Einfach einzigartig

MÜNSINGEN. Was aus dem Truppenübungsplatz in Münsingen wird oder werden kann, sobald sich auf Ende 2004 das Militär auch dort zurückzieht und das 6 700 Hektar Gelände ein Jahr später endgültig geräumt werden soll, darüber spekulieren und diskutieren Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft sowie von Umwelt- und Naturschutzverbänden seit geraumer Zeit.

Was das gleichzeitig laufende Verfahren bezüglich des Truppenübungsplatzes nach FFH-Richtlinien und die Meldung nach Brüssel anbetrifft, kündigte auch Bürgermeister Mike Münzing einen neuen Vorstoß an: Er will, um dadurch die Ortsumfahrung Böttingens im Zuge der L 230 nicht zu gefährden, den Münsinger Beutenlay und andere Gebiete als Ausgleichsflächen zur Verfügung stellen.

Damit sich auch die Landesregierung zu ihrer Verantwortung bekennt und der Truppenübungsplatz endlich in Stuttgart ein Thema wird, will jetzt die Opposition im Landtag sorgen: Sie hat einen Antrag eingebracht, wonach unter anderem eine konkrete Planung für eine Unterschutzstellung des Gebietes vorgelegt und ein Beschluss gefasst werden soll, den Platz innerhalb eines größeren Schutzgebietes vorzusehen, als Nationalpark also oder Biosphärenreservat.

Alle diskutieren mit

Vorgestellt wurde diese parlamentarische Initiative der SPD-Fraktion jetzt in Münsingen von Landtagsabgeordnetem Klaus Käppeler sowie dem Umweltschutzbeauftragten und Vorsitzenden des Ausschusses Umwelt und Verkehr im Landtag, Dr. Walter Caroli, die sich im Gespräch mit Bürgermeister Mike Münzing, Vertretern von Pro Münsingen sowie Verantwortlichen von Schwäbischem Albverein, Naturschutzverbänden, Kreisbauernverband und den Fraktionsvorsitzenden im Münsinger Gemeinderat zugleich über deren Vorstellungen für eine künftige Nutzung des Platzes kundig gemacht haben.

Dessen Einzigartigkeit bietet nach Ansicht von Bürgermeister Mike Münzing eine Chance, um den nach Abzug des Militärs entstehenden Verlust von Arbeitsplätzen sowie von Wirtschaftskraft in einer Größenordnung von rund 70 Millionen Euro kompensieren zu helfen. Mike Münzing wurde deshalb auch bei der Gelegenheit nicht müde zu betonen, dass eine »Leichenfledderei« nicht in Frage komme und der Platz als Ganzes erhalten bleiben müsse, um ihn für die Natur erhalten aber auch von Menschen sinnvoll nutzen zu können.

Weitere 10 bis 15 Millionen Euro, wie sie aus dem Etat des Verteidigungsministeriums für Kampfmitteluntersuchungen vorgesehen sind, müssen nach Ansicht von Mike Münzing nicht sein: Sinnvoller könnte dieses Geld in eine Stiftung beziehungsweise einen Zweckverband fließen, der Eigentümer des Platzes werde, ihn künftig bewirtschafte und pflege. Angesichts eines vorhandenen Wegenetzes von fast 400 Kilometern müsse man für die touristische Erschließung des Platzes dort nichts Neues bauen und könne andere Teile aus haftungsrechtlichen Gründen getrost sperren.

Ob Nationalpark oder Biosphärenreservat: Nach Ansicht von Dr. Walter Caroli, MdL, braucht der Truppenübungsplatz »ein neues Etikett, das mehr Tourismus bringt«. Weil sich die Landesregierung jedoch noch gegen beide Kategorien sperre, versuche die SPD-Fraktion jetzt mit ihrer parlamentarischen Initiative »Dampf zu machen«.

Ausgleichsfläche für die Natur

Dass in Sachen Truppenübungsplatz alle an einem Strang ziehen, betonten die Sprecher von Schwäbischem Albverein, Nabu, Bund sowie BNAN. Allein in der von Thomas Gut von »Pro Münsingen« wiederholten Forderung nach einer direkten Straßenverbindung nach Römerstein scheiden sich die Geister. (GEA)

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