Klaus Käppeler im Interview mit der Hohenzollerischen Zeitung

Der Genosse aus Zwiefalten ist nach einer unfreiwilligen Auszeit wieder da: Klaus Käppeler war vor fünf Jahren nicht mehr in den Landtag reingekommen, dem er zuvor seit 2001 angehört hatte. Der Lehrer, inzwischen Rektor der Grund- und Hauptschule Hohenstein, hielt aber tapfer durch und war auch in den fünf Jahren Zwangspause sehr präsent im für die SPD verwaisten Bananenwahlkreis. Am 27. März dieses Jahres bekam er die Quittung: Allen Unkenrufen übers schlechte Abschneiden seiner Partei zum Trotze ist Käppeler wieder eingezogen ins Landesparlament. Dort ist er Mitglied im Ausschuss Schule, Jugend und Sport und im Ausschuss Ländlicher Raum und Verbraucherschutz.

Der Sozialdemokrat ist heute der Vierte in der kleinen HZ-Interviewreihe zu den ersten 100 Tagen Grün-Rot in Baden-Württemberg. Und los gehts:

Wie lautet Ihr Kommentar zu Ihren eigenen ersten 100 Tagen im Landtag?

KLAUS KÄPPELER: Nach wie vor empfinde ich es als sehr spannend und befriedigend, die Regierungsverantwortung mitzutragen. Die Aufbruchstimmung im Land spüre ich bei allen Begegnungen mit den Menschen im Wahlkreis. Vor allem hinsichtlich unseres Politikstils, der sich gerade durch seine Transparenz sehr von jenem der Vorgängerregierung unterscheidet, bekomme ich viele positive Rückmeldungen. In Sachen Bildungspolitik werden die ersten Weichen bereits gestellt, um unsere Schulen sozial gerechter und gleichzeitig leistungsstark zu machen.

Und wie sind Sie mit Grün-Rot zufrieden?

KÄPPELER: Mit der bisherigen Arbeit unserer Koalition bin ich sehr zufrieden. Allerdings wird jeder verstehen, dass Veränderungen nach 58 Jahren CDU-Regierung behutsam angegangen werden müssen. Die ersten Monate unserer Regierungsarbeit waren wir daher neben teilweiser Kursänderungen auch umfangreich und in allen Ressorts mit der Bestandsaufnahme beschäftigt. Die Rückmeldungen, die ich persönlich aus der Bevölkerung bekomme, sind durchweg positiv und bestätigen mich in unserem Weg.

Gibt es im Ländle eigentlich auch noch andere Themen als Stuttgart 21? Was kommt Ihrer Meinung nach viel zu kurz?

KÄPPELER: Derzeit wird leider tatsächlich vieles von Stuttgart 21 überlagert, allerdings werden die Menschen auch zunehmend dieses Themas überdrüssig. Meiner Meinung nach spielt das Thema Energiewende in der öffentlichen Wahrnehmung noch eine zu geringe Rolle, und ich hoffe, dass sich das nach dem von uns angestrebten Volksentscheid zu S 21 ändert. Zum anderen finden die Weichenstellungen in der Bildungspolitik momentan zu wenig Beachtung: Der Wegfall der verpflichtenden Grundschulempfehlung und die Einführung der Gemeinschaftsschule sind tiefgreifende Projekte, die die Bildungslandschaft in Baden-Württemberg verändern wird. Diese Themen hätten in der Medienlandschaft mehr Aufmerksamkeit verdient.

Welche Farbe(n) hat Ihrer Meinung nach die nächste Landesregierung?

KÄPPELER: Rot-Grün.

(Quelle: Hohenzollerische Zeitung vom 3.9.2011, Autor: Ernst Klett)

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