Situation und Perspektive der Hauptschule in Baden-Württemberg

Große Anfrage der Fraktion der SPD

Wir fragen die Landesregierung:

I. Übergangsquoten

  1. Wie haben sich die Übergangsquoten der Schülerinnen und Schüler mit Hauptschulabschlusszeugnissen sowie die Abgangsquote ohne Schulabschluss seit Einführung des freiwilligen 10. Schuljahres entwickelt in
    – 10. Schuljahr in Werkrealschulen (Mittlerer Bildungsabschluss)
    – zweijährige Berufsfachschulen (Mittlerer Bildungsabschluss)
    – einjährige Berufsfachschulen mit Ausbildungsvertrag
    – einjährige Berufsfachschulen ohne Ausbildungsvertrag
    – Berufsausbildung (Ausbildungsvertrag)
    – Berufsvorbereitungsjahr (BVJ)?
  2. Welchen Weg haben dabei Kinder von Aussiedlern gewählt, welchen Weg haben Migranten gewählt?
  3. Wie viele Schülerinnen und Schüler hätten nach der geänderten Prüfungsordnung keinen Abschluss erhalten?

II. Ausstattung der Hauptschulen

  1. Wie wird sicher gestellt, dass die höheren Sachkostenbeiträge des Landes den Hauptschulen zur Sicherstellung eher praxisnaher Lernwege (höherer Technik- und HTW-Raum-Bedarf, mehr Lehr- und Lernmittel für Experimente und Projekte) zukommen?
  2. Ist die Verringerung des Sachkostenbeitrags für Hauptschulen im Jahr 2001 ein Zeichen dafür, dass die Kommunen bei Hauptschulen verstärkt sparen?
  3. Wird vom Land gewährleistet, dass Hauptschulen in der Ausstattung mit Computern gegenüber anderen weiterführenden Schulen nicht benachteiligt werden?

III. Arbeitsgemeinschaften und Erweitertes Bildungsangebot

  1. Wie hat sich die Anzahl der Angebote von Arbeitsgemeinschaften und des Erweiterten Bildungsangebotes EBA sowie von Förder- und Stützunterricht (ohne Zusatz- bzw. Förderunterricht ab Klasse 8 in den vergangenen 10 Jahren entwickelt?
  2. In welchem Umfang wurden diese Stunden in Ermangelung anderer Vertretungsmöglichkeiten zugunsten des Pflichtunterrichts gekürzt bzw. ganz gestrichen?
  3. Wie haben sich die Deutschkurse für Ausländer im o.a. Zeitraum entwickelt, wie die Förderkurse für Aussiedler und in welchem Umfang finden an den Hauptschulen Vorbereitungsklassen bzw. Vorbereitungskurse zur Sprachförderung tatsächlich statt?

IV. Praxiszug Hauptschule

  1. An wie vielen Schulen ist der Praxiszug Hauptschule eingeführt und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Industrie- und Handwerksbetrieben?
  2. Inwieweit bestehen –analog zu den Kooperationsklassen Hauptschule – BVJ  – Möglichkeiten der Vernetzung mit den beruflichen Schulen, insbesondere beim Werkstattunterricht?

V. Projektprüfung

  1. Welche Projekte wurden im Zusammenhang mit der Projektprüfung in der Erprobungsphase der vergangenen Jahre durchgeführt und wie bewerten die beteiligten Lehrerinnen und Lehrer sowie die Schulleiterinnen und Schulleiter den Arbeits- und Organisationsaufwand, der durch die Projektprüfung entsteht?
  2. Wie sind die leistungsschwachen Schülerinnen und Schüler in die Projektgruppen integriert und wie wird deren Mitwirken in der Gruppe bewertet?
  3. Welche Begründung gibt es, in der neuen Prüfungsordnung alle Fächer einfach zu werten, also auch Deutsch, Englisch und Mathematik und wie wird die Tatsache bewertet, dass zugunsten der Projektprüfung neben den mündlichen Fächern auch Technik und HTW nicht mehr als eigenständige Fächer geprüft werden, obwohl diese Fächer eine zentrale Rolle im AWT- Bereich, einem Kernstück des Hauptschulprofils spielen?
  4. Wie soll die Zeit nach der Prüfung Mitte Juni bis zur Entlassung Mitte Juli gestaltet werden?

VI. Novellierung des Bildungsplans Hauptschule

  1. Trifft es zu, dass die Novellierung des Bildungsplans Hauptschule vorläufig gestoppt wurde und wenn ja weshalb?
  2. Trifft es zu, dass in der neuen Stundentafel weniger Stunden für den Hauptschulunterricht insgesamt eingeplant sind und wenn ja, welche Veränderungen vorgesehen sind?
  3. Trifft es zu, dass in der 9. Klasse der Hauptschule im Zusammenhang mit der Projektprüfung Fächer zusammengefasst werden und damit die Lehrerzuweisung verdeckt gekürzt wird und wenn ja weshalb?

VII. Fachunterricht an Hauptschulen

  1. Wie will das Ministerium dem absehbaren Fachlehrermangel vor allem bei den naturwissenschaftlichen Fächern begegnen?
  2. Wird weiterhin grundsätzlich davon ausgegangen, dass im Verbundlehramt jede Lehrkraft mit Stufenschwerpunkt Grundschule auch alle Fächer und Klassenstufen an der Hauptschule unterrichten kann?

VIII. Altersaufbau und Dienstunfähigkeit

  1. Wie stellt sich der Altersaufbau der derzeit in der Hauptschule unterrichtenden Lehrerschaft im Vergleich zu den anderen Schularten dar, aufgeschlüsselt nach männlich / weiblich sowie Teildeputat / volles Deputat?
  2. Wie stellen sich krankheitsbedingte Fehlzeiten bei den verschiedenen Gruppierungen dar und wie viele Hauptschullehrerinnen und Hauptschullehrer werden in welchem Alter dienstunfähig, verglichen mit Lehrerinnen und Lehrern anderer Schularten?
  3. Wie sind bei den Lehrkräften der HS, die in den nächsten 10 Jahren vermutlich in Ruhestand treten werden die studierten Fächer vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich, verglichen mit den Fächern der Lehreranwärter und Studierenden der Pädagogischen Hochschulen?

IX. Förderung ausländischer Jugendlicher

  1. Welche Konzepte für einen Unterricht “Deutsch als Zweitsprache” stehen den Schulen zur Verfügung, wie werden diese umgesetzt und welche Weiterentwicklung ist geplant?
  2. Wie werden die Lehrkräfte in Aus- und Fortbildung auf die Förderung sprachbenachteiligter ausländischer Jugendlicher vorbereitet?

X. Ganztagesschulen

  1. Wie soll die Konzeption der Landesregierung zum Ausbau von Ganztagesschulen aussehen und ist darin auch vorgesehen, die Schulbauförderrichtlinien so zu ändern, dass auch für den Ganztagesbetrieb nötige zusätzliche Räume wie z.B. eine Mensa gefördert werden können?
  2. Für wie viele Schülerinnen und Schüler, für wie viele Klassen, an wie vielen Tagen in der Woche und an wie vielen Schulen existiert bereits ein Ganztagesbetrieb mit Mittagstisch, Betreuung, Unterricht und Arbeitsgemeinschaften bzw. Erweitertem Bildungsangebot, wie werden die Ausbaustufen in den Jahren 2002, 2003, 2004, 2005 und 2006 aussehen, welche Kosten entstehen und wie wird sich das Land an diesen Kosten beteiligen?

Stuttgart, 18. Dezember 2001

Drexler, Zeller, Käppeler und Fraktion der SPD

Begründung:

Die Grundlageninformationen sind erforderlich für eine geplante Initiative der SPD-Landtagsfraktion zur Verbesserung der künftigen Situation der Hauptschulen in Baden-Württemberg.

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Mdl Klaus Käppeler betreut Kreis Biberach

Nachdem die Biberacher SPD-Bewerberin Martina Miller im März um einen Platz den Einzug in den Landtag verpasst hat, hat der SPD-Kreisvorsitzende Martin Gerster mit Klaus Käppeler aus dem Nachbarwahlkreis eine verstärkte Zusammenarbeit vereinbart. In den nächsten Wochen will Klaus Käppeler verstärkt im Kreis Biberach präsent sein. Mit der politischen Situation im Kreis Biberach ist er vertraut, schließlich wohnt er in Zwiefalten, nahe der Kreisgrenze.

Der neue „SPD-Betreuungsabgeordnete für den Kreis Biberach“ ist stellvertretender Vorsitzender des SPD-Fraktionsarbeitskreises Ländlicher Raum und dort zugleich Sprecher für den Ländlichen Raum. Er gehört dem Arbeitskreis Schule, Jugend und Sport an. Er ist Mitglied in den Landtagsausschüssen „Ländlicher Raum und Landwirtschaft“ sowie „Schule, Jugend und Sport“.

Klaus Käppeler ist 1954 in Überlingen geboren, verheiratet und hat drei Söhne im Alter von 15, 17 und 19 Jahren. Seit 1980 ist er Lehrer an der Hauptschule Zwiefalten für die Fächer Englisch, Geschichte und Technik. Seit 1989 gehört er dem Gemeinderat in Zwiefalten an.

Ausschüsse

Der neu gewählte SPD-Landtagsabgeordnete im Wahlkreis Münsingen-Hechingen, Klaus Käppeler, hat sich bei der Sitzverteilung für die einzelnen Landtagsausschüsse mit seinen Wünschen durchsetzen können. Käppeler arbeitet in der kommenden Legislaturperiode im Ausschuss für Ländlichen Raum und Landwirtschaft sowie im Ausschuss für Schule, Jugend und Sport. Der SPD-Abgeordnete wurde außerdem in das Kuratorium der Landeszentrale für politische Bildung berufen.

„Ich freue mich sehr darüber, dass meine persönlichen Interessen bei der Zuteilung voll berücksichtigt wurden, bei einem Landtagsneuling ist das keineswegs selbstverständlich“, sagte Käppeler nach der entscheidenden Fraktionssitzung. Die Zuteilung sei auch ganz im Sinne seiner künftigen Wahlkreisarbeit erfolgt, wo er sich vor allem als Ansprechpartner für die Belange der Region verstehe. Käppeler: „Ich setze bei meiner künftigen Arbeit vor allem auf Kooperation und Dialog mit den Verantwortlichen vor Ort, die zahlreichen Gespräche vor der Wahl und die dabei entstandenen Kontakte will ich intensiv nutzen und weiter ausbauen.“

Dass ihn die Bildungspolitik als zweiter Arbeitsschwerpunkt auch als Abgeordneter weiter beschäftigen wird, sei ihm als Grund- und Hauptschullehrer auch ein persönliches Anliegen gewesen. „Schule und Bildung sind klassische Themen der Landespolitik, hier wird die Zukunft unseres Landes entscheidend gestaltet“, machte Käppeler deutlich. Nach seiner Wahrnehmung fänden in der öffentlichen Diskussion die Berufsschulen sowie die Grund- und Hauptschulen häufig zu wenig Beachtung. Käppeler, der mit einem Vierteldeputat weiter an zwei Tagen in der Woche an der Hauptschule in Zwiefalten unterrichten wird, will diesen Schultypen in der Ausschussarbeit besondere Aufmerksamkeit schenken.