Rote Rosen an der Haustür

ENGSTINGEN. »Guten Tag, mein Name ist Klaus Käppeler, ich bin SPD-Kandidat für die Landtagswahl am 27. März.« Wenn Käppeler an dieser Stelle angekommen ist, weicht der skeptische Blick seiner Gesprächspartner meist einem gelassenen Abwarten: Staubsauger will dieser Mann an der Haustür jedenfalls nicht verkaufen. Noch deutlich freundlicher wird die Miene der meisten, wenn der Wahlkämpfer fortfährt: »Ich möchte Ihnen eine Rose überreichen und Sie bitten, zur Wahl zu gehen.« Eine Rose bekommt fast jeder gern.

Rosen sind Türöffner für einen Landtagskandidaten beim Hausbesuch. Und Klaus Käppeler macht in diesem Wahlkampf reichlich davon Gebrauch. Insgesamt mindestens dreitausend rote Rosen will er bis Ende März in den 24 Städten und Gemeinden des Wahlkreises 61 unter die Leute gebracht haben. In jeder einzelnen Kommune ist Käppeler wenigstens zwei Stunden unterwegs, in den größeren kommt er öfter.

Die persönliche Begegnung, der direkte Kontakt: Das hat sich der 56-jährige Schulleiter, der den Wahlkreis bereits von 2001 bis 2006 im Landtag vertreten hatte, als Konzept gewählt. In der Hoffnung, dass diese Art des Wahlkampfs erfolgreicher sein möge als der Auftritt im Windschatten von Parteigrößen, von dem meist nur wenige Wähler Notiz nehmen. Für Fragen und Anregungen zu politischen Themen steht Käppeler bei seinem Kurzbesuch an der Haustür natürlich zur Verfügung. Aber meist bleibt es dabei: ein paar freundliche Worte, ein kurzer Dank.

Die Tour von Haus zu Haus wird einfacher, wenn Käppeler wie in Großengstingen Begleitung hat. Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Frank Schröder trägt seinem Kandidaten in der Siedlung Berg einen stetig kleiner werdenden Rosenstrauß hinterher, hilft beim Überblick vor den Klingeltafeln der Mehrfamilienhäuser oder springt als Ersatz-Gesprächspartner ein, falls sich zufällig einmal zwei Haustüren gleichzeitig öffnen.

Und sie öffnen sich, die Engstinger Türen. Nur ganz selten kommt eine knappe Abfuhr durch die Gegensprechanlage: »Ich bin allergisch gegen Rosen und habe null Interesse an Politik.« Sonst reichen die Reaktionen von freundlicher Zurückhaltung (»natürlich gehe ich wählen, wen, sage ich aber nicht«) bis zu ausgesprochener Begeisterung: »Das hat mich so gefreut! Viel Glück für Sie.«

Ein paar Fragen oder kurze Diskussionen gibt es auch. Etwa mit dem Grünen-Wähler, der die Bereitschaft des SPD-Manns zur Koalition abfragt (Käppeler: »Ich würde als Abgeordneter auch einem Grünen Ministerpräsidenten meine Stimme geben«) oder mit der Rentnerin, die aus eigener Erfahrung viel zu berichten weiß über soziale Probleme im Land, über Armut trotz Arbeit und über Frauen, die sich und ihre Kinder alleine durchbringen müssen.

Mit Gerster nach Berlin

Wo niemand zu Hause ist, hinterlässt Klaus Käppeler eine Spur: Anhänge-Karten an der Türklinke mit seinen Kontaktdaten, seinen Wahlkampf-Themen (»Bildung zuerst. Gerechtigkeit leben. Der Mensch macht’s«) und einem Gewinnspiel auf der Rückseite, wobei drei Reisen nach Berlin verlost werden. Der Bundestagsabgeordnete, den die Gewinner begleiten dürfen, heißt Martin Gerster und kommt aus Biberach – ein Freund und Parteigenosse, der gerade auch durch seine Hausbesuche bei der letzten Bundestagswahl gepunktet hatte, dem Abwärtstrend seiner Partei zum Trotz. Nicht nur das Konzept, auch die Türanhänger hat Käppeler von Gerster übernommen.

Von den rund 62 000 Haushalten und 130 000 Wahlberechtigten im Wahlkreis 61 wird Klaus Käppeler trotz großer Ausdauer bei seinen Gemeindebesuchen nur einen kleinen Teil erreichen. Erstwähler bei der Landtagswahl werden Post vom SPD-Kandidaten kriegen, die anderen zumindest einen Prospekt im Briefkasten finden. Der Rektor der Grund- und Hauptschule Hohenstein empfiehlt sich den Wählern mit seiner Erfahrung im Landtag (Mitarbeit in den Ausschüssen für Schule, Jugend und Sport sowie Ländlicher Raum und Landwirtschaft) und in kommunalen Gremien (Gemeinderat seit 1989, Kreisrat seit 2004). Deshalb sind Bildung, Ländlicher Raum und Kommunalpolitik die zentralen politischen Themen des Politikers.

Nach zweieinhalb Stunden trägt Frank Schröder dem Kandidaten nur noch einige wenige Rosen hinterher. Die letzten drei bekommen die Erzieherinnen des evangelischen Kindergartens Berg. (GEA)

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