Ländlicher Raum ist mein Thema

ZWIEFALTEN/STUTTGART. »Chauffeur haben Sie keinen?« Nein, Chauffeure gibt’s erst für Staatssekretäre, nicht aber für ganz gewöhnliche Landtagsabgeordnete. Klaus Käppeler lacht, seine Zuhörerinnen ebenfalls. Die 45 Frauen aus Hohenstein, die beim SPD-Abgeordneten ihres Wahlkreises zu Gast sind, haben eine vergnügte, ungezwungene Atmosphäre in diesen Landtags-Saal gebracht.

Käppeler ist kein Politiker, der einschüchternd wirkt. Den Frauen fällt es leicht, ins Gespräch zu kommen: Wie er neben dem Landtagsmandat die Zeit zum Schulehalten findet? Ob Abgeordnete der Oppositionsparteien immer dagegen sein müssten, wenn die Regierung etwas vorlegt? Und sie kriegen muntere Antworten: Schule ist montags, Technik, Klasse sieben und neun, eine 25 Prozent-Stelle. Und: Ja, ein paar Rituale gibt es schon zwischen Regierung und Opposition, selbst bei Themen, wo die Meinungen gar nicht so weit auseinander liegen.

Beim nächsten Mal mittendrin

Zweimal im Jahr darf jeder Abgeordnete Gruppen seines Wahlkreises auf Kosten des Landtags nach Stuttgart einladen. Besonders gefragt sind Plenartage, gerade kurz vor der Wahl. Schon im Sommer hat Käppeler den Termin für die Hohensteiner Landfrauen gebucht – die angetan sind vom Einblick in die Politik und auch dem Wahlkämpfer Käppeler freundlich applaudieren: Wer dem Wahlkreis zu einem zweiten Landtagssitz verhelfen wolle (neben dem sicheren der CDU), der solle ihm die Stimme geben.

In fünf Jahren ist Klaus Käppeler gründlich hineingewachsen in die Arbeit eines Landtagsabgeordneten. Jetzt sind vielfältige Kontakte da und das Wissen, »wo man ansetzen muss, um etwas zu erreichen«. Von den 45 SPD-Vertretern im Stuttgarter Landtag werden – unabhängig vom Wahlergebnis – 15 auf jeden Fall aufhören. Käppeler wäre, wenn sein Ergebnis reicht, dann einer der Dienstälteren und »mittendrin«. »Es würde mich reizen, dann den Arbeitskreis Ländlicher Raum zu leiten.« Bislang ist der Abgeordnete aus Zwiefalten Stellvertreter dieses fraktionsinternen Gremiums.

In den Landtagsausschüssen »Schule, Jugend und Sport« und »Ländlicher Raum und Landwirtschaft« arbeitet er für die SPD mit. Im einen bringt er seine Fachkompetenz als Hauptschullehrer ein – und seine Überzeugung, dass das starre dreigliedrige Schulsystem in Baden-Württemberg reformierungsbedürftig ist und vor allem die Kinder aus sozial schwächeren Familien benachteiligt. Der andere reizt ihn seiner Vielschichtigkeit wegen: »Der Ländliche Raum ist mein Thema, ein sehr übergreifendes.« Wirtschafts- und Strukturpolitik, die Förderung erneuerbarer Energien – das alles hat hier Platz.

»Ansprechbar sein«: Das ist Käppeler ein zentrales Anliegen. Wann immer möglich nimmt er jede Einladung an, bemüht sich auch, »nicht gleich wieder fortzurennen« und denen Zeit zu geben, die ihrem Wahlkreisabgeordneten noch etwas mitgeben möchten. Aber auch die Zahl der direkten Anfragen habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, berichtet der SPD-Abgeordnete. Viele Menschen in den Gemeinden im Ermstal und auf der Alb schätzen ihn als Ansprechpartner vor Ort.

Ein zweiter Landtagssitz für den Wahlkreis – will Käppeler dieses Ziel erreichen, geht es für ihn buchstäblich um jede Stimme. Vor fünf Jahren war er auf dem sechsten SPD-Rang im Regierungsbezirk in den Landtag gekommen. Am 26. März müsste er, wenn seine Partei den Prognosen entsprechend etwas schlechter abschneidet als beim letzten Mal, Rang fünf schaffen. Sein Fraktionskollege Hans-Martin Haller aus dem Wahlkreis Balingen hatte damals 91 Stimmen mehr. (GEA)

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