In Hechingen ist die SPD zweite Kraft

Einfach anders, das gilt genauso für die Wahlbeteiligung. Denn der Gesamtstadthechinger als solcher ist ein offenkundiger Abstimmungsmuffel geworden: Während im Rest des Bundeslandes die Prozentzahl auf 66,5 hochschnellte, liegt sie in Hechingen bei nur 60,6 Prozent. Das ist zwar etwas mehr als vor fünf Jahren mit damals 54,7 Prozent, aber weniger als 2001 mit 64,6 Prozent. Aber es ja noch etwas drin: Die Hechingerinnen und Hechinger dürfen in diesem Jahr nochmals wählen, ihren Bürgermeister.

Eindeutiger Wahlgewinner sind in der früheren Kreisstadt die Grünen. Sie haben sich mit einem in Hechingen komplett unbekannten Kandidaten, dem Metzinger Studenten Dominic Esche, mehr als verdoppelt: Von 9,5 Prozent vor fünf Jahren gings rauf auf 20,5 Prozent. Die besten Werte hat die Partei, die mit ihrem Promi Fritz Kuhn in Hechingen Wahlkampf gemacht hat, mit jeweils um die 24 Prozent in den Wahllokalen Zollerschule, Grundschule Stetten und Boll. Ganz nebenbei hat just auch die CDU in der Zollerschule und in Boll ihre besten Ergebnisse.

Die Christdemokraten freilich sind in Hechingen der klare Wahlverlierer. Die CDU ist sogar auf unter 40 Prozent gerutscht, sie kommt auf 39,7 Prozent. Das ist ein Minus von 6,6 Prozent. Karl-Wilhelm Röhm, der bereits zum dritten Mal angetreten ist und einen entsprechend hohen Bekanntheitsgrad genießt, konnte den Negativtrend seiner Partei also nicht stoppen. Sein Wahlkampf war auch im hohenzollerischen Teil durchaus hochkarätig. Beim Starkbierfest im Hofgut der Domäne war zum Beispiel der neue Bundesinnenminister als Hauptredner vor Ort.

Bei der FDP scheint der Kinkel-Bonus mittlerweile komplett verblasst. Die Liberalen haben gestern mit ihrem Kandidaten und zukünftigen Abgeordneten Andreas Glück, dem Sohn des verstorbenen Landtagskandidaten Horst Glück, 6,8 Prozent eingefahren, das ist zwar über dem Landesdurchschnitt, aber weit von den 11.5 Prozent im Jahr 2006 und noch weiter von den 12,6 Prozent vor zehn Jahren entfernt.

Das andere Hechingen macht sich bei der Landtagswahl ebenfalls am Ergebnis der SPD bemerkbar. Die Genossen haben zwar gleichfalls verloren – von 26.4 Prozent (im Jahr 2001 waren es noch 30,3 Prozent) ging es runter auf 23,2 Prozent; das ist aber besser als der Wahlkreisdurchschnitt. Trotzdem sind die Genossen in der Stadt weiterhin das, was sie im Land gerne geblieben wären: die zweite Kraft. Der Wahlkampf von Klaus Käppler, der nun über ein Zweitmandat zum zweiten Mal in den Landtag einzieht, war also durchaus erfolgreich in Hechingen. Der Schulleiter aus Zwiefalten konzentrierte sich zumindest im hohenzollerischen Teil des Wahlkreises ganz aufs Persönliche, machte Hausbesuche und Straßenwerbung. Bekannt ist Käppeler, der von 2001 bis 2006 dem Landtag angehört hatte, ohnehin. Ihr Hechinger Spitzenergebnis hatte die SPD wieder einmal in Beuren – mit knapp 33 Prozent.

Die Linke täte ebenfalls mit Handkuss ihr Hechinger Ergebnis für ganz Baden-Württemberg nehmen: Die Partei, deren Kandidat Eberhard Jaensch mit Wohnort Stetten als einziger aus dem Hechinger Teil des Wahlkreises kommt, hat es auf 5,02 Prozent geschafft. Der Vorgänger WASG hatte 2006 noch drei Prozent. Jaensch kommt daheim im Wahlbezirk Grundschule auf 9,4 Prozent.

Sechste Kraft in Hechingen ist die Piratenpartei (1,9 Prozent). Die Rechten haben zusammen ein kleines bisschen mehr Stimmen: Die NPD 1,1 Prozent, die Reps 0,9 Prozent. Nur 0,83 Prozent haben sich für die ÖDP entschieden.

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