Leiden gehört zum Leben

Das 25. Symposium, das Mitglieder aus beiden Ländern zusammenführt, sollte eigentlich von Sozialministerin Katrin Altpeter eröffnet werden. Aber sie ließ sich entschuldigen und Grüße von MdL Klaus Käppeler ausrichten. Dieser war auch näher dran, wohnt er doch schon seit 1980 in der Nähe der Klinik und weiß deshalb "welche wichtige Arbeit hier geleistet wird". Seelische Erkrankungen, sei ein Thema, "das in der Gesellschaft wenig Beachtung findet, weil es nicht greifbar ist". Dabei steigen die Zahlen. Fast ein Drittel der Erwachsenen leidet an Depressionen, laut einer Studie der WHO soll diese Krankheit bis im Jahr 2020 an erster Stelle stehen. Umdenken ist angesagt. "Das Thema muss enttabuisiert werden," fordert Käppeler und verweist auf die Politik, genau auf das "Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz", das notwendige infrastrukturelle Rahmenbedingungen schaffe. Es sind Ärzte, Psychologen, Krankenschwestern und -pfleger, Beschäftigungstherapeuten, Soziologen, Philosophen, Historiker, Geistliche sowie Psychiatrieerfahrene und ihre Angehörigen, die jährlich zusammenkommen, sich weiterbilden und in Diskussionen austauschen.

Elmar Spancken, Mönchengladbach, hieß rund 160 Teilnehmer willkommen, Lukasz Cichocki, Krakau, übersetzte. Ganz ohne Worte kommt die Companie paradox, eine deutsch-polnische Theatergruppe, aus, die mit ihren anrührend eigenwilligen Masken und einer Putzaktion jeglichen Mief aus dem Festsaal vertrieb, die zeigte, so Spancken, "wie viel kreatives Potenzial in psychiatrisch therapeutischem Handeln steckt" und das an einem so "charmanten Ort" wie Zwiefalten.

"Mit großer Anteilnahme verfolgen wir in Polen und Deutschland die dramatischen Ereignisse in der Ukraine." Dies galt in erster Linie den Gästen aus Kiew, Odessa, Lemberg und Donezk. Noch vor einem Jahr, beim letzten Treffen in Breslau, "als sich schon die hoffnungsvolle Perspektive einer Assoziierung mit der EU abzeichnete", habe man sich nicht vorstellen können, dass die Menschen heute unter einem Krieg leiden müssen, "der Tod und Zerstörung in Regionen mit sich bringt, mit denen uns vor kurzem noch eine zukunftsgerichtete Zusammenarbeit verband". Man sei zutiefst solidarisch und hoffe auf eine friedliche Zukunft "unter Bewahrung Ihrer nationalen Einheit". Ein besonderer Gruß galt auch Gästen aus Israel.

Gerhard Längle, stellvertretender Geschäftsführer des ZfP Südwürttemberg, erwähnte die Zwiefalter Partnerschaft mit Andrychow in Polen, die Einblicke in die dortige Psychiatrie, einen fachlichen Austausch und freundschaftliche Kontakte ermöglicht. Der Kriegsbeginn vor 75 Jahren, "getrieben von ideologischem Größenwahn" blieb nicht unerwähnt: "Ich bin unseren polnischen Freunden sehr dankbar, dass sie bereit sind mit uns allen, die wir ihr Entsetzen über ein solches Geschehen teilen, zusammenzuarbeiten und eine neue Partnerschaft zu gestalten." Und zum Thema, das die gesamte Medizin betreffe: "Zu oft erleben wir, dass das Leid als nicht zum Leben gehörig ausgegrenzt, tabuisiert wird, und die leidenen Menschen damit an den Rand gedrängt werden." Klaus Decker, Patientenfürsprecher, gab zu bedenken, dass nicht das Schicksal, sondern der Mensch oft derjenige sei, "der Verletzungen hervorruft, die nicht vernarben wollen". Es gehe darum, Hoffnung zu vermitteln. "Sinn und Würde mit dem Leiden zu verbinden ist eine große Herausforderung."

Dieser stellten sich die Teilnehmer. Nachdem Bürgermeister Matthias Henne das ZfP ("Betreuung auf allerhöchstem Niveau") und die Gemeinde in ein gutes Licht gestellt hatte und Karina Aßfalg, Sopran, und Anna Prystromska, Klavier, die Gäste im feinen Prälatursaal bei einem einstündigen beeindruckenden Konzert in die Welt der Oper einführten. Die Sängerin stammt aus Russland, die Pianistin aus der Ukraine. Besser konnten die Vorzeichen fürs Symposium nicht sein.

Quelle: SWP vom 27.09.2014

Related Links

Zuschuss für „Wohlfühlgarten Farbenfroh“ aus Stuttgart

Sozialministerin Katrin Altpeter hat gestern die 37 Modellprojekte bekannt gegeben, die im Rahmen der Projektförderung "Impulse Inklusion" finanziell unterstützt werden. Gefördert werden innovative Projekte von Selbsthilfeorganisationen, Behinderteneinrichtungen, Kommunen und Vereinen, die das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderungen voranbringen wollen. Dafür stehen rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Altpeter: "Inklusion kann nur gelingen, wenn die ganze Gesellschaft sich daran beteiligt. Deshalb fördern wir Menschen, die sich in ihren Gemeinden oder ihrer Nachbarschaft dafür engagieren, den Inklusionsgedanken in die Tat umzusetzen. Ich bin ganz begeistert, wie viele innovative Initiativen es bei uns im Land bereits gibt".

Gefördert wird auch das Vorhaben "Wohlfühlgarten Farbenfroh" der BruderhausDiakonie Buttenhausen, und zwar mit 28 332 Euro. Geplant ist die Anlage eines öffentlich zugänglichen Gartens auf dem Grundstück des Wohnheimes für Menschen mit Behinderung als gemeinsames Projekt mit den Bürgern der Gemeinde.

"Ich freue mich sehr darüber, dass das Sozialministerium den geplanten Wohlfühlgarten Farbenfroh der BruderhausDiakonie in Buttenhausen mit rund 28 332 Euro unterstützen wird", so der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler, der in seiner Fraktion für die schulische Inklusion zuständig ist. Für ihn ist das Projekt "ein sehr gutes Beispiel dafür, wie der Inklusionsgedanke mit Leben gefüllt werden kann".

Quelle: SWP vom 26.09.2014

Related Links

SPD hat neuen Vorsitzenden

In seinem Geschäftsbericht erwähnte er die Höhepunkte der beiden vergangenen Jahre, die Bundestagswahl und die Kommunalwahl. Er hob "das gute Engagement der Metzinger SPD, vor allem aber der Kandidatin Rebecca Hummel" hervor. Weniger erfreulich seien die Kommunalwahlen verlaufen. "Trotz großer Anstrengungen konnten nicht alle Plätze auf der Liste Neuhausen besetzt werden", auch könne man mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein. Hoch hinterlässt den Ortsverein in einem guten Zustand, die Mitgliederzahl ist stabil und die Finanzen sind geordnet. Ein großes Problem ist die Überalterung, weil die meisten Jungen, die zu der Partei stoßen, nach kurzer Zeit aus persönlichen Gründen Metzingen verlassen.

Jürgen Fromhold, der Fraktionsvorsitzende im Metzinger Gemeinderat, dankte dem ausscheidenden Vorsitzenden für seine Arbeit mit einem Geschenk.

In seinem Bericht ging er auf die großen Aufgaben ein, die in der Stadt als Folge des Hagelschlags zu lösen sind, die Schulsituation und die Verkehrsplanung. Er wies auf die enormen Anstrengungen hin, die von der Stadt zur Erhaltung der Infrastruktur und der Bildungseinrichtungen erbracht werden müssen. Die Versammlung war der Auffassung, dass unterlassene Investitionen in die Infrastruktur auch Schulden für die nachkommende Generation seien.

In seinem Bericht aus dem Kreistag war die Situation der Krankenhäuser das zentrale Thema. "Die Kliniken haben ein ausuferndes Defizit erwirtschaftet, das nur schwer in den Griff zu kriegen sein wird." Fromhold hofft, dass die Regionalstadtbahn bald die notwendigen Zuschüsse bekommen wird, um die Realisierung vorantreiben zu können. Landtagsabgeordneter Klaus Käppeler berichtete aus dem Landtag und von der Landesregierung. Inzwischen seien über 200 Gemeinschaftsschulen eingerichtet worden, "die sich fast ausschließlich einen sehr guten Ruf erarbeitet haben", so Käppeler. Der Abgeordnete informierte die Metzinger Genossen auch über seinen Einsatz für den Wahlkreis. Er setze sich beispielsweise sehr stark für die Regionalstadtbahn ein.

Bei den Neuwahlen wurde Reinhard Glatzel als neuer Vorsitzender gewählt, sein Vertreter wird Michael Bolz, neue Schriftführerin Marica Dominkovic. Georg Bräuchle wird weiterhin die Kasse führen. Beisitzer sind Jutta Bräuchle, Ulrike Sippli, Annette Schneider, Günter hoch, Jürgen Fromhold, Patrick Maisch und Heiner Ulrich.

Quelle: SWP vom 24.09.2014

Related Links

Grün-rot gibt Anstoß für Planungsbeginn für B 31-Abschnitt bei Hagnau

Grüne und SPD setzen sich nach der Baufreigabe für die B 31 Friedrichshafen und mit Blick auf die für 2015 erwartete Baufreigabe des B 31 Abschnitts bei Überlingen für einen schnellst möglichen Lückenschluss auf der B 31 im Bodenseekreis und vorrangig für eine Lösung für Hagnau ein. „Wir werden liefern“, erklärte Martin Hahn. Am Montag dieser Woche führte er ein persönliches Gespräch mit Landesverkehrsminister Winfried Hermann.

„Wir sind uns einig, dass wir dringend eine Lösung für die Region brauchen und der Verkehr auf der B 31 fließen muss“, so Martin Hahn. Minister Winfried Hermann habe einem zeitnahen Planungsbeginn zugestimmt und im Gespräch die finanziellen Mittel dafür in Aussicht gestellt.

Martin Hahn und Klaus Käppeler erklärten bei einer Medienkonferenz in Hagnau, das Regierungspräsidium Tübingen erhalte aus Stuttgart den Auftrag, mit der Planung zu beginnen. „Unsere Initiative ist erfolgreich“, so Martin Hahn und Klaus Käppeler. Martin Hahn und Klaus Käppeler haben nach der mündlichen Zusage am Mittwoch bereits einen formellen Brief an Minister Hermann geschickt und erwarten jetzt die schriftliche Zusage.

„Wichtig ist uns und unseren Kreisverbänden, dass die Prüfung von möglichen Varianten ergebnisoffen erfolgt“, so Klaus Käppeler. „Grundsätzlich wäre aus Sicht von Grün-Rot auch ein Tunnel denkbar.“ Zunächst einmal ging es aber darum, den Planungsprozess anzuschieben.

Ein wichtiges Anliegen der Initiatoren des B 31 Planungsprozesses ist es zudem, Bürgerinnen und Bürger von Anfang an zu beteiligen und bei der Prüfung von Trassen und der Planung mit einzubeziehen. Das stellten Martin Hahn und Klaus Käppeler klar.

Möglich ist das nach Vorstellung von Grünen und SPD entweder durch ein Mediationsverfahren oder mit Hilfe des grün-roten Leitfadens für eine neue Planungskultur. In dem Leitfaden wird erstmalig die informelle Bürgerbeteiligung in Planungsverfahren systematisiert und verbindlich geregelt.

Weiter sprechen sich die Abgeordneten und Mitglieder der Kreisvorstände dafür aus, die Eingriffe in die sensible Bodenseelandschaft und den Flächenverbrauch so gering wie möglich zu halten. Ziel von Grün-Rot ist eine Trasse mit breiter Akzeptanz. „Damit arbeitet die Grün-Rote-Landesregierung das auf, was die Schwarz-Gelbe viele Jahre liegen ließ“, so Klaus Käppeler.

Der SPD-Kreisvorsitzende Dieter Stauber freute sich über diese positive Nachricht und sagte: „Die Zusage des Ministers, zeitnah mit der Planung der Umfahrung von Hagnau zu beginnen, ist für die Menschen in Hagnau und im Bodenseekreis von großer Bedeutung. Damit tun wir einen konkreter Schritt, um die letzte noch bestehende Ortsdurchfahrt an der B 31 zu beseitigen.“

Die B 31 Planung beginnt voraussichtlich spätestens Anfang 2015.

„Die Hofabgabeklausel ist ungerecht“

Essingen-Hohenroden lem Treffpunkt Schlossgut Hohenroden. Doch beim Treffen der Familie Woellwarth mit Vertretern der SPD-Landtagsfraktion in idyllischem Ambiente im Holzpavillon neben der historischen Kegelbahn und bei Zwetschgenkuchen und Apfelsaft ging es um ganz reale Landwirtschaftspolitik und auch die drohende Altersarmut von vielen Landwirten.

Konkret ging es um die sogenannte Hofabgabenklausel. Für Nicht-Landwirte: Diese etwa 50 Jahre alte Regelung schreibt vor, dass ein Landwirt, der sein Leben lang in die landwirtschaftliche Pflicht-Alterskasse einzahlte, nur Rente bekommt, wenn er seinen Hof abgibt. Diese Klausel, erklärt der Vorsitzende des Arbeitskreises Ländlicher Raum und agrarpolitische Sprecher Thomas Reusch-Frey, stamme noch aus der Zeit, als man mit dieser Klausel den Strukturwandel einzuleiten versuchte, um mehr Jungbauern auf die Höfe zu bekommen. Diese Bedingung, stellten auch Nils Opitz-Leifheit (parlamentarischer Berater im Ländlichen Raum) und der verbraucherpolitische Sprecher Klaus Käppeler fest, werde immer mehr als ungerecht empfunden. Auf der Agenda auch der SPD-Bundestagsfraktion, erklärte Reusch-Frey, stehe die Abschaffung der „nicht mehr zeitgemäßen“ Hofabgabeklausel ganz oben, es handle sich um „eine zentrale Gerechtigkeitsfrage“. Denn wer sein Leben lang in die landwirtschaftliche Altersklasse eingezahlt habe, der besitze auch einen Rentenanspruch. Egal, ob er den Hof abgibt oder nicht. Denn es sei ja so, erklärt Opitz-Leifheit, dass heute Landwirte keinesfalls selbstverständlich einen Nachfolger finden oder ihren Hof verpachten könnten.

Konkret nannte Philipp von Woellwarth (60) seine persönlichen Zahlen: Er habe 37 Jahre lang monatlich 225 Euro in die landwirtschaftliche Alterskasse eingezahlt. Sein Rentenanspruch: 480 Euro. Nach dem heutigen Stand bekäme er die sogar nur, wenn er seinen Hof abgibt. Der sei aber zur Altersversorgung vorgesehen. Seine Frau Viola von Woellwarth war vor Jahren als Landwirtin aus der Alterskasse ausgestiegen und hat die Beiträge bei einem Rentenversicherer auf dem freien Markt angelegt – sie kann immerhin eine doppelt so hohe Rente erwarten.

Quelle: Aalener Nachrichten vom 10.02.2013

Related Links

Landesdenkmalschutzprogramm: Land investiert rund 165.000 Euro in Denkmäler in Metzingen und Münsingen

Stuttgart (spd) Wie Klaus Käppeler, SPD-Landtagsabgeordneter des Wahlkreises Hechingen-Münsingen, vom zuständigen Staatssekretär Ingo Rust (SPD) erfuhr, stellt das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft im Rahmen der zweiten Tranche des diesjährigen Landesdenkmalschutzprogramms auch Gelder für Denkmäler in Metzingen und Münsingen zur Verfügung.  In Metzingen wird die Sanierung des Historischen Rathauses mit rund 110.000 Euro, in Münsingen die Sanierung der Evangelischen Martinskirche mit rund 55.000 Euro unterstützt. Klaus Käppeler freut sich über die Entscheidung des sozialdemokratisch geführten Ministeriums: „Das ist eine höchst erfreuliche Nachricht für meinen Wahlkreis. Ich möchte mich für die intensive Arbeit vieler auch ehrenamtlicher tätiger Bürgerinnen und Bürger bedanken. Auf diesen Erfolg können wir alle gemeinsam stolz sein.“

Die grün-rote Landesregierung investiert in der zweiten Tranche des diesjährigen Landesdenkmalschutzprogramms rund 2.1 Mio. Euro in die Sanierung, Nutzung und den Erhalt von insgesamt 43 Denkmälern im Land. Die Mittel werden vor allem in kirchliche aber auch kommunale Gebäude investiert und stammen aus den Erlösen der staatlichen Toto-Lotto GmbH. Anträge auf Förderung aus Landesdenkmalmitteln können bei den regional zuständigen Regierungspräsidien gestellt werden. Das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg stellt das Denkmalförderprogramm auf und entscheidet über die zu fördernden Maßnahmen.

Bekenntnis zu Marbach

GOMADINGEN-MARBACH. »Ich finde es richtig, dass ordentlich gefeiert wird«, sprach Baden-Württembergs Finanz- und Wirtschaftsminister Dr. Nils Schmid und teilte die große Jubiläumstorte mit Hufeisen- und Hirschhörnchenverzierung exakt in der Mitte. Es war sein erster Besuch als Minister im Haupt- und Landgestüt, dessen Festreihe zum 500-jährigen Bestehen sich mit dem Herbstgold-Auftakt und Hoffest, bei dem die »Lauter-Genuss«-Gastronomen aufgetischt haben und die Schwäbische Albbahn viele Besucher gebracht hat, allmählich dem Ende neigt.

 Als Kind sei er mit den Großeltern in Marbach gewesen, erzählt der Minister beim Tortengenuss. Seitdem hat sich viel getan. In neuerer Zeit mit Geld aus dem Konjunkturförderprogramm des Landes. Wo das abgeblieben ist, hat sich Nils Schmid von Marbach-Chefin Dr. Astrid von Velsen-Zerweck und Bernd Selbmann, dem Leiter des Tübinger Vermögens- und Bauamts, zeigen lassen. Der Finanzminister äußerte sich zufrieden mit der Marbacher Entwicklung, er bescheinigte dem Betrieb ein Aufwärts, seitdem von Velsen die Zügel in der Hand hat. »Sie hat optimiert.« Quelle: Gea vom 03.09.14, Autorin: Julie-Sabine Geiger

Related Links

Steige ist wieder offen

Bad Urach/St. Johann. Alle Festredner haben gestern Nachmittag einmütig ihre Freude darüber kund getan, wie schnell es gelungen ist, die Sirchinger Steige zu sanieren. Manchem Pendler mögen die vergangenen 15 Monate angesichts der Umwege, die er von der Alb ins Tal und retour in Kauf nehmen musste, dennoch lang geworden sein. Der Landesregierung, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann gestern anlässlich der feierlichen Wiedereröffnung der Straße, sei im vergangenen Jahr rasch klar gewesen, dass die Strecke so schnell es geht saniert werden muss, da sie für die Menschen in der Region große Bedeutung besitze. Dass es innerhalb eines guten Jahres geglückt ist, die vom Junihochwasser 2013 verursachten Schäden zu beseitigen und die Strecke zu reparieren, sei jedoch bemerkenswert, betonte der Minister. Gemeinhin würden solche Projekte weit mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Während der Bauzeit, schilderte Hermann, hätten die Fachleute einige große Brocken bewältigen müssen: Dreieinhalb Kilometer Straße waren zu sanieren, der Hang musste, teilweise mit Schutznetzen, gegen Steinschlag, gesichert werden. Allein 170 Bohrpfähle stecken bis zu 21 Meter tief im Boden, um die Straße, die, wie es Winfried Hermann ausdrückte, in einem hochlabilen Gelände gebaut ist, zu stabilisieren. Während der Bauarbeiten wurden insgesamt 25 000 Kubikmeter Erdmaterial bewegt und 17 000 Tonnen Schotter eingebaut. In etlichen Bereichen haben die Experten den Straßenbelag überdies bis zu drei Meter tief abgetragen, damit sie wieder einen stabilen Untergrund schaffen können. Gekostet hat die Sanierung letztlich knapp sechs Millionen Euro.

Minister Hermann nutzte gestern die Gelegenheit, die Politik der Landesregierung zum Thema „Straßenbau“ zu erläutern. Die grün-rote Koalition konzentriere sich seit drei Jahren auf den Erhalt der Substanz, da hier gewaltiger Nachholbedarf bestehe. Dafür gebe es inzwischen auch deutlich mehr Bundesmittel als früher. Heute investiere das Land drei Mal so viel Geld in die Sanierung von Straßen und Bauwerken als noch vor zehn Jahren.

Von einem „schönen, guten und wichtigen Tag für die Region“ sprach Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann anlässlich der Einweihung der Sirchinger Steige. Was die Experten nach dem Starkregen Anfang Juni 2013 entdeckten, habe den Urachern und St. Johannern überhaupt nicht gefallen, erinnerte der Bürgermeister. Immer wieder sei es wegen der Vollsperrung zu Diskussionen in den Gemeinderäten und unter den Einwohnern gekommen. Aus diesem Grund entschieden sich die Verantwortlichen, die Bürger im vergangenen Dezember „bei Roter Wurst und Glühwein“ zum Steigenrundgang einzuladen: „Das war der Durchbruch“, sagt Rebmann, „weil die Leute gesehen haben, die Sanierung geht nicht von heute auf morgen.“ Der milde und schneearme Winter habe ebenfalls sein Teil dazu beigetragen, die Bauarbeiten zügig voranzutreiben. Überdies habe er den Schülern manchen Umweg erspart. Weil die Hanner Steige, die, so Rebmann an alpine Routen erinnert, mangels Eis und Glätte fast durchweg befahrbar blieb, konnten die Schulbusse die meiste Zeit den direkteren Weg vom Kispel ins Tal nehmen.

Nachdem der Verkehrsminister schon einmal vor Ort war, nutzte Rebmann die Chance, für die Regionalstadtbahn zu werben. Es wäre schön, so Rebmann, wenn das erste Modul bald eingeweiht werden könnte, nachdem die Zufahrtsstrecken zur Ermstalbahn nun in bestem Zustand seien. Für diesen Wunsch spendeten nicht nur die Bürger Beifall, sondern auch der Minister, der den versammelten Kommunalpolitikern Unterstützung für ihr Ansinnen signalisierte.

Angesichts des großen Interesses der Bürger an der feierlichen Straßeneröffnung kündigte Regierungspräsident Hermann Strampfer an, künftig alle derartigen Festakte an die Sirchinger Steige verlegen zu wollen. Der Zuspruch, so Strampfer, sei sichtbarer Beweis für die Bedeutung, die die Steige für die Region besitze. Viele hätten dafür gekämpft, die Straße schnell wieder herzustellen. Auch die Fachbehörden und die beteiligten Firmen hätten bestens kooperiert. In diesem Zusammenhang würdigte Strampfer ausdrücklich die Leistung von Bauleiter Horst Reichenecker, der dafür gesorgt habe, dass alle Beteiligten gut zusammenarbeiten konnten.

Quelle: SWP vom 29.08.14, Autorin und Foto: Regine Lotterer

Related Links

Das Warten geht weiter

Seit Jahrzehnten kämpft die Gemeinde um eine Ortsumgehung. In den vergangenen Jahren haben Verwaltung, Gemeinderat und Bürger große Anstrengungen unternommen, um die Sache weiter voranzutreiben. So wurden 250 000 Euro in die hand genommen, um auf eigene Kosten eine Planung für die Ortsumgehung in Auftrag zu geben.

Es wurden auch bereits erste Überlegungen angestellt, wie die Ortsmitte nach dem Bau der Umgehung neu gestaltet werden könnte. Nun steht ein erster Erfolg bevor. Auf abermalige Nachfrage von Bürgermeisterin Annette Bauer beim Regierungspräsidium Tübingen wurde ihr bestätigt, dass der Planfeststellungsbeschluss Ende September erfolgen wird.

Gestern nun war Landesverkehrsminister Winfried Hermann in Grafenberg, um sich über das Projekt zu informieren. Bürgermeisterin Annette Bauer brachte dem Gast nahe, dass die B 313 eine wichtige Verkehrsachse zwischen Nürtingen und Reutlingen sei. Dazwischen liege noch der Besuchermagnet Metzingen, was die Sache auch nicht einfacher mache.

Hermann erfuhr des Weiteren, dass täglich zwischen 17 000 und 18 000 Fahrzeuge durch den Ort fahren, darunter ein großer Anteil von Schwerlastverkehr. Das alles bringe belastende Emissionen mit sich und große Gefahren für die Schulkinder, die die Bundesstraße überqueren müssten. Nicht zu vergessen sei die Lärmbelastung. Die letzte Messung stamme zwar aus dem Jahr 1997, doch schon damals lag sie bei tagsüber bei 64 Dezibel und nachts bei 54. „Der Bau der Ortsumgehung“, so die Bürgermeisterin weiter, „gibt uns auch die Chance, das Ortszentrum neu zu gestalten.“ Es seien schon einige Planungen angestoßen worden, doch angesichts des enormen Verkehrs komme man nicht weiter. Man erwartet sich von der Ortsumgehung eine Verkehrsentlastung von 80 Prozent.

Die geplante Umgehung hat eine Länge von 1,6 Kilometer und ist mit Kosten in Höhe von 7,3 Millionen Euro veranschlagt. All dies hatte in dieser Woche eine Grafenberger Delegation auch Verkehrsstaatssekretärin Dorothee Bär in Berlin erläutert. Diese habe verstanden, dass sich in Grafenberg etwas ändern müsse, um die Bürger zu entlasten. So sei man hoffnungsvoll aus dem Gespräch herausgegangen. Auch Winfried Hermann zeigte Verständnis für die Probleme Grafenbergs: „Es ist offensichtlich, dass Grafenberg eine Ortsumfahrung braucht, darüber müssen wir nicht diskutieren.“ Das Problem sei, dass es sehr viele Straßenbauprojekte gibt, die nicht finanziert seien. Er sei aber guter Dinge, dass das Projekt in den nächsten 15 Jahren verwirklicht werden könne. Bei diesen Worten mussten die Umstehenden schon ein bisschen schlucken. Und als Bürgermeisterin Annette Bauer der Hoffnung Ausdruck gab, es könnte sich noch in diesem Jahr etwas tun, antwortete der Minister: „Da muss ich Ihnen jede Hoffnung nehmen.“

Doch bei dem, was dann folgte, hellten sich die Mienen der Grafenberger wieder etwas auf. Eine Umgehung für sieben Millionen Euro sei nun ein vergleichbar kleines Projekt und mitunter tut sich für solche Projekt eine außerplanmäßige Möglichkeit zur Realisierung auf. Wichtig sei es eben, dass man ein Konzept hat. Sprach’s und lobte die fertige Planung und die zu erwartende Planfeststellung. Und er erinnerte daran, dass man ohne die Zustimmung des Bundes nichts verwirklichen könne.

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete, Michael Dohnt, machte sich stark für Grafenberg: „Es gibt im ganzen Umkreis keine Maßnahme, die so einmütig mit den Bürgern zusammen entwickelt wurde.“ Am Ende war Bürgermeisterin Annette Bauer doch noch positiv gestimmt. An Hermann gerichtet sagte sie: „Sollte sich also künftig eine Lücke auftun, dann denken Sie an Grafenberg.“ „Das kann man so sagen“, entgegnete der Minister, „das bleibt jetzt bei mir hängen.“

Quelle: SWP vom 29.08.14, Autor: Peter Swoboda, Foto: Ric Schuppe

Related Links