Die soziale Ungerechtigkeit der Kinderlosen

Es geht um soziale Gerechtigkeit heute und morgen und dazu ist es schon sehr interessant, wie sich die Kinderlosigkeit auf unsere Gesellschaft, auf die Sozialversicherungssysteme, auf die Volkswirtschaft insgesamt und die Steuerkraft im besonderen auswirkt! Welche Folgen immer weniger Kinder auf die Infrastruktur unserer Kommunen haben, warum in Zukunft immer mehr Kindergärten, später Schulen geschlossen werden müssen, warum wir immer mehr Pflegeheime und die dazugehörigen Arbeitskräfte brauchen.

Ich bin mir bewusst, dass die unten getroffenen Aussagen provozieren. Besonders jene 6% der Ehepaare, die keine Kinder bekommen konnten. Leider haben aber zwischenzeitlich über 30% der Frauen keine Kinder, bei Akademikerinnen liegt der Prozentsatz bei 42%! Mir liegt nicht daran, Kinderlose an den Pranger zu stellen, sondern die Menschen mit der Problematik wachzurütteln und als politischer Mensch in verantwortlicher Position Wege aus dieser Demographie-Falle aufzuzeigen! Dabei bin ich mir bewußt, dass meine Aussagen nicht allen Menschen gefallen. Allerdings habe ich zu diesen Thesen auch schon sehr viele positive Rückmeldungen erhalten. Dies bestärkt mich, weiter für eine gerechtere soziale Ausrichtung der Familienpolitik zu kämpfen!

Im Folgenden beziehe ich mich auf einen Vortrag von Prof. Dr. Hermann Adrian von der Gutenberg Universität Mainz, ohne Anspruch auf Vollständigkeit!

  • Im Jahr 2020 werden 25% weniger Kinder geboren als heute – bleibt es bei durchschnittlich 1,4 Kindern pro Frau.
  • Oder anders ausgedrückt: 100 Personen, die im Jahr 1960 geboren wurden, haben im Jahr 1990 65 Kinder. Im Jahr 2020 haben sie 42 Enkel, im Jahr 2050 dann gerade noch 27 Urenkel.
  • Im Jahr 2035 – also in 30 Jahren – ist das Verhältnis alte Menschen bzw. Rentenempfänger gegenüber den Erwerbstätigen am größten!
  • Nicht nur in Deutschland haben wir eine solche verheerende Entwicklung der Alterspyramide. Der Geburtenrückgang begann in Japan um 1960, in Deutschland 1970 und in Italien 1977. Interessant ist, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in diesen Ländern jeweils genau 25 Jahre später begannen.
  • Gute bzw. zufriedenstellende Entwicklungen sind in den USA, in Frankreich und in Großbritannien zu verzeichnen. In den USA bekommt eine Frau durchschnittlich 2,1 Kinder, in Frankreich 1,9 und in Großbritannien 1,7!
  • Die Bevölkerungsentwicklung hat auch einen Einfluß auf Arbeitslosigkeit: Kinderlose investieren nicht in Human-Kapital, haben eine höhere Konsumneigung und geringere private Investitionen.
  • Kinder machen Arbeit! Unser Wohlstand sinkt, weil wir zu wenig Kindererziehung leisten.
  • Zukunftsinvestitionen und damit Konsumverzicht leistet man, um in Zukunft besser zu leben! Kinderlose leisten diesen Konsumverzicht nicht, leben im Alter aber trotzdem besser als Eltern – dies ist grob ungerecht!
  • Wer keine Kinder aufzieht, verbraucht das Human-Kapital, das seine Eltern und die Gesellschaft in ihn investiert haben, und gibt es nicht an die nächste Generation weiter. Er konsumiert deshalb im Laufe seines Lebens mehr, als er selbst erwirtschaftet hat. Folgender Vergleich mag dies verdeutlichen: Jemand erbt eine Fabrik von seinen Eltern und investiert fast nichts in die Erneuerung des Sachkapitals, so dass am Ende seines Lebens die Fabrik wertlos geworden ist und abgerissen werden muss.
  • Für die Wirtschafts- und Sozialsysteme ist das Human-Kapital entscheidend: Wenn uns jährlich 400 000 junge Erwachsene fehlen, verringert sich das Human-Kapital um 200 Milliarden Euro jährlich. Im Prinzip ist es genau so, als würden jährlich durch Naturkatastrophen 200 Milliarden Euro Sach- Kapital zusätzlich vernichtet. Zwangsläufige Folge ist ein Wohlstandsverlust, 25 Jahre nach dem Geburtenrückgang!
  • Die effizienteste Wirtschaftsförderung ist Kinderförderung und Familienentlastung! Ohne eine ausreichende Zahl nachwachsender Kinder werden wir eine tiefe Rezession, eine noch höhere Arbeitslosigkeit, eine Wirtschaftskrise, Niedergang und Verarmung erleben. Länder mit genügend Kindern wie USA, Frankreich oder Großbritannien werden ihren Wohlstand bis 2030 verdoppeln, wir werden 30% verlieren!
  • In Deutschland gehören 12 der 15 häufigsten PKW-Modelle der Mittelklasse an, nur 3 Kleinwagen. In Frankreich ist es umgekehrt. Wir geben unser Geld für Autos, Luxus und Urlaub aus, Frankreich für Kinder und damit für die Zukunft!
  • Jeder Mensch muss natürlich das Recht haben, sich gegen Kinder entscheiden zu können. Aber niemand kann verlangen, dass ihm dann die Kinder anderer im Alter einen hohen Lebensstandard schenken.
  • Wer keine Kinder aufzieht, leistet nur einen Beitrag und darf deshalb nicht erwarten, zwei Beiträge – als Kind und als Rentner – zu erhalten. Wer sich die Kosten und Mühen für Kinder erspart, muss für sein Alter zusätzlich vorsorgen und darf nicht erwarten, auf Kosten anderer zu leben. Gerechter wäre es, wenn die Kinderlosen für die Kinderlosen sorgen – die kinderlosen Erwerbstätigen für ihre alten Eltern und die kinderlosen Alten!
  • Weil Eltern für die Erziehung ihrer Kinder ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen, ist die Summe der Rentenbeiträge im Mittel etwa um ein Viertel niedriger als die Beitragssumme von Kinderlosen. Kindererziehungsjahre in der Rentenanwartschaft zu berücksichtigen ist der falsche Weg, da dann die Leistung den eigenen Kindern 30 Jahre später aufgeladen wird und nicht den gleichzeitig lebenden, kinderlosen Jahrgangsteilnehmern der Eltern – wie es richtigerweise sein müsste.
  • Deutschland ist in den letzten 30 Jahren in eine Schulden-Falle geraten, der Bundeshaushalt wird heute durch Zahlungen für Renten und Zinsen erdrückt! Heute werden bereits 30% des Bundeshaushaltes für Rentenzahlungen, 20% für Zinsen und 8,5% für den Arbeitsmarkt aufgewandt. Das sind zusammen weit mehr als die Hälfte – für die Fehler der Vergangenheit.
  • Bisher handeln wir immer noch nach Adenauer: „Für Familien tun wir nichts, denn Kinder kriegen die Leute sowieso.“ – Dies stimmt aber seit 1975 nicht mehr.

Von Georg Christoph Lichtenberg stammt der Satz:
„Es ist nicht gesagt, dass es besser wird, wenn es anders wird. Wenn es aber besser werden soll, muß es anders werden.“ – Was muss anders werden?

  • Wir müssen in Deutschland deutlich mehr dafür tun, dass wieder mehr Eltern Kinder bekommen!!
  • Wir brauchen eine Bürgerversicherung für alle, ohne Bemessungsgrenze und mit einer Bezahlung nach Einkommen, aus der Einkünfte für das Alter und die Sicherung im Krankheitsfall abgedeckt werden.
  • Kinderlose müssen deutlich höhere Beiträge für ihre eigenen Krankheitskosten im Alter aufbringen.
  • Die Bürgerversicherung ist nur dann gerecht, wenn die Beiträge nach der Kinderzahl gestaffelt werden. Alternativ wäre eine getrennte Versicherung für Eltern und Kinderlose!
  • Heute zahlen Familien bei gleichem Pro-Kopf-Einkommen viel höhere Steuern als Kinderlose, dies ist ungerecht. Keine unserer Parteien setzt sich für ein Familiensplitting ein, wie es in Frankareich selbstverständlich ist. Die Politik (in diesem Fall war es die Kohl-Regierung) mußte durch Urteile des Bundesverfassungsgerichtes dazu gezwungen werden, wenigstens das Existenzminimum der
    Kinder steuerfrei zu stellen. Nur Familiensplitting ist gerecht: Gleiche Steuersätze bei gleichem Pro-Kopf-Einkommen für alle!

  • Die Entscheidung für oder gegen Kinder darf keinen großen Einfluß mehr auf den Wohlstand haben!
  • Wenn wir kein eigenes System finden, Familien fair zu behandeln, müssen wir die Familienpolitik Frankreichs übernehmen. Also ein umfassendes System der Kinderbetreuung aufbauen, von bezahlten Müttern und Tagesmüttern über die Vorschule für 3 – 6 jährige, der „ecole maternelle“ hin zur echten Ganztagesschule für alle bis 16 Uhr.

Erste richtige und wichtige Ansätze sind durch die Politik der rot-grünen Bundesregierung in den letzten Jahren bereits gemacht worden. Es bleibt, sich den Herausforderungen im Hinblick auf den demographischen Wandel und seine Auswirkungen auf die soziale Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft weiterhin zu stellen und neue Lösungskonzepte zu entwickeln.

Ich freue mich auf Ihre Meinung.

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