Tag des Ländlichen Raums

Stuttgart. „Wenn es uns nicht gelingt, in unseren Ländlichen Räumen ein eigenes Selbstbewusstsein zu entwickeln, dann schwächen wir die zukünftigen Entwicklungschancen unserer Dörfer und Städte abseits der Ballungsräume. Dazu bedarf es aber einer Gesamtsicht aller Stärken, Schwächen und Zukunftsinnovationen“. Zunächst hatte der SPD-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Drexler die anwesenden Referentinnen und Referenten, die Vertreter von Verbänden und Gemeinden und die Gäste aus ganz Baden-Württemberg willkommen geheißen. Er sprach die seit über einem Jahr laufenden Bestrebungen der SPD-Landtagsfraktion an, unter Federführung des Arbeitskreises Ländlicher Raum alle Bereiche des täglichen Lebens, die die ländlichen Räume prägen, ganzheitlich zu sehen.

In seinem Eingangsstatement ging der Arbeitskreisvorsitzende Gerd Teßmer MdL auf bereits bestehende und zukunftsorientierte Entwicklungen im Land ein. So könne der Ländliche Raum mit seinen zahlreichen Vereinen und kulturellen Angeboten mit den Ballungsräumen jederzeit mithalten, beim Anschluss an die neuen Medien, zeitgerechten Bildungsangeboten, familienfreundlichen Arbeitsangeboten, bei über die Grundversorgung hinausgehenden Einkaufsmöglichkeiten, flächendeckenden Gesundheitseinrichtungen und modernen Unternehmen im Energiebereich in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft hätten die ländlichen Räume jedoch noch erheblichen Nachholbedarf.

Der erste Redebeitrag zeigte die Entwicklung im Einzelhandel auf. Präsident Hans-Jürgen Vietz und Hauptgeschäftsführerin Sabine Hagmann vom Einzelhandelsverband Baden-Württemberg schilderten schonungslos die Realität der Nahversorgung in der Fläche. Handelsketten verlangten mindestens 5000 Einwohner im Einzugsbereich, um einen Laden regelmäßig in die Versorgungskette einzubeziehen. Wenn man wisse, dass nur 1,2% vom Umsatz als Gewinn hängen bliebe, hänge es vom Verbraucher ab, ob ein Geschäft erhalten werden könne. Dabei sagte Präsident Vietz sehr deutlich, dass sich der Einzelhandel am Kunden orientieren müsse und nicht umgekehrt. Bei entsprechender Einbindung in ein breiter gefächertes Einkaufs- und Dienstleistungsangebot habe der Einzelhandel sehr wohl eine Zukunftschance.

Ein besonders positives Beispiel, wie man in der dörflichen Infrastruktur neue Wege bestreiten kann, zeigte der Schwarzacher Bürgermeister Theo Haaf mit seinem „Komm-In“ auf. Mit recht langer Planungs- und Vorbereitungszeit gelang es mitten im Ortskern von Schwarzach ein breit gefächertes Dienstleistungs- und Einkaufsangebot zu schaffen. So kann der Bürger einen Gang zum Rathaus, einen Besuch bei der Post, der Bank und seinen Einkauf für den täglichen Bedarf ohne lange Wege tätigen. Die Gemeinde müsse dabei einige Vorleistungen und dauerhafte Verpflichtungen, auch finanzieller Art, zu übernehmen bereit sein. Die Akzeptanz der Bevölkerung nehme zu und man habe die Kundenzahl mehr als verdoppeln können. Voraussetzung für solche bürgerfreundlichen Lösungen sind nach Bürgermeister Theo Haaf sowohl ein mitziehender Gemeinderat, als auch risikofreudige Geschäftsleute.

Dass die modernen Medien und das Internet auch für den Ländlichen Raum nutzbar sind, zeigte der Bürgermeister der Gemeinde Mönchweiler, Friedrich Scheerer auf. Die Gemeinde Mönchweiler ist eine der vier vom Land geförderten „Mediendörfer“. Es werde, so Scheerer, immer schwerer, die Telekom und Kabelnetzanbieter davon zu überzeugen, sich auch auf dem flachen Land zu engagieren. Aber gerade das moderne Internet sei für Medienarbeitsplätze auch außerhalb der Ballungsräume ideal geeignet. „Dem Computer ist es egal, wieviel Einwohner seine Standortgemeinde hat“. In Mönchweiler sei es auch gelungen, Schülerinnen und Schüler und Seniorinnen und Senioren gemeinsam vor den PC zu setzen. Das Angebot der Gemeinde werde von allen Altergruppen bestens genutzt und die Zahl der Internetanschlüsse nehme weiter zu. Als positives Nebenprodukt ermögliche diese Internetarbeit Vereinen, Schulen, Kirchen und der Gemeindeverwaltung, die Bevölkerung immer zeitnah zu informieren. Bürgermeister Scheerer als Mitglied der Medienkommission bot an, interessierten Kommunen und Verbänden bei der Einführung moderner Medien in die Gemeindearbeit behilflich zu sein.

Die Sicht der Verbraucher und besonders der Frauen im ländlichen Raum stellte die Präsidentin des Landfrauenverbandes Württemberg-Baden Hannelore Wörz dar. Den Landfrauen geht es dabei schwerpunktmäßig auch um die Weiterbildung mit gezielten Maßnahmen für Frauen.

Als Mitglied des Arbeitskreises Soziales und Gesundheit ging es der SPD-Landtagsabgeordneten Katrin Altpeter um eine optimale Gesundheitsversorgung fernab der Ballungsräume. Notarztsysteme, Krankenhausangebote und Arztpraxen hätten im ländlichen Raum eine andere Struktur entwickelt, als man sie von den Ballungsräumen her kenne. MdL Katrin Altpeter, selbst als Lehrerin für Pflegeberufe im Altenpflegebereich tätig, machte deutlich, dass man hier den Ländlichen Raum mit politischen Vorgaben unterstützen müsse, um auch zukünftig ein zufriedenstellendes Gesundheitsangebot bieten zu können. Das umfasse außer Ärzten und Apotheken die Notarztversorgung und Krankenhausstruktur.

Gute Chancen für den Ländlichen Raum durch dezentrale Energieerzeugung sah der Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft des Neckar-Odenwald-Kreises Dr. Mathias Ginter. „Wir haben aus einer ursprünglich reinen Mülldeponie durch neue Ideen und Entwicklungen eigene Wege zur Wertschöpfung im ländlichen Raum beschritten. Müll ist für uns energiereicher Wertstoff. In Zusammenarbeit mit Landwirtschaft und Forst eröffnen sich für Ländliche Räume industrielle Arbeitsplätze. Die Rohstoffe dazu liefert der ländliche Raum selbst.“ Dr. Ginter zeigte als Ziel die Gewinnung von Strom und Wärme und die Herstellung von Biokraftstoffen auf. Ein Biomassekraftwerk und das Entsorgungszentrum ZEUS in Buchen mit einem Investitionsvolumen von 80 Mio € werde zur Zeit realisiert, ein weiteres Energiezentrum mit Biomassekraftwerk im Elzmündungsraum befinde sich in der Planungsphase. Die Ausführungen von Dr. Ginter machten deutlich, dass diese Art dezentraler Energiegewinnung eine spezifische Chance für den ländlichen Raum darstelle, da die Rohstoffe vor Ort gewonnen werden können und die Anlagen auch von einheimischen Landwirten, Genossenschaften, Maschinenringen und Unternehmern betrieben werden sollen. Damit blieben Erzeugung, Wertschöpfung und Arbeitsplätze im ländlichen Raum.

In der folgenden Diskussion, die vom Sprecher für den Ländlichen Raum Klaus Käppeler MdL geleitet wurde, wurde die Bedeutung einer Zusammenschau aller vorgetragenen Einzelthemen für wichtig erachtet und der Politik und den kommunalen Kräften als Handlungsauftrag mitgegeben.

In ihrem Schlusswort ging die verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion MdL Birgit Kipfer darauf ein, dass man diese Thematik nun landesweit diskutieren wolle. Dazu hätte die SPD im Landtag von Baden-Württemberg eine Reihe von Anträgen an die Landesregierung gestellt.

Mit den Siegern des Schülerwettbewerbs des Landtags in Polen

Klaus Käppeler MdL und Gerd Tessmer MdL begleiteten im Juli 2004 die Sieger des Schülerwettbewerbs des Landtags auf ihrer Fahrt nach Niederschlesien. Auf dem Programm standen die Friedenskirche in Schweidnitz (Swidnica), die Stadt Breslau (Wroclaw) mit einem Gespräch mit Oberbürgermeister Dutkiewicz und die „Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung“ in Niederschlesien. Eine weitere bleibende Erinnerung wird der Besuch des Konzentrationslagers Groß-Rosen und ein Gespräch mit einem Zeitzeugen, dem ehemaligen Häftling des Lagers, Herrn Hofmann sein.

Von Bildungsreferentin Patrycja Sokolowska von der Stiftung Kreisau (Krzyzowa) wurden die Reisegruppe intensiv betreut: Sie organisierte das Gespräch mit dem Zeitzeugen ebenso wie die Begegnung mit und Teilnahme von polnischen Jugendlichen am Programm.

In dem ehemaligen Gut Kreisau von Helmut James Graf von Moltke fanden vor genau 60 Jahren Gespräche statt, die einen demokratischen Neuanfang in Deutschland und Europa nach dem Sturz Hitlers zum Ziel hatten. Gesprächspartner waren damals Menschen unterschiedlichen politischen, sozialen und religiösen Hintergrunds, die gemeinsam an einem Verfassungsentwurf arbeiteten, der später gesellschaftlich konsensfähig sein würde. Heute erstrahlt das ehemalige Gut frisch renoviert als Bildungs- und Begegnungsstätte.

Diese Einrichtung wurde von der deutschen Bundesregierung mitfinanziert. Bildungsreferentin Patrycja Sokolowska, die sich den beiden SPD-Landtagsabgeordneten Gerd Tessmer und Klaus Käppeler für Fragen zur Verfügung stellte, ging auf die Schwerpunkte ihrer Arbeit ein.


Der ehemalige Häftling Hofmann im Zeitzeugen-Gespräch mit den Schülern


Die Sieger des Schülerwettbewerbs des Landtags mit den polnischen Jugendlichen vor dem Schloss in Kreisau

Fragen zur Begegnungsstätte Kreisau an Frau Patrycja Sokolowska, Bildungsreferentin der Stiftung Kreisau

1. Welche Konzeption für Seminare, Tagungen und private Besuche liegt der Arbeit dieser Begegnungsstätte zu Grunde?

Im Mittelpunkt der Tätigkeit der Stiftung steht die Arbeit der Internationalen Jugendbegegnungsstätte, die ganzjährlich für Jugendliche Veranstaltungen und Seminare organisiert. Hier lernen junge Gäste nicht nur Sprachen, Kultur und Traditionen anderer Länder kennen. Während der Seminare versuchen unsere Pädagogen eine kreative Pädagogik im Sinne Adolf Reichweins, des Pädagogen im „Kreisauer Kreis“ umzusetzen: Das eigene Entdecken und die Eigentätigkeit der Lernenden anstelle passiver Konsumpädagogik, Stärkung der Person in ihren Eigenarten, Talenten und Fähigkeiten, Erfahrbar-Machen, dass Individualität eine Bereicherung für die Gemeinschaft ist. In persönlichen Begegnungen können aus stereotypen Bildern von Menschen anderer Nationen und Glaubensüberzeugungen Neugier, Vertrauen, Akzeptanz und Dialogfähigkeit über die Sprachbarrieren hinweg entstehen – und genau das wollen wir bei den Begegnungen zusammen mit Jugendlichen und Betreuern erreichen. Die Angebote in Kreisau sind allerdings auch an Erwachsene gerichtet. Die Tätigkeit der Gedenkstätte und der Europäischen Akademie der Stiftung Kreisau ermöglicht unseren Gästen eine Teilnahme an wissenschaftlichen Konferenzen, an Seminaren, Ausstellungen, Schulungen zu den verschiedensten Themen wie z.B: „Widerstand und Opposition – eine europäische Menschenrechtstradition“, „EU-Erweiterung: Der Beitritt Polens“, „Transformationsprozess in Polen nach 1989“, „Deutsch-polnische Beziehungen nach 1990“, „Kirche in Polen“. „Ökologie – Natur und Umwelt“. Außerdem bieten wir Studienreisen an für diejenigen, die sich für Politik, Geschichte, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft in Niederschlesien und Polen interessieren. Niederschlesien ist trotzt seiner schwierigen Geschichte ein Symbol für das Zusammenleben von verschiedenen Nationen, Kulturen, Traditionen, Religionen. Bis heute leben hier gemeinsam Polen, Deutsche, Ukrainer, Juden, Griechen und Lemken und auch daher ist diese Region für Polen und Europa wichtig.

2. Welche Möglichkeiten für Begegnungen sind geboten ? Wie hoch ist das Übernachtungsangebot ? Wie sind die Zimmer ausgestattet ?

Kreisau bietet 175 Übernachtungsplätzen für Jugendliche und Erwachsene in Ein-, Zwei- und Mehrbettzimmern. Die Zimmerausstattungen sind unterschiedlich. In unserem 3 Sterne Hotel – im ehemaligen Speicher – befinden sich Zimmer mit hohem Standard. Hier ist jedes EZ und DZ mit Dusche, WC und Fernseher ausgestatte. Andere Übernachtungsplätze sind für Jugendliche gedacht und verfügen über Gemeinschaftsduschen. Außerdem bietet das Gelände in Kreisau: 16 Konferenz- und Seminarräume, darunter ein Saal für 350 Personen, Simultanübersetzungsanlage und technische Ausstattung für multimediale Präsentationen, Computerräume, eine Bibliothek, sowie Sport- und Freizeitanlagen.

Weitere Informationen und entsprechenden Ansprechpartner finden Sie unter www.krzyzowa.org.pl

3. Wer kann nach Kreisau (Krzyzowa) kommen ?

Kreisau ist für alle, unabhängig von Nationalität, Alter, Ausbildung, Religion und politischer Anschauung offen. Dieser Ort ist für all diejenigen gedacht, für die Werte wie Verständigung, Freiheit, Zusammenarbeit, Offenheit, Nachbarschaft, Freundschaft und gemeinsame deutsch – polnische und europäische Geschichte wichtig sind.

4. Welche Möglichkeiten bieten sich in der näheren und weiteren Umgebung von Kreisau zum Besuch und zur Erkundung an ?

Eine der wichtigsten Aufgaben der Stiftung ist die Erkundung und Vermittlung der Kulturlandschaft Niederschlesiens. Außer der Besichtigung des Geländes in Kreisau – des ehemaligen Guts der Familie von Moltke, des Schlosses, des Berghaus, wo sich während des Zweiten Weltkrieges die Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“ getroffen hat, werden die Seminare und Veranstaltungen durch gemeinsame Ausflüge in die Region abgerundet. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Umgebung gehören die Stadt Schweidnitz (Swidnica) mit der Friedenskirche und natürlich Breslau (Wroclaw). Der „heilige Berg“ Niederschlesiens, der Zobten, und das nahe Riesengebirge sind eine Attraktion für Natur- und Wanderfreunde. Kulturgeschichtlich besonders interessant sind die Zisterzienserklöster in Treibnitz und Leubus oder das Kloster in Grüssau.

Zum Thema deutsche Geschichte im Zweiten Weltkrieg organisieren wir Besichtigungen des ehemaligen KZ – Gross Rosen und seiner Aussenlager, z.B. der unterirdischen Fabrik „Riese“, eines der größten Bauvorhaben der NS – Zeit. Als Ergänzung eines solchen Studientages laden wir Zeitzeugen zum gemeinsamen Gespräch ein.

5. Kreisau ist eine „Begegnungsstätte“. Welche Schwerpunkte gab es bisher schon und woher kommen die teilnehmenden Jugendlichen und Erwachsenen ?

Seit Gründung der Stiftung Kreisau standen die deutsch – polnischen Begegnungen von Jugendlichen im Vordergrund. Die Stiftung Kreisau, selbst im eigenen Namen auf die europäische Verständigung hinweisend, möchte das Spektrum ihrer Tätigkeiten auch auf Menschen aus anderen europäischen Ländern erweitern. Uns ist es sehr wichtig, dass zukünftig auch Jugendliche und Erwachsene aus den osteuropäischen Ländern die Möglichkeit haben, sich in Kreisau mit Altersgenossen aus Mittel- und Westeuropa zu treffen.

Unsere Seminare befassen sich daher mit Fragestellungen und Problemen, die für Jugendliche und Erwachsene nicht nur beiderseits der Oder, sondern für Menschen aus ganz Europa interessant und wichtig sind. Dazu gehören Fragestellungen und Themen wie: Wozu lernen wir Geschichte? Was wissen wir über unsere Nachbarn? Einführung in das Thema Menschenrechte, Widerstand und Opposition im XX Jahrhundert, Europäische Geschichte am Beispiel der Architektur in Niederschlesien, Deutsch – polnischen Beziehungen, Europäische Union, Ökologie und Umwelt.

6. Wie soll die Zukunft der Begegnungsstätte aussehen ?

Die Zukunft der Begegnungsstätte scheint insbesondere mit zwei wichtigen Aspekten verbunden. Zum einen mit der gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung von Niederschlesien als Region in der erweiterten Europäischen Union und zum anderen mit der Herausbildung und Stärkung der europäischen Identität, wobei der Prozess der deutsch – polnischen Verständigung eine sehr große Rolle spielen wird. In dem Zusammenhang hoffen wir darauf, dass sich noch mehr junge und ältere Leute aus ganz Europa für eine Begegnung in Kreisau interessieren. Denn letztendlich bestimmen sie die Zukunft der Stiftung.

Erste grenzüberschreitende Landesgartenschau besucht

Im Rahmen einer auswärtigen Sitzung des Ausschusses für Ernährung und Ländlichen Raum in Kehl statteten die Mitglieder des SPD-Landtagsarbeitskreises Ländlicher Raum der diesjährigen Landesgartenschau in Kehl und Straßburg einen Arbeitsbesuch ab.

Empfangen wurde man von den Vertretern der Badischen Gartenbaubetriebe, der beiden Gärtnereiverbände, der Floristen und der Landesregierung. Obwohl doch gleich zwei Städte, Kehl und Straßburg, für die Landesgartenschau Baden-Württemberg 2004 werben könnten, bleiben vorerst die Besucherzahlen weit hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Auf der Kehler Seite zählte man seit der Eröffnung etwa 250.000 Besucherinnen und Besucher, auf der französischen Seite waren es weitaus weniger. Die Veranstalter hoffen nun auf einen besseren Besuch in der französischen und baden-württembergischen Ferienzeit.

Doch die Abgeordnete interessierten sich auch, was aus dem mit Landesmitteln eingerichteten Gartenschaugelände für Zukunftsvisionen und Zukunftspläne bestehen würden. Präsident Raisch wies darauf hin, dass schon die Tatsache, dass Straßburg sich erstmals über die Grenze und über den Rhein orientiere ein Gewinn für die Zukunft sei. Schon jetzt werde deutlich, dass die schöner gewordenen Rheinauen von der regionalen Bevölkerung angenommen würde. Insofern darf die Landesgartenschau 2004 als nachhaltig gelten.
Man erfuhr, dass die Ausrichter sich intensiv mit den vorangegangenen Veranstaltern zusammengesetzt haben und sich informieren ließen. So wurden die Erfahrungen von Ostfildern und Singen in die Planungen aufgenommen. Kostenmäßig habe man allerdings mit der mehrfach umgeplanten und auch versetzt errichteten zusätzlichen Rheinbrücke zwischen den beiden Teilbereichen in Kehl und in Straßburg erhebliche Mehrkosten in Kauf nehmen müssen; trotzdem sei die neue Fußgängerbrücke auch für die Zukunft beider Städte ein Gewinn.

Erfreulich war für die Abgeordneten um den AK-Vorsitzenden Gerd Teßmer die gute Erreichbarkeit dieser Landesgartenschau mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Befindet sich doch ein Haupteingang direkt am Bahnhof Kehl.

Mit einem Besuch der Sonderschau der Landesforstverwaltung und des Landesjagdverbandes wurde das Besuchsprogramm der Mitglieder des SPD-Arbeitskreises abgeschlossen.

Landesagrarier in Kalifornien unterwegs

Landtagsabgeordnete informierten sich im High Tech- und im Agrarbereich

Über die Aufgaben und den Einsatzbereich des Deutschen Generalkonsuls in San Francisco ging es bei einem Arbeitsbesuch von baden-württembergischen Parlamentariern, die sich über die Besonderheiten und Vermarktungskonzepte der kalifornischen Land-, Wein-, Gemüse-, Obst- und Forstwirtschaft und über die Bedeutung deutscher Firmen an der amerikanischen Westküste informieren wollten. Der SPD-Landtagsabgeordnete und stellv. Arbeitskreisvorsitzende der SPD-Landtagsfraktion für den Ländlichen Raum Klaus Käppeler nahm daran als Mitglied des entsprechenden Landtagsausschusses teil.

Generalkonsul Westphal, der die baden-württembergische Delegation auch in die Landeshauptstadt Sacramento begleitete, bereitete die Abgeordneten auf die Landesschwerpunkte vor. So ist Kalifornien nicht nur der größte Agrarexporteur von allen US-Bundesstaaten, sondern auch führend in der IT-Branche und in der Brennstoffzellen-Forschung.

So galten die Arbeitsbesuche sowohl dem kalifornischen Weinland im Sonoma- und Napa-Valley, sondern auch dem Obst- und Früchte-Anbau und der Milch- und Fleischproduktion. Obwohl die Bewirtschaftung in Kalifornien stark vom Wasservorrat abhängt, arbeiten die agrarischen Großbetriebe bei intensiven Maschineneinsatz äußerst erfolgreich.

Sehr schnell wurde der Delegation aus Baden-Württemberg deutlich, dass von den klimatischen und flächenmäßigen Verhältnissen Baden-Württembergs Landwirtschaft mit der kalifornischen nicht vergleichbar und konkurrenzfähig ist. Bei einer richtigen Anbaupalette und beim Ausgleich der wesentlich höheren gesetzlichen Beschränkungen in Deutschland hält MdL Klaus Käppeler die Landwirtschaft in Südwestdeutschland dennoch für zukunftsfähig. „Wenn wir nicht mit den gleichen Produkten wie Kalifornien den Weltmarkt bedienen, sondern mit Sonderkulturen und Hoch-Qualität und noch der Erzeugung nachwachsender Rohstoffe als zusätzliches Standbein, wo man in Deutschland Vorsprung hat, dann werden deutsche Agrarprodukte auch zukünftig ihren Markt haben“, faßte MdL Klaus Käppeler seine Erkenntnisse zusammen.


Christoph Bayer MdL vor einer der Hunderten Kälberboxen. Ca. 4 Wochen werden hier die Kälber nach der Geburt versorgt.


140 automatische Melkstände: Die Zitzen werden von Mexikanern in 12 Stunden – Schichten von Hand gereinigt und die Melkmaschine angesetzt.
Der Rest geht vollautomatisch.

 
Riesen-Mammutbäume im Sequoia – Nationalpark
im Süden der Sierra Nevada

Energiesparprogramm in Kalifornien

Die Reduktion von Kohlendioxid macht inzwischen auch in Kalifornien sichtbare Fortschritte und wird durch ein spezielles „Renewable Energy Program“ gepowert. Hierzu besuchte der Ausschuß Ländlicher Raum des baden-württembergischen Landtags die California Energy Commission in der Hauptstadt Sacramento.

Parlamentarier aus Baden-Württemberg bei der ‚California Energy Commision‘ in Sacramento – über Finanzielle Optionen für Erneuerbare Energien informiert

  • Verminderung der Stromkosten
  • Steigerung der Steuerersparnis
  • Reduzierung des Kohlendioxidausstosses

Dabei berät die Energie-Kommission auch über geeignete Energieformen an den jeweiligen Standorten. In leicht verständlichen Handzetteln (FAQs = Frequently Asked Questions) werden Kosten, Systeme, Einbauregularien dargestellt. Auf eine entsprechende Frage von MdL Gerd Teßmer über die Nutzung nachwachsender Rohstoffe im Treibstoffbereich wurde deutlich, dass man hier in Deutschland schon weiter fortgeschritten ist, was aber nicht zuletzt an den relativ preiswerteren Sprit-Preisen in den USA liegen dürfte. Aber das „Renewable Energy Programm“ Kaliforniens, das vom neuem Gouverneur Schwarzenegger ausdrücklich gepuscht wird, beinhaltet auch Geothermik und Biomasse als nachhaltige, umweltschonende Energieträger.

Die Brennstoffzelle als Kraftfahrzeug-Treibstoff auf dem Vormarsch

In Zusammenarbeit mit den Mineralölkonzernen ist der Entwicklungsstand im Bereich der Brennstoffzelle als Antriebsstoff für zukünftige Kraftfahrzeuge in Kalifornien schon über das Experimentierstadium weit hinaus. In Kalifornien ist es auch gelungen, mit DaimlerChrysler, Ford Motor Company, General Motors, Honda, Hyundai, Nissan, Toyota und Volkswagen acht namhafte Kraftfahrzeughersteller mit den Mineralölkonzernen BP, ChevronTexaco, Exxon-Mobil und Shell zusammenzubringen, um in einem gemeinsamen Programm Motoren für Wasserstoff-Antrieb als Kraftstoff für Fahrzeuge serienreif zu entwickeln.
Mit gemeinsamen Festlegungen zur Sicherheit beim Tanke und Fahren wurden Fahrzeuge entwickelt, die bis zu 140 km/h erlauben und bis auf das Anfahren geräuscharm sich fortbewegen können.
Der dafür notwendige Wasserstoff wird mit Tanklastzügen wie gewöhnliches Benzin angeliefert. Das Füllen der Brennstoffzellen selbst ist eine schnelle und automatisierte Angelegenheit im Minutenbereich. Der verbrauchte Wasserstoff, der leichter als Luft ist, verflüchtigt sich schnell in die Atmosphäre und verursacht dabei keine umweltschädlichen oder gefährlichen Abgase. Die US-Regierung hat dazu eine genaue Sicherheitsliste mit entsprechenden Standards durch das ‚National Renewable Energy Laboratory‘ in Golden Colorado herausgegeben (das „Sourcebook for Hydrogen Applications“).
Die süddeutschen Abgeordneten wurden dabei zunächst theoretisch von Wolfgang Weiss von DaimlerChrysler in die Planungsschritte und den heutigen Entwicklungsstand eingeführt, ehe sie selbst mit einem Mercedes mit Brennstoffzellenantrieb fahren konnten. Diese Fahrzeuge verfügen über keinerlei Getriebe mehr, da allein die über das Gaspedal gesteuerte Energiemenge die Geschwindigkeit regelt.
Wie zu erfahren war, räumen alle beteiligten Firmen dieser Antriebsart eine große Zukunft ein, zumal Wasserstoff kein endliches Produkt auf der Erde darstellt.

Landwirte können wertvollen Beitrag zur Energiesicherung in Deutschland leisten

„Es ist fast wie im Märchen, wo aus Stroh Gold gesponnen wurde, wenn man sich klarmacht, was aus der Pflanze Raps alles gewonnen werden kann, nicht zuletzt das „Gold der Baar“, betonte in seinem Eingangsstatement der SPD-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des SPD-Landtagsarbeitskreises (AK) Ländlicher Raum und Landwirtschaft Gerd Teßmer, der zusammen mit seinem Stellvertreter im Amt des Arbeitskreisvorsitzenden MdL Klaus Käppeler auf Vermittlung der SPD-Kreisvorstandschaft um Armin Frank und Beate Schmidt-Kempe der Ölmühle in Donaueschingen einen Arbeitsbesuch abstattete.
Der Geschäftsführer der Baargold-Ölmühle Klaus Hall zeigte der SPD-Delegation die Arbeitsweise der Ölmühle und erläuterte ausführlich seine Firmenphilosophie. Dabei wurde schnell deutlich, dass Klaus Hall sowohl mit Leib und Seele Landwirt wie auch Energie-Erzeuger sein und bleiben möchte.

In den höher gelegen Lagen Baden-Württembergs wie etwa in der Baar stellt Raps die ideale Fruchtfolge- und Energiepflanze dar. Sie helfe mit ihrer Kohlendioxid-Neutralität die Bedingungen des Klimaschutzes zu erfüllen, sie unterstütze die Bestrebungen für mehr Unabhängigkeit vom internationalen Mineralölmarkt und sie könne den erzeugenden Landwirten eine sichere zusätzliche Einkommensquelle eröffnen. Dies werde immer deutlicher, seitdem die Bundesregierung alternative Energieerzeugung fördere und seitdem die Europäische Union festgelegt habe, dass ab 2010 etwa 5,75% aller Kraftstoffe biogen, also vorwiegend über Raps erzeugt werden müssen.

„Die politischen Rahmenbedingungen stimmen, nicht aber die begleitenden Maßnahmen der Automobil-Industrie und der Energieversorgungsunternehmen“, stellten MdL Gerd Teßmer und GF Klaus Hall gemeinsam fest.

Dass bei der Rapspressung nur wertvolle Stoffe, nämlich gesundes, cholesterinfreies, kaltgepreßtes Baargold (Rapsöl), nach entsprechender Umesterung Rapsmethylester (Bio-Diesel) und Rapskuchen als wertvolles importiertes Soja ersetzendes Futtermittel entstehen, läßt die Zukunft von Raps in allen seinen Verwertungsarten nur rosig erscheinen.

<>Es wurde auch deutlich, dass bis zur Durchsetzung optimalem Einsatz von Raps und seinen Möglichkeiten Erzeuger, der Markt, der Verbraucher und auch die Politik noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten haben, stellten die beiden örtlichen SPD-Repräsentanten Beate Schmidt-Kempe und Armin Frank in ihren Schlußworten fest, nachdem sie den SPD-Abgeordneten Gerd Teßmer und Klaus Käppeler und Geschäftsführer Klaus Hall für ihr Engagement gedankt hatten.

Besuch beim Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband in Freiburg

„Der ländliche Raum ist ohne funktionierende Landwirtschaft nicht denkbar. Deshalb haben wir von der SPD-Landtagsfraktion ein Arbeitspapier erarbeitet, aus dem deutlich hervorgeht, dass die Entwicklung der ländlichen Räume und die Erhaltung unserer auch für den Fremdenverkehr wichtigen Landschaft ohne unsere bäuerlichen Familienbetriebe nicht möglich ist“. Mit diesen Worten begann der SPD-Arbeitskreisvorsitzende Gerd Teßmer, MdL, sein Eingangsstatement beim Antrittsbesuch im „Haus des Bauern“ beim neuen Präsidenten des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) Werner Räpple.
Zusammen mit dem stv. Arbeitskreisvorsitzenden Klaus Käppeler, dem fremdenverkehrspolitischen Sprecher Gustav-Adolf Haas, dem forstwirtschaftlichen Sprecher Alfred Winkler und dem örtlichen Abgeordneten Christoph Beyer war auch die Europaparlamentskandidatin Gabi Rolland mit zu Präsident Räpple gekommen.

Der BLHV-Präsident Räpple begrüßte das Zusammenarbeitsangebot der SPD-Agrarpolitiker und trug zunächst aus der Sicht des BLHV die derzeitig brennenden Probleme vor. MdL Gerd Teßmer brachte anschließend die Themen Anbaubegrenzung in Hochwasserzonen“, Landkauf durch Schweizer Landwirte“ und „Genfreiheit in Lebensmittel“ ein.
In sehr sachlichen Gesprächen wurden anschließend der Flächenverlust hervorragender Böden durch die geplante Schnellbahntrasse im Markgräflerland, die Anbaubegrenzungen in Gebieten mit möglichen ‚Jahrhunderthochwassern‘, die vom Landesumweltminister vorgesehenen ‚Retensionsflächen‘ für ‚ökologische Flutungen am Rhein und der immer noch andauernde Ankauf von Ackerflächen durch Schweizer Landwirte diskutiert.
Auch durch die Konsequenzen der Entkoppelung der Agrarförderung von den Anbauprodukten und die Bedingungen von Cross compliance waren Gegenstand der Aussprache.

BLHV-Vertreter und die SPD-Abgeordneten brachten ihre Argumente und Wünsche vor und man stellte fest, dass die Interessen nicht weit auseinanderlagen. „Es geht ja auch um dieselbe Zielrichtung, nämlich die Förderung und Erhaltung unserer landwirtschaftlichen Betriebe, auch in benachteiligten Gebieten“, stellte beide Seiten fest. Da bei diesem Treffen mit dem neuen BLHV-Präsident Werner Räpple nicht alle beiderseits gewünschten Themen besprochen werden konnten, lud MdL Gerd Teßmer im Namen des SPD-Arbeitskreises Ländlicher Raum die BLHV-Vorstandschaft zu einem Folgetreffen in Stuttgart ein.

Ergebnisse des Ost-West-Agrarforums

BERLIN. (rei) Der SPD-Wahlkreisabgeordnete Klaus Käppeler hat auf dem 11. Ost-West-Agrarforum im Berliner ICC-Kongresszentrum mit Vertretern der Bundesregierung und der EU-Kommission über die Folgen der Osterweiterung diskutiert. Käppeler war als Fraktionssprecher für den Ländlichen Raum zusammen mit Mitgliedern des baden-württembergischen Agrarausschusses nach Berlin gereist.

„Mit der Osterweiterung der Europäischen Union kommen nicht nur landwirtschaftlich geprägte Länder wie Polen in die EU, auch die neuen EU-Nachbarn im Osten wie Russland oder die Ukraine haben einen starken Agrarsektor“, sagte Käppeler nach der Konferenz. Es sei nun unbedingt notwendig, durch faire Verträge und intensive Beziehungen die neuen Nachbarn einzubinden. Käppeler: „Ausgrenzung wäre der falsche Weg, gerade für Baden-Württemberg bieten künftige Handelspartnerschaften neue Möglichkeiten.“

Das Agrarforum endete mit dem allgemeinen Appell an die Teilnehmer, das Jahr 2004 zum „Jahr der neuen Nachbarschaften“ werden zu lassen. Allerdings verloren die Teilnehmer auch die Globalisierung durch die Verhandelungen innerhalb der Welthandelsorganisation (WTO) nicht aus dem Blick. „Das neue Selbstwertgefühl der Entwicklungsländer gibt den Regionen in der EU die Chance, eigene Interessen, aber auch einen gerechten globalen Wettbewerb in den WTO-Gesprächen zu erreichen“, zeigte sich Käppeler optimistisch

2004 – Jahr der neuen Nachbarschaften

Als Vertreter des baden-württembergischen Agrarausschusses nahmen MdL Klaus Käppeler (SPD), MdL Gerd Teßmer (SPD), und MdL Jürgen Walter (GRÜNE) am 11.Ost-West-Agrarforum 2004 im Berliner Internationalen Congreß-Centrum (ICC) teil. Dabei ging es besonders um die Auswirkungen des ab dem 1. Mai 2004 deutlich vergrößerten Europas, das ja von der EU 16 zur EU 25 wächst.
Es gelang dabei den Abgeordneten in direktem Gespräch mit Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast und Dr. Franz Fischler, Mitglied der Europäischen Kommission ins Gespräch zu kommen und auf die baden-württembergischen Besonderheiten, aber auch Möglichkeiten der zukünftigen Flächenprämien hinzuweisen.
Sowohl Ministerin Künast wie auch Agrarkommissar Dr. Fischler wiesen darauf hin, dass das neue größere Europa auch Schwung in die WTO-Verhandlungen bringen werde.
Es wurde auch deutlich gemacht, dass das erstarkte Selbstwertgefühl der Entwicklungsländer den Regionen der EU die Chance gebe, eigene Interessen, aber auch einen gerechten globalen Wettbewerb in Verhandlungen zu erreichen.
Globalisierung ermögliche ein virtuelles Zusammenwachsen, also ein ‚globales Dorf‘. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass die realen ländlichen Räume vernachlässigt würden.
Da die zukünftig neuen Nicht-EU-Nachbarn im Osten, Rußland, Weißrußland und die Ukraine großen Wert auf bilaterale Verträge legen, böten sich den Landwirtschaften in der EU und auch den deutschen Ländern zukünftig neue Handelspartner, die gegenseitig gute Beziehungen und faire Nachbarschaft pflegten. So endete das Agrarforum mit dem Appell das Jahr 2004 zum „Jahr der neuen Nachbarschaften“ werden zu lassen.