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< Den Reformen Zeit geben Podiumsdiskussion zum Thema Bildung
6.05.15 10:05 Alter: 3 Jahre

Wohin der Weg führt, bleibt ungewiss

Podiumsdiskussion der GEW befasste sich mit der mittel- und langfristigen Entwicklung der Realschulen in der Region.


Klaus Käppeler

LÖRRACH. Die Realschullehrer im Landkreis sind verunsichert über die Ziele der regionalen Entwicklung. Sollen die Realschulen, wie es die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert, langfristig zu Gemeinschaftsschulen werden und somit "eine Schule für alle" sein? Oder sollte es die gleichen Chancen für alle, jedoch auf unterschiedlichen Schul-Wegen geben? Eine Podiumsdiskussion des GEW-Kreisverbandes in der Lörracher Neumattschule rückte die Situation ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Als Vertreter der Politik diskutierten Klaus Käppeler, schulpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, und Volker Schebesta, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion. Ihnen gegenüber traten Helmut Rüdlin, Leiter des staatlichen Schulamtes Lörrach, und Norbert Asal, Realschullehrer und Vorsitzender der GEW-Fachgruppe Realschule im Landkreis. Es moderierte der Realschullehrer Markus Schütz, Vorsitzender der GEW-Landesfachgruppe Realschulen.Einig waren sich alle Diskutanten, dass die Schulen in den vergangenen Jahren bereits permanenten Entwicklungen unterworfen waren und dass weitere Veränderungen angesichts des geänderten Schulwahlverhaltens, der veränderten Ansprüche an die Förderung der Schüler und der demografischen Entwicklung notwendig sind. Über die Zielrichtung dieser Entwicklung jedoch gibt es unterschiedliche Vorstellungen.

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Die Forderungen der GEW: Senkung des Klassenteilers auf 25, in Inklusionsklassen auf 20 Schüler, zusätzliche Stunden für Diagnose, Beratung, Coaching, Teambildung und Unterrichtsentwicklung, Anpassung der Ausstattung und der Personalschlüssel der Schulen an die neuen Bedürfnisse, Personal- und Organisationsentwicklung auf professionellem Niveau. Die von der Landesregierung angestrebten "Zwei Säulen" sieht die GEW als akzeptablen Zwischenschritt auf dem Weg zu "Einer Schule für alle".Eine Namensänderung ist nicht vorgesehenKlaus Käppeler bewertete diese Forderungen als grundsätzlich berechtigt, stellte aber auch klar, dass der Haushalt nicht alles zulasse. Dennoch sei bereits viel gemacht worden, "auch wenn sich der eine oder andere im Moment nicht mitgenommen fühlt." Eine Namensänderung gebe es an der Realschule nicht, auch wenn der neue Bildungsplan zum Schuljahr 2016/17 umfangreiche Änderungen vorsieht. Ziel der SPD sei es, "möglichst allen eine gute Bildung zukommen zulassen."Volker Schebesta formulierte als Ziel der CDU, die hohe Qualität der Realschulabschlüsse aufrechtzuerhalten. Er wünsche sich "Vielfalt für unterschiedliche Kinder" in der Schullandschaft und sieht die Realschulen weiter als souveräne Schulen und nicht als zukünftige Gemeinschaftsschulen. Deutlich artikulierte er seine Sorge um das sinkende Abschlussniveau, bei einer wachsenden Heterogenität der Schüler in dieser Schulform und meint damit insbesondere die steigende Zahl der schwächeren Schüler.Norbert Asal beschreibt die Realschule als die Schule mit der größten Heterogenität hinsichtlich kognitiver, sozialer, emotionaler aber auch familiärer und kultureller Voraussetzungen der Schüler. Daraus resultieren Herausforderungen im Alltag, für die die Realschullehrer nicht ausgebildet seien. Er betont die Wichtigkeit der Entwicklung neuer Unterrichtsformen und fordert qualifizierende Fort- und Weiterbildungen. Außerdem weist er darauf hin, dass "Inklusion nur als Chance und nicht als Hemmnis" erlebt werden könne, wenn entsprechende Ressourcen und qualifiziertes Personal verfügbar sind.Um der Zukunftssorge vieler Lehrer zu begegnen, wünscht sich Helmut Rüdlin "Momente von professionellem Changemanagement" und betont, die "Kollegen sind die Verantwortlichen, sie tragen den Prozess". Käppeler ermunterte die Lehrer "sich auf Dinge einzulassen", was angesichts der geleisteten Veränderungen mit einem vernehmbaren Schnauben im Publikum kommentiert wurde.In der Diskussion über die Qualität und Anerkennung der Abschlüsse weitete eine Frage von Lörrachs Bürgermeister Michael Wilke den Fokus: Was bedeuten gute Abschlüsse eigentlich? Befähigen sie zu einem gutes Leben? Eine Realschullehrerin ergänzte, dass in der Diskussion Abschlüsse und deren Vergleichbarkeit der stärker an Kompetenzen orientierte Lernbegriff vergessen nicht werden dürfe: Die Schüler könnten zwar heute nicht mehr die Mathearbeiten von vor 20 Jahren schreiben, aber sie "denken mehr".Dass nur wenige Realschullehrer bei der Diskussion erschienen waren, deutete sie als Signal: "Die Realschullehrer wollen nicht mehr reden, sie wollen und brauchen Hilfe in Form von Rahmenbedingungen und Ressourcen." Wie auch immer die Realschule künftig aussehen wird, Rüdlin ist sich sicher: "Wenn wir unsere Arbeit gut machen, können wir erfolgreiches Lernen nicht verhindern."Informationen zur Weiterentwicklung der Realschulen sowie zur Bildungsplanreform unter www.kultusportal-bw.de

 

Quelle: Badische Zeitung