G9 bleibt ein Thema für Bad Urach

Im Ringen um einen zusätzlichen G9-Zug hat der Schulleiter des Graf-Eberhard-Gymnasiums (GEG), Friedemann Schlumberger, weitere Fürsprecher gewonnen. Nachdem bereits der Gemeinderat unter Vorsitz von Bürgermeister Elmar Rebmann beim Land einen entsprechenden Antrag gestellt hatte, der allerdings abgelehnt wurde, hat sich gestern auch der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Claus Schmiedel "sehr beeindruckt" gezeigt "über die Art und Weise, wie in Bad Urach Bildungspolitik angegangen wird."

Schmiedel und sein Fraktionskollege, der Wahlkreisabgeordnete Klaus Käppeler, haben gestern das GEG besucht und sich dabei mit Bürgermeister Elmar Rebmann, den Fraktionsvorsitzenden des Bad Uracher Gemeinderats, dem GEG-Schulleiter Friedemann Schlumberger, dem Rektor der künftigen Gemeinschaftsschule, Mathias Kessler sowie dem GEG Elternvertreter, Rainer Bürck, ausgetauscht. Anlass zu dem Treffen bot ein Brief, den Friedemann Schlumberger an Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer adressiert hat. In dem Schreiben schildert er seine Enttäuschung darüber, dass das GEG nicht eines der 22 G9-Modellgymnasien im Land sein darf. Dabei sei, wie er auch gestern betonte, der Standort Bad Urach dafür ideal. Zudem gibt es auch unter den Eltern eine breite Zustimmung zu den G9-Plänen: 84 Prozent der Eltern, die Ende März ein Kind fürs Gymnasium anmeldeten, hätten sich für G9 entschieden. Dieses Votum ist kein Einzelfall im Land, es entspricht vielmehr dem tatsächlichen Stimmungsbild, was Schmiedel als einen der vier großen Irrtümer in der Bildungspolitik bezeichnete: G9-Kritiker lobten das G8 allenthalben und behaupteten, dass inzwischen alles prächtig funktioniere: "Das ist damit widerlegt", so Schmiedel.

Ebenso falsch ist es seiner Ansicht nach, monetäre Zwänge ins Feld zu führen, um G9 abzulehnen. Zwar sind G9-Züge ein Jahr länger in der Schule, aber die Lehrerstunden pro Woche liegen so viel unter dem G8-Ansatz, dass das am Ende in etwa ein Nullsummenspiel ist. Irrtümer Nummer drei und vier: Dass das flächenhaft angebotene G9 die neu geschaffenen Gemeinschaftsschulen untergrabe, stimme nicht. "Die Gemeinschaftsschule ist ein ganz neues pädagogisches Angebot, keine Fluchtburg" für die, die sich G8 nicht zutrauen. Und dass die G9-Züge dem entgegenstreben, was sich die neue Landesregierung auf die Fahnen geschrieben habe, nämlich das starre dreigliedrige Schulsystem aufzubrechen, indem es indirekt sogar zu einem viergliedrigen System mutiere, konnte Schmiedel nicht nachvollziehen: "Die Vielfalt bringt es. Die Wiese ist bunt. Schüler haben dann Erfolg, wenn sie sich einen Strauß zusammenstellen können, der zu ihnen passt."

Wie gehts jetzt weiter? Eine Frage, die vor allem Gerhard Steinhart, interessiert hat. Kann das GEG eines der 22 Modellgymnasien sein, das in der zweiten Tranche vom Kultusministerium einen G9-Zug erhält? Oder wird der Schulversuch von derzeit 44 Gymnasien auf das gesetzlich erlaubte Maximum von einem Drittel (das entspricht 120 Gymnasien) ausgeweitet? Klaus Käppeler und Claus Schmiedel sind dafür, wie sie gestern beide unisono betonten. Bis zur Sommerpause möchte Claus Schmiedel den Deckel von derzeit 44 Modellschulen "weghaben".

Da wäre Rückenwind der Eltern ganz hilfreich, sagte Klaus Käppeler, der freilich ebenso wenig wie sein Fraktionskollege versprechen konnte, dass es mit dem G9-Zug in Bad Urach noch klappt. Weiter Druck machen, weitere Briefe schreiben, empfahlen die beiden der Stadt und der Schule. Bürgermeister Elmar Rebmann habe bereits einen Brief ans Kultusministerium geschrieben, möchte jetzt aber mit dem Gemeinderat darüber sprechen, "vielleicht nochmals einen gemeinsamen Brief zu verfassen".

Aus Sicht der Lehrer wäre es einfacher, alles so zu belassen, wie es ist, sagte Friedemann Schlumberger, der dennoch weiterhin um den G9-Zug kämpft: "Wir machen das für unsere Schüler", bekräftigte er. Seiner Meinung nach taugt G8 nämlich für weniger als die Hälfte aller Gymnasiasten.

Quelle: SWP vom 08.05.2012, Autor: Peter Kiedaisch

Schreibe einen Kommentar