Bereit sein für den Ganztagesbetrieb

Klaus Käppeler ist seit 2004 Mitglied im Kreistag und saß von 2001 bis 2006 für die SPD im Landtag. Einer seiner politischen Schwerpunkte ist die Bildung. Der 53-Jährige ist seit diesem Schuljahr neuer Rektor der Hohensteinschule. Allerdings, dass die Institution Hauptschule Zukunft hat, daran glaubt der frischgebackene Rektor nicht. Joachim Baier sprach mit ihm über Perspektiven und Alternativen.

Herr Käppeler, es gibt hier im ländlichen Raum erstaunlich viele Hauptschüler, die positiv in die Zukunft blicken. Wie erklären Sie sich das?

„Es liegt sicher an der Struktur der Hauptschulen. In der Stadt gibt es sehr große Hauptschulen mit sehr großen Klassen. Während wir im ländlichen Raum aufgrund der Schülerzahlen wesentlich kleinere Klassen haben. Wenn ich weniger Kinder habe, kann ich besser auf sie eingehen, sie individuell betreuen und fördern.“

Denken Sie, dass die Hauptschüler im ländlichen Raum bessere Perspektiven haben, als die in der Stadt?

„Aus meiner langjährigen Erfahrung weiß ich, dass gerade die Hauptschüler von der Alb auch in der Stadt gute Chancen hatten, eine Lehrstelle zu finden. Unsere Schüler werden gerne genommen, weil sie ‚schaffe’ gelernt haben.“

Sie sind seit diesem Schuljahr Rektor der Hohensteinschule. Was wollen Sie hier verändern? Was wollen Sie hier gestalten?

„Ein Ziel ist, die Schule für den Ganztagesbetrieb bereit zu machen. Die Form ist noch völlig offen. Ich werde das Thema mit dem Lehrerkollegium diskutieren, es ist wichtig, das Kollegium mitzunehmen. Dann möchte ich die Eltern informieren. Das Ganze wird ein Prozess sein, der gewisse Zeit dauert. Ein weiteres Ziel wäre ein Schulförderverein. Ich habe bemerkt, dass daran Interesse besteht.

Langfristig werde die Hauptschule keine Zukunft haben, heißt es auf Ihrer Homepage. Warum glauben Sie nicht an die Zukunft der Hauptschule?

„Das ist eine Abstimmung mit Füßen. Eltern versuchen, alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit ihr Kind nicht in die Hauptschule muss. Es mangelt sicher nicht an guter Arbeit, die hier geleistet wird. Mir wäre lieber, wir würden die Kinder sechs Jahre beieinander behalten, damit wir den Druck des sogenannten Grundschulabiturs nicht hätten. Es werden dabei gerade die schwachen Kinder beschämt. Obwohl für die Hauptschüler später gute Möglichkeiten bestehen, über weiterführende Schulen bessere Berufsperspektiven zu finden.“

Sechs Jahre Grundschule. Und dann: Gesamtschule?

„Als Zwischenschritt würde ich Haupt- und Realschule zusammenfassen. Aber es müssen entsprechende Ressourcen für die individuelle Betreuung weiterhin vorhanden sein. Ich will keinen großen Moloch von einer Regionalschule. Auch kleine Schulen sollten weitergeführt werden.“

Sie haben Schulen in Finnland und in Kanada besucht. Welche Ideen würden Sie denn gerne übernehmen?

„In Finnland hat mir sehr gut gefallen, dass der Kindergarten Teil der Schule ist. Erzieherinnen haben eine Ausbildung wie Grundschullehrerinnen. Dort wird ein Kind ab dem Kindergarten über zehn, fünfzehn Jahre von einer Schule begleitet. Außerdem gibt es die besondere Förderung durch Assistenten, die mit kleinen Gruppen parallel zum Lehrer arbeiten. Wir stellen eine Förderstunde in Klassen mit 27 oder 28 Kindern bereit. Das ist viel zu wenig.“

Text: Reutlinger Generalanzeiger,

5.10.2007