Bürgerinfo 21 – die Letzte –

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
liebe Freundinnen und Freunde,

„Alea iacta est“ – die Würfel sind gefallen, so beginnt ein Brief von Oberbürgermeister Dieter Hauswirth aus Metzingen, den er mir als Reaktion auf das Ergebnis der Landtagswahl 2006 schickte. Und Landrat Thomas Reumann schreibt: „Keine Frage: Sie hätten für Ihren Einsatz und Ihr Engagement ein wesentlich besseres Ergebnis verdient gehabt!“

Aber so ist das in der Demokratie: Der Souverän, das Volk, hat gewählt,  und ich bin nicht mehr im Landtag. Auch wenn ich mir immer wieder in den vergangenen fünf Jahren gesagt habe, dass ich nur auf Zeit gewählt bin und dass der Wahlkreis 61  nicht automatisch gewonnen werden kann, so schmerzt das Ergebnis für die SPD im Land Baden-Württemberg doch arg und auch mit meinem Ergebnis kann ich nicht zufrieden sein. Langgediente Kollegen haben es immer wieder gesagt: Persönlich kann man nur zwischen 3 und 5 Prozent gegenüber dem Landestrend  verändern.  Die SPD hat gegenüber 2001 rund 8 Prozent verloren, bei mir sind es „nur“ 5,4 Prozent. 400 Stimmen haben zum 5. Platz und damit zum Mandat in Südwürttemberg gefehlt.
 

Woran hat es gelegen?

Nun, in erster Linie am insgesamt katastrophalen Abschneiden der SPD.
Dann an der historisch niedrigen Wahlbeteiligung  von 53,4 Prozent. Aus Untersuchungen der Meinungsforschungsinstitute wissen wir, dass die Anhänger der CDU noch eher zur Wahl gehen als die Anhänger der SPD. Eine geringe Wahlbeteiligung geht zu Lasten der SPD.
Ein entscheidender Faktor für meine Verluste waren die Stimmengewinne des Grünen Kandidaten Friedemann Salzer aus Metzingen-Neuhausen. Der volkstümliche Ortsvorsteher und Leiter einer diakonischen Einrichtung war bei der Wahl zum Oberbürgermeister der Stadt Metzingen vor einigen Jahren  nur ganz knapp gescheitert und profitierte zudem vom Stimmungshoch der Grünen. So konnte er das Ergebnis von Almut Petersen aus dem Jahr 2001  um 2474 Stimmen verbessern – und schaffte trotzdem nicht den Sprung in den Landtag.
Das liegt am ungerechten Wahlsystem, das bei der Zweitauszählung große Wahlkreise bevorteilt und kleine Wahlkreis benachteiligt.  So konnten meine Fraktionskollegen Rudolf Hausmann in Reutlingen 9,9 Prozent und Rita Haller-Haid in Tübingen gar 10,8 Prozent verlieren, und trotzdem gehören sie weiter dem Landtag an.
Auffällig ist auch die besonders schwache Wahlbeteiligung im Hechinger Raum. So gingen in Hechingen nur 46,3 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl, im Wahlkreis selbst lag der Durchschnitt bei 54,7 Prozent. Dies führe ich auf die besonders tiefe Frustration der Bürgerinnen und Bürger über den Beschluss des Kreistags Zollernalb zur Schließung des Krankenhauses in Hechingen zurück. Und da es bei dieser Wahl um absolute Zahlen geht, haben mir hier auch entscheidende Stimmen gefehlt.
Leider ist es mir nicht gelungen, den Wählern deutlich zu machen, dass sie – wenn sie mehr als einen Vertreter des Wahlkreises im Landtag haben wollen – mich wählen müssen.  Mein Slogan „Eine Stimme – doppelte Wirkung“ (von meinem Mitarbeiter Michael Reisser) erzielte nicht die erwünschte Wirkung. Einige Bürgermeister und mehrere Journalisten fragten mich im Wahlkampf, auf welchem Platz der Landesliste ich gesetzt sei und waren der festen Überzeugung, dass mein Widereinzug ins Parlament in Stuttgart nur Formsache sei.  Daher verwundert es nicht, dass sich die Bürgerinnen und Bürger eher an der Parteipräferenz orientieren und weniger an der Person.

Trost

Allerorten bedauern nun viele Menschen, dass der Wahlkreis nur noch einen Abgeordneten im Landtag hat und dass es mir nicht gereicht hat. Viele Telefonanrufe, Briefe und Emails erreichten mich die letzten Tage, alle auch mit ähnlichem Tenor des bereits oben zitierten Briefes von Oberbürgermeister Hauswirth (CDU): “Leider haben sie den Wiedereinzug in den Landtag von Baden-Württemberg knapp verfehlt. Dies bedaure ich sehr und zwar aus mehreren Gründen. Zum einen habe ich Ihre Arbeit als Abgeordneter sehr geschätzt. Zum zweiten bin ich Ihnen dankbar für ihren engagierten Einsatz zum Wohle der Stadt Metzingen und der hier lebenden Menschen. Zum dritten fühle ich mich ihnen als Mensch verbunden, weil Sie  ehrlich, verlässlich und ein humorvoller Zeit-„Genosse“ sind. …“

Abschied und Dank

Die Tage nach der Wahl sind nicht leicht gefallen: Bereits am Dienstag habe ich begonnen, mein Büro in Münsingen-Apfelstetten zu räumen, abends dann SPD- Kreisvorstandssitzung  und SPD – Kreisdelegiertenkonferenz in Reutlingen. Am Mittwochvormittag habe ich mein Büro in Stuttgart geräumt, meiner Mitarbeiterin Miriam Gögelein ein gutes Zeugnis ausgestellt und mich von ihr  verabschiedet. Für  sie hoffe ich, dass ein neuer Kollege ihr eine Möglichkeit der Weiterbeschäftigung eröffnet! In meiner letzten Bürgerinformation habe ich mich bei allen Wahlkämpfern bedankt. Diesen Dank möchte ich an dieser Stelle wiederholen. Da zu den Engagiertesten unter ihnen meine Mitarbeiter Jan-Dirk Naegelsbach, Michael Reisser und Miriam Gögelein gehören, bedauere ich es außerordentlich, dass mit dem Ende der Legislaturperiode auch das Arbeitsverhältnis und damit die Zusammenarbeit endet. Sehr viel von der Zustimmung zu meiner Arbeit, von der Anerkennung und dem Lob für mich wäre ohne sie nicht möglich gewesen!

Zukunft

Das Leben ist voller Überraschungen und so habe ich es bisher auch immer angenommen.  Meine Frau – die mir das Mandat gegönnt hätte – freut sich auf meine Unterstützung im Haushalt und darauf, dass es nun wieder  gemeinsame Wochenenden und Abende gibt. In den nächsten Wochen und Monaten werde ich die neu gefundene Zeit nutzen und manches in Haus und Hof erledigen können, was die letzten Jahre unerledigt liegen geblieben ist. So muss ich dringend Holz machen (der nächste Winter kommt bestimmt) und das Wohnzimmer wartet schon länger auf eine Renovierung.  Nach Pfingsten werde ich mich wieder verstärkt in der Schule engagieren können.  Ich freue mich auch, dass ich nun öfters Zeit habe, mich sportlich zu betätigen und über Ostern werde ich wie all die Jahre vorher auch die von mir organisierte Skifreizeit in den Flumser Bergen genießen.

„Sie bleiben doch am Ball?“  oder  „Versuchen Sie es das nächste Mal noch mal!!“ schreiben mir freundliche Menschen.  Ob ich in fünf Jahren wieder kandidiere, weiß ich heute noch nicht. Ausschließen möchte ich dies keinesfalls. Dafür hat mir das Mandat trotz der immensen zeitlichen Inanspruchnahme zu viel Spaß gemacht und mich erfüllt.  Natürlich bleibe ich in meiner Heimatgemeinde Zwiefalten im Gemeinderat und auch mein Kreistagsmandat im Reutlinger Kreistag nehme ich wahr.  Im SPD-Kreisverband Reutlingen möchte ich mich aber erst wieder nach einer Neuaufstellung des Kreisvorstandes  engagieren. Aufgrund von „atmosphärischen Störungen“ hatte ich schon einige Monate vor der Landtagswahl beschlossen, mein Amt als stellvertretender SPD-Kreisvorsitzender aufzugeben.  „Meinen“ SPD- Ortsvereinen im Wahlkreis 61 werde ich die Treue halten, gelegentlich ihre Veranstaltungen besuchen und sie dort unterstützen, wo es mir möglich ist. Auch ihnen und all den engagierten Mitgliedern, die mich die letzten Jahre so tatkräftig unterstützten, möchte ich ein „Herzliches Dankeschön“ nachrufen!

Freundlich grüßt

Klaus Käppeler

PS: Ab sofort bin ich nur noch über unten stehende Adresse und Kommunikationsdaten zu erreichen. Bitte ändern!

Klaus Käppeler
Hauptstr. 59  –   88529 Zwiefalten
Tel. 07373 / 596
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Fax: 07373  / 915 259
Klaus.Kaeppeler@t-online.de

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