Im Rehbraten kein Pferdefleisch

Den Preis für die weiteste Anreise hätte ein Schwabe bekommen, der seit sechs Jahren in den Wäldern Finnlands 200 Kilometer südlich des Polarkreises lebt. Den für die treueste Teilnahme Christian Ostertag aus St. Johann, der für 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt wurde, dicht gefolgt von Rudi König mit 50 Jahren. Bereits 40 Jahre dabei sind Herbert Baur, Karl Kast, Helmut Paulsen und Ronald Wörner. Frischling Dieter Reinking bringt es immerhin noch auf 25 Jahre.

Auch auf die langjährigen Mitglieder kommen in der zweiten Hälfte ihres Jägerlebens noch einschneidende Veränderungen zu, wie Kreisjägermeister Curt Wizemann und die Gäste aus Landes- und Kommunalpolitik und der mehr oder weniger befreundeten Landwirtschaft zu berichten wussten. Die Jagdgesetzgebung ist im Umbruch, und die Novellierung des Landesjagdrechts, die zurzeit im Landtag ausgearbeitet wird, wird von den Jägern skeptisch betrachtet.

Vertrauen in die Politik sei nicht vorab gegeben, meinte Wizemann. Er war dann aber von der sachlichen Atmosphäre im Landtag überrascht, die er bei einer Anhörung als Gast erfuhr. Letztlich geht es bei der Novellierung um einiges. Streichungen im Katalog der dem Jagdgesetz unterliegenden Tierarten, die Zwangsmitgliedschaft in den Jagdgenossenschaften, Pflicht zur Nutzung bleifreier Munition, Änderungen bei den Schonzeiten sind einige Eckpunkte. Und darüber als Dach eines neuen Gesetzeswerks die Stärkung der Stellung der Interessen der Grundeigentümer, sprich: mehr Abschuss von Hirsch, Reh und Sau zur Vermeidung von Wildschäden.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler, der sich in die Höhle der schwarzen und grünen, selten roten Löwen getraut hatte, versprach der Jägerschaft eine faire Gesetzgebung. Extrempositionen zwischen »Jagd ist Mord« und Totalabschuss von Gehörnträgern zum Baumschutz hätten keine Chance. Die FDP in der Oppositionsrolle und am Samstag vertreten durch Andreas Glück (MdL) sieht das etwas anders. Reflexartige Gesetzesverschärfungen und das Andrehen der Bürokratieschraube träfen die Falschen. Die Übertragung der Fleischbeschau weg von staatlichen Stellen hin zu den Jägern habe sich beispielsweise bewährt. Zumindest sei noch kein Pferdefleisch im Rehbraten aufgetaucht.

Rothirsch im Übungsplatz

Dem Rothirsch, Wappentier Baden-Württembergs, will Glück im Biosphärengebiet eine Chance geben. Zurzeit müssen wandernde Hirsche außerhalb von ausgewiesenen Rotwildgebieten geschossen werden. Bundesförster Georg Herrendorff ist der abrupte Abbruch so einer Wanderung im Dezember im ehemaligen Truppenübungsplatz tatsächlich gelungen. Ob der gestreckte junge Hirsch zwischen Schwarzwald und Allgäu auf alten Wildwanderwegen unterwegs war oder schlicht aus einem Gatter ausgebüxt ist, soll ein DNA-Test klären.

Vom Hirsch auf der Alb hält Gebhard Aierstock, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, selbst Waldbesitzer und damit verbissbedroht, wenig. Die Bauern bewegen vielmehr die Schäden durch Wildschweine, die 2012 ein Rekordniveau erreicht haben dürften. Aierstock macht sich unbelastet von jagdlichen Traditionen Gedanken um effizientere Jagdarten. Revierübergreifendes Jagen sei noch zu selten und zu zaghaft, das »Kirren« der Sauen mit Mais könne auch zur Winterfütterung ausarten und der bei den Jägern verhasste »Saufang« würde zur Not ja funktionieren, wie der Fang einer Rotte Sauen durch die Wildforschungsstelle Aulendorf zur Besenderung bewiesen habe.

Verzweifelte Jäger, die die Schäden in ihren Revieren nicht mehr bezahlen können, wollen die Bauern auf jeden Fall nicht sehen. Bürgermeister Mike Münzing sicher auch nicht. Schließlich muss er nächstes Jahr 25 Münsinger Jagdbögen neu verpachten. Letztlich gäbe es bei der Sauenjagd nur eine allgemeingültige Regel, so Wizemann: »Ans Bett kommen sie nicht«, Engagement sei gefordert.

Dass das in seiner Jägerschaft vorhanden ist, belegten die 154 ausgestellten Gehörne von Rehböcken plus dem des Wanderhirschs, die zum Abschluss von Karl Kasts Jagdhornbläsern mit den traditionellen Totsignalen verblasen wurden.

Quelle: Gea vom 13.04.2013, Autor: Steffen Wurster

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