, wie sie am Rande bemerkte, dass es eine Marke „Cool Man for women“ gibt. Hier die alte Fabrik, dort das neue Outlet – verträgt sich das? Geschäftsführer Bazlen antwortet, dass man mit dem Verkehr leben könne, an diesem Standort produziere man jetzt schon seit fast 150 Jahren und werde es auch weiter tun. Denn ändern wird sich an diesem Standort vorerst nichts, auch wenn sich das Unternehmen überlegt hatte, ins Gewerbegebiet umzusiedeln. Das sei finanziell aber nicht mehr darstellbar, so Bazlen. Für Wohnungsbau sei der Grundstückspreis viel zu gering und decke höchstens die Umzugskosten, in Richtung Outlet sei der Weg versperrt. „In der Stadt investiert nur noch einer“, sagte er mit Verständnis für Firma Holy, kritisierte aber die Entscheidung des Regierungspräsidiums, das weitere Verkaufsflächen nicht zulässt. Ginge es um eine Umsiedlung, wären Gewerbeflächen in Münsingen auch deutlich günstiger als in Metzingen, sagte er.

Für Ute Vogt, begleitet vom SPD-Landtagskandidaten Klaus Käppeler, dem Zweitkandidaten Michael Lucke und Vertretern des SPD-Ortsvereins, war der Rundgang ein „interessanter Einblick“ in eine andere Welt des Wirtschaftens. „In vielen Firmen sieht man nur CNC-Maschinen, das sieht immer gleich aus.“ Ein Seifenpaket gabs gratis – wobei sie sich mit allen wunderte, dass der Verbrauch an Seife zurückgeht.

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