Anerkennung für die stillen Helfer

Die Hagelkörner, teilweise so groß wie Tennisbälle, durchschlugen alles, was sich ihnen in den Weg stellte. Hausdächer und -wände, Fensterscheiben, Fotovoltaikanlagen und Autos konnten ihnen nicht standhalten. Der Sturm fegte nur zehn Minuten über den Kreis, anschließend folgte ein Starkregen.

In der Stunde der Not waren besonders die Rettungskräfte gefragt. Feuerwehr, Polizei, Technisches Hilfswerk und das Deutsche Rote Kreuz waren rund um die Uhr und das tagelang im Einsatz.

Einsatzkräfte von weit her

Einsatzkräfte aus ganz Baden-Württemberg kamen und erhielten viel Lob und Anerkennung. »Es war ein Einsatz bis an die Leistungsgrenze«, bemerkte Landrat Thomas Reumann. Weil die örtlichen Feuerwehren mit der Vielzahl an Einsätzen völlig überfordert waren, eilten Wehren aus dem ganzen Land herbei, um die Kollegen zu unterstützen. In Spitzenzeiten waren über 800 Einsatzkräfte unterwegs, um in mehr als 5000 Fällen Notmaßnahmen zu ergreifen.

Stark beschädigte Gewerbe- und Wohngebäude mussten gesichert werden, Notunterkünfte wurden eingerichtet, in den Rathäusern der betroffenen Gemeinden und auf dem Landratsamt bildeten sich Krisenstäbe, die die Einsätze koordinierten und versuchten, sich ein Bild von der Lage zu machen. Allein in Grafenberg waren 95 Prozent der Häuser beschädigt, noch heute zieren Abdeckplanen und Baugerüste das Bild in der 2600-Einwohner-Gemeinde.

Hier zogen die Feuerwehrleute von Gebäude zu Gebäude und sicherten die völlig zerstören Häuser – wohl wissend, dass die Schäden an den eigenen vier Wänden auch nicht kleiner sind. »Fast ein Wunder, dass es keine Schwerverletzten gab«, stellte Reumann fest. Zwar meldeten sich im Kreiskrankenhaus Reutlingen ungefähr 100 Menschen mit Platz- und Schnittwunden, nach einer kurzen Behandlung konnten aber fast alle wieder entlassen werden.

Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch lobte die gute Ausstattung und Ausbildung der Feuerwehren und erklärte den Leuten in der voll besetzten Halle, was sie von der Anschaffung eines Hagelfliegers hält. Nämlich gar nichts. Die speziell ausgerüsteten Flugzeuge sprühen bei einer entsprechenden Wetterlage ein Chemie-Gemisch in die Wolken, das die Bildung kleiner Hagelkörner erreicht. Dem Entstehen von großen Körnern soll so entgegengewirkt werden. Am 28. Juli hätte das Flugzeug aber gar nicht schnell genug starten können, da das Unwetter so nicht vorhersehbar war. Außerdem wäre die betroffene Fläche zu groß gewesen, ist sich Bosch sicher.

Diese Meinung teilt auch Dr. Klaus Zehner, Vorstandsmitglied der Sparkassen-Versicherung. Zwar bezeichnete er das Gebiet südlich von Stuttgart als sogenannten »Hotspot«, eine Region, in der es häufig hagelt, ein entsprechendes Flugzeug könnte da aber auch nur wenig ändern. Die entstandenen Schäden bezifferte er auf rund 600 Millionen Euro.

Fehlerlose Zusammenarbeit

Einig waren sich die Redner am Samstagabend, dass man bei den Rettungseinsätzen nach dem Unwetter kaum etwas hätte anders machen sollen. Die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Helfern und den Verwaltungsstellen sei gut gewesen. Für ihren selbstlosen Einsatz bedankten sich Thomas Reumann, Barbara Bosch und Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler bei den Feuerwehrleuten, die tagelang fast pausenlos im Einsatz waren. Hatten sie zunächst mit starken Regenfällen zu kämpfen, erschwerte ihnen anschließend eine Hitzewelle die Arbeit auf den Dächern.

Bei gutem Essen und Musik vom Spielmannszug Metzingen/Aichtal-Grötzingen sowie dem Florianschor Mägerkingen genossen die stillen Helden den Abend, der dennoch nicht nach Wiederholung schreit. (tbö)

Quelle: Gea vom 21.10.13, Autor und Foto: Börner

Related Links

200 Gäste feiern im Lokschuppen den 150. Geburtstag des ALB BOTE

150 Jahre ist der ALB BOTE alt, seit 175 Jahren gibt es eine Tageszeitung in Münsingen. Doppelter Anlass also zur Feier, die gestern Abend im Münsinger Lokschuppen über die Bühne ging, in einem Ambiente also, das passender kaum sein konnte für ein Produkt, das zu Beginn per Handpresse gedruckt wurde, so Geschäftsführer Hartmut Staiger in seiner Begrüßung. Er ging auf die Geschichte der Zeitung ein, die heute mit täglich 4700 Exemplaren erscheint, damit "zu den kleinen, aber unverzichtbaren Blättern im Land zählt". Bürgermeister Mike Münzing hatte für sein Grußwort eine der ersten Ausgaben des Jahres 1863 analysiert. Die Laudatio bestritt anschließend Landrat Thomas Reumann, ehe es hieß "Kenner lesen ALB BOTE", vorgetragen von Bernhard Hurm und Uwe Zellmer, Schauspieler des Theater Lindenhofs. Eine Feuershow mit "Stafffire" beschloss den offiziellen Teil. Ein ausführlicher Bericht folgt in unserer Montagsausgabe. Unser Bild zeigt von links: MdL Andreas Glück, Hartmut Staiger, MdL Klaus Käppeler, IHK-Präsident Christian O. Erbe, Landrat Thomas Reumann, Verlegerpräsident Valdo Lehari und Südwest Presse-Chefredakteur Ulrich Becker.

Quelle: SWP vom 19.10.13, Text: Reiner Frenz/Foto: Thomas Kiehl

Related Links

Eine Milliarde mehr für die Bildung

Die Bildungspolitik war in den vergangenen zwei Jahren ein Schwerpunkt der SPD im Landtag. Entgegen dem öffentlichen Zerrbild, das einzelne Interessenvertretungen gerne zeichnen, wurden zentrale Beschlüsse für ein gerechteres und zukunftsorientiertes Bildungssystem umgesetzt. Insgesamt fließen in den kommenden Jahren bis 2015 mehr als 1 Milliarde Euro in die Bildung.

Related Files

Klaus Käppeler MdL: Anmeldeliste des Landes für den Bundesverkehrswegeplan enthält auch Albaufstieg bei Lichtenstein sowie die Ortsumfahrungen Engstingen und Grafenberg

Die nun vorliegende Anmeldeliste der Landesregierung für den Bundesverkehrswegeplan ist das Ergebnis eines landesweit zugrunde gelegten fachlichen Konzeptes mit einem sehr breiten Beteiligungsprozess. Dazu zählten vier Regionalkonferenzen, die es so bei früheren Anmeldungen Baden-Württembergs für den Bundesverkehrswegeplan nicht gegeben hat. „Angesichts dieses fachlich fundierten Prozesses nach objektiven Kriterien ist es ein großer Erfolg, dass der Albaufstieg bei Lichtenstein und die Ortsumfahrungen Engstingen und Grafenberg in der Anmeldeliste zum Zuge kamen“, zeigte sich der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler erfreut.

Mit der Anmeldung stärke das Land einerseits die hoch belasteten transeuropäischen Autobahn-Achsen (A 5, A 6, A 8) und andererseits besonders hochbelastete Strecken im Land. Durch die Berücksichtigung von Hauptverbindungsachsen, erläuterte Käppeler, verbessere die grün-rote Landesregierung – unabhängig von den reinen Verkehrszahlen – die Infrastruktur im Ländlichen Raum, so z.B. die Relationen Tübingen-Ravensburg und Offenburg-Villingen-Schwenningen. Außerdem würden durch hoch wirksame Einzelmaßnahmen (Ortsumfahrungen) mit entsprechenden Entlastungswirkungen gerade auch im Ländlichen Raum Menschen vom Durchgangsverkehr entlastet und die Wirtschaft gestärkt. „Dadurch verringern sich Unfallgefahren, Lärm, schlechte Luft und Staus“, begründete Käppeler die Maßnahmenliste.

Angemeldet werden von Baden-Württemberg beim Bund rund 160 Maßnahmen mit einem voraussichtlichen Finanzvolumen von gut 11 Mrd. Euro. Das stellt nach Ansicht der SPD den realistischen Bedarf dar. Die SPD fordert nun den Bund dazu auf, die finanzielle Mittelbereitstellung für den Bundesfernstraßenbau in Baden-Württemberg bedarfsgerecht zu erhöhen, da hier die Belastung auf den Straßen seit Jahren größer sei als anderswo in Deutschland.

Im Rahmen der Erstellung der Maßnahmenliste sei außerdem genau geprüft worden, ob nicht Alternativen zum jeweiligen Aus- und Neubau in Frage kommen, etwa ein drei- statt ein vierstreifiger Ausbau oder die Freigabe von Seitenstreifen. Auch das Verlagerungspotential zur Schiene und zu Wasserstraßen bleibe nicht unberücksichtigt.

Das Verkehrsministerium werde nun in einem nächsten Schritt die gemeldeten Maßnahmen nach ihrer Dringlichkeit ordnen, um gegenüber dem Bund die Schwerpunkte aus Sicht des Landes zu definieren. „Das Letztentscheidungsrecht, welche Straße wann gebaut wird, liegt jedoch allein beim Bund“, betonte Käppeler abschließend.