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4.10.14 00:00 Alter: 3 Jahre
Rubrik: Aktuell

Politik und Lebensweisheit

Klaus Käppeler wird morgen 60. Nicht nur das Gewinnen, auch das Verlieren hat der SPD-Landtagsabgeordnete in den vergangenen Jahrzehnten gelernt.


ZWIEFALTEN/HOHENSTEIN. Wie sich das Gewinnen anfühlt, weiß Klaus Käppeler. Er weiß aber auch, wie es ist zu verlieren. Wer als SPD-Mitglied in einer konservativen Region Politik machen möchte, der darf nicht mit stabilem Rückenwind rechnen. Aus Käppelers politischer und persönlicher Bilanz nach sechzig Jahren spricht so ein gutes Stück Lebensweisheit: »Von heute auf morgen kann alles ganz anders sein.« Am Sonntag, 5. Oktober, feiert der Landtagsabgeordnete und Schulleiter Geburtstag.

Schlagartig ganz anders wurde alles zum Beispiel am 26. März 2006. Landtagswahl, Debakel für die SPD. Und Klaus Käppeler, der sich nach fünf Jahren in Stuttgart und der Region Erfahrungen und Kontakte erarbeitet hatte, war sein Mandat wieder los. »Seit dieser Zeit weiß ich, wer meine Freunde sind und wer nicht«, beschreibt er die durchaus bittere Erfahrung, von einem Tag auf den anderen kaum mehr eingeladen zu werden, noch nicht einmal zur Fasnet. Umso wohltuender – und fast schon prophetisch – die Begrüßung durch den Metzinger Oberbürgermeister Dieter Hauswirth bei einem Neujahrsempfang in der mandatlosen Zeit. Als »Abgeordneten a. D. und in spe« hieß der CDU-Mann Käppeler damals willkommen.

»Von heute auf morgen kann alles ganz anders sein «
 
Schlagartig wieder anders wurde alles am 27. März 2011. Landtagswahl, Regierungswechsel. Klaus Käppeler war wieder drin, und sogar als Abgeordneter einer Regierungspartei – damit mehr denn je ein gefragter Mann bei all jenen, die berechtigte oder unberechtigte Anliegen an die Landespolitik haben. »Man darf sich nicht alles zu Herzen nehmen«, ist die Lehre, die der SPD-Politiker aus diesem Auf und Ab in der öffentlichen Gunst gezogen hat. Wichtiger ist ihm, Sachthemen in Ruhe voranzutreiben, Kontakte und Netzwerke zu pflegen. Wie zum Beispiel die jährlichen Infotreffen mit Vertretern der Landwirtschaft, initiiert vom Kreisobmann Gebhard Aierstock, zu dem Käppeler nach eigenen Worten »ein sehr gutes Verhältnis« hat.

Etwas landwirtschaftliches Basiswissen bringt der Politiker von zu Hause aus mit: In Nesselwangen bei Überlingen hatte sein Vater einen Hof bewirtschaftet; in den Ferien mitzuhelfen, war für den ältesten Sohn selbstverständlich. Dass der junge Klaus dann nicht Bauer, sondern Lehrer werden wollte, trug der Vater aber durchaus zufrieden mit.

1979 heiratete Käppeler seine Frau Gundi, eine Hayingerin. Ein Jahr später fing er an der Schule in Zwiefalten an. Seine Wunschstelle, was ungewöhnlich war: »Die Meisten wollten bloß schnell wieder von Zwiefalten weg.« Der begeisterte Hauptschullehrer hielt 27 Jahre lang zur Stange, bevor er als Rektor an die Hohensteinschule wechselte.

Ein Hauptschullehrer hat vielfach »mit dem Drittel der Gesellschaft zu tun, das keine so guten Voraussetzungen hat«. Von der Identifikation mit Benachteiligten bis zum Engagement bei den Sozialdemokraten war es für ihn ein kleiner Schritt. Klaus Käppeler tat ihn 1980, als er in den SPD-Ortsverein Zwiefalten-Hayingen eintrat. »Die haben sich gefreut, dass ich kam. Damals wählte Zwiefalten zu achtzig Prozent CDU.« In dem kleinen Verein wurde der Lehrer schnell Schriftführer, 1985 dann Vorsitzender, was er bis heute geblieben ist.

Wer im schwarzen Zwiefalten das rote Fähnchen hochhalten will, der braucht »einen langen Atem«. Bis die Leute merken, dass einer zwar Sozi, aber sonst recht vernünftig und normal sein kann. Beim ersten Anlauf 1984 verpasste Käppeler den Einzug in den Gemeinderat. 1989 wurde er gewählt. Vorangegangen war die 900-Jahr-Feier Zwiefaltens, an der er als französischer Soldat hoch zu Pferd mitgewirkt hatte. Als Lehrer und als Leiter der Volleyballgruppe kannten ihn die Leute inzwischen auch. Zwanzig Jahre später, 2009, schaffte es Käppeler bei der Kommunalwahl sogar zum Stimmenkönig – für ihn eigentlich der schönste politische Erfolg überhaupt.

Höhere politische Ambitionen hatte Klaus Käppeler damals nicht. Als ihn der SPD-Landtagsabgeordnete Walter Mogg 1995 fragte, ob er nicht als Zweitkandidat ins Rennen gehen wolle, ist der Zwiefalter »aus allen Wolken gefallen«. Mit dem 24. März 1996 hat er dann gleich gelernt, dass Landtags-Mandate nicht auf Lebenszeit sind, schon gar nicht bei der SPD: Mogg verlor das seine.Im unruhigen politischen Auf und Ab halten Klaus Käppeler zwei Konstanten auf Kurs. Die eine ist seine Familie mit den drei Söhnen Kai, Axel und Ingo, inzwischen alle drei erwachsen. »Alles gut« ist Käppelers Kurz-Zusammenfassung für diesen Teil seines Lebens. Die zweite Konstante ist die Schule, in der er als Rektor in Hohenstein berufliche Erfüllung gefunden hat: »Die Rolle des Schulleiters, das ist mein Leben.« Schmerzlich empfindet Käppeler deshalb, was unter den Stichworten »demografischer Wandel« und »Bildungspolitik« auch den Landespolitiker beschäftigt: Hohensteins Hauptschule läuft mangels Schülern in zweieinhalb Jahren aus.

Schlagartig anders wird Klaus Käppelers Leben spätestens im Frühjahr 2016 wieder. Dann will er – »wenn ich dann noch gesund bin und die Genossen mich wieder nominieren« – erneut kandidieren. Wird er gewählt, dann bedeutet das den Abschied von der Schule, da der Landtag künftig Vollzeitparlament ist. Und wenn er nicht gewählt wird? Dann wird Käppeler plötzlich wieder sehr viel weniger Einladungen kriegen. (GEA)

 

Quelle: GEA vom 04.10.2014