Polit-Profis im Praktikum

Der Vorstandsvorsitzende der Bruderhaus-Diakonie, Lothar Bauer, war mit dem Einsatz der Bürgermeister und Abgeordneten aus der Region Tübingen und dem Landkreis Reutlingen hoch zufrieden. Und diese bekannten ihrerseits, vor Ort eine ganze Menge Neues gelernt zu haben. Dies in ganz unterschiedlichen Einrichtung und Funktionen – samt ungewohnten Tätigkeitsfeldern.

Am Dienstag jährte sich der Geburtstag von Gustav Werner zum 204. Mal. Der Theologe gründete als Pionier der Diakonie die soziale Einrichtung „Bruderhaus“. 1881 wurde Gustav Werner Ehrenbürger der Stadt Reutlingen.

Heute arbeitet das Unternehmen in 15 Stadt- und Landkreisen in der Alten-, Behinderten-, in der Jugendhilfe, der Sozialpsychiatrie, in der beruflichen Förderung sowie in der Seelsorge und Diakonie.

Es gibt auch zahlreiche beispielgebenden Werkstätten, auch dort durften die Politiker gestern mitarbeiten. Zur Mittagszeit trafen sich dann alle in der Nikolaikirche, dem Café Nikolai in der Wilhelmstraße.

Kusterdingens Bürgermeister  Jürgen Soltau kannte bei seinem Dienstantritt weder das Café Nikolai, noch das Innenleben von Kaffeemaschinen und Registrierkassen. Er bekam jedoch sofort eine Schürze um – und eine Schnellbleiche in Sachen gastronomischer Service. Verantwortlich hierfür waren Sarah Standfuß und Markus Serif, zwei routinierte Kräfte, die diesen Job im Café Nikolai schon seit geraumer Zeit machen. Was deren Chefin Elisabeth Schmidt nur bestätigen kann. Sie ist Abteilungsleiterin für Hauswirtschaft und Gastronomie für Menschen mit Behinderungen in den Bruderhaus-Werkstätten.

Prälat Christian Rose war es, der in Anlehnung an den Nelson- Mandela-Tag auf die Idee des „Gustav-Werner-Tags“ kam. Es war am Dienstag der zweite seiner Art, erläuterte Karoline Müller, die beim Stiftungsmanagement zuständig für die Dienstpläne der Promis war.

Um 11.55 Uhr, Jürgen Soltau trägt noch seine Arbeitsschürze, trudeln nach und nach die anderen „Eintages-Praktikanten“ ein.“ Während der Kusterdinger Schultes schwer beeindruckt bekennt: „So einfach ist es mit einer Registrierkasse ja nun nicht“, berichtet sein Römersteiner Kollege Michael Donth vom Spaziergang mit einer Tagesgruppe psychisch kranker Menschen von Bad Urach nach Dettingen. Begleitet hat ihn Diakonie-Chef Lothar Bauer höchstpersönlich – „aber der war heute auch nur Praktikant“, erläutert Donth. Der war „sehr beeindrukt von dem Ansatz, dass sich hier – anders als sonst – die Einrichtung an den Tagesablauf der Patienten anpasst.“

Dieter Hillebrand, fünf Jahre war er Sozial-Staatssekretär des Landes, spielte Mensch-ärgere-Dich-Nicht mit Senioren im Mutter-Werner-Heim. Und Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer schleppte Möbel bei einer Wohnungsauflösung. Mit dabei war Martin Bauch, Chef des Projekts „Retour“, der gut organisierten Gebrauchtwarenbörse der Bruderhaus-Diakonie.

Und der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler handwerkelte zusammen mit geistig und psychisch Behinderten „Auf der Bleiche“ in Bad Urach. „Dort habe ich Pfähle bunt bemalt.“ Die werden nun schmückend in den Boden der Umgebung gerammt.

Quelle: SWP vom 12.03.13, Autor und Foto: Jürgen Herdin

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