Das Warten geht weiter

Seit Jahrzehnten kämpft die Gemeinde um eine Ortsumgehung. In den vergangenen Jahren haben Verwaltung, Gemeinderat und Bürger große Anstrengungen unternommen, um die Sache weiter voranzutreiben. So wurden 250 000 Euro in die hand genommen, um auf eigene Kosten eine Planung für die Ortsumgehung in Auftrag zu geben.

Es wurden auch bereits erste Überlegungen angestellt, wie die Ortsmitte nach dem Bau der Umgehung neu gestaltet werden könnte. Nun steht ein erster Erfolg bevor. Auf abermalige Nachfrage von Bürgermeisterin Annette Bauer beim Regierungspräsidium Tübingen wurde ihr bestätigt, dass der Planfeststellungsbeschluss Ende September erfolgen wird.

Gestern nun war Landesverkehrsminister Winfried Hermann in Grafenberg, um sich über das Projekt zu informieren. Bürgermeisterin Annette Bauer brachte dem Gast nahe, dass die B 313 eine wichtige Verkehrsachse zwischen Nürtingen und Reutlingen sei. Dazwischen liege noch der Besuchermagnet Metzingen, was die Sache auch nicht einfacher mache.

Hermann erfuhr des Weiteren, dass täglich zwischen 17 000 und 18 000 Fahrzeuge durch den Ort fahren, darunter ein großer Anteil von Schwerlastverkehr. Das alles bringe belastende Emissionen mit sich und große Gefahren für die Schulkinder, die die Bundesstraße überqueren müssten. Nicht zu vergessen sei die Lärmbelastung. Die letzte Messung stamme zwar aus dem Jahr 1997, doch schon damals lag sie bei tagsüber bei 64 Dezibel und nachts bei 54. „Der Bau der Ortsumgehung“, so die Bürgermeisterin weiter, „gibt uns auch die Chance, das Ortszentrum neu zu gestalten.“ Es seien schon einige Planungen angestoßen worden, doch angesichts des enormen Verkehrs komme man nicht weiter. Man erwartet sich von der Ortsumgehung eine Verkehrsentlastung von 80 Prozent.

Die geplante Umgehung hat eine Länge von 1,6 Kilometer und ist mit Kosten in Höhe von 7,3 Millionen Euro veranschlagt. All dies hatte in dieser Woche eine Grafenberger Delegation auch Verkehrsstaatssekretärin Dorothee Bär in Berlin erläutert. Diese habe verstanden, dass sich in Grafenberg etwas ändern müsse, um die Bürger zu entlasten. So sei man hoffnungsvoll aus dem Gespräch herausgegangen. Auch Winfried Hermann zeigte Verständnis für die Probleme Grafenbergs: „Es ist offensichtlich, dass Grafenberg eine Ortsumfahrung braucht, darüber müssen wir nicht diskutieren.“ Das Problem sei, dass es sehr viele Straßenbauprojekte gibt, die nicht finanziert seien. Er sei aber guter Dinge, dass das Projekt in den nächsten 15 Jahren verwirklicht werden könne. Bei diesen Worten mussten die Umstehenden schon ein bisschen schlucken. Und als Bürgermeisterin Annette Bauer der Hoffnung Ausdruck gab, es könnte sich noch in diesem Jahr etwas tun, antwortete der Minister: „Da muss ich Ihnen jede Hoffnung nehmen.“

Doch bei dem, was dann folgte, hellten sich die Mienen der Grafenberger wieder etwas auf. Eine Umgehung für sieben Millionen Euro sei nun ein vergleichbar kleines Projekt und mitunter tut sich für solche Projekt eine außerplanmäßige Möglichkeit zur Realisierung auf. Wichtig sei es eben, dass man ein Konzept hat. Sprach’s und lobte die fertige Planung und die zu erwartende Planfeststellung. Und er erinnerte daran, dass man ohne die Zustimmung des Bundes nichts verwirklichen könne.

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete, Michael Dohnt, machte sich stark für Grafenberg: „Es gibt im ganzen Umkreis keine Maßnahme, die so einmütig mit den Bürgern zusammen entwickelt wurde.“ Am Ende war Bürgermeisterin Annette Bauer doch noch positiv gestimmt. An Hermann gerichtet sagte sie: „Sollte sich also künftig eine Lücke auftun, dann denken Sie an Grafenberg.“ „Das kann man so sagen“, entgegnete der Minister, „das bleibt jetzt bei mir hängen.“

Quelle: SWP vom 29.08.14, Autor: Peter Swoboda, Foto: Ric Schuppe

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