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4.10.14 00:00 Alter: 3 Jahre
Rubrik: Aktuell

Als Politiker eher ein Pragmatiker

Heute Abend feiert der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler in Zwiefalten in seinen 60. Geburtstag hinein. Zu den Gästen in der Rentalhalle zählen etliche SPD-Minister mit Nils Schmid an der Spitze.


Klaus Käppeler - hier im Gespräch mit Bundespräsident Joachim Gauck - wird am Sonntag 60 Jahre alt. Der Landtagsabgeordnete feiert heute in der Rentalhalle in seinen Geburtstag hinein und erwartet dazu prominente Gäste.

Die politische Laufbahn ist ihm nicht gerade in die Wiege gelegt worden, stammt Klaus Käppeler doch von einem Bauernhof aus Nesselwangen bei Überlingen und nicht etwa aus einer Arbeiterfamilie. Dort ging er auch auf die Volksschule, die acht Klassen in einem Raum beherbergte. Es war ein streng katholisches Elternhaus, erzählt er. Bis zum Alter von 18 Jahren war er Ministrant, engagierte sich in der kirchlichen Jugendarbeit. Nach der vierten Klasse fragte der Pfarrer die Eltern, ob der Sohn nicht später Priester werden könne, wozu er auf die Mittelschule nach Überlingen wechseln sollte. Nach zwei Jahren auf der Mittelschule, die der heutigen Realschule entsprach, wechselte Käppeler aufs Gymnasium.

Taschengeld gab es damals keines, sein Geld verdiente er sich durch das Austragen der Zeitung, wofür er sehr früh morgens aufstand. Geprägt haben ihn in diesen Jahren die Schullandheim-Aufenthalte, im Schwarzwald, in Südtirol, in Paris und im Elsass. Für das Skischullandheim arbeitete er in den Ferien vier Wochen lang im Wald, womit es ihm möglich war, sich die Skiausrüstung zu finanzieren. Das Skifahren sollte zu einer Leidenschaft werden, der er noch heute frönt.

Nach dem Abitur im Jahr 1974 wollte er seinen Wehrdienst ableisten, wurde aber wegen Knieproblemen, die er sich beim Fußballspiel zugezogen hatte, untauglich gemustert. "Ich musste jetzt also schnell entscheiden, was ich werden wollte", erinnert er sich. Priester stand damals schon längst nicht mehr zur Debatte, aber ein Beruf, der ihm Umgang mit jungen Menschen bieten konnte, schon. Da lag es nahe, ein Lehrerstudium an der PH in Weingarten zu beginnen, mit den Fächern Englisch und Geschichte. Dank Bafög, eingeführt von der SPD unter Willy Brandt, konnte er dieses auch finanzieren.

Käppeler wohnte in einer WG auf einem Bauernhof, an den Wochenenden setzte er sich meistens auf seine Honda 250 und brauste heim nach Nesselwangen. Nach zwei Wintern war das erste Auto, ein blauer VW Käfer, fällig, dessen Heizleistungen freilich auch nicht berauschend waren. Im Studium lernte er seine Frau Gundi kennen, die auch Englisch studierte. 1979 heiratete das junge Paar, das beruflich zunächst auseinandergerissen worden war, um die Chance zu haben, zusammenzukommen. Käppeler absolvierte sein Referendariat in Wurmlingen bei Tuttlingen, arbeitete zunächst ein Jahr in Immendingen, während seine Frau an der Münsterschule in Zwiefalten landete. Dorthin kam er schließlich 1980 auch.

1981 kam der älteste Sohn Kai auf die Welt, der inzwischen verheiratet ist und als Informatiker in Zürich arbeitet, zwei Jahre später Axel, der Fachpfleger für Psychiatrie ist und Pflegemanagement studiert. Ingo komplettierte 1985 die Familie. Er ist Netzwerkspezialist und bei einer Firma in Erding angestellt, die das Netzwerk von Porsche wartet. 1985 kauften die Käppelers in Zwiefalten ein altes Haus, das renoviert wurde und in dem sie noch heute wohnen.

Politisch interessiert war Klaus Käppeler schon immer, was durch einen engagierten Geschichtslehrer in der Schulzeit angestoßen worden war. In der Hauptschule hatte er zudem mit Schülern zu tun, die nicht privilegiert waren, deren Anwalt er ein Stück weit werden wollte. Im Amtsblatt hatte der SPD-Ortsverein zur Sitzung eingeladen: "Ich bin einfach hinmarschiert und freudestrahlend empfangen worden", lacht er, wobei ihm zu dieser Zeit gar nicht bewusst gewesen sei, wie schwer man sich im konservativ geprägten Zwiefalten als Sozialdemokrat tut. Seit 1985 ist er Ortsvereinsvorsitzender. Im Jahr zuvor hatte er erstmals auf der Freien Wähler-Liste für den Gemeinderat kandidiert, wenngleich noch erfolglos. Fünf Jahre später sollte es reichen. "Anstrengend" seien die ersten Jahre im Rat gewesen, erinnert sich Käppeler, der immer wieder als "Schulmeister" abgekanzelt worden sei. "Ich habe mich nicht unterkriegen lassen", schmunzelt er. Die Wähler jedenfalls honorierten seinen Einsatz, 2009 wurde er sogar Stimmenkönig.

Kraft Vorstandsamtes war Klaus Käppeler Mitglied im SPD-Kreisvorstand, 1993 wurde er zum stellvertretenden Kreisvorsitzenden gewählt. Bei einer Sitzung im Jahr 1995 wurde er von Walter Mogg gefragt, ob er sich vorstellen könne, Zweitkandidat zu werden. "Ich bin aus allen Wolken gefallen", erinnert er sich, sagte aber zu und wurde zudem Moggs Wahlkampfleiter, in einem Team, dem auch der spätere Münsinger Bürgermeister Mike Münzing angehörte.

2001 fand die nächste Landtagswahl statt. Käppeler war ermuntert worden, zu kandidieren. Am Nominierungsabend hatten die Delegierten die Wahl zwischen Käppeler, Klaus-Dieter Fink und Dr. Horst Prautzsch. Letzterer führte nach dem ersten Wahlgang, Käppeler lag nur an dritter Stelle. Als Fink enttäuscht aufgab, empfahl er Käppeler, der dann tatsächlich zum Kandidaten gekürt wurde. Er rechnet es Prautzsch noch heute hoch an, dass dieser ihn dennoch im Wahlkampf engagiert unterstützte.

Auch dank der damals sehr populären Spitzenkandidatin Ute Vogt schnitt die SPD sehr gut ab, Käppeler wurde Abgeordneter, musste lernen, sich in die hierarchisch geführte Fraktion einzugliedern, eigene Vorstellungen manchmal auch unterzuordnen.

Ausschussplätze mussten vergeben werden. Klaus Käppeler erinnert sich noch gut an das halbstündige Gespräch mit dem damaligen Fraktionschef Wolfgang Drexler. Als Lehrer war es quasi vorbestimmt, dass er im Bildungsausschuss landete. Die Arbeit im Landtag machte auch aus der Opposition heraus Spaß, sagte er. Schnell war er übrigens Mitglied der Landtags-Fußballelf, kickte zusammen mit Günther Oettinger, zu dem er noch heute ein gutes Verhältnis hat, im Sturm.

Für die Wahl 2005 war er mit 100 Prozent der Delegiertenstimmen nominiert worden, diesmal scheiterte er jedoch knapp, stand am Montag nach der Wahl wieder in der Münsterschule. Wie sollte es weitergehen? Käppeler wurde gefragt, ob er nicht als Bürgermeister kandidieren wolle, entschied sich aber, weiter Lehrer bleiben zu wollen. In Hohenstein wurde die Stelle des Schulleiters ausgeschrieben. 2007 trat er diese an, steckte viel Energie in die Schule, setzte sich ein für die Zukunft der Hauptschule, konnte Ganztagesbetreuung einführen, aber den demographischen Wandel doch nicht verhindern, der dazu führt, dass die Hohensteinschule ihren Status als Hauptschule verlieren wird.

Seit 2011 ist er wieder Mitglied im Landtag, jetzt auf der Regierungsseite, jetzt mit weit mehr Gestaltungsmöglichkeiten. So wurde der Bildungsetat um zehn Prozent auf zehn Milliarden Euro aufgestockt, betont Käppeler, der sich auf die Fahnen schreibt, dass die Grünen-Forderung von großen Eingangsklassen nicht umgesetzt wurde, was zum Schulsterben auf dem Land geführt hätte. Vehement hat er auch für die Chance gekämpft, dass auch kleine Grundschulen die Möglichkeit erhalten, Ganztagesbetreuung anzubieten. In eineinhalb Jahren ist die nächste Landtagswahl. Käppeler wird sich um eine erneute Nominierung bemühen, im Falle einer erfolgreichen Wahl sein Amt als Schulleiter aufgeben, "auch wenn mir das sehr schwer fällt".

Doch jetzt wird erst einmal gefeiert. Mehr als 230 Gäste erwartet er heute Abend in der Zwiefalter Rentalhalle, unter ihnen mehrere SPD-Minister mit Nils Schmid an der Spitze. Dabei sein werden aber auch viele alte Freunde, unter anderem die "Gipsfuß"-Fußballer, die Freizeit-Volleyballer, die Skifahrer, mit denen er seit mehr als 25 Jahren regelmäßig nach Flums reist.

 

Quelle: SWP vom 04.10.2014