Liebeserklärung an die Marbacher Pferde

Schöner kann man es nicht sagen: "Marbach gehört zur Seele des Landes und seine Seele verkauft man nicht." Regierungspräsident Hermann Strampfer war nicht der Einzige, der am Wochenende die enorme Bedeutung des Haupt- und Landgestüts unterstrich und keinen Gedanken daran verschwenden wollte, dass diese Erfolgsgeschichte nach 500 Jahren zu Ende gehen könnte. Unvorstellbar. Da kam es gerade recht, dass am Samstag von hochoffizeller Seite (Ministerpräsident Winfried Kretschmann gab eine Bestandsgarantie) die Zukunft gesichert und beim gestrigen Besuchertag die Massen nur so strömten: Zigtausende ließen sich durch ein vielseitiges Programm – im Mittelpunkt 500 edle Pferde – in herrlicher Umgebung anlocken.

Das Jubiläumsfest war eine einzige große Liebeserklärung, ausgedrückt beispielsweise durch den Beifall in der Reithalle, wo Landoberstallmeisterin Astrid Velsen-Zerweck wie immer charmant, unterhaltsam und äußerst kompetent durch ein Schauprogramm führte oder in der stillen Bewunderung der Stuten und ihren erst wenige Wochen alten Fohlen. Friedlich grasen sie auf der gelben Hahnenfuß-Wiese, während der Nachwuchs sich ungestüm und neugierig zeigt. Die Kinder streicheln über das zarte Fell, die Fotografen genießen die tollen Motive. Und über allem strahlender Sonnenschein.

Es ging vielen wie Nora Kirschstein aus Schönaich, die mit Mann Jan und Tochter Josephine (3) auf die Alb gefahren ist. "Als ich vierzehn Jahre alt war, habe ich hier einen unvergesslichen Reiterurlaub erlebt, jetzt wollte ich sehen, was aus dem Gestüt geworden ist." Sie wurde angenehm überrascht. "Es ist ein schönes Wiedersehen." Ihre Tochter weiß schon jetzt, dass sie später reiten will. Diesen Wunsch kennt auch Iris Reischle aus Heilbronn. Ihre Tochter Ronja (11) voltigiert und kann sich in Marbach kaum sattsehen, Karl (5) dreht Runden auf dem Pony und Helene (7) bemalt ein Steckenpferd. Günther Emhart aus Neufra und sein Vater Karl lassen Seile drehen, mit den Kids Lorenz und Christoph sind drei Generationen am Werk.

Rund um den Stutenbrunnen ist kein Platz mehr frei. Auf der SWR-Bühne wird musiziert und diskutiert. Moderatorin Bärbel Schlegel verbindet Unterhaltung mit Fachwissen, so wird in einer Expertenrunde darüber diskutiert, wie Vernetzung in der Pferdezucht in Deutschland und Europa gelingen kann. Nachmittags starten von hier aus Regierungspräsident Hermann Strampfer, Landoberstallmeisterin Astrid Velsen-Zerweck, Landrat Thomas Reumann, SPD-Landtagsabgeordneter Klaus Käppeler, Gomadingens Bürgermeister Klemens Betz und weitere Gäste mit dem Rad in Richtung Gomadingen. Eröffnet wird ein Weg, der die Gestütshöfe Offenhausen und St. Johann, wo gestern ebenfalls großer Andrang herrschte, mit Marbach verbinden. In der Klosterkirche Offenhausen wird eine Sonderausstellung eröffnet, wenige Meter entfernt die Arbeit der Besamungsstation vorgestellt. Anhand von Utensilien. Pferdewirtin Sarah Fuchs muss den Eintritt verwehren ("strenge EU-Richtlinien"), hat aber sogleich Tipps parat – wie einen Spaziergang hinauf auf den Hau zu den jungen Hengsten oder einen Abstecher zum Fohlenhof mit seinen edlen Arabern und schweren Schwarzwäldern.

Typisch Marbach. Das Pferdeland ist größer als man denkt und an einem einzigen Tag nicht zu entdecken. Wiederkommen ist angesagt.

Quelle: SWP vom 19.05.2014, Autorin: Gudrun Grossmann

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