Dem österreichischen Beispiel folgen und auf Gentechnik verzichten

KREIS REUTLINGEN. Den Besuch der Grünen Woche in Berlin nutzten die SPD-Agrarpolitiker im baden-württembergischen Landtag mit ihrem stellv. Vorsitzenden MdL Klaus Käppeler zu einem Fachgespräch mit dem Verein der Zuckerindustrie und dem deutschen Bauernverband. Gesprächspartner waren dabei der Hauptgeschäftsführer des „Verein der Zuckerindustrie“ Dr. Dieter Langendorf und der stellvertretende Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes Adalbert Kienle.

MdL Gerd Teßmer hatte als Diskussionsthemen die Auswirkungen der Reform der Zuckermarktordnung auf die Zuckerrübenanbauer in Odenwald, Bauland und Kraichgau, die Zukunft der Milchordnung und die Sicherung der zweiten Säule, also der Ausgleichszahlungen durch die Europäische Union vorgegeben.

Hauptgeschäftsführer Langendorf ging darauf ein, dass die am 24. November 2005 beschlossene Reform einen fundamentalen Einschnitt in die bisherige Marktordnung bedeute. Man müsse dafür Verständnis haben, dass eine drastische Senkung der Zuckerrübenmindestpreise um fast 40% ab 2006 bis 2010 für die Landwirte nicht ohne weiteres zu tragen sind.

Man habe Verständnis dafür, dass sich die EU gegenüber den Entwicklungsländern im Rahmen des „Alles ausser Waffen-Abkommen“ ab 2009 verpflichtet habe, den zollfreien und unbegrenzten Export von Zucker in die EU zuzulassen. Bis dahin würden die Zölle schrittweise gesenkt. Bei unveränderten EU-Preisen wäre damit der europäische Zuckermarkt völlig unterlaufen worden. Dies werde nun durch die Reform und durch Exportmengen so festgelegt, dass auch in Zukunft die Zuckerrübenanbauer in Deutschland und besonders in Baden-Württemberg eine Chance behielten. Für MdL Klaus Käppeler war es zur Zuckerreform wichtig, dass man die Importe aus den am „wenigsten entwickelten Ländern“ (LDC = lowest developped countries) auch überwache. Es gehe nicht an, dass Großkonzerne sich in diesen armen Ländern einkaufen und dadurch das Ziel der Reform unterlaufen. Sonst wäre diesen Ländern gar nicht geholfen. Auf die Frage des Abgeordneten Teßmer nach einer Einschätzung des Erhalts des Zuckerrübenbaus in Odenwald, Bauland und Kraichgau sah der Hauptgeschäftsführer Dr. Langendorf durchaus eine Überlebenschance für die heimischen Landwirte, wenn auch trotz Ausgleich mit verminderten Erlösen und beschränkter Liefermenge.

Mit dem stellvertretenden Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes Adalbert Kienle war man sich einig, dass dem ruinösen Verfall des Milchpreises Einhalt geboten werden müsse. Die klein strukturierten Besitzverhältnisse Baden-Württembergs, wie etwa auf der Schwäbischen Alb, hätten keine Alternative zur Grünlandwirtschaft. Wenn Politik und Bauernverband aber am Ziel einer möglichst flächendeckenden Bodenbewirtschaftung festhielten, müsse in der Milchquote eine Reform vollzogen werden, die die Liefermenge in den Regionen hält.

Die Sicherung der agrarischen Einkommen durch vertraglich gesicherte Ausgleichszahlungen und die Honorierung von Landschaftspflege seien auch bei knapper werdenden EU-Finanzmitteln für die süddeutsche Landwirtschaft unverzichtbar.

Die SPD-Abgeordneten mit MdL Klaus Käppeler forderten vom stellvertretenden Generalsekretär des Bauernverbandes auch eine klare Stellungnahme zur ‚Grünen Gentechnik‘. Adalbert Kienle sagte klar und deutlich dass „der Deutsche Bauernverband nicht zum Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft rät“. Beide Gesprächspartner verwiesen auf das österreichische Beispiel. Dort wollten weder Verbraucher noch Landwirte den Einsatz von genveränderten Pflanzen. Deshalb verzichte man in Österreich freiwillig auf die Grüne Gentechnik. Ein Forschen auf diesem Bereich mit Offenlegung aller Ergebnisse und Forschungsziele sei aber durchaus tolerierbar. Es gehe also nicht um Einsatz von Gentechnik zur Gewinnoptimierung, sondern um öffentlich nachvollziehbare Forschung im Pflanzen- und Tierbereich.

Die SPD-Agrarpolitiker und der stellvertretende Generalsekretär Adalbert Kienle sahen auch nach der jetzigen Festlegung der Haftungsfragen keine Notwendigkeit, den von der EU freigegebenen Spielraum im Bereich der Grünen Gentechnik auszuschöpfen.

Bauernverband und MdL Klaus Käppeler waren sich abschließend darin einig, dass man den heimischen Familienbetrieben keine übereilte Anwendung von genveränderten Pflanzen empfehlen werde.

Verbraucher muss sich auf Untersuchungsergebnisse verlassen können

Neckar-Odenwald-Kreis. Lebensmittelsicherheit und Vertrauen in die staatlichen Kontrollen von der Frische und Gesundheit unserer Lebensmittel haben einen wichtigen Einfluss auf die Kaufgewohnheiten der deutschen Verbraucher. Trotz allen Rufen nach ‚billig-billig‘ muss der Käufer sicher sein können, dass das, was er isst, auch kontrolliert und damit schmackhaft ist und dem entspricht, was ‚drauf steht‘. Dies wird durch die staatlichen Kontrollgremien unregelmäßige Proben und Untersuchungen gewährleistet. Im Rahmen ihrer Arbeit im Bereich Landwirtschaft und Verbraucherschutz, bestärkt durch die zunehmenden Untersuchungen auch aus dem hiesigen Bereich, war deshalb für die sozialdemokratischen Agrarpolitiker mit ihrem Vorsitzenden Gerd Teßmer die Staatliche Untersuchungsanstalt Augustenberg (LUFA) Ziel eines Arbeits- und Informationsbesuches.
Im Rahmen der Besuche und Gespräche mit Landwirten, Berufsverbänden und staatlichen landwirtschaftlichen Einrichtungen war immer wieder zur Sprache gekommen, dass Kontrollen zuverlässig und von anerkannten Stellen gezogen und ausgewertet werden müssten. Deshalb statteten die Mitglieder des Arbeitskreises Ernährung und Ländlicher Raum der SPD-Landtagsfraktion der „Staatlichen landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) Augustenberg“ bei Karlsruhe einen Besuch ab. Daran nahmen der Arbeitskreisvorsitzende MdL Gerd Teßmer, sein Stellvertreter MdL Klaus Käppeler, MdL Christoph Bayer und MdL Alfred Winkler, sowie Landtagskandidat Johannes Stober (WK Karlsruhe I) und der parlamentarische Berater der Arbeitskreises Nils Opitz-Leifheit teil.

Zu den Gesprächspartnern der LUFA gehörten der Leiter der Einrichtung Direktor Dr. Norbert Haber, Prof. Dr. Norbert Leist (Abteilungsleiter für agrarbiologische Untersuchungen), Dr. Armin Trenkle (Abteilungsleiter für chemisch-physikalische Untersuchungen) und Dr. Berthold Deller (Abteilungsleiter für Bodenuntersuchungen und Stoffhaushalt), Horst Sturm von der Zentralverwaltung und Ministerialrat Thomas Berrer vom Referat 23 Pflanzenproduktion mit dem Leitenden Direktor Thomas Würfel (Referat 23) aus dem Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum.                     .
Der Arbeitskreisvorsitzende Gerd Teßmer dankte zunächst für die schnelle Zusage der LUFA-Leitung auf die Besuchsanfrage des Arbeitskreises. „Die Agrarpolitiker der SPD-Landtagsfraktion halten es für wichtig, dass die Agrarpolitiker im Parlament regelmäßig auch mit den Einrichtungen in Baden-Württemberg Kontakte pflegen, die im agrarischen Bereich untersuchen und forschen und der Landesregierung und dem Parlament zuarbeiten. Dies ist deshalb ein Arbeitsbesuch und hat mit der Landtagswahl im März terminlich nichts zu tun. Die LUFA hat im Land einen guten Ruf und wir SPD-Parlamentarier haben uns vorgenommen, Ihre Arbeit kennenzulernen und Ihnen für Ihre Leistungen zu danken“.
Direktor Dr. Norbert Haber hieß die Abgeordneten willkommen und sprach an, dass man in den letzten Jahrzehnten von Agrarpolitikern kaum besucht worden sei. Die SPD-Besucher merkten sehr schnell, dass man sich bei der LUFA auf diesen Besuch tatsächlich intensiv vorbereitet und gefreut hatte. Direktor Dr. Haber machte deutlich, dass man eine Dienststelle des Ministeriums Ländlicher Raum sei und durch die staatliche Anerkennungsstelle der Lebensmittelüberwachung und bei der Internationalen Vereinigung für Saatgutuntersuchung akkreditiert ist. Eine Bescheinigung der LUFA sei demnach im Saatgutbereich ein international anerkanntes Dokument. Die Hauptaufgaben dieser Landesanstalt sind in den regelmäßigen Bodenuntersuchungen, insbesondere zur Ausgleichsfeststellung im Rahmen der ‚Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung‘ (SchALVO) und des Marktentlastungs- und Kulturlandschaftsausgleichs (MEKA) zu sehen. Weiterhin sei man für chemische, bodenkundliche und biologische Untersuchungen zuständig. Dazu werden an der LUFA Untersuchungsmethoden entwickelt und geprüft. Durch die Vergabepraxis des Landes von Proben an Privatlabors komme der Kontrolle und der Anerkennung von derartigen Laboratorien durch diese Landesanstalt eine große Bedeutung zu. Hier wurde sehr schnell klar, dass die LUFA Laboratorien Staatsaufträge vergeben aber auch entziehen könne.
Aber auch im Forschungsbereich sei man, wie Dr. Trenkle und Dr. Deller betonten,  in den Bereichen der agrarkulturchemischen und bodenkundlichen und in der agrarbiologischen und agrarökologischen Forschung tätig. Schon seit Längerem stelle man Ausbildungsplätze für Laborantinnen und Laboranten in den Bereichen Biologie, Chemie und Gärtnerei (Fachrichtung Obstbau) und darüber hinaus im Bürokommunikationsbereich zur Verfügung.
Die SPD-Abgeordneten um MdL Gerd Teßmer interessierte naturgemäß auch die Zukunftsperspektive der LUFA als zukünftiges „Landwirtschaftliches Zentrum Augustenberg“ ab 2007, wenn man Teile der Landesanstalt für Pflanzenbau von Forchheim und der Landesanstalt für Pflanzenschutz in Stuttgart und die gesamten chemischen Untersuchungen dieser drei Landesbetriebe am Standort vereinige. Hier würden wohl neue bauliche Maßnahmen notwendig. Als Vertreter des Ministeriums räumte Ministerialrat Thomas Berrer  beim zweiten Diskussionsthema „Auswirkungen der Verwaltungsreform im agrarischen Bereich“ freimütig ein, dass durch die Eingliederung der Landwirtschaftsämter in die Landratsämter „die landwirtschaftliche Kompetenz der Landratsämter abnimmt“, da die Fachbeamten der früheren Landwirtschaftsämter vermehrt anderweitig eingesetzt würden. MdL Alfred Winkler, in der SPD-Fraktion für grüne Gentechnik zuständig, forderte eine Einschätzung des Einsatzes von genveränderten Organismen (GVO) durch die Fachleute der LUFA ein. Es wurde deutlich, dass man die Forschung im GVO-Bereich für richtig halte und den Abgeordneten zugestanden, dass man bei der Einschätzung der grünen Gentechnik sehr wohl nach den Zielen fragen dürfe. MdL Gerd Teßmer, MdL Klaus Käppeler und MdL Alfred Winkler wollten hier aber deutliche unterschieden haben zwischen Gewinnoptimierung als Forschungsziel oder Minimierung des Herbizid- und Fungizideinsatzes durch Genveränderung. MdL Christoph Bayer fragte noch nach der Grenzwertfeststellung bei Saatgut nach, damit der Anwender sicher gehen könne, auch genfreies Saatgut erhalten zu haben. Professor Dr. Norbert Leist machte hierbei deutlich, dass ein Zertifikat der LUFA dies im Rahmen der Feststellbarkeit garantiere.
Mit einem Überblick über den 2005 neu eingerichteten Obstbauversuchsbetrieb und nach Anfrage von Johannes Stober nach den bei der LUFA Beschäftigten – bietet doch Augustenberg für 160 Personen aus der näheren Umgebung rund um Karlsruhe und saisonweise für 100 Aushilfskräfte Arbeit – dankte MdL Gerd Teßmer namens des SPD-Arbeitskreises für das offene und freundliche Gesprächsklima und betonte, dass die erhaltenen Informationen in die landwirtschaftliche Arbeit gut einfließen lassen könne.

Gespräch mit dem NABU

Zusammen mit einigen Kollegen aus dem Landtag und unserer SPD-Spitzenkandidatin und Landesvorsitzenden Ute Vogt habe ich Anfang Januar den Vorstand des Naturschutzbundes Baden-Württemberg (NABU) zum Gedankenaustausch über umwelt- und naturschutzpolitische Themen getroffen. Erfreulicherweise gab es bei vielen der angesprochenen Probleme große Übereinstimmung über etwaige Lösungen und Ziele. Erfreut zeigten sich NABU und die SPD-Kollegen, dass das Biosphärengebiet Schwäbische Alb nun in die Realisierungsphase tritt, hatte  man doch über Jahre gemeinsam ein großflächiges Schutzgebiet für Baden-Württemberg angemahnt.

Zukunft für die Zuckerrübe in Baden-Württemberg

OFFENAU. „Es muss alles getan werden, damit in Zukunft in Deutschland und besonders in den gut geeigneten Anbaustandorten von Baden-Württemberg noch Zucker aus heimischen Rüben erzeugt werden kann“. Mit diesem Ziel hatten der Arbeitskreisvorsitzende für den ländlichen Raum Gerd Teßmer, der Arbeitskreis Landwirtschaft und der örtliche Landtagsabgeordnete Reinhold Gall die Reise nach Offenau angetreten. Vorausgegangen waren Gespräche des SPD-Agrarsprechers Gerd Teßmer mit Zuckerrübenanbauern im Neckar-Odenwald-Kreis. Betriebe mit Lieferverträgen für Zuckerrüben werden nach der veränderten Zuckermarktordnung der EU direkt betroffen. Wie sie den Mitgliedern des SPD-Arbeitskreises mitteilten, befürchten sie erhebliche Einschränkungen und Einkommenseinbußen. Beim Fachgespräch in Offenau sollte mit den Vertretern baden-württembergischer Zuckerrübenanbauer und mit Vertretern der Südzucker GmbH ein intensiver Gedankenaustausch stattfinden, nachdem nun feststeht, was die Reform der Zuckermarktordnung an Belastungen und Verpflichtungen, aber auch an Marktsicherung und Zukunftschance für die Anbauer und die Verarbeiter bringt.

Zusammen mit dem SPD-Landtagsabgeordneten der Region um Offenau Reinhold Gall war der Vorsitzende des zuständigen Landtagsarbeitskreises MdL Gerd Teßmer mit den Arbeitskreismitgliedern MdL Birgit Kipfer, MdL Christoph Bayer, MdL Klaus Käppeler, wie auch Inge Kolesinski-Jelinek und Nils Opitz-Leifheit vom Wahlkreis- und Landtagsbüro angereist. Von den Zuckerrübenanbauern waren der Vorsitzende Joachim Rukwied, sein Stellvertreter Herbert Ziegler und Geschäftsführer Harald Wetzler zu diesem Termin nach Offenau gekommen. Die Südzucker AG hatte als Gesprächspartner für die SPD-Agrarpolitiker Werkleiter Wolfgang Vogl, Betriebsratsvorsitzenden Klaus Kohler, Gebietsleiter Manfred Kröhl, und Leiter der Rübeninspektion Johann Maier aufgeboten. Die Gemeinde Offenau war durch Bürgermeister Michael Folk vertreten.

Ein ausführlicher Betriebsrundgang mit den einzelnen Arbeits- und Verarbeitungsabläufen brachte den Parlamentariern den Weg des Zuckers vom Acker bis zur Verpackung näher. Auch wurde die breite Angebotspalette von Zucker in verschiedenen Formen und für verschiedene Anwendungsbereiche vorgestellt. Werkleiter Wolfgang Vogl und Betriebsratsvorsitzender Klaus Kohler machten in diesem Teil des Gesprächs schon auf erste Auswirkungen der neuen Zuckermarktordnung (ZMO) aufmerksam. So werden zukünftig die etwa 20 schon seit Jahren üblichen Auszubildenden erstmals nicht mehr übernommen werden können. Auch sollen ältere ausscheidende Mitarbeiter nicht mehr ersetzt und auf freiwilliger Basis – allerdings zeitlich begrenzt – Vorruhestandsregelungen angeboten werden.

Im weiteren Teil der sehr lebhaften und engagierten Diskussion machte der Verbandsvorsitzende der Zuckerrübenanbauer Joachim Rukwied deutlich, was er von der neuen ZMO halte, nachdem der SPD-Agrarsprecher Gerd Teßmer darauf verwiesen hatte, dass der seiner Meinung nach gerade noch akzeptable Kompromiss noch zu Teilen von der früheren Bundesregierung ausgehandelt worden war. Teßmer machte in seinem Eingangsstatement deutlich, dass die jetzige Anerkennung des Verhandlungsergebnisses als gerade noch akzeptabel auch mit den sozialdemokratischen Agrarpolitikern in Bund und Land erreicht worden sei.

Joachim Rukwied betonte, dass mit diesem Kompromiß endlich eine lange Reformdiskussion habe abgeschlossen werden können. Die Wirtschaftlichkeit der Zuckerrübe sei leider deutlich vermindert worden und die Einkommensentwicklung für Landwirte und Südzucker-Beschäftigte gestalte sich negativ, aber – so Rukwied – „die Reform bietet zumindest eine Chance, auch zukünftig aus Zuckerrüben Zucker herzustellen“. Aber auch wettbewerbsstarke Standorte in Mitteleuropa und besonders in Baden-Württemberg seien damit noch nicht gesichert und müssten die Kosten weiter stark senken.
Der Verbandsvorsitzende sagte aber auch, dass bei den WTO-Verhandlungen in Hongkong  „keine weiteren Zugeständnisse zu Lasten der europäischen Landwirtschaft gemacht werden dürfen“. Ein wesentlicher Faktor ist, dass die Importmengen seitens der LDC-Länder (lower developped countries) beschränkt bleiben – darauf habe die EU-Kommission zu achten.
Dass man  nun die Zeitabläufe verlängert und den Ausgleich verbessert habe, sei nur dann eine gangbare Lösung, wenn die Ausgleichszahlungen betriebsindividuell zu 100% an die Rübenanbauer gezahlt würden. Auch dürfe die Abschmelzung, wenn überhaupt, frühestens vier Jahre nach dem letzten Preisschnitt einsetzen. Obwohl die Anbauflächen in Baden-Württemberg, wie etwa in Hohenlohe, Bauland, Odenwald und Kraichgau, für die Zuckerrübe besonders geeignet sind, ist auch hier der Anbau im bisherigen Umfang und zu bisherigen Konditionen noch nicht gesichert.

Werkleiter Wolfgang Vogl und Betriebsratsvorsitzender Klaus Kohler sprachen deutlich aus, welche Konsequenzen die Reform für die elf deutschen Zuckerverarbeitungsstandorte und die dort Beschäftigten haben könnte. Wolfgang Vogl stellte Kostensenkungsmaßnahmen in den Vordergrund. Man reduziere die Energiekosten, man biete großzügige Altersteilzeit an und man ersetze ausscheidende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr. Auch der Kostenblock „Transporte“ müsse auf den Prüfstand. Ob man damit um Werksschließungen herumkomme, sei noch offen.
Alle Gesprächsteilnehmer machten in ihren Beiträgen deutlich, dass sie mittels des Strukturfonds eine Chance sehen, den „Zuckerrübenanbau im ertragsstarken Baden-Württemberg auch in Zukunft zu halten“. (Gebietsleiter Manfred Kröhl).

Als ein weiteres Gesprächsthema bat MdL Gerd Teßmer, der sich schon seit über zehn Jahren für eine bessere Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen im Energie- und Kraftstoff-Bereich einsetzt, um eine Einschätzung und Bewertung des Engagement von Südzucker im Bereich der heimischen nachwachsenden Rohstoffe. Inzwischen seien, so MdL Gerd Teßmer, die ersten Automobilhersteller mit Freigaben für Biodiesel, Pflanzenöle und Ethanol auf dem Markt. Im Elzmündungsraum seien schon recht fortgeschrittene Planungen für die energetische Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen zu verzeichnen. Die Förderung von Non-Food-Pflanzen auf stillgelegten Flächen sei nicht mehr umstritten. Auch in Baden-Württemberg, das sich auf diesem Sektor bisher „wenig hervorgetan“ habe, entstehe nun ein Markt (Teßmer). Manfred Kröhl und Wolfgang Vogl machten deutlich, dass man im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe neue Märkte sehe. Man gehe aber zusätzlich noch den Weg für innovative Produkte, wie etwa bei der Herstellung zuckerfreier Süßstoffe auf Zuckerbasis, die auch für Diabetiker geeignet seien. Durch den Ausbau der „Isomaltproduktion“ im Werk Offstein (Rheinland-Pfalz) habe Südzucker die Belegschaft aufstocken können.

In ihren Schlußworten betonten unabhängig von einander der Verbandsvorsitzende Joachim Rukwied und der SPD-Arbeitskreisvorsitzende Gerd Teßmer, dass man durch den gefundenen Kompromiß eine Chance für Baden-Württembergs Zuckerrübenbauern und für das Werk Offenau der Südzucker AG sehe und dass sich der mitunter harte und kämpferische Einsatz von den baden-württembergischen Politikern, Bauernverbandsvertretern und der Zuckerindustrie gelohnt habe,. „Vielleicht hatten wir die Verbandsvertreter nicht immer auf unserer Seite, aber glauben Sie mir, Sozialdemokraten wollen auch in Zukunft noch Zucker aus Zuckerrüben zu anständigen Preisen und nachhaltigen Anbaumethoden aus Deutschland“, betonte der SPD-Agrarsprecher Gerd Teßmer zum Abschluß, nachdem man sich gegenseitig für das gute und faire Gesprächsklima in einem so schwierigen und heiklen Bereich bestätigt hatte.

Alte Obstsorten vom Aussterben bewahrt

Eigentlich war die Champagnerbratbirne im Kreis Göppingen schon so gut wie ausgestorben. Dabei eignet sie sich wie kaum eine andere Obstsorte zur Herstellung von einem gesunden Schaumwein. –Dies war bereits 1760 bekannt und urkundlich dokumentiert.
Für die Sozialdemokraten im baden-württembergischen Landtag war diese nur regional rund um Göppingen in großer Menge wachsende Obstsorte bereits Anlass für eine parlamentarische Anfrage.  Mitinitiatoren waren der örtliche Abgeordnete Frieder Birzele und der Arbeitskreisvorsitzende für den ländlichen Raum Gerd Teßmer. Nun nutzten die Sozialdemokraten im Landtag einen Besuch im Kreis Göppingen für einen Abstecher nach Schlat zur „Obstmanufaktur“ von Jörg Geiger.
Dieser gelernte Koch hat aus kleinen Anfängen inzwischen einen Veredelungsbetrieb für Obst, insbesondere für die Champagnerbratbirne aufgebaut, der sich sehen lassen kann. Zusammen mit über 150 anderen Haupt- und Nebenerwerbslandwirten vermarktet er das Obst aus regionalen Streuobstwiesen. Ohne diese Nutzung wären viele Streuobstwiesen gefährdet oder sogar schon aufgegeben worden.
Jörg Geiger wurde inzwischen mit dem Innovationspreis der Steinbeis-Stiftung und dem Wirtschaftsförderpreis im Landkreis Göppingen ausgezeichnet.
Für den Vorsitzenden des SPD-Arbeitskreises Ländlicher Raum und Landwirtschaft  MdL Gerd Teßmer  ist diese Art eine ideale Anwendung mit zweifachem Nutzen,  sie dient dem Umwelt- und Naturschutz und sichert zusätzliche Einkünfte für Landwirte.  
MdL Gerd Teßmer gratulierte Jörg Geiger auch zu seiner Art professioneller Direktvermarktung. Durch Geigers Engagement leben alte Traditionen wieder auf, um die Kulturlandschaft mit den landschaftsprägenden Baumriesen der Champagnerbratbirnen zu erhalten und zu fördern. Dies brachte Jörg Geiger 2001 auch schon den Kulturlandschaftspreis.
Das ‚Geheimnis‘ dieser gelben Birne liegt in ihrer etwa zehnfach höheren Konzentration an der Gesundheit förderlicher Stoffe. Die Birnenschaumweine sind sehr bekömmlich durch einen magenfreundlichen ph-Wert. Dies hat auch Anerkennung der Agrar-Universität Hohenheim gefunden, die feststellte, dass der „tägliche Genuss von zwei Gläsern Birnenschaumwein Herz-Kreislauf-Krankheiten reduzieren hilft“.
Jörg Geiger führte die SPD-Besucher anschließend durch seine „Obst-Manufaktur“ und seinen Selbstvermarktungsladen. „Wenn unsere Landwirte durch solche Vermarktungswege für einen gesicherten Absatz regionaler Agrarprodukte sorgen wie Jörg Geiger, bedeutet dies eine sichere zusätzliche Einnahmequelle und damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der bäuerlichen Existenz“, fasste MdL Klaus Käppeler den Besuch in Schlat zusammen.

Albhof in Lauterstein – Biogasanlage und Selbstvermarkter

Gleich drei agrarische Schwerpunkte verbindet der bäuerliche Familienbetrieb von Theo Schömbucher in seinem Aussiedler-Betrieb auf der Albhochfläche in Lauterstein: eine Hofmolkerei, eine Käserei und eine 200-kW-Stromanlage auf Biomasse-Basis. Da man von der Vielseitigkeit dieses Betrieb der Familie Schömbucher gehört hatte, statteten MdL Gerd Teßmer, MdL Klaus Käppeler und MdL Alfred Winkler und der parlamentarische Berater Nils Opitz-Leifheit, alles Mitglieder des SPD-Arbeitskreises Ländlicher Raum und Landwirtschaft, die Hof auf der Alb einen Arbeitsbesuch ab. Der Arbeitskreisvorsitzende Gerd Teßmer hatte dazu den Kreisbauern-Obmann Hermann Färber und die Verbandsmitglieder Wolfgang Daiber, Martin Bareiss und Heinrich Rothfuß mit eingeladen, um zusammen mit ihnen und Theo Schömbucher auch allgemeine Probleme der Landwirte auf  den Höfen der Albtrauf besprechen zu können.
Zunächst erläuterte Hausherr Theo Schömbucher seinen Werdegang, der ihn über die Ausbildung zum Landwirt über die Fachhochschule Nürtingen zum Diplom-Agraringenieuer und zum Fachmann für Milchviehhaltung in Lage versetzte, Landwirtschaft in mehreren sich ergänzenden Bereichen zu betreiben.Seine 150 Hektar bewirtschaftet Schömbucher zur Hälfte mit Grünland zur Milchviehhaltung, zum andern für Weizen und Silomais. Die hohen Niederschläge auf der Alb ermöglichten drei bis vier Schnitte im Jahr, was ihn in die Lage versetze, 150 Milchkühe bei eigener Nachzucht zu halten. Dabei setzt Schömbucher auf eine Kreuzung von Schwarzbunten und Fleckvieh, die sich für diese Landschaft  als gut geeignet erwiesen.

Seit 1998 betreibe der Albhof eine eigene Molkerei und Käserei und biete eine breite Palette von Molkereiprodukten aller Art aus eigener Milch und eigener Verarbeitung an. 2500 Privatkunden schätzten inzwischen seine 15 Käsesorten und auch 19 Läden der Edeka-Kette werde beliefert. Um Umkreis von etwa 40 Kilometern werden 55 Hofläden und drei Großhändler mit Albhof-Produkten regelmäßig mit eigenen Fahrzeugen beliefert.
Da er über die Ausbildungsqualifikation verfügt, bildet Theo Schömbucher auch Auszubildende und Praktikanten aus. Seine guten Beziehungen zur FH Nürtingen bringen immer wieder studentische Besuchergruppen auf den Albhof.

Beim Hofrundgang wurde schnell deutlich, dass hier drei Generationen und zahlreiche nahe Verwandte am gleichen Strang ziehen und erfolgreich einen Landwirtschaftsbetrieb bewirtschaften.
Besondere Aufmerksamkeit richteten die SPD-Parlamentarier um MdL Gerd Teßmer dann auch noch auf die Biomasse-Anlage mit einer rund um die Uhr laufenden 200-kW-Anlage, die über zwei Generatoren Strom erzeugt, Abwärme nutzt und auf Grund alleiniger Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen auch noch den Bonus nach dem Energie-Einspeisungsgesetz voll mit nutzt.

Qualität, Zuverlässigkeit und Sauberkeit hat bei Familie Schömbucher höchste Priorität und so ist es nicht verwunderlich, dass man von der DLG schon mit Silber- und Goldmedaillen ausgezeichnet wurde. Dass man in der Vorweihnachtszeit auch noch Christbäume verpackt und auf den Märkten in den Ballungsräumen anbietet, wurde nur so beiläufig noch mit angesprochen.

Dass ein so breit gefächerter Agrarbetrieb langsam an die Grenzen eines Familien- zum Gewerbebetrieb stößt, weiß Theo Schömbucher. Er hat mit seinen benachbarten Landwirten auch zahlreiche Lieferverträge geschlossen. Da er sich vom Bauernverband nicht ausreichend unterstützt sah, ist er ausgetreten. Das Verhältnis zu seinen Berufskollegen sei dadurch aber nicht gestört.

Bei der sich anschließenden Diskussion mit den Vertretern des Bauernverbandes machten Hermann Färber und seine Begleiter deutlich, was man von der neuen schwarz-roten Bundesregierung und von der Landesregierung erwarte. Der Agrarsprecher der SPD im Land Gerd Teßmer und sein Stellvertreter Klaus Käppeler zeigten sich dabei gut informiert und als engagierte politische Vertreter für die heimischen bäuerlichen Familienbetriebe. Alle Gesprächspartner sahen dabei durchaus ein, dass Ausgleichszahlungen und Erstattungen und die Honorierung von Landschaftspflege-Leistungen auch Verwaltung und Kontrolle nötig machten. Man zeigte sich auch über die Agrarinitiativen der SPD im Land und im Bund gut informiert. Auch aus Berlin hatte der bisherige SPD-Staatssekretär Dr. Gerald Thalheim  schon mehrfach im Kreis Göppingen Flagge gezeigt.

Gespräche in Brüssel – Problem Vogelgrippe?

Im Rahmen des Arbeitsbesuches beim Europäischen Parlament und der EU-Kommission trafen die Mitglieder des Landtagsausschusses Ernährung und Ländlicher Raum mit Vertretern der Generaldirektion Umwelt, der Generaldirektion Gesundheit und Verbraucherschutz, der Generaldirektion Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung zusammen und nutzten die Anwesenheit in Brüssel auch, um mit Europaabgeordneten aus dem Agrar- und Umweltbereich Gespräche zu führen.

Für die Sozialdemokraten hatte sich der seit 1994 dem Parlament angehörende Agrarpolitiker Heinz Kindermann aus Mecklenburg-Vorpommern eingefunden, um aktuelle Agrarprobleme zu diskutieren. MdEP Heinz Kindermann ist gelernter Tierarzt und kennt deshalb die Situation in der Landwirtschaft aus eigenen praktischen Erfahrungen genauso, wie aus seiner Tätigkeit in den beiden Parlamentsausschüssen Landwirtschaft und Fischerei.

Derzeit stehe der EU-Vorschlag zur Reform der Zuckermarktordnung kurz vor der Endabstimmung. Es gelte aber, zwischen dem Vorschlag des Parlaments und dem deutlich anderen Vorschlag der Kommission noch zu einem erträglichen Kompromiss zu kommen. Hier betonte der SPD-Parlamentarier die Wichtigkeit, dass „deutsche Interessen fraktionsübergreifend vertreten werden“.

MdEP Kindermann sprach auch Einzelthemen wie die Ausgestaltung der ‚Aquakultur‘ für die Bereiche der Forellen- und Karpfenzucht an. Hier stünden Harmonisierungsbestrebungen auf der Tagesordnung. Ganz aktuell ging der Abgeordnete auf die Bekämpfung von Tierseuchen im Hinblick auf die Europa bedrohende Vogelgrippe ein. Über Einfuhrverbote hinaus müssten auch die Bereiche Ursachenbekämpfung und Vorsorgeimpfungen auf der Agenda stehen. Dabei wurde deutlich, dass es geeigneten Impfstoff, wenn überhaupt, derzeit in viel zu geringen Mengen auf dem Markt gebe. Es sei aber nach wie vor noch nicht erwiesen, dass sich Menschen untereinander mit der Vogelgrippe infizieren können.

Tag der offenen Tür im Landtag

Farblich und spielerisch frischer als die schwarz-gelben Gegner präsentierte sich die SPD beim „Human Table Soccer“ um den Landtagscup. Das Rot-Grüne Team bezwang die Regierungsfraktionen glatt mit 7:4

Landtagspräsident Peter Straub (CDU) hätte zwar gerne seine Mannen vorne gesehen, erwies sich aber als fairer Sportsmann: Er überreichte SPD-Fraktionschef Wolfgang Drexler für eine tolle sportliche Leistung den Landtagscup 2005

Das war ganz nach dem Geschmack von Fraktionschef Wolfgang Drexler, der selbst ein Tor zum Sieg beisteuerte. Rechts neben dem strahlenden Pokalhelden seine Mitspieler Ingo Rust und Helmut Göschel.

Landesregierung und CDU wollen auf genveränderte Pflanzen nicht verzichten – Klausur in Gärtringen

Kreis Reutlingen / Zollernalbkreis. Im Rahmen einer Klausur des SPD-Arbeitskreises Ernährung und ländlicher Raum machten sich unter Federführung ihres Vorsitzenden MdL Gerd Teßmer  die SPD-Landtagsabgeordneten für eine baden-württembergische Landwirtschaft stark, die freiwillig auf den Anbau von genveränderten Organismen (GVO) und den Einsatz von Futtermitteln mit genveränderten Substanzen verzichtet.  Leider konnten sich die Sozialdemokraten mit ihrem Begehren gegen die Mehrheit der Regierungskoalition aus CDU und FDP genauso wenig durchsetzen wie gegen die Landesregierung, vertreten durch den Minister für Ernährung und ländlichen Raum Peter Hauk.
„Dies ist fast schon eine Verhöhnung des Bürgerwillens, propagierten doch unisono die Landfrauen Baden-Württemberg, die Landjugend Baden-Württemberg, die Junge Union Baden-Württemberg, die beiden Landeskirchen, eine Mehrheit der Kreisbauernverbände in beiden berufsständigen landwirtschaftlichen Gruppierungen (Landesbauernverband in Baden-Württemberg und Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband), der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und natürlich auch die Sozialdemokraten und ihre Jugendorganisation ein „gen-freies Baden-Württemberg“, fasste der stellvertretende Arbeitskreisvorsitzende Klaus Käppeler all der Organisationen zusammen, die sich an die SPD-Fraktion gewandt hatten und um Unterstützung für den freiwilligen Verzicht von Anbau und der Verfütterung von genveränderte Organismen in Baden-Württemberg zu werben. Auch aus den Landkreisen Reutlingen und Zollernalb hatte der SPD-Abgeordnete keine Zustimmung für die Einführung von genveränderten Pflanzen erhalten.
Nach einer Plenardebatte am Anfang des Monats standen nun die entsprechenden Anträge im Agrarausschuss des Landtags zur Abstimmung. Die Mehrheit im Ausschuss, also die Mitglieder der Regierungskoalition aus CDU und FDP, lehnten den Genverzicht ab und es wurde sogar einmal mehr behauptet, nur mit genveränderten Pflanzen könnte man den Hunger in der Welt erfolgreich bekämpfen.
Ein weiteres Thema war das vom Land geförderte Gütesiegel HQZ (Herkunfts- und Qualitätszeichen Baden-Württemberg, (das mit den 3 Löwen). Dieses HQZ garantiere, keine „genveränderten Pflanzen“ zu enthalten. Nun werde aber toleriert, dass bei Fleischprodukten – angeblich wegen schwieriger Nachweisbarkeit – mit genveränderten Pflanzen gefüttert werde. Diese grenze, so die SPD-Agrarpolitiker, schon fast an „Verbrauchertäuschung“.

Nach dieser fehlenden Unterstützung der Regierungsparteien und der Landesregierung hoffen die Sozialdemokraten um MdL Klaus Käppeler darauf, dass sich der Verbraucher beim Kauf so gesundheitsbewusst zeige, dass er auch bei HQZ-Produkten stets nachfrage. Von den Landwirten erhoffe man sich darüber hinaus, dass sie möglichst auf die Anwendung von genveränderten Organismen ganz verzichten. „Wenn alle Landwirte , so wie die Kreisbauernverbände in der Region Neckar –Alb, so wie kürzlich die gesamte Bauernschaft auf Deutschlands größter Insel Rügen vereinbaren würde, auf jede Art von genveränderten Pflanzen und Futtermitteln zu verzichten, dann könne durch freiwilligen Verzicht etwas erreicht werden, wozu die Landesregierung nicht einmal eine „Empfehlung“ auszusprechen bereit sei.

Agrarausschuss tagte beim Landesbetrieb Marbach

MARBACH (Kreis Reutlingen). Auf die Höhen der Schwäbischen Alb begab sich dieser Tage der Ausschuß für Ernährung und ländlichen Raum des Landtags von Baden-Württemberg. Die SPD-Landtagsfraktion war durch ihren agrarpolitischen Sprecher Gerd Teßmer und seinen Stellvertreter Klaus Käppeler, sowie durch Christoph Bayer, Herbert Moser, Alfred Winkler und Birgit Kipfer vertreten. Für die Landesregierung war Minister Peter Hauk und Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch anwesend. Ziel dieser auswärtigen Sitzung war die Vorstellung über die zukünftige Entwicklung des traditionsreichen Haupt- und Landgestüts Marbach, die nun in Form einer Übersicht „Marbach 2009“ vorliegt.

Die Mitglieder des Agrarausschusses inspizierten zunächst die Baulichkeiten in Gomadingen und Marbach. Vom Leiter dieses Landesbetriebs Dr. Helmut Gebhardt erfuhr man zunächst, dass hier 85 Beschäftigte und 38 Auszubildende wirken, um das vor 400 Jahren vom württembergischen König gegründete Gestüt nach heutigen Erfordernissen zu betreiben. Das Gestüt bildet für den Beruf des Pferdewirts in den beiden Fachrichtungen ‚Zucht und Haltung‘ und ‚Bereiter‘ eine amtlich anerkannte Ausbildung an. Für diese Ausbildung arbeitet dieser Landesbetrieb eng mit der beruflichen Schule in Münsingen zusammen, die durch ihren Schulleiter Roland Dörr vertreten war. Für die Beschäftigten war auf Wunsch der SPD-Mitglieder im Ausschuss der Personalratsvorsitzende Kurt Armbruster gekommen. Auch der Pferdezuchtverband war durch seinen Vorsitzenden Alfred Schmelcher vertreten, wie auch der Pferdesportverband durch Vorstandsmitglied Rolf Berndt. Auch die Tierseuchenkasse hatte ihren stellvertretenden Vorsitzenden Karl Rombach geschickt. Abgerundet wurde die Gruppe der sachverständigen Personen durch die beiden Bürgermeister von Gomadingen und St. Johann Klemens Betz und Eberhard Wolf.

Der Personalratsvorsitzende Kurt Armbruster kam in seinem Bericht schnell auf den Punkt. „Wir wollen wissen, was aus dem Gestüt und aus unseren Mitarbeitern in der Zukunft wird“. In den letzten Jahren sei die Belegschaft um 26% reduziert worden, dennoch seien alle Beschäftigten ‚hoch motiviert‘. Der Personalratsvorsitzende machte auch deutlich, dass man mit dem von der Kommission Marbach 2009 vorgelegten Konzept leben könne.

Dr. Helmut Gebhardt teilte mit, dass derzeit 465 Pferde in Marbach seien. Die Bereitstellung von geeignetem Erbgut durch die Zucht von Hengsten wird weiter betrieben. Nach dem Prinzip ökonomischen Handelns wolle man allerdings die Einnahmen durch erhöhten Verkauf von Samen und durch die Hereinnahme von Pferden zur Betreuung erhöhen könne.

Minister Hauk verwies darauf, dass man die bisherigen jährlichen Haushaltsmittel in Höhe von 4 Millionen Euro um 1 Million € kürzen wolle, dabei aber das Gestüt konzentriert auf seine ureigenste Aufgabe der Pferdezucht beschränke. Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch stand der vom früheren Agrarminister eingesetzten Kommission zur Erarbeitung einer Zukunftskonzeption vor. Sie bestätigte zunächst das motivierte Engagement der Beschäftigten. Aus ihren Ausführungen ging hervor, dass man zwar noch Einsparungspotentiale sehe und auch nutzen werde, aber nicht an die Privatisierung dieses berühmten Staatsgestüts denke.

Beim Rundgang wurden den Abgeordneten neben den verschiedenen in Marbach gehaltenen Pferderassen auch die Art der Samengewinnung und das erweiterte Ausbildungs- und Freizeitangebot dieses Landesbetriebs näher gebracht.


Ausschussvorsitzender Karl Traub, Landwirtschaftsminister Peter Hauk, Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, Klaus Käppeler und Karl-Wilhelm Röhm mit Hengst an der Besamungsstation