Besserer Brandschutz fürs Schloss

BAD URACH. Peter Hofelich, Staatssekretär im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft des Landes, unternimmt in nächster Zeit unter dem Motto »Mittelstand trifft Schlösserland« gemeinsam mit Fachleuten eine Rundreise zu verschiedenen historischen Gebäuden, die sich im Besitz des Landes Baden-Württemberg befinden. Start war im spätmittelalterlichen Residenzschloss in Bad Urach, für Hofelich »eine besondere landeseigene Kulturliegenschaft«. »Bad Urach ist der ideale Auftakt.« Im Schloss Urach werde gezeigt, wie man den Besuch interessanter und abwechslungsreicher machen könne »mit Kostüm- und Themenführungen, Ostermarkt mit Kunsthandwerkern oder Open-Air-Kino – hier ist für Jung und Alt etwas geboten«, lobte der Staatssekretär während seines Rundgangs das attraktive Besucherangebot. »Das Schloss Bad Urach ist für mich gelebte Völkerverständigung über Jahrhunderte hinweg. Antonia Visconti und Barbara Gonzaga – zwei Prinzessinnen bringen italienisches Flair in die Grafschaft Württemberg«, so der Gast aus Stuttgart. In Bad Urach gebe es jetzt große Herausforderungen für Planer, Handwerker und Bauverwaltung, was den Erhalt und die Bewahrung dieses Ausflugszieles anbelange. »Wir haben alles, wir müssen es nur besser herausstellen«  

Neue Richtlinien für Veranstaltungsräume und für den Brandschutz machen bauliche Veränderungen erforderlich, die sich der Gast aus dem Ministerium von Fachleuten erklären ließ. So müssen in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt ein neuer Eingangsbereich mit einem separaten Fluchttreppenhaus, Säulen und vor allem die Decken den Brandschutzbestimmungen entsprechend umkleidet, beziehungsweise erneuert werden.

Das beauftragte Architekturbüro informierte über die organisatorische und bauliche Umsetzung dieser Arbeiten, deren Kosten sich nach ersten Schätzungen auf rund 2,3 bis 2,5 Millionen Euro belaufen werden.

»Für die Nutzung der repräsentativen Räume des Schlosses für Veranstaltungen ist ein den Vorschriften entsprechender Brandschutz unabdingbar«, sagte Hofelich. Verbunden damit soll es auch Veränderungen geben, die das Schloss noch attraktiver für Kultur-Touristen machen.

»Wir müssen auch Geld verdienen«, argumentierte Michael Hörrmann, Geschäftsführer Staatliche Schlösser und Gärten, um diese einmalige Chance zur Umgestaltung zu nutzen. Mit guten Partnern wie der Stadt Bad Urach, die »das Schloss als gute Stube braucht, um sich zu positionieren«, könne man erfolgreich sein, um eben dieses Schloss »noch stärker als kulturelles Erbe sichtbar zu machen.«

Am konkreten Beispiel in Bad Urach zeigte er Veränderungen auf, die neue Schwerpunkte setzen. So solle zum Beispiel die Dauerausstellung der Prunkschlitten aufgelöst werden, denn »ein Museum in einem Denkmal, das selbst genug zu bieten hat, macht wenig Sinn.« Von den jährlich 20 000 Besuchern im Schloss kämen die meisten nur einmal – Mehrfachbesucher machten einen sehr geringen Teil aus.

Mit einer neuen museumspädagogischen Konzeption könne sich das ändern, denn es gebe noch viel zu entdecken, was thematisch anders präsentiert werden könne und teilweise derzeit auf dem Dachboden lagere, so der Staatssekretär. Jeder Gegenstand müsse den direkten Bezug zum damaligen Leben im Schloss aufzeigen.

Einzelheiten zur Nutzung des Schlosses und dem Leben am Hof im Lauf früherer Jahrhunderte schilderte Konservatorin Dr. Patricia Peschel. »Wir haben alles, wir müssen es nur besser herausstellen«, so das Fazit von Janna Almeida, der Leiterin der Schlossverwaltung.

Quelle: Gea vom 28.05.2015, Autorin: Mara Sander

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Flucht und Vertreibung sind Realität

Gut zwanzig Gruorner, die noch im Ort geboren waren, besuchten den Gottesdienst. Etwa fünfzig Überlebende gebe es noch, schätzt Bleher. Mittlerweile kommen jedoch nicht nur die Gruorner und ihre Nachkommen. Das Treffen erfreut sich – spätestens seit Öffnung des ehemaligen Truppenübungsplatzes – zunehmender Beliebtheit bei Besuchern aus nah und fern. Traditionell beginnt das Pfingsttreffen mit einem Gottesdienst in der Stephanuskirche. Nicht alle fanden einen Platz in der völlig überfüllten Kirche. Viele verfolgten den Gottesdienst vom Friedhof aus, vielleicht am Grab ihrer Liebsten. »Es macht Sinn, dass wir uns an Pfingsten hier treffen«, unterstrich Militärpfarrer Erhard Lerch in seiner Predigt. Analog zur Pfingstgeschichte sei auch das Ende Gruorns für viele zu einem neuen Anfang geworden. Der Verzicht habe sich in der Rückschau als Gewinn entpuppt. Hans Lamparter vom Komitee zur Erhaltung der Kirche in Gruorn hob hervor, wie wichtig diese Tradition mit Erinnerungen an die frühere Zeit und an das einstige Dorfleben sei. »Heimat ist, wo wir unseren Lebensfaden festgemacht haben«  

»Flucht und Vertreibung ist ein Thema, das leider nicht Geschichte ist, sondern Realität«, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler. Im Land gebe es jedoch viele Initiativen zur Integration der zuwandernden Menschen, lobte er. Es sei eine gute Tradition, dass man zurückblickt, betonte auch der CDU-Landtagsabgeordnete Karl-Wilhelm Röhm. »Sie leisten einen Beitrag, dass der Blick auch nach vorne geht«, erklärte er. Heimat sei heute wieder ein großes Thema, konstatierte Römersteins Bürgermeister Matthias Winter. »Heimat ist, wo wir unseren Lebensfaden festgemacht haben.« 1937 hätten die Gruorner neben ihrem Hab und Gut auch ihren Glauben mitgenommen, unterstrich der Münsinger Bürgermeister Mike Münzig. »Pfingsten ist das Fest des belebenden Geistes Gottes und der Zuversicht«, so der Dekan des Kirchenbezirkes Bad-Urach/Münsingen, Michael Scheiberg.

Bei Führungen zur Geschichte des Ortes konnten die Besucher in das ehemalige Leben der Gruorner eintauchen. Eine alte Feuerwehrspritze wurde zum ersten Mal als stiller Zeitzeuge beim Treffen gezeigt. Wie diese Leihgabe der Ohnastetter Feuerwehr damals nach St. Johann kam, ist noch nicht geklärt. »Es ist eine Winteraufgabe, dies zu recherchieren«, so Alfred Weber vom Komitee.

Am Nachmittag gab der Internationale Chor Münsingen sein erstes öffentliches Konzert in der Gruorner Stephanuskirche. Er präsentierte Volkslieder in Sprachen – wie zum Beispiel russisch –, die nicht alle Chormitglieder sprechen und erntete für seine Darbietung viel Applaus. »Musik ist förderlich für das neue Zusammenleben«, erklärte Alfred Weber in seiner Begrüßung. Auf diese Weise komme man mit anderen Menschen in Kontakt. »Sie haben das gleiche Schicksal erlitten«, sagte er, allerdings hätten die Gruorner damals in ihrem Kulturkreis bleiben können. Dieses Glück hätten die heutigen Flüchtlinge nicht.

Schon im vergangenen Jahr lag es dem Komitee am Herzen, auch Flüchtlinge und Asylsuchende mit in das Treffen einzubeziehen. So ein Chor sei ideal, um die Verständigung zu fördern. »Da singen Menschen gemeinsam, die dort, wo sie daheim sind, gegeneinander in den Krieg ziehen würden«, so Weber.

Die zehn Sängerinnen und Sänger aus der Ukraine, Afghanistan, Bulgarien und Deutschland lernten sich im Rahmen eines Deutsch-Volkshochschulkurses kennen. Bei einem Weihnachtskonzert ist die Chor-Idee entstanden. Seit Februar haben sie geprobt. »Jetzt wollen wir wachsen«, hofft Chorleiterin Assja Dittel, die aus der Ukraine nach Deutschland kam. Eine Zugabe gab der Chor nicht. »Das nächste Mal«, versprachen die Sänger.

Quelle: Gea vom 26.05.2015, Autorin und Foto: Anke Lauschke

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Auf dem Weg in die Zukunft

"Wir brauchen in Kommunen wie Eningen ein gutes Bildungsangebot als wichtigen Standortfaktor für den Bestand und die Entwicklung." Kultusminister Andreas Stoch bescheinigte der Achalmgemeinde: "Eningen ist durchaus in der Lage, weiterführende Schulen aufrecht zu erhalten." Die direkte Nähe zu Städten mit Sogwirkung habe dies verhindert.

Die Weiterentwicklung der Achalmschule zur Ganztags-Grundschule und die Investitionen in die Generalsanierung der 50 Jahre alten Bauten der Haupt- und Werkrealschule nannte der Minister "ein beeindruckendes Ensemble in baulicher und persönlicher Hinsicht: Hier zieht man an einem Strang. Und zwar in eine Richtung."

"Lamentieren und Traditionellem nachweinen hat noch nie den Lauf der Dinge aufgehalten", erklärte Susanne Maschke an der Spitze der Achalmschule Eningen vor dem Rundgang durch den bereits kernsanierten Klassentrakt 3. "Dass unser Bildungswesen stark im Umbruch ist, weiß jeder", so die Schulleiterin, "Neues eröffnet Möglichkeiten und ist der stete Motor der Schulentwicklung. Unser erstes, fast fertiges Schulhaus, die weitere Sanierung am Trakt Zwei und der Spatenstich für die Mensa stimmen uns optimistisch".

Als Susanne Maschke nach Eningen kam, hatte auch die Achalmschule ihre langjährige Odyssee hinter sich. Was sie im Miteinander mit Schulträger und Gemeinderat auf kurzen Wegen beeindruckte, war "der wertschätzende Umgang, zeitnah in den Entscheidungen, offen für unsere Impulse und großzügig im Etat".

Dass sich die Schule nicht nur inhaltlich, sondern auch äußerlich auf den Weg in die Zukunft gemacht hat, bewies der Schwung der Achalm in leuchtend abgestuften Rottönen an der Front – erstmals ohne Gerüst – nach einem Farbkonzept des Ateliers Geiselhart.

"Kann man ein Gebäude, das 50 Jahre alt ist, wirklich abreißen? Wie geht man mit den vorhandenen Ressourcen um?" Diese Fragen, berichtete der planende Architekt Klaus Ehring vom Büro Ehring & Knies, habe man sich ganz zu Beginn der Generalsanierung gestellt. Die Entscheidung lautete auf den Erhalt der 60er-Jahre-Bausubstanz mit neuem Charakter. Was letztlich zu einem Rückbau auf den Rohzustand führte, ergänzte Eningens Bürgermeister Alexander Schweizer.

Er hatte die Idee zum Neubau der Schulmensa als barrierefreier Zwischenbau mit aufgesetzten Betreuungs-Klassenzimmern ins Spiel gebracht. Nachdem zuvor etliche Alternativen durchdacht und gescheitert waren.

"Hier entsteht ein neuer Schulstandort, der dann den Charakter eines einzigartigen Schulcampus vermitteln wird", so der Bürgermeister. Mit den Vorteilen einer deutlich verbesserten Energiebilanz und Wirtschaftlichkeit, "wir schaffen die Voraussetzung für inklusionsgerechte Angebote und die Möglichkeit, dass sich die Schule auch anderen Nutzungen und Kooperationen mit außerschulischen Partnern öffnet."

"Anlass für die Neuausrichtung auf eine ‚Schule der Zukunft‘ ist das Auslaufen der Werkrealschule", fasste Schweizer zusammen. Auch von den Eninger Eltern werde dieser Schultyp immer weniger nachgefragt. Viel wichtiger war Schweizer im Nachgang die hohe Nachfrage nach einer Ganztages-Grundschule am Ort, die in der wachsenden Kommune für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf unverzichtbar sei: "Die Schule erlebt mit den überraschend hohen Anmeldezahlen für die im neuen Schuljahr beginnende Ganztagsschule eine lange vermisste Akzeptanz und einen wichtigen Vertrauensbeweis der Eninger Eltern. Die Generalsanierung der Klassentrakte 2 und 3 und der dazwischen entstehenden Mensa erlaubt uns, alle Schulangebote an einem Standort zu konzentrieren." Integriert werden sukzessive die ersten und zweiten Klassen, die derzeit noch in der hundert Jahre alten Schillerschule untergebracht sind. Die neuen Erstklässler beziehen im September bereits ihre neuen Räume in der Achalmschule.

Die offizielle Einweihung der neuen Klassenräume wird im Rahmen eines Schulfestes am 25. September stattfinden. Bereits mit dem kommenden Schuljahr startet die Eninger Achalmschule an drei Tagen zu sieben Stunden mit der Ganztagesbetreuung. Gleichzeitig wird eine Ferienbetreuung installiert. "Wir treiben unser kooperatives Bildungsangebot mit der Schule für geistig behinderte Kinder voran und erweitern unser Angebot mit außerschulischen Partnern", benannte Schulleiterin Susanne Maschke einige der neuen Möglichkeiten unter dem Vorzeichen "individualisiertes Lernen und inklusive Bildungsangebote".

Quelle: SWP vom 22.05.2015, Autorin und Foto: Angela Steidle

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Pflege optimieren

Am Freitagnachmittag besuchte die SPD-Kreistagsfraktion das Pflegeheim Haus Fehlatal in Burladingen. Mit dabei waren auch die SPD-Landtagsabgeordneten Klaus Käppeler und Florian Wahl (aus dem Wahlkreis Böblingen). Begrüßt wurden die Gäste vom Gesellschafter und Besitzer der BeneVit-Gruppe Kaspar Pfister.

Dieser freute sich sehr über den Besuch der Politiker. Weil man im persönlichen Gespräch Sorgen und Nöte besser transportieren könne – und ebenso positive Nachrichten. Florian Wahl bedankte sich seinerseits für die Einladung und bat die Verantwortlichen um Verständnis für die Politik und ihre Entscheidungen. Natürlich arbeite sie stetig an der Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Betreiber und ebenso für die Bewohner der Pflegeheime.

Im Anschluss führte Gastgeber Kaspar Pfister die Besucher engagiert durch das Haus Fehlatal. Begeistert waren die Besucher vom Konzept der BeneVit-Gruppe, das wohl, attestierten ihr die Sozialdemokraten, einzigartig in Deutschland sein dürfte.

Quelle: SWP vom 18.05.2015, Autor: Eugen Leibold

Burladinger halten zu ihrem Kino

Dieses Signal war überfällig: Ein breites gesellschaftliches Bündnis hat am Wochenende zum Ausdruck gebracht, dass rechtsradikale Umtriebe in Burladingen nicht geduldet werden. 70 Kinogänger am Freitag und über 100 am Samstag füllten den Saal der Alb-Lichtspiele, deren Betreiber Ludwig und Doris Schülzle sich dazu entschlossen hatten, den Film "Elser – Er hätte die Welt verändert" trotz der Nazi-Attacke gegen ihr Haus zu zeigen.

Am Samstagabend folgten die Burladinger in großer Zahl dem Aufruf der Vereinsgemeinschaft, sich mit den Schülzles solidarisch zu erklären und den Nazi-Parolen demonstrativ die Stirn zu bieten. Unter den Besuchern des Elser-Films waren Wolfgang Schroft, der Sprecher der Burladinger Vereine, sein Stellvertreter Helfried Ringel, CDU-Stadtverbandschef Frank Schroft, der evangelische Pfarrer Christoph Dinkelacker, der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler, die Hettinger Bürgermeisterin Dagmar Kuster, Forstdirektor Hermann Schmidt vom Förderverein Städteparnterschaft und etliche weitere Vereinsvorsitzende.

Ihnen allen (und auch den weniger prominenten Gästen aus der ganzen Region, von denen viele erstmals seit Jahren mal wieder im Burladinger Kino waren) dankte Doris Schülzle, bevor der Vorhang aufging, in kurzen, bewegenden Worten. Sie sei, bekannte sie, "geschockt" gewesen, "in meinem Alter noch das Wort ,Verräter‘ an der Wand unseres Hauses zu sehen". Dieses sowie Hakenkreuze und Nazi-Parolen hatten Straftäter aus der rechten Szene vor knapp zwei Wochen an die Fassade der Alb-Lichtspiele gesprüht, weil das Kino die neonazikritische Dokumentation "Blut muss fließen" gezeigt hatte. Inzwischen, so ließ Doris Schülzle in ihre Seele blicken, habe man sich wieder gefangen – wegen der "tollen Unterstützung", die sie und ihr Mann von den Bürgern und den Vereinen erfahre. Ihr besonderer Dank galt Initiator Schroft: "Wolfgang, wir trinken mal ein Bier oder zwei."

Auf die warmen Worte folgte harte Kost. Das Publikum verfolgte gebannt, wie explizit "Elser"-Regisseur Oliver Hirschbiegel Folterszenen zeigt, wie schonungslos er die Grausamkeit und Unmenschlichkeit der Nazi-Schergen auf die Leinwand bringt. Sein Film ist die späte Würdigung eines einfachen Mannes von der Alb, der – nicht von Ideologie, sondern von bodenständiger Moral getrieben – versucht hat, den Tyrannen und Völkermörder Adolf Hitler zu stoppen, bevor alles zu spät war. Es war hart, aber wichtig, sich diesen Stoff just am 70. Jahrestag der Kapitulation Nazi-Deutschlands zu vergegenwärtigen.

Bedröppelt schweigend verließen die Kinogänger nach zwei Stunden den Saal. Draußen, in der Zollernstraße, fuhr eine Polizeistreife unverdrossen Patrouille. Am Freitag waren schon Zivilbeamte des Staatsschutzes im Saal gewesen. "Das", sagt Doris Schülzle, "hat uns doch sehr beruhigt".

Info Weitere Vorstellungen des Elser-Films gibt es am Dienstag und Mittwoch um 20 Uhr in den Alb-Lichtspielen.

Quelle: SWP vom 11.05.2015, Autor und Bild: Hardy Kromer

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„Wichtiges Zeichen, sich nicht von rechtsradikalen Umtrieben einschüchtern zu lassen“

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Rosemann hat in einer Pressemitteilung die Entscheidung des Kinobetreibers der Alb-Lichtspiele begrüßt, den zunächst aus dem Programm genommenen Film über den Hitler-Attentäter Georg Elser nun doch jetzt auszustrahlen. „Es ist ein wichtiges Zeichen, dass der Film über Georg Elser jetzt gezeigt wird“, so Rosemann. „Gerade in dieser Situation und genau 70 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus ist es gut und richtig, sich nicht von den rechtsradikalen Umtrieben einschüchtern zu lassen.“

Unmittelbar nach den Bedrohungen aus der rechtsradikalen Szene hatte Rosemann zusammen mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Klaus Käppeler gegenüber den Kinobetreibern der Burladinger Alblichtspiele in einem persönlichen Brief seine Solidarität und Unterstützung erklärt. Er zeigte sich sehr erfreut, dass viele Burladinger Bürgerinnen und Bürger persönlich auf Kinobetreiber Schülzle zugegangen sind und ihm ihre Solidarität versichert hatten. „Wenn Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft ganz konkreten Drohungen der Neonaziszene ausgesetzt sind, ist es gut und wichtig, dass alle demokratisch gesinnten Mitbürgerinnen und Mitbürger zusammenstehen und gemeinsam Flagge zeigen“, so Martin Rosemann. „Ich freue mich deshalb, dass sich so viele Menschen mit Mut machenden Worten hinter das Ehepaar Schülzle gestellt haben.“ Rosemann will sich in den kommenden Wochen den Film über Georg Elser in den Alblichtspielen anschauen.

Wohin der Weg führt, bleibt ungewiss

LÖRRACH. Die Realschullehrer im Landkreis sind verunsichert über die Ziele der regionalen Entwicklung. Sollen die Realschulen, wie es die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert, langfristig zu Gemeinschaftsschulen werden und somit "eine Schule für alle" sein? Oder sollte es die gleichen Chancen für alle, jedoch auf unterschiedlichen Schul-Wegen geben? Eine Podiumsdiskussion des GEW-Kreisverbandes in der Lörracher Neumattschule rückte die Situation ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Als Vertreter der Politik diskutierten Klaus Käppeler, schulpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, und Volker Schebesta, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion. Ihnen gegenüber traten Helmut Rüdlin, Leiter des staatlichen Schulamtes Lörrach, und Norbert Asal, Realschullehrer und Vorsitzender der GEW-Fachgruppe Realschule im Landkreis. Es moderierte der Realschullehrer Markus Schütz, Vorsitzender der GEW-Landesfachgruppe Realschulen.Einig waren sich alle Diskutanten, dass die Schulen in den vergangenen Jahren bereits permanenten Entwicklungen unterworfen waren und dass weitere Veränderungen angesichts des geänderten Schulwahlverhaltens, der veränderten Ansprüche an die Förderung der Schüler und der demografischen Entwicklung notwendig sind. Über die Zielrichtung dieser Entwicklung jedoch gibt es unterschiedliche Vorstellungen.

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Die Forderungen der GEW: Senkung des Klassenteilers auf 25, in Inklusionsklassen auf 20 Schüler, zusätzliche Stunden für Diagnose, Beratung, Coaching, Teambildung und Unterrichtsentwicklung, Anpassung der Ausstattung und der Personalschlüssel der Schulen an die neuen Bedürfnisse, Personal- und Organisationsentwicklung auf professionellem Niveau. Die von der Landesregierung angestrebten "Zwei Säulen" sieht die GEW als akzeptablen Zwischenschritt auf dem Weg zu "Einer Schule für alle".Eine Namensänderung ist nicht vorgesehenKlaus Käppeler bewertete diese Forderungen als grundsätzlich berechtigt, stellte aber auch klar, dass der Haushalt nicht alles zulasse. Dennoch sei bereits viel gemacht worden, "auch wenn sich der eine oder andere im Moment nicht mitgenommen fühlt." Eine Namensänderung gebe es an der Realschule nicht, auch wenn der neue Bildungsplan zum Schuljahr 2016/17 umfangreiche Änderungen vorsieht. Ziel der SPD sei es, "möglichst allen eine gute Bildung zukommen zulassen."Volker Schebesta formulierte als Ziel der CDU, die hohe Qualität der Realschulabschlüsse aufrechtzuerhalten. Er wünsche sich "Vielfalt für unterschiedliche Kinder" in der Schullandschaft und sieht die Realschulen weiter als souveräne Schulen und nicht als zukünftige Gemeinschaftsschulen. Deutlich artikulierte er seine Sorge um das sinkende Abschlussniveau, bei einer wachsenden Heterogenität der Schüler in dieser Schulform und meint damit insbesondere die steigende Zahl der schwächeren Schüler.Norbert Asal beschreibt die Realschule als die Schule mit der größten Heterogenität hinsichtlich kognitiver, sozialer, emotionaler aber auch familiärer und kultureller Voraussetzungen der Schüler. Daraus resultieren Herausforderungen im Alltag, für die die Realschullehrer nicht ausgebildet seien. Er betont die Wichtigkeit der Entwicklung neuer Unterrichtsformen und fordert qualifizierende Fort- und Weiterbildungen. Außerdem weist er darauf hin, dass "Inklusion nur als Chance und nicht als Hemmnis" erlebt werden könne, wenn entsprechende Ressourcen und qualifiziertes Personal verfügbar sind.Um der Zukunftssorge vieler Lehrer zu begegnen, wünscht sich Helmut Rüdlin "Momente von professionellem Changemanagement" und betont, die "Kollegen sind die Verantwortlichen, sie tragen den Prozess". Käppeler ermunterte die Lehrer "sich auf Dinge einzulassen", was angesichts der geleisteten Veränderungen mit einem vernehmbaren Schnauben im Publikum kommentiert wurde.In der Diskussion über die Qualität und Anerkennung der Abschlüsse weitete eine Frage von Lörrachs Bürgermeister Michael Wilke den Fokus: Was bedeuten gute Abschlüsse eigentlich? Befähigen sie zu einem gutes Leben? Eine Realschullehrerin ergänzte, dass in der Diskussion Abschlüsse und deren Vergleichbarkeit der stärker an Kompetenzen orientierte Lernbegriff vergessen nicht werden dürfe: Die Schüler könnten zwar heute nicht mehr die Mathearbeiten von vor 20 Jahren schreiben, aber sie "denken mehr".Dass nur wenige Realschullehrer bei der Diskussion erschienen waren, deutete sie als Signal: "Die Realschullehrer wollen nicht mehr reden, sie wollen und brauchen Hilfe in Form von Rahmenbedingungen und Ressourcen." Wie auch immer die Realschule künftig aussehen wird, Rüdlin ist sich sicher: "Wenn wir unsere Arbeit gut machen, können wir erfolgreiches Lernen nicht verhindern."Informationen zur Weiterentwicklung der Realschulen sowie zur Bildungsplanreform unter http://www.kultusportal-bw.de

Quelle: Badische Zeitung

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Den Reformen Zeit geben Podiumsdiskussion zum Thema Bildung

In der Bildungslandschaft tut sich viel: Ganztagesschulen wurden eingerichtet, die Inklusion auf den Weg gebracht und – als größte Neuerung – Gemeinschaftsschulen gegründet. Außerdem wurde mit einer regionalen Schulentwicklungsplanung begonnen. Gleichzeitig werden Bildungspläne reformiert, Förderschulen zu sonderpädagogischen Beratungszentren ausgebaut und zum Schuljahr 2016/17 wird es Neuerungen an den Realschulen geben. "Es hat sich viel getan", sagte Klaus Käppler, schulpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, der am Dienstagabend bei einer Veranstaltung des SPD-Ortsvereins Crailsheim im Bürgertreff Roter Buck die Reformen des Landes Baden-Württemberg vorstellte.

Die Zuhörer im Publikum und auf dem von Nikolaos Sakellariou (SPD) moderierten Podium hörten genau hin. Und sie meldeten dem Bildungsexperten Käppeler zurück, welche Auswirkungen die in Stuttgart gefassten Beschlüsse auf die Schulen im Kreis Schwäbisch Hall haben. Die geschäftsführende Schulleiterin der berufsbildenden Schulen im Landkreis, Anne Technau, wies darauf hin, dass es schwierig sei, die Stellen mit Fachlehrern zu besetzen.

Um Fachkräfte geht es auch beim Thema Inklusion. Der geschäftsführende Schulleiter der Crailsheimer Schulen, Manfred Koch, erläuterte die verschiedenen Modelle, die bereits erprobt wurden. "Es ist eine Herausforderung und es braucht vor allem personelle Ressourcen", so Koch. Schulamtsdirektorin Ursula Jordan stellte fest, dass sich bereits viele Schulen der Region in einem Prozess der Veränderung befänden. Jordan: "Es sind sehr gute Reformen auf den Weg gebracht worden. Jetzt müssen die Schulen Zeit bekommen, diese umzusetzen. Da darf nicht alle vier Wochen eine neue Reform kommen." Ungelöst sei weiterhin das Problem der Krankheitsvertretungen. "Hier muss dringend nachgebessert werden."

An den Gymnasien laufen die Reformen bislang weitgehend vorbei. Jochen Uhrhan, Rektor des Gymnasiums Gerabronn, sieht derzeit auch keinen Grund, sich den Veränderungsprozessen anzuschließen. "Das Land der Erfinder funktioniert nur, wenn clevere Köpfe dabei sind. Die brauchen von Anfang an eine solide Basis", so Uhrhan.

Quelle: SWP vom 02.05.2015, Autorin und Foto: CHRISTINE HOFMANN

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Stolz auf Seniorenheim

Insgesamt 16 Gemeinderäte, darunter sechs, die der Münstergemeinde zum ersten Mal einen Besuch abstatteten, erlebten Geselliges, tauschten sich aber auch über kommunale Angelegenheiten der beiden Gemeinden aus und erkannten, wie unterschiedlich die Verwaltungen arbeiten. Der Bürgermeister von La Tessoualle ist ehrenamtlich tätig, dafür haben Gemeinderäte mehr Kompetenzen als jene in Baden-Württemberg. Viele Verwaltungsarbeiten werden in La Tessoualle von einer Verwaltungsgemeinschaft erledigt, der mehrere Gemeinden angehören. Zudem ist eine Frauenquote eingeführt, so steht Marc Gental als Erste Stellvertreterin Muriel Fortel zur Seite, die das Finanzressort betreut.

Die Entwicklung der beiden Gemeinden und Zukunftsperspektiven standen auf der Tagesordnung der deutsch-französischen Gemeinderatssitzung am Samstagvormittag.

Nach zünftig bayerischem Weißwurst-Essen interessierten sich Einheimische wie Gäste für drei Einrichtungen: Das Altenpflegeheim, den Kindergarten und die Feuerwehr, die sogar mit Mannschaftswagen heranfuhr, um die Besucher zum Gerätehaus zu chauffieren. Schon morgens war offenbar geworden, dass man in La Tessoualle keine Freiwillige Feuerwehr kennt und keine Feuerwehr am Ort hat, sondern im Bedarfsfall aus der Nachbarschaft versorgt wird.

Ein Altenheim dagegen gibt es in der französischen Partnergemeinde. Es hat 70 Bewohner, darunter fünf, die älter sind als 100 Jahre, verkündete Bürgermeister Gental nicht ohne Stolz. Im Seniorenheim Aachtalblick des Zentrums für Psychiatrie Südwürttemberg in Zwiefalten werden 30 Frauen und Männer von insgesamt 25 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen betreut, von denen allerdings viele in Teilzeit arbeiten.

Heimleiterin Susanne Höhn zeigte ein Zimmer und schenkte den Gästen einen Eindruck von der Einrichtung, die vor vier Jahren eröffnet worden ist. Sie beantwortete Fragen zu Pflegesätzen, Eigenanteil und Aktivitäten.

Auf dem angrenzenden Grundstück im Bau ist ein psychiatrisches Fachpflegeheim, das am 28. Juli eingeweiht werden soll. Damit wird der gesetzlichen Vorgabe Genüge getan, jedem Bewohner ein Einzelzimmer mit Nasszelle zur Verfügung stellen zu können, informierte sie die Gemeinderäte.

Am Sonntag war die Delegation noch in und um Zwiefalten unterwegs, bevor man sich am Abend zum letzten Mal in launiger Runde zusammensetzte.

Heute heißt es dann wieder Abschied nehmen. Bereits in einer guten Woche, nämlich am 16. Mai werden erneut französische Sätze in der Münsterstadt zu hören sein, wenn die nächsten Gäste aus La Tessoualle in Zwiefalten empfangen werden.

Quelle: SWP vom 04.05.2015, Autorin und Foto: Waltraud Wolf

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