Aufnahmeprüfungen für weiterführende Schulen

Antrag der Abg. Klaus Käppeler u. a. SPD

Der Landtag wolle beschließen, die Landesregierung zu ersuchen

I. zu berichten,

  1. a) wie die Aufnahmeprüfungen für Grundschülerinnen und –schüler für weiter- führende Schulen – aufgeschlüsselt nach
    – Fächern
    – Geschlecht
    – landesweit und in den einzelnen Landkreisen
    in den vergangenen fünf Jahren ausgefallen sind;
    b) inwieweit sich die Noten dieser Aufnahmeprüfungen von den Anmeldenoten unterschieden;
    c) wie hoch in den einzelnen Jahren für die benannten Teilgruppen die Quote derjenigen war, die die Aufnahme in die gewünschte Schulart über diese Prüfungen geschafft haben;
    d) ob für das Jahr 2002 signifikante Veränderungen festzustellen waren;
  2. ob und ggf. warum der Schwierigkeitsgrad für die Aufnahmeprüfungen 2002 erhöht wurde
  3. ob es zutrifft, dass Kindern im Alter von zehn Jahren bei diesen Aufnahmeprüfungen im Jahr 2002 im Fach Mathematik in einer Stunde zwölf zum Teil unterteilte Aufgaben in Textform gestellt wurden und ob die Landesregierung Umfang und Art der Aufgabenstellung als für Kinder in diesem Alter gerecht einstuft;
  4. wie sich die Landesregierung erklärt, dass in dem beim Verwaltungsgericht Sigmaringen anhängigen Fall (Aktenzeichen 6 K 1661/02) 16 von 21 Schülerinnen und Schülern beim Diktat die Noten 5 oder 6 erhielten;
  5. wie die Landesregierung die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Sigmaringen mit Aktenzeichen 6 K 1661/02 beurteilt, nach dem „beträchtliche Zweifel“ darüber bestehen, ob den Grundschülerinnen und Grundschülern in der Aufnahmeprüfung des Jahres 2002 eine faire und leistungsstand-adäquate Möglichkeit geboten wurde, ihre Eignung für den von ihnen gewünschten Schultyp unter Beweis zu stellen;
  6. wie die Landesregierung beurteilt, dass Eltern für ihre Kinder die Aufnahme in die von ihnen gewünschte weiterführende Schule mit erstinstanzlichem Erfolg einklagen;
  7. welche Konsequenzen die Landesregierung aus dem angeführten Gerichtsurteil zu ziehen gedenkt;
  8. welche Maßnahmen die Landesregierung ergreift, um zu gewährleisten, dass Grundschülerinnen und Grundschüler eine faire Chance haben, in die von ihnen gewünschte weiterführende Schulart wechseln zu können.

II.

  1. Leistungskriterien und Bewertungsformen für den Übergang in weiterführende Schulen zu schaffen, die Kindern in diesem Alter gerecht werden.
  2. Maßnahmen zu ergreifen, die Kindern zu einem späteren Zeitpunkt als nach Klasse 4 den Übergang in eine andere Schulart ermöglichen bzw. die Durchlässigkeit zwischen den Schularten in der Sekundarstufe I untereinander zu garantieren.

Stuttgart, 9. Oktober 2002

Käppeler, Zeller, Christine Rudolf, Bayer, Dr. Caroli, Margot Queitsch, Wintruff SPD

Begründung:

Die PISA-Studie hat gezeigt, dass der Lernprozess im Alter von 10 Jahren bei Kindern bei weitem noch nicht abgeschlossen ist und zu frühe und zu harte Ausleseverfahren für die weitere Entwicklung von Kindern von Nachteil ist. Dies trifft vor allem für Kinder aus sozial schwächeren Familien zu. Diskriminierende Siebmechanismen wie offensichtlich auch im beim Verwaltungsgericht Sigmaringen anhängigen Fall sind zu vermeiden.

Related Links

Schreibe einen Kommentar