Der Kampf der Uracher für G-9-Zug geht weiter

Schul- und Stadtverwaltung sowie die Eltern schrieben zahlreiche Briefe nach Stuttgart, gestern sprachen sie in der Schule mit Claus Schmiedel, dem Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion.

84 Prozent der Eltern für G 9

»Wir sind nach wie vor dringend an einem G-9-Zug interessiert«, sagt Schulleiter Friedemann Schlumberger. Nicht nur er, sondern auch und vor allem die Eltern: 84 Prozent derer, die ihre Kinder für die fünfte Klasse im Gymnasium angemeldet haben, hätten den G-9-Zug gewählt, wenn sie die Möglichkeit gehabt hätten. Im Land sind’s aktuell 81 Prozent, weiß der Pädagoge. Solange G 8 nicht entstaubt ist, »ist G 9 eine Frage der Chancengleichheit«, so Schlumberger. Was nicht heißt, dass er das Turbo-Abi einstampfen lassen will: »Es wäre bedauerlich, wenn G 8 hinten runterfällt.« Parallel zum Kampf für G 9 arbeiten die Lehrer an einer Verbesserung von G 8.

SPD-Fraktions-Chef Claus Schmiedel ist »beeindruckt, wie in Bad Urach von kommunaler Seite her das Bildungsangebot angegangen wird«. Er lobt die Abstimmung zwischen den unterschiedlichen Schultypen – hat die Stadt doch schon eine Gemeinschaftsschule auf den Weg gebracht. Die ist in seinen Augen keine Konkurrenz, schon gar kein K.-o.-Kriterium für einen G-9-Zug, sondern eine »ideale Ergänzung«. Die jüngsten Umfragewerte hätten den Landespolitikern die Augen geöffnet, sagt Schmiedel, »es war ein Missverständnis, dass G 8 bis auf ein paar Ausnahmen überall so gut funktioniert«.

Nagelprobe für Grün-Rot

»Für mich ist das eine Nagelprobe«, sagt der SPD-Mann, »die Frage, ob unsere ‚Politik des Gehörtwerdens‘ im Bildungsbereich ernst genommen wird, oder ob sie zur bloßen Floskel verkommt.« Seine Empfehlung an die Uracher ist deshalb klar: weitertrommeln, weitere Briefe nach Stuttgart schreiben, »an den Ministerpräsidenten, an die Kultusministerin und an die Fraktionen«. Das haben die Eltern schon getan und werden’s weiter tun, betont der Elternbeiratsvorsitzende Rainer Bürck.

Gehört und erhört werden

»Gehört werden bedeutet allerdings nicht immer erhört werden«, dämpft der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler übereuphorische Erwartungen. Er habe noch versucht, Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer im persönlichen Gespräch umzustimmen. Umsonst. Verantwortlich für die Ablehnung ist in seinen Augen der grüne Koalitionspartner, »der Abstand von seinem Wahlversprechen genommen hat und wir deshalb nur auf 44 Starterschulen gekommen sind«.

Und die Kosten? Kein Problem, rechnet der SPD-Fraktions-Chef vor, schließlich würden mit G 9 Lehrerstunden des Turbo-Abis frei. »Das finanzielle Engagement hält sich in Grenzen, wenn man die Pool-Stunden von G 8 dazunimmt, schaffen wir’s kostenneutral.«

Ziel: ein Drittel aller Gymnasien

Während die Uracher weiter für ihre Sache werben sollen, wollen die Roten in Stuttgart weiter mit den Grünen verhandeln, verspricht Claus Schmiedel. Mit dem Ziel, »dass wir bis zur Sommerpause den Deckel von 44 Starterschulen heben können.« Das Ziel: Ein Drittel der Gymnasien soll einen G-9-Zug anbieten.

Quelle: GEA vom 08.05.2012, Autor: Andreas Fink

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