Drohne über dem europäischen Superlativ

REUTLINGEN/ESSLINGEN. Knossos auf der Schwäbischen Alb? Das Sichtbarmachen untergeganger Kulturdenkmale ist weltweit umstritten. Spannend deshalb die bevorstehende Diskussion im November in Sichtweite des europäischen Superlativs, das diesen Streit neu anheizt: »Sehnsucht nach Rekonstruktion und archäologische Realität«.

Mit diesem Titel wirft der Archäologe Jörg Bofinger den Zankapfel in die Runde der Experten, die in einem Kolloquium am 15./16. November in Erkenbrechtsweiler mit dem Stichwort »Befund. Rekonstruktion. Touristische Nutzung« keltische Denkmale auch als Standortfaktoren bewerten.

Das geschieht genau dort, wo Prestige für dieses Land angesagt ist: am Heidengraben. Dort, wo es vor mehr als zweitausend Jahren auf 1 700 Hektar Fläche die größte keltische Anlage auf dem europäischen Festland gab mit »städtisch« verdichtetem Kern. Größer als der wichtige keltische Fürstensitz Heuneburg über der Donau, auf den Baden-Württemberg mächtig stolz ist.

High-Tech über den Köpfen von Politikern, Bürgermeistern, Archäologen, Denkmalpflegern und anderen Behördenmenschen, als der für Denkmalpflege in diesem Land zuständige Finanz-staatssekretär Ingo Rust (SPD) sich von der Aktualität der Archäologie überzeugte. Stehend auf dem Stoppelfeld. Ringsum sichtbare Grabhügel der späten Kelten, die auf der riesengroßen Berghalbinsel des Albtraufs gelebt und sich geschützt haben mit meterhoher Pfostenschlitzmauer, Wall und Graben.

Hier, wo zwei Landkreise und zwei Regierungsbezirke ihre Grenzen haben und drei Dörfer – Erkenbrechtsweiler, Hülben, Grabenstetten – das keltische Kulturerbe verteidigen, wollen Enthusiasten auch das Heidengraben-Zangentor wieder aufgebaut sehen, wie der Tübinger Denkmalamt-Archäologe und Heidengraben-Spezialist Frieder Klein übermittelte. Hier ließ Jörg Bofinger die friedlich agierende Archäö-Drohne hochsteigen: Sie liefert aus bis zu hundert Metern Höhe in 3-D-Dokumentation außergewöhnliche digitale Fotos. Rust erfreut: High-Tech und EDV im Dienst der Wissenschaft und der Denkmalpflege, die damit einer breiten Öffentlichkeit neue Horizonte zu öffnet. Der Mann im Finanzministerium schafft es Jahr für Jahr, die 25 Millionen Euro für die Denkmalpflege trotz Sparzwängen durchzufechten und nennt den wichtigen Grund: die Landesverfassung. (GEA)

Quelle: Gea vom 04.09.13 Autorin: Ingeborg Kunze

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