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10.02.16 13:56 Alter: 2 Jahre

Klaus Käppeler: Bis in die Haarspitzen motiviert

Landtagswahl - Klaus Käppeler (SPD) ist Facebook-Star, führt Hintergrundgespräche und klingelt an Haustüren


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ENINGEN/MÜNSINGEN. In seiner Fraktion ist Klaus Käppeler der Facebook-Star: Im November hatte der SPD-Landtagsabgeordnete zum »Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung« das Bild eines kleinen, lachenden Mädchens mit Down-Syndrom gepostet, das mit einem Zitat von ihm versehen war: »Mädchen und Jungen mit Behinderung gehören in die Mitte der Gesellschaft – nicht an ihren Rand«. Mehr als 3,7 Millionen Menschen haben diesen Eintrag angeschaut, knapp 140 000 mit »gefällt mir« versehen, mehr als 30 000 User haben ihn geteilt. »Das hat mich total überrascht«, sagt der 61-Jährige.

In den vergangenen Jahren hat Käppeler sich als Abgeordneter vehement dafür eingesetzt, dass Menschen mit Behinderung besser in die Gesellschaft integriert werden. »Bei der Ausarbeitung des Gesetzes zur Inklusion war ich federführend«, sagt er und es klingt bescheiden. Geltungssucht gehört nicht zu seinen Charaktereigenschaften. Der Zwiefaltener, der seit 1980 SPD-Mitglied ist und 2011 zum zweiten Mal in den Landtag einzog, ist eher ein bedächtiger Mensch.

Wenn es sein muss, kann er allerdings auch die Blicke auf sich lenken. Wie zum Beispiel beim Bürgerempfang der SPD-Landtagsfraktion im Januar in Reutlingen: Seine Begrüßungsrede ließ die Genossen aufhorchen, er bekam viel Zuspruch. Auch am Rednerpult im Landtag spricht er Klartext, wenn es um Inklusion oder Ganztagsschule geht.

Als Bildungspolitiker ist er inzwischen im ganzen Land gefragt. Er hält Vorträge, wird als Experte eingeladen. »Die Veränderungen in der Schullandschaft greifen und ich bekomme mittlerweile viele positive Rückmeldungen dazu«, sagt Käppeler. Die Gemeinschaftsschule ist für ihn nach wie vor der Schlüssel zu mehr Bildungsgerechtigkeit: Auch benachteiligte Kinder sollen einen höheren Schulabschluss erreichen können. »Das ist nur möglich über das längere gemeinschaftliche Lernen«, erklärt er.

Damit diese Politik eine Chance erhält, sich auf Dauer zu bewähren, stürzt Käppeler sich mit Energie in den Wahlkampf. Das ist etwas, was er aus dem »FF« beherrscht. Plakate hat er schon geklebt, als es noch nicht um ihn selbst ging.

»Das ist Anerkennung, Auftrag und Vertrauensbeweis«

In seinem vierten Landtags-Wahlkampf versucht er wieder allgegenwärtig zu sein. Ein Termin jagt den nächsten: Empfänge, Podien, Partei- und Fasnetveranstaltungen. Weil sein Wahlkreis 61 so »riesengroß« ist, verbringt Käppeler viel Zeit auf den Straßen zwischen Metzingen, Münsingen, Hechingen und Lichtenstein. »Ich fahre 40 000 Kilometer im Jahr und das meiste davon ist politisch bedingt«, betont er.

Als Abgeordneter mit viel Erfahrung legt er Wert auf Hintergrundgespräche mit den verschiedensten Interessengruppen. So informierte er sich bei der Interessengemeinschaft gegen den Bau des Windparks Hohfleck, obwohl ihn, wie er betont, jedes neue Windrad freut. Seit der Katastrophe von Tschernobyl 1986 hat er für den Ausstieg aus der Atomenergie gekämpft. »Damals waren meine drei Kinder noch sehr klein und als ich einen Bekannten mit einem Geiegerzähler im Sandkasten sah, bekam ich Angst vor den Auswirkungen der Radioaktivität«, schildert er sein prägendes Erlebnis.

Vor fünf Jahren sorgte das Unglück von Fukushima in Deutschland dafür, dass der Ausstieg aus der Kernenergerie begann und Baden-Württemberg eine grün-rote Regierung bekam. Käppeler ist optimistisch, dass es bei dieser Konstellation bleiben wird. Für ihn ist es ungeheuer spannend, »bis in die Haarspitzen motiviert« auf das Ziel, die Koalition in Stuttgart fortzusetzen, hinzuarbeiten. Dass er mit einer Quote von 100 Prozent zum Kandidaten gekürt wurde, beflügelt ihn: »Das ist Anerkennung, Auftrag und Vertrauensbeweis zugleich.«

So wird er demnächst mit Ständen auf den Marktplätzen seines Wahlkreises vertreten sein, wird auf Fasnetsbällen tanzen und – wenn das närrische Treiben ein Ende hat – an vielen Haustüren zwischen Hechingen und Eningen klingeln, um sich den Wählern persönlich vorzustellen. »Das macht mir Spaß«, sagt er. Der direkte Kontakt mit den Bürgern ist ihm angenehm. Er hört zu, nimmt Anregungen mit, stellt sich aber auch der Kritik.
Und er hofft, die Stimmen der Bürger gewinnen zu können. »Am 13. März abends fällt auch die Entscheidung, wie es mit mir persönlich weitergeht«, sagt Käppeler, »da ist viel Adrenalin im Spiel.« Wird er wiedergewählt, muss er – nach der neuen Regelung – als Landtagsabgeordneter seinen Beruf als Lehrer und Rektor der Hohensteinschule aufgeben. Wird er nicht mehr gewählt, unterrichtet er – da die Hauptschule in Hohenstein ausläuft – künftig in erster Linie Grundschüler: »Das wäre für mich eine große Herausforderung.« (GEA)

Klaus Käppeler, SPD (Wahlkreis 61)

Geboren: 5. Oktober 1954 in Überlingen
Konfession: katholisch
Wohnort: Zwiefalten
Familienstand: verheiratet, drei Söhne
Beruf: Rektor der Grund- und Hauptschule Hohenstein
Derzeitige wichtige politische Ämter: Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg von April 2001 bis Mai 2006 und seit April 2011, dort Mitglied im Ausschuss Schule, Jugend und Sport sowie im Ausschuss Ländlicher Raum und Verbraucherschutz; Mitglied des Kreistages seit Juni 2004; Gemeinderat seit 1989
Aktuelle Buchlektüre: »Der Medicus von Saragossa« von Noah Gordon
Lieblingsfilm: »Der mit dem Wolf tanzt« von und mit Kevin Costner
Lieblingsmusik: »Music« von John Miles
Lieblings-TV-Sendung: Tatort (seit 1972 regelmäßiger Zuschauer)
Hobbys: Skifahren, Volleyball, Heimwerken,
Reisen
Bevorzugtes Fortbewegungsmittel: Auto
Vorbild(er): Helmut Schmidt, Willy Brandt
Zentrales politisches Anliegen in einem Satz: Ich setze mich für soziale Gerechtigkeit ein und möchte späteren Generationen ein Land in Frieden hinterlassen, das sich mit einer nachhaltigen Politik an einer ressourcen- und umweltschonenden Wirtschaft orientiert.

Quelle: Reutlinger Generalanzieger  GEA, 09.02.2016