Stadthalle auf starken Staat

Dabei will die Südwest-SPD nicht auf Beschlüsse aus Berlin warten: »Bis eine bundesgesetzliche Regelung erreicht wird, wollen wir auf Landesebene vorangehen.« Und wer an den verpflichtenden Kursen nicht teilnehme, »dem sollte das Taschengeld gekürzt werden«, sagte der SPD-Politiker. Wobei Schmiedel davon ausgeht, dass die Mehrzahl der Flüchtlinge das Angebot wahrnehmen wird.

Reaktion auf Köln

Hintergrund der Beschlüsse ist die Klausurtagung der Südwest-SPD in Reutlingen, bei der der Kurs für den Endspurt der Landtagswahl festgezurrt wurde. Neben den bisher bekannten Themen wie soziale Gerechtigkeit und Ausbau des sozialen Wohnungsbaus wollen sich die Genossen als die Partei positionieren, die den Bürgern nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln und Stuttgart den Glauben an die Handlungsfähigkeit des Staates zurückgibt. Dafür hat die Fraktion bei ihrer Klausur eine Reutlinger Erklärung für »Öffentliche Sicherheit in einen starken Staat« beschlossen, die dem Reutlinger General-Anzeiger exklusiv vorliegt.

Zwar hat die Landesregierung nach Ansicht von Schmiedel schon einiges unternommen, um Flüchtlinge zu integrieren. Dennoch scheine es aber immer noch Missverständnisse zu geben. »Wer aus anderen kulturellen Räumen komme, der kenne oftmals unsere Gesetze und Traditionen nicht. Das führt zu Missverständnissen über das, was in Deutschland möglich ist. Deshalb wollen wir als vorbeugende Maßnahmen verpflichtenden staatsbürgerlichen Unterricht in den Leas einführen«, erläuterte Schmiedel die Hintergründe.

Die Vorkommnisse der Silvesternacht in Köln hätten bei vielen Bürgern den Eindruck erweckt, dass der Staat ohnmächtig sei. »Erst hat er nicht erkannt, was los ist. Dann tut er sich schwer, es aufzuarbeiten. Schließlich wird er sich bei der Beweisführung schwertun«, erläutert Schmiedel die gesellschaftliche Stimmung. Deshalb unterstütze die SPD-Fraktion den Plan von Innenminister Reinhold Gall (SPD), Polizisten mit Kameras auszurüsten und die Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen zu verstärken.

Bei dem Konzept des starken Staates setzt die Südwest-SPD auch auf den Ausbau der Polizei. »Während unserer Regierungsverantwortung wurden insgesamt 7 400 Polizeianwärter eingestellt, so viele wie noch nie in der Geschichte Baden-Württembergs. Diese Rekordeinstellung bei der Polizei werden wir in den kommenden Jahren verstetigen«, heißt es in der Reutlinger Erklärung der SPD-Fraktion.

Darüber hinaus will die SPD den Ausbau des sozialen Wohnungsbaus vorantreiben. Unter der schwarz-gelben Vorgängerregierung sei dies komplett zurückgefahren worden. Das müsse sich ändern. Die Bevölkerung in Baden-Württemberg wachse, deshalb bräuchte das Land mehr Wohnraum, mahnt der SPD-Politiker. »Wir brauchen neue Sozialwohnungen, aber auch Belegungsbindung für existierende günstige Wohnungen. Darüber hinaus müssen wir aber auch die Zahl der erstellten Wohnungen verdoppeln.« Im Jahr 2011 seien 24 000 Wohnungen in Baden-Württemberg fertiggestellt worden. Nun sind es rund 36 000. Das sei ein Zuwachs von 50 Prozent. »Doch da unsere Bevölkerung rasch wächst, brauchen wir pro Jahr 60 000 bis 70 000 neue Wohnungen in Baden-Württemberg. Darauf muss man sich einstellen«, mahnt Schmiedel.

Um das zu erreichen, ist Schmiedel auch bereit, einen Konflikt mit dem grünen Koalitionspartner einzugehen »Wir müssen es den Städten und Gemeinden erleichtern, Flächen zu erschließen. Priorität eins sind bezahlbare Wohnungen.« Das, was heute eine hohe Priorität habe, die Konzentration des Ausbaus auf städtische Zentren, müsse hinten anstehen, mahnt Schmiedel und zeigt sich kampfbereit in Richtung Grüne, die bei der Ausweitung von Bauflächen eher bremsen.

Quelle: GEA vom 14.01.2016, Autor:  DAVOR CVRLJE

»Das hier ist ein verdammt starkes Land«

Mit Vorsätzen ist es ja oft so eine Sache. Nicht so bei den Sozialdemokraten im Land. Zumindest, wenn man Schmid glaubt. Im Brustton der Überzeugung fügte er an, »aus unseren guten Vorsätzen wird auch gute Politik für unser Baden-Württemberg«.

Natürlich kam der 42-Jährige auch nicht umhin, das Thema anzusprechen, das derzeit alle Menschen in Deutschland umtreibt – quer durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten. Die sexuellen Übergriffe in Köln in der Silvesternacht und deren Folgen. Die Täter müssten mit der ganzen Härte des Gesetzes rechnen, stellte der Wirtschaftsminister fest. Er warnte aber auch davor, wegen der schlimmen Taten Einzelner alle Menschen, die vor Terror und Vertreibung nach Deutschland fliehen, unter Generalverdacht zu stellen.

Aus den Vorfällen von Köln müssten Schlüsse gezogen werden. Aber ein falscher Schluss wäre es, zu verkennen, welche Chancen Zuwanderung bietet. Die Sozialdemokraten wüssten um diese Chancen, und deshalb ist es »unsere Überzeugung«, so Schmid: »Wir fragen nicht, woher jemand kommt. Wir fragen, wohin wir gemeinsam gehen können.«

Jahr des Drachen beginnt

Trotz der großen Zahl an Flüchtlingen im Südwesten »ist und bleibt Baden-Württemberg ein verdammt starkes Land«, versprach der SPD-Spitzenkandidat. Und zwar eines mit Weltmarktführern in fast jedem Winkel des Landes. Damit dies so bleibe, bedürfe es vor allem einer Bildungsgerechtigkeit, für die sich die SPD einsetze, damit die Zukunft des Einzelnen nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig sei.

Zumindest vor größeren Pechsträhnen dürfte die SPD in diesem Jahr gefeit sein. Ab Februar beginnt im chinesischen Horoskop das Jahr des Drachen, wie Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch in ihrer Begrüßung betonte. Mit dem Jahr des Drachen sind aber immer wieder längere Phasen des Pechs verbunden.

Gegen die helfe jedoch laut chinesischem Horoskop rote Kleidung. Dazu zählen wohl auch rote Schals und Krawatten, wie Bosch in ihrer launigen Ansprache mutmaßte. Und davon müssten die Genossen ja immer noch reichlich in den Mottenkisten haben.

Quelle: GEA vom 14.01.2016, Autor: Oliver Jirosch 

Wie steht es um die Wahlfreiheit der Eltern hinsichtlich der Ganztagsbetreuung in der Grundschule?

Sehr geehrter Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

man merkt an der „Aktualität“ der heutigen Debatte, dass der FDP/DVP die Themen ausgehen.

Herr Wacker versucht einen Rundumschlag – und trifft dabei nur sich selbst.

Aber ich nutze natürlich gerne die Gelegenheit, ein weiteres Mal auf diesen historischen Erfolg der grün-roten Landesregierung hinzuweisen.

Mit der Verankerung der Ganztagsschule im Schulgesetz haben wir in kurzer Zeit etwas umgesetzt, wozu Schwarz-Gelb jahrzehntelang der Mut fehlte.

Vertreter der kommunalen Landesverbände, Herr Dr. Kern, loben die gemeinsame Vereinbarung und betonen:

„Dass vergleichbares mit schwarz-gelb niemals möglich gewesen wäre.“

Ich bemerke aber, dass die FDP seit ihrer Abwahl dem Thema Ganztagsschule eine neue Bedeutung beimisst. Herr Rülke beschreibt den Erkenntnisprozess seiner Fraktion mit den Worten: „Man habe den Ausbau der Ganztagsschule in der eigenen Regierungszeit verschlafen.“

Das gilt natürlich auch für die CDU.

Die heutige Debatte möchte ich zum Anlass nehmen, Herrn Dr. Timm Kern eine kleine, kostenlose Nachhilfe anzubieten.

Kostenlos deswegen, weil auch die Ganztagsschule kostenlos ist.

Nachhilfe, deshalb, weil die heutigen Ausführungen von Herrn Dr. Kern durchblicken lassen, dass es ihm trotz zahlloser Anläufe einfach nicht gelingen will, den rechtlichen Rahmen des Schulgesetztes vollumfänglich zu erfassen.

Sonst käme er nicht immer auf die gleichen, falschen Schlussfolgerungen, es gäbe einen Zwang zur Ganztagsschule, es gäbe keine Wahlfreiheit und es gäbe keine Flexibilität.

Eltern haben eine Wahlfreiheit, ob Sie ihr Kind an einer Ganztagsschule anmelden möchtenoder nicht. Einen Ganztagsschulzwang gibt es nicht.

Eltern entscheiden als Teil der Schulkonferenz, ob die Schule überhaupt ein Antrag auf Ganztagsbetrieb stellt. Die Stärkung der Eltern- und Schülervertretung in der Schulkonferenz ist, nebenbei bemerkt, auch ein Erfolg der grün –roten Landesregierung. Das hat Ihnen Frau Boser gerade eben auch schon gesagt.

Schulen können bei der Ausgestaltung ihres pädagogischen Konzeptes wählen.

Sie bestimmen den Umfang des Ganztagsangebots, und zwar sowohl die Zahl der Tage – drei oder vier – als auch den zeitlichen Umfang – sieben oder acht Stunde.

Schulen entscheiden über die Form des Ganztagsangebots. Und an dieser Stelle bitte genau zuhören, lieber Herr Dr. Kern, Schulen können zwischen der Ganztagsschule in Wahlform oder in verbindlichen Form wählen.

Wahlform bedeutet – wie an meiner Schule übrigens auch – dass ein verlässliches Ganztagsangebot organisiert wird, welches Eltern zu Beginn des Schuljahres für Ihr Kind wählen können, oder nicht.

Das Gesetz sieht zudem vor, dass Schulen sich für eine verbindliche Form der Ganztagsschule entscheiden können. Eltern können zum Zeitpunkt der Anmeldung entscheiden, ob sie diese Schule für ihr Kind wählen möchten oder nicht.

Ginge es nach den Vorstellungen der FDP, erhielten Eltern völlige Wahlfreiheit. Aber was bedeutet das für eine Schule, den Unterricht und für die Schulorganisation konkret?

Täglich würden Eltern ihre Kinder an- und abmelden, am besten auch noch samstags. Die Gruppengrößen würden ständig wechseln. Auf diese Informationen müssten der Lehrer, Gruppenleiter und die Mensa reagieren. Dadurch würde ein riesiger Organisationsaufwand verursacht.

Die Folge: Die Umsetzung eines Pädagogischen Konzepts mit hoher Qualität wäre unmöglich.

Mit anderen Worten:
Der FDP geht es eigentlich nur darum, Kinder zu betreuen oder sie aufzubewahren. Es geht ihr nicht um Qualität, nicht um Lernerfolge.

Das können sich dann wieder nur die Wohlhabenden mit teurer Nachhilfe leisten

Wir respektieren den Wunsch der Eltern und der Schule, wenn diese an dem bisherigen Angebot festhalten möchten. Deshalb halten wir an unserer Zusage fest, die Landesförderung der Betreuungsangebote dort aufrecht zu erhalten, wo es noch kein Ganztagsschulangebot gibt.

Wir, die SPD, stehen wir für einen Ausbau der Ganztagsschule sowohl im Grundschulbereich und in den kommenden Jahren auch im Bereich der weiterführenden Schulen. Jede Schule soll die Möglichkeit erhalten, sich zu einer Ganztagsschule weiterentwickeln zu können.

Niemand muss, jeder kann.

Entscheidend ist der Bedarf vor Ort! Und dieser ist groß. Ich bin daher überzeugt, dass die Zahl der Ganztagsschulen in den kommenden Jahren erheblich steigen wird.

Lieber Herr Kollege Dr. Kern – Sie haben in der zweiten Runde die Möglichkeit zum Besten zu geben, ob Sie etwas dazu gelernt haben und die Unterscheidungsmerkmale von Ganztagsschule in Wahlform  und Ganztagsschule in verbindlichen Form nun wiedergeben können. Ich bin gespannt.

Aber kommen Sie mir nicht wieder mit Ihrem liberalen Lieblingswort „Freiheit“. Sie verwechseln dies zu oft mit Beliebigkeit!

Vielen Dank!

Stimmensammler für den Landtag

Am 13. März wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag – und weil’s so spannend wird, wer das Ländle künftig regieren wird, steht uns ein zweieinhalbmonatiger Dauerwahlkampf bevor. Um den Wiedereinzug ins Parlament streiten auch die drei Platzhirsche im Bananenwahlkreis Hechingen/Münsingen, die wir auf diesem Archivfoto als Kassenbuben des Burladinger Fasnetsspiels entdeckt haben (von links: Andreas Glück, FDP, Karl-Wilhelm Röhm, CDU, und Klaus Käppeler, SPD). Wer’s schafft? Nun ja, Röhm mag als gesetzt gelten. Für Käppeler und Glück dürfte der Wahlabend dagegen mal wieder zur Zitterpartie werden.

Quelle: SWP vom 31.12.2015

Ohne Wintermärchen

Weil diesmal kein Schnee lag, musste das Wintermärchen ausfallen. Spaß gemacht hat den Teilnehmern die Dreikönigswanderung des SPD-Ortsvereins Hechingen trotzdem.

Treffpunkt der Genossen war in diesem Jahr der Heiligkreuz-Parkplatz. Der Vorsitzende Manfred Bensch begrüßte neben einer stattlichen Anzahl von Ortsvereinsmitgliedern auch den SPD-Landtagsabgeordneten Klaus Käppeler. Der Wanderweg führte auf leicht ansteigendem Weg in Richtung Burg. Auf einem gut befestigten Waldweg erreichte man die Pumpstation, die Frischwasser zur Zollerburg befördert. Dort bogen die Wanderer links ab und trafen bald auf Maria Zell ein. Die Gruppe besuchte das Grab von Alf und Ute Müller und legte eine Gedenkminute ein. An der Grillstelle lud der Nieselregen leider nicht zu einer längeren Pause ein.

Im Bollemer "Löwen" saßen die Sozialdemokraten nach dem Mittagessen einige Zeit bei angeregter Unterhaltung zusammen. Manch älterer Genosse wusste die eine oder andere Geschichte aus früheren Zeiten zu erzählen. Ein harmonisches Dreikönigstreffen ging dann langsam zu Ende. Allen Teilnehmern hat es so gut gefallen, dass sie sich schon auf das nächste Jahr freuen.

Quelle: SWP vom 09.01.2016

Die Ortsumfahrung im Blick

Wenn alles nach Plan läuft, wird im Sommer mit dem Bau der Ortsumfahrung B 313 begonnen. Seit Bürgermeisterin Annette Bauer vor gut zwei Jahren ins Amt gewählt wurde, hat sie um diese Ortsumfahrung gekämpft. Dies hat auch schon ihr Vorgänger Holger Dembek so gemacht. Die Anstrengungen haben sich gelohnt. Viele Bundes- und Landespolitiker waren im Lauf der Zeit vor Ort, um sich nach dem Projekt zu erkundigen.

Am nächsten Mittwoch statten der SPD-Landkreisabgeordnete, Klaus Käppeler und der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Hans-Martin Haller, Grafenberg einen Besuch ab. Sie wollen sich nach dem aktuellen Stand der Dinge in Sachen Ortsumfahrung erkundigen. Dabei werden sie sich zusammen mit Bürgermeisterin Annette Bauer einen Teil der Trassenführung anschauen.

Die beiden Landespolitiker waren im November 2014 schon einmal in Grafenberg. Damals stand noch nicht fest, wann die Ortsumfahrung B 313 verwirklicht werden wird. Immerhin war die Trasse da schon planfestgestellt. Die Ortsumfahrung ist für den 2500-Einwohner-Ort äußerst wichtig für die innerörtliche Entwicklung. Eine solche war bisher angesichts eines Verkehrsaufkommen von 17 000 bis 18 000 Fahrzeugen pro Tag, darunter jede Menge Schwerlastverkehr, nicht möglich. Die Ortsumfahrung hat eine Länge von 1,6 Kilometern und soll 7,6 Millionen Euro kosten.

Quelle: SWP vom 07.01.2016 Autor und Foto: PETER SWOBODA

Minister Peter Friedrich schaut auf ein politisches Frühstück vorbei

Die Brezel auf Minister Peter Friedrichs Teller wurde nur langsam weniger: Der Minister für Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten hatte keine Zeit zu frühstücken. Denn den rund 40 Gästen im Bisinger Kleintierzüchterheim gingen die Fragen nicht aus: Ist die heutige Flüchtlingssituation mit der nach dem Zweiten Weltkrieg zu vergleichen? Sind Flüchtlinge eine Lösung für den Fachkräftemangel? Ist die EU zu schnell gewachsen? Wie viele Flüchtlinge kann Deutschland aufnehmen?

Europa bewegt die Gemüter. Das zeige, wie Friedrich feststellte, dass nicht "nur die üblichen Verdächtigen" zur politischen Frühstücks-Premiere des Bisinger SPD-Ortsvereins kamen. Politikverdrossenheit war gestern, die Sorge um die EU geht um. Der Grund liegt auf der Hand: "2015 war kein gutes Jahr für Europa", sagte der Minister. Noch im Juni stand man mit der Griechenlandkrise vor dem finanziellen Abgrund, dann kam die Flüchtlingskrise und mit ihr die Erkenntnis, dass "nicht jedes Land das gleiche Verständnis von europäischen Werten hat". Konsequenz sei, dass immer mehr nationale Regierungen in "nationalen Eigensinn" fallen, es einen Rechtsruck gibt.

Baden-Württemberg – die "Spitze in Europa", so der Titel des politischen Frühstücks – ist Meister im Export. "Grundlage für diesen wirtschaftlichen Erfolg ist Europa", erklärte Friedrich. Wichtigste Partner seien die nächsten Nachbarn, nämlich Frankreich und die Schweiz. Nirgends in der EU pendeln so viele Menschen beruflich – über 50 Rhein-Brücken zwischen Mannheim und Konstanz. Trotzdem seien die Menschen mit Europa unzufrieden. Dafür zeigte der Minister Verständnis. Länder wie Ungarn bekämpften europäische Regeln, profitierten aber von europäischen Finanzmitteln. "Die Idee von Europa ist nicht, dass sich jedes Land wieder abkapselt", sagte er. Große Probleme wie die Flüchtlingsfrage seien nicht auf nationaler Ebene zu lösen. Alle Länder müssten sich solidarisch an einem europäischen Zuwanderungs- und Asylsystem beteiligen.

Gerade Baden-Württemberg sei auf Zuwanderung angewiesen. "Baden-Württemberg ist eine Abfolge von Integrationserfolgen", sagte Friedrich und spielte auf die Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg, die Gastarbeiter in den 60er- und 70er-Jahren sowie auf die Spätaussiedler in den 90er-Jahren an.

27 Prozent aller Arbeitnehmer im Ländle haben bereits einen Migrationshintergrund. Doch der Nachwuchs fehle. Bereits jetzt gebe es einen Mangel von 180 000 Fachkräften.

Ein Zuhörer gab zu bedenken, dass die Flüchtlingssituation nach dem Krieg ganz anders gewesen sei: "Die Flüchtlinge damals hatten die gleiche Sprache und Kultur." "Angespannter war es", hielt ein anderer dagegen, denn es seien mehr Flüchtlinge gewesen und das Land wirtschaftlich am Boden.

Die Angst einer Frau, dass sich die Flüchtlinge "nicht genügend integrieren und nicht arbeiten wollen", versuchte Friedrich zu entkräften. Der Integrationswille bei den Flüchtlingen sei hoch, tatsächlich wollten aber die meisten wieder zurück in ihre Heimat. "Gehen Sie nach Meßstetten und reden Sie mit den Menschen. Sie werden eine ganz andere Erfahrung machen", richtete er seine Bitte an die Frau.

Quelle: SWP vom 08.01.2016 Autorin und Foto: JUDITH MIDINET

Fair, offen und fachkompetent

Vergangene Woche leitete der CDU-Abgeordnete Karl Traub im Landtag die letzte Sitzung des Ausschusses für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz dieser Legislaturperiode. Da Traub im März 2016 nicht mehr für den Landtag kandidieren wird, war dies auch seine letzte Sitzung als Vorsitzender dieses Gremiums. "In der Rolle als Ausschussvorsitzender habe ich mich immer sehr wohl gefühlt. In den Fachausschüssen werden nicht die großen Fensterreden gehalten, sondern es wird die eigentliche Arbeit der Landespolitik gemacht", sagte Traub. Seit 2001 ist er bereits Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses. Ihn freue, dass er jedes Mal mit den Stimmen aller Fraktionen gewählt wurde. Über 250 parlamentarische Initiativen wurden von ihm in den vergangenen 15 Jahren in den Ausschusssitzungen aufgerufen und zur Debatte gestellt. Dabei mussten unter Traubs Sitzungsleitung mit Willi Stächele, Rudolf Köberle, Peter Hauk und Alexander Bonde vier Landwirtschaftsminister dem Gremium Rede und Antwort stehen.

Quelle: SWP vom 23.12.2015

Der stellvertretende Vorsitzende Klaus Käppeler (SPD) bedankte sich im Namen der Mitglieder des Ausschusses bei Traub mit einem kleinen Präsent für seine 15 Jahre als Ausschussvorsitzender und seine stets faire und offene Sitzungsleitung, die von viel Fachkompetenz geprägt gewesen sei.

Neues Inklusionsgesetz

 Hechingen (spd). Im Rahmen einer offenen Gesprächsrunde zum neuen Inklusionsgesetz hat der SPD-Wahlreisabgeordnete Klaus Käppeler in Hechingen mit Fachleuten aus Schulen und Behinderteneinrichtungen diskutiert. Der Einladung gefolgt waren Schulleiter, Sonderpädagogen, Mitarbeiter aus der Behindertenhilfe sowie Vorstandsmitglieder des Sozialverbandes VDK. Der Termin war bewusst gewählt: Die Veranstaltung fand am „Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung“ statt. Käppeler hatte im Vorfeld über Facebook an diesen Tag erinnert und damit bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Sein Beitrag im sozialen Netzwerk wurde mittlerweile von über 3,7 Millionen Menschen gelesen und von über 30.000 Nutzern aktiv mit anderen geteilt.

"Mit der Aufhebung der Sonderschulpflicht im Sommer haben wir alle Schulen für Kinder und Jugendliche mit Behinderung geöffnet, das schließt Privatschulen und freie Träger ausdrücklich mit ein“, stellte der SPD-Abgeordnete Klaus Käppeler in seinem einführenden Vortrag klar. Das neue Gesetz ermögliche betroffenen Eltern erstmals ein qualifiziertes Wahlrecht, ihr Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf entweder an einer allgemeinen Schule oder an einer Sonderschule anzumelden.

„Die Verhandlungen mit den kommunalen Spitzenverbänden zur Finanzierung waren leider schwierig und haben sich unnötig lange hingezogen“, räumte Käppeler ein, der als Schulpolitischer Sprecher im Landtag maßgeblich an der Formulierung des Gesetzes beteiligt war. Es sei aber schließlich gelungen, eine einvernehmliche Lösung zu finden, die den Schulen eine fundierte Planung ermögliche. „Bis 2017 wird die Landesförderung für Begleitmaßnahmen schrittweise auf jährlich 30 Millionen Euro erhöht, bis 2022 werden rund 1.440 zusätzliche Lehrkräfte zur Verfügung stehen“, berichtete der Abgeordnete.

Käppeler erläuterte im Detail die organisatorischen und pädagogischen Begleitmaßnahmen, die auf eine Stärkung der Schule vor Ort abzielten. „Wir müssen an den Schulen ein Klima schaffen, durch das inklusive Beschulung bald zum normalen Schulalltag gehört“, forderte Käppeler. Die anwesenden Fachleute teilten Käppelers Einschätzung, dass an den Schulen und bei den Pädagogen eine große Offenheit für das Inklusionskonzept bestehe.

Klaus Käppeler, der seit vielen Jahren die Grund- und Hauptschule Hohenstein leitet, konnte an diesem Abend auch als Praktiker mit den anwesenden Fachleuten spezielle Themen wie das künftige Berufsbild der Sonderpädagogen oder die Integration von Menschen mit Behinderung in das Berufsleben behandeln. „Die Rückmeldungen von Fachleuten aus der Praxis zeigen, dass wir in Baden-Württemberg den richtigen Weg beschritten haben“, so Klaus Käppelers Fazit. Auch die enorme Resonanz und teilweise sehr persönlichen Kommentare betroffener Eltern auf seiner Facebook-Seite bestärkten ihn in seinem Engagement für das neue Gesetz.

Der SPD-Abgeordnete bedankte sich auf Facebook in einem Kommentar für die zahlreichen Rückmeldungen. „Wir stehen nicht am Anfang einer Entwicklung, sondern wir befinden uns in einem Prozess. Ich wünsche mir, dass wir bald nicht mehr über das ‚Ob’, sondern nur noch über das ‚Wie’ der Inklusion diskutieren. Die Reaktionen auf meinen Eintrag machen Mut.“