Werben für gastronomische Berufe

Der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Hofelich aus Salach ist der (ehrenamtliche) Beauftragte der Landesregierung für Mittelstand und Handwerk. Jetzt in den Sommerferien begibt er sich auf eine Reise, aber nicht etwa ins Ausland, sondern in die Regionen Neckar-Alb und Mittlerer Neckar – also quasi seine nähere Heimat. Was er dort bislang in den kleinen und mittelständischen Betrieben gesehen hat, gefiel ihm offensichtlich gut: "Es hilft, wenn man sich einen klaren Blick vor Ort verschafft", betonte er. Und: "Ich bin bei meinen bisherigen Stationen auf viel Fachwissen und eine mittelständische Mentalität gestoßen", sagte Hofelich bei den Klose-Brüdern im Stausee-Restaurant.

Zum Mittagessen wars zu spät, doch den guten Kuchen mussten die Gäste aus der Landesregierung unbedingt probieren. Damit ließ es sich auf der Stausee-Terrasse durchaus aushalten – obwohl auch dort der Hagel heftig gewütet hatte: 150 000 Euro Schaden vor allem an Fassade und Hotelzimmern, wie Josef Klose als einer der Besitzer des Familienbetriebs berichtete.

Doch das Thema am Dienstag war ein anderes: Die Ausbildung in kleinen und mittelständischen Betrieben. Und gerade in der Gastronomie gebe es schon seit Jahren Probleme, passenden Nachwuchs zu finden, wie Gerhard Klose betonte. Aber: Da hätten zahlreiche Kollegen auch eigene Fehler gemacht, "von dem alten Ausbildungszopf sind die nicht weggekommen". Dabei gelte es, den jungen Menschen entgegen zu kommen, die Arbeitszeiten etwa attraktiver zu gestalten. "Wir haben hier bei uns acht Azubis, viele andere Kollegen rufen auf der Suche nach Fachpersonal bei uns an und wollen unsere Leute abwerben."

Die angehende Hotelfachfrau Jasmin Münzinger aus Metzingen ist eine der Auszubildenden im Stausee-Hotel. Im ersten Ausbildungsjahr betätigt sie sich aber bereits als Ausbildungsbotschafterin. Bei einem Speed-Dating vor kurzem in der Reutlinger Müller-Galerie etwa hat sie einige Jugendliche über ihren Job informiert. Münzinger geht aber auch auf Anfragen in Schulen und berichtet dort vor Klassen über ihre Ausbildung. Warum sie das tut? Ihr gefällt der Job, "andere sehen aber meist nur die negativen Aspekte der Arbeit in der Gastronomie". Sie wolle hingegen "das Positive rüberbringen". Was sie nach der Ausbildung machen will? "Ich weiß noch nicht, ob ich Hotelmanagement studieren soll oder erst mal Erfahrungen sammeln werde." Ein dickes Lob erhielt die junge Frau von Josef Klose: "Frauen sind in der Gastronomie um Längen besser als Männer."

Zwar hätten die Kloses für das kommende Lehrjahr 37 Bewerbungen für ihre drei neu zu besetzenden Stellen erhalten, davon seien aber 25 junge Menschen "nicht vermittelbar gewesen". Gezeigt habe sich das zumeist schon nach zwei bis drei Tagen Praktikum. Dass viele andere Hotels und Restaurants so große Probleme mit dem Nachwuchs haben, kann Eva-Maria Rühle als Bundesvorsitzende des Berufsbildungsausschusses der Dehoga nicht verstehen: "Dabei ist das doch so ein toller Beruf."

Grundsätzlich müsse mehr Werbung für die Ausbildungsmöglichkeiten in der Gastronomie gemacht werden, sagte Peter Hofelich. Junge Menschen wollten heute natürlich gerne wissen, wie ihre Perspektiven in einem Beruf sind. Dass man in Restaurants und Hotels keine Karriere machen könne, sei völlig falsch, betonte Rühle.

Aber es müssten auch Hilfen angeboten werden für "schwächere Strecken von Azubis", so Hofelich. Sozialpädagogische oder andere Unterstützung müssten künftig stärker entwickelt werden, so seine Forderung. Ähnlich argumentierte auch Klaus Käppeler als zweiter Landtagsabgeordneter der SPD: Auch schwächere Schüler müssten künftig eine Chance auf eine Ausbildung haben. Und warum nicht in einem gastronomischen Beruf?

Eines sei auf jeden Fall klar – da waren sich alle auf der Stausee-Terrasse einig: "Baden-Württemberg wäre ohne die Gastronomie und ohne kleinere Unternehmen deutlich ärmer", so Hofelich.

Quelle: SWP vom 02.08.13, Autor: Norbert Leister

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Gut, dass man darüber gesprochen hat. Denn einiges von dem, was Claus Schmiedel, und damit weite Teile der SPD-Landtagsfraktion von den Plänen in Metzingen gehört hatte, verfälschte die Realität doch erheblich. "Mir war bislang nur bekannt, dass es sich um eine Erweiterung der Outletcity handeln würde. Tatsächlich sind die Neubauten aber doch in erster Linie als Standortsicherung für die Hugo Boss AG gedacht. Und die begrüßen wir natürlich ebenso, wie wir das bei Unternehmen wie Mercedes oder Porsche auch täten", sagte Schmiedel gestern. Zuvor hatten Wolfgang Bauer als Vorstandsvorsitzender der Holy AG und Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler die SPD-Delegation um Schmiedel, den Landtagsabgeordneten Klaus Käppeler und die Bundestagskandidatin Rebecca Hummel über die Pläne für das G&V-Gelände aufgeklärt.

Einen Freibrief, eine "Lex Metzingen", wollte Schmiedel denn aber doch nicht erteilen. "Die Entscheidung liegt ohnehin beim Regierungspräsidium", stellte er klar. In der Landesregierung müsse man sich aber grundsätzliche Gedanken machen, wie man mit den Outlet-Centern in baden-Württemberg umgehe. Noch im Jahr 2000 habe es nur Metzingen gegeben, dann sei Wertheim dazugekommen, in Sinsheim ist ein entsprechender Antrag gestellt. "Inzwischen gibt es Outlets flächendeckend. Das ist eine Entwicklung, die man sich nicht wegwünschen kann und wir müssen in der Koalition überlegen, wie wir damit umgehen", so Schmiedel.

Eine Reihe von Vorzügen hatte er freilich erkannt: Die Konzentration auf Premium-Marken etwa sei ihm zuvor nie so bewusst gewesen, "das gibt es sonst in Deutschland nirgendwo in dieser Art." Die Bundestagskandidatin Rebecca Hummel meinte dazu, dass "die meisten der Angebote in Metzingen gar nicht mit den Angeboten in Reutlingen oder Tübingen kollidieren", weil es die Marken dort eben gar nicht gebe.

Weitere Punkte seien die städtebauliche Entwicklung in Metzingen, die Anbindung an die Einzelhändler in der Innenstadt und die enorme nationale und internationale Zugkraft der Outletcity. "Kein Chinese, der mit dem Flugzeug in Stuttgart landet, kommt nicht auch nach Metzingen. Hinter Berlin ist Metzingen in China die zweitbekannteste Stadt", so Schmiedel. Die Chancen aus diesem Tourismusmagneten gelte es für die gesamte Region zu nutzen. Wolfgang Bauer konnte diese Aussagen sogar mit Zahlen belegen: 134 Millionen Euro bleiben in der Region jährlich durch Outlet-Touristen hängen, 750 000 Übernachtungen werden pro Jahr gebucht. Längst sei Metzingen für das Land von internationaler Bedeutung, so Schmiedel. Klaus Käppeler setzte noch eins drauf: "Metzingen spielt zwei bis drei Ligen über allen anderen Outlet-Centern, deswegen muss es auch mit anderen Augen betrachtet werden."

Positiv zur Kenntnis genommen wurde sicherlich auch das umfangreiche Bürgerbeteiligungsprogramm, das letztlich in die Planung zum G&V-Areal eingeflossen ist und auf das OB Fiedler ausdrücklich hingewiesen hatte.

Fraktionsvorsitzender Schmiedel jedenfalls will sich dafür einsetzen, dass das Thema Outlet-Center in der Landesregierung nach objektiven Kriterien beurteilt wird. "Es muss mehr Substanz in die Diskussion einfließen als nur die Zahl der reinen Verkaufsfläche", sagte er. Es gelte die Betroffenheit im Land abzuwägen mit den nationalen und internationalen Chancen, die Metzingen mit sich bringe.

Sowohl Wolfgang Bauer als auch OB Fiedler waren von den Besuchern angetan. Schmiedel sei bei dem Projekt in die Tiefe vorgedrungen und habe dessen Vielschichtigkeit erkannt, lobte Fiedler. Er sei daher mit Blick auf die weitere Diskussion innerhalb der Landesregierung positiv gestimmt.

Dennoch, die Entscheidung treffe wie gesagt das Regierungspräsidium, basierend auf einem vom RP beauftragten Gutachten. An dessen Richtigkeit wollte Schmiedel, im Gegensatz zu einigen Vertretern umliegender Städte, keine Zweifel aufkommen lassen. Insofern haben Metzingen und die Outletcity einen weiteren kleinen Etappensieg errungen.

Quelle: SWP vom 26.07.13, Autor: Michael Koch