Bernert: „Es gibt kein Großschutzgebiet zum Nulltarif“

Drei bis vier Mal im Jahr tagt der Arbeitsausschuss Ländlicher Raum der SPD-Landtagsfraktion auswärts, um sich vor Ort detailliert über Projekte und Themen zu informieren, um Kriterien für Entscheidungsfindungen an die Hand zu bekommen. Am frühen Montagnachmittag kam das Gremium, bestehend aus den Abgeordneten Alfred Winkler – Agrarpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion – Klaus Käppeler, Thomas Reusch-Frey und Hans-Peter Storz sowie den parlamentarischen Beratern Nils Opitz-Leifheit und Renate Schelling, im Biosphärenzentrum zusammen.

Klaus Käppeler war schon kurz nach der Auflösung des Truppenübungsplatzes hier mit dem Fahrrad unterwegs. Schon damals habe man angedacht, das Gelände für den Naturschutz zu verwenden. Weil aktuell ein Biosphärengebiet Südlicher Schwarzwald in der Diskussion sei, habe der Ausschuss das Münsinger Biosphärenzentrum als Ziel auserkoren. Alfred Winkler erinnerte sich an seinen ersten Besuch im Alten Lager, der sieben Jahre zurückliege, sprach von einem hochinteressanten Projekt. Die Schaffung des Biosphärengebiets noch durch die alte Regierung sei im Parlament auf einhellige Zustimmung gestoßen. Für ihn und seine Fraktionskollegen sei es wichtig, zu beobachten, "wie sich das hier entwickelt". so Winkler.

Empfangen wurde die kleine Delegation von Petra Bernert, der Leiterin des Biosphärengebiets. Man treffe sich in einem historischen Gebäude an historischem Ort. Den ehemaligen Truppenübungsplatz bezeichnete sie als "Landschaftsmuseum": "So hat es auf der Alb vor 100 Jahren ausgesehen". Der ehemalige Truppenübungsplatz sei auch aus bundesweiter Sicht ein "Hot-Spot" in Sachen Biodiversität. In einem "superschnellen Prozess sei das Biosphärengebiet mit seinen rund 85 000 Hektar entstanden, an dem 29 Gemeinden beteiligt sind, "und das obwohl Kernzonen abgegrenzt werden mussten". Als Erfolgsfaktoren nannte Bernert die jahrelangen Erfahrungen in der Region mit nachhaltigen Projekten etwa durch Plenum oder Regionen aktiv, die Tatsache, dass das neue Gebilde gewollt gewesen sei, dass es hier "einfallsreiche Menschen" gebe, die ihr Schicksal in die Hand nehmen würden. Neben dem Biosphärenzentrum im Alten Lager bestehe ein Netzwerk mit 15 dezentralen Informationszentren.

Zu den Herausforderungen, die noch zu bewältigen seien, zählte Bernert die Tatsache, dass das Zentrum mit ÖPNV nur schlecht zu erreichen sei: "Hier denken wir über Pendeltaxis oder E-Mobile nach". Die Führung durchs Zentrum startete im regionalen Shop, führte durch die eigentliche Ausstellung, an den Büros der Mitarbeiter – aktuell acht plus zwei Stellen im Besucherzentrum, aber zwei weitere Stellen sind jetzt bewilligt worden – vorbei bis ins Bistro.

Zu den Themen, die von den Politiker angeschnitten wurden, zählten die Restriktionen durch die Kernzonen, der Biosphärengebiets-Etat (Bernert: "Es gibt kein Großschutzgebiet zum Nulltarif"), Auswirkungen im Tourismus und darüber hinaus oder die Schaffung eines Biosphärenlabels.

Diese und weitere Fragestellungen wurden am Abend bei einer Sitzung des Arbeitskreises, zu der auch der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Gebhard Aierstock eingeladen war, vertieft. Zuvor hatte es noch eine Führung auf der Hopfenburg gegeben, in deren Verlauf Andreas Hartmaier dieses innovative touristische Projekt vorstellte. In der vierstündigen Sitzung waren Energiewende und Biogas zentrale Punkte, aber auch die Gentechnik wurde angesprochen.

Am Dienstag stand das Haupt- und Landgestüt Marbach im Mittelpunkt. Gestütsleiterin Dr. Astrid von Velsen-Zerweck präsentierte den Besuchern auch die neu geschaffenen Einrichtungen, schließlich hatte das Land in den vergangenen Jahren hier kräftig investiert. Im Gespräch ging es unter anderem um die Problematik von Einsparungen beim Personal. Im Gestüt gebe es nicht einmal einen Hausmeister, klagte die Leiterin und auch eine Stelle im touristischen Bereich wäre wünschenswert.

Quelle: SWP vom 26.09.2012, Autor und Foto: Reiner Frenz

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Kaffee, serviert vom Landtagsabgeordneten

Seit zehn Jahren engagieren sich von Mai bis September sonn- und feiertags Schulklassen, Vereine, Kirchengemeinden, Firmen und Parteien im Schlosscafé in Grafeneck. So kommt es Woche für Woche zu interessanten Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung.

Vergangenen Sonntagnachmittag wurde bei herrlichem Herbstwetter bei 20 Grad mit rund 300 Gästen Jubiläum gefeiert. Die musikalische Umrahmung auf der Schlossterrasse übernahmen die Lautertalmusikanten aus Dapfen.

Gomadingens Bürgermeister Klemens Betz sprach in seiner Rede von einem "Erfolgsmodell". Er erinnerte daran, dass der ehemalige Leiter des Samariterstiftes, Dietrich Sachs, damals die Idee für diese Begegnungsstätte hatte. Umgesetzt wurde sie von der Rektorin der Sternbergschule, Birgit Gebhardt, und Manuela Sailer-Müllerschön.

Von vorneherein dachten die zwei Frauen nicht an einen festen Pächter, sondern vielmehr an verschiedene Gruppen, die dort ehrenamtlich bewirten. Mit dem Hintergedanken Ängste, Vorurteile und Berührungsängste abzubauen. Und für die Bewohner eine tolle Gelegenheit, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen.

"Alle zusammen haben das Schlosscafé zu einem Ort der Begegnung gemacht", freute sich Frank Wössner, der Vorstandsvorsitzende der Samariterstiftung Nürtingen. "Sie haben den Pavillon auf der Schlossterrasse mit Leben gefüllt." Er dankte den Menschen, die sich Sonntag für Sonntag Zeit für ihre Mitmenschen nehmen. "Nur so sind diese wundervollen Begegnungen möglich."

Markus Mörike, Leiter des Samariterstiftes Grafeneck, sprach von einer Win-Win-Win-Win-Situation. "Es gibt viele Gewinner: Die Bewohner von Grafeneck, die Besucher, wir als Einrichtung, die das Schlosscafé personell nicht stemmen könnten, sowie die Vereine und Gruppen, die sonntags bewirten."

"Ohne der Hilfe der vielen lieben Mitmenschen wäre dieses Projekt nicht möglich", sagte Birgit Gebhardt vom Organisationsteam. Sie erinnerte daran, dass sich in den vergangenen Jahren 52 verschiedene Gruppen an einem oder an mehreren Sonntagen in Grafeneck engagiert haben. Viele davon waren auch am vergangenen Sonntag als Gäste vor Ort. Anlässlich des Jubiläums gab es Kaffee, Kuchen und andere Getränke kostenfrei.

Zur Feier des Tages servierten die drei Landtagsabgeordneten Karl-Wilhelm Röhm (CDU), Klaus Käppeler (SPD) und Andreas Glück (FDP). Unterstützt wurden sie von Bürgermeister Betz. Die Herren Wössner und Mörike von der Samariterstiftung banden sich die Schürze ebenfalls um.

Kommenden Sonntag, 30. September, hat das von Gruppen bewirtschaftete Schlosscafé dieses Jahr das letzte Mal von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Den Abschluss bestreitet die neunte Klasse der Grund- und Hauptschule Zwiefalten. Danach schenkt der Freundeskreis Grafeneck wieder sonn- und feiertags von 14 bis 16 Uhr Kaffee im Schlosscafé aus und verkauft leckere Kuchen.

Von Mai kommenden Jahres an sind dann wieder Schulklassen, Kirchengemeinden, Vereine, Firmen und politische Parteien an der Reihe.

Quelle: Südwestpresse, Autor: Joachim Lenk, Bild: SWP

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Im Gespräch mit Präsident Hollande

Zwiefalten / Ludwigsburg (spd) Jugendliche und offizielle Vertreter der französischen Partnergemeinde La Tessoualle waren in der vergangenen Woche in Zwiefalten zu Gast. Eine zusätzliche und besondere Exkursion hatten Marc Gental, Bürgermeister von La Tessoualle, und der Zwiefaltener Gemeinderat und SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler im Terminkalender stehen: Beide nahmen am offiziellen Festakt im Ludwigsburger Schloss anlässlich des 50. Jahrestages der Rede General de Gaulles an die deutsche Jugend teil. Dabei bekam Bürgermeister Gental sogar Gelegenheit, kurz mit dem französischen Staatspräsidenten Francois Hollande zu sprechen.

„Ich musste eintausend Kilometer fahren, um meinen Präsidenten einmal persönlich kennenzulernen“, schmunzelte Bürgermeister Marc Gental. Beim gemeinsamen Bad in der Menge von Francois Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel sei der französische Präsident auf ihn zugekommen. Gental habe beim spontanen Händeschütteln zwar nur kurz auf die Partnerschaft der beiden Kommunen eingehen können. „Für mich war es dennoch ein sehr bewegender Moment“, sagte der Bürgermeister.

Der Zwiefaltener Gemeinderat und SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler hatte die Teilnahme seines französischen Gastes noch kurzfristig organisieren können. „Die Partnerschaft von La Tessoualle und Zwiefalten ist keine Sache von Honoratioren, sie lebt vor allem von den Jugendlichen und Vereinen, die auf beiden Seiten die vielfältigen Kontakte aktiv unterstützen“, erklärte Klaus Käppeler. Ereignisse mit Symbolkraft wie der Ludwigsburger Festakt seien wichtig für die deutsch-französische Freundschaft, bekräftigte der SPD-Landtagsabgeordnete. „Diese wird aber erst durch Partnerschaften wie die von La Tessoualle und Zwiefalten wirklich konkret und mit Leben gefüllt.“