Heiter: Gabriels teilen Leidenschaft für Sonnenkraft

BOOS -Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.Das zeigte gestern der Besuch des SPD-Bundestagsabgeordneten und Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel eim Heizungsbauer Gabriel in
Boos. Denn eigentlich wollte der Sozialdemokrat schon 2009 in den Ortsteil von Ebersbach-Musbach kommen und den auf Solarenergie spezialisierten Betrieb besuchen, musste aber kurzfristig absagen.
„Das Warten hat sich gelohnt“, waren sich Geschäftsführer Gerhard und Andrea Gabriel einig.
Nicht etwa aus Berlin musste der Bundespolitiker Gabriel anreisen, sondern nur einen Abstecher nach Boos machen: „Jedes Jahr mache ich
Urlaub am Bodensee“, verriet er und verband ihn in diesem Jahr damit, seinen versprochenen Besuch nachzuholen.
Kennengelernt hatten sich die Namensvetter auf einer Fachtagung in Braunschweig. „Und so ergab es sich, dass ich gerne das Unternehmen besuchen wollte, das meinen Namen trägt und vor allem das vertreibt, wofür ich eintrete.“
In seinem Vortrag „Arbeit und Umwelt – Unser Weg ins Zeitalter der Erneuerbaren Energien“ legteder ehemalige Bundesumweltminister die wirtschaftliche Bedeutung der nachwachsenden Rohstoffe dar.
Bei der aktuellen Entwicklung werden zwei Planeten benötigt „Vor 50 Jahren gab es 2,5 Milliarden Menschen auf der Erde, jetzt sind es
sechs Milliarden und in 50 Jahren neun Milliarden“, berichtete Sigmar Gabriel. Bei dieser Entwicklung und der zunehmenden Industrialisierung würde die Menschheit zwei
Planeten benötigen, um genügend Ressourcen zu haben. Die Industrialisierung von Entwicklungsländern zu verhindern sei der falsche Weg.
„Auch diese Menschen wollen ihr Leben vereinfachen“, sagte der SPDPolitiker. Die Frage sei also, wie diese Entwicklung mit den zur Verfügung stehenden Rohstoffen zu schaffen sei. In der aktuellen Situation sei eine Preissteigerung
auf dem Energiemarkt eine logische Konsequenz. „Wenn mehr Menschen etwas haben wollen von dem es wenig gibt, dann steigt der Preis“, so Gabriel. Eine Volkswirtschaft wie Deutschland müsse sich daher um Unabhängigkeit auf dem Energiesektor bemühen. „Allein aus wirtschaftlichem Interesse“, betont er.
Deutschland muss Rolle des Vorreiters übernehmen Dabei rät er zu zwei Strategien: „Erstens den Verbrauch reduzieren, zweitens von fossilen Brennstoffen hin zu nachwachsenden Rohstoffen. Das schaffen wir in Europa nicht alleine, aber wir müssen es vormachen.“ Und schließlich sei Deutschland bekannt dafür, sich etwas Neues auszudenken und dies wirtschaftlich zu nutzen. Auf diesem Weg seien Handwerksbetriebe ein wichtiger Baustein, denn diese seien am dichtesten
am Verbraucher dran. „Ich danke der Firma Gabriel dafür, dass sie bereits seit 1989 an der Idee der Solarkraft festhält und nie aufgegeben hat“, sagte Sigmar Gabriel.
Dass die Region bereits einen Ansatz für Gabriels Strategie hat, zeigte Dr. Andreas Thiel-Böhm, Geschäftsführer der Technischen Werke Schussental. Er stellte die „Initiative Grüner Weg“ vor. Darin sollen sich Verbraucher, Organisationen und Unternehmen zusammenschließen, um das Schussental bis 2020 CO2- neutral zu machen. „Eine Regierung kann Gesetze für die Rahmenbedingungen erlassen, aber um klimaneutral zu werden, muss jeder seinen Beitrag leisten“, sagte Thiel-Böhm. Die Initiative habe sich zum Ziel gesetzt, die Energieeffizienz zu steigern, fossile Brennstoffe Schritt für Schritt gegen nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen und einen eventuellen
Restbetrag der Energiebilanz über Zertifikate abzugelten.
Ebersbach-Musbachs Bürgermeister Roland Haug freute sich, den Bundespolitiker in seiner Gemeinde begrüßen zu dürfen. „Die Natur kennt weder Strafe noch Belohnung, wohl aber Folgen. Daher müssen wir uns dem Naturschutz verpflichten.“ Er gab dem Bundespolitiker zudem die Dringlichkeit einer Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur sowie
der Breitbandversorgung mit auf den Weg.
Bevor der SPD-Parteichef Sigmar Gabriel wieder mit dem Dienstwagen abfuhr, drehte er eine Runde in dem „Zero Emission“ von Mercedes-Benz. Mit der A-Klasse als Elektroauto will der Autobauer in Serienproduktion gehen.

Quelle: Schwäbische Zeitung vom 28.04.2011

Autorin und Fotos: Julia Freyda

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