„Sie haben das Klassenziel erreicht“

HOHENSTEIN Sitzfleisch musste am Mittwochabend in die Hohensteinhalle mitgebracht werden, und das nicht zu knapp. Rekordverdächtige viereinviertel Stunden lang dauerte die Veranstaltung, was den Gästen einiges an Kondition abverlangte und Klaus Käppeler, als er ans Mikrophon trat, zur Äußerung veranlasste, dass nun eigentlich Gymnastik dran sein müsste. Zu diesem Zeitpunkt zeigte die Uhr bereits 22.20 Uhr.
 
Um 18.30 Uhr wurde die Veranstaltung mit zwei Bläserstücken eingeläutet. Bürgermeister Jochen Zeller sprach in seiner Begrüßung von einer besonderen Zäsur in der Gesichte der Hohensteinschule, hätten der scheidende Rektor Theodor Ebach und sein Stellvertreter Erich Roth doch gemeinsam fast zwei Jahrzehnte lang die Geschicke geleitet. Schulamtsdirektor Horst Erdmann ging im Zeitraffer auf die beruflichen Biographien der scheidenden Pädagogen ein.

So habe Theodor Ebach seine erste Berührung mit Schule in einer einklassigen Dorfschule im Westerwald gehabt, dort bereits soziales Lernen kennen gelernt. Nach der Schule sei Ebach zehn Jahre lang als Vermessungstechniker tätig gewesen, ehe er diesen „ordentlichen Beruf“ aufgab und einen „außerordentlichen Berufsweg“ einschlug.
 
Die Zulassung zum Studium sei eine große Hürde gewesen, die Ebach 1972 meisterte, an der PH Reutlingen studierte. „Sie haben einiges an Energie und Selbstdisziplin aufwenden müssen, um ihren Beruf zu ergreifen“, stellte Erdmann fest. Kein Wunder, dass ihm später an der Reutlinger Schillerschule großer Ernst und außerordentliche Gewissenhaftigkeit bescheinigt worden seien.
 
Ebach habe sich immer weiterqualifiziert, sei aus Wendelsheim 1988 als neuer Schulleiter der Hohensteinschule wieder in den Kreis Reutlingen zurückgekehrt. Erdmann dankte Ebach für dessen „Wirken zum Wohl von Schule und Gemeinde“, ehe er ihm gemeinsam mit dessen Stellvertreter Erich Roth die Entlassungsurkunden überreichte. Roth hatte er zuvor für dessen „einmalige Bodenständigkeit“ gerühmt. Der gebürtige Bad Uracher hatte in Reutlingen studiert, in Bernloch, Ober-, Meidel- und Pfronstetten unterrichtet, ehe er 1973 an die neue Hohensteinschule kam.
 
Für Klaus Käppeler und Cordula Kring gabs vom Schulamtsdirektor noch keine Urkunden – die sind erst nach einer Probezeit fällig – sondern das Bestellungsschreiben. Erdmann meinte, dass Klaus Käppeler vorzustellen Eulen nach Athen tragen hieße. Schul- und landtagserprobt sei dieser in der derzeitigen turbulenten Lage der Hauptschulen der richtige Mann, um „das Schulschiff Hohenstein auf Kurs zu halten“. Cordula Kring bezeichnete er als ideale Stellvertreterin, sei sie doch eine ausgewiesene Grundschulexpertin.
 
„Zusammen 53 Jahre in Verantwortung verlassen die Hohensteinschule“, errechnete Bürgermeister Jochen Zeller. Theodor Ebach sei erst der zweite Schulleiter nach Ruth Bez gewesen, Erich Roth als Muster an Kontinuität 32 Jahre lang Konrektor. Zeller: „Sie haben jetzt das Klassenziel erreicht.“ Die Hohensteinschule besitze in der Gemeinde einen hohen Stellenwert nicht zuletzt als Integrationsfaktor, betonte Zeller. Gemeinderat und Verwaltung hätten die Verpflichtung, den Schulstandort weiter zu entwickeln und zukunftsfähig zu halten.
 
In seinem Abschiedswort erklärte Theodor Ebach, dass er mit dem Gefühl gehe, „das in meiner Macht stehende für die Schüler und die Schule getan zu haben“. Die Hohensteinschule habe sich allen Änderungen und Neuerungen gestellt: „Wir sind auf einem vernünftigen Stand.“
 
„Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen“, zitierte Klaus Käppeler ein afrikanisches Sprichwort. Deshalb wolle er an der Hohensteinschule auch die gesamte Gemeinde einbeziehen, um an deren Zukunft zu arbeiten. Er werde sich anstrengen, die an ihn gerichteten Erwartungen zu erfüllen, versprach der neue Schulleiter.
 
Grußworte gab es zudem von den Pfarrern Jetter und Bürzele, von Jürgen Fischer für die Vereine, von Schülersprecherin Verena Engelhart sowie der Elternbeiratsvorsitzenden Doris Bindewald.
 
Aufgelockert wurde die Veranstaltung durch das überaus gelungene Musical „Das Vierfarbenland“, Beiträge des Lehrerkollegiums, die etwa in „Ein ganz normaler Schultag“ manche liebenswerten Eigenheiten des scheidenden Rektors ans Tageslicht brachten sowie vom Elternbeirat, die in einem Ratespiel Ebach und Roth gegeneinander antreten ließen.

Alb Bote, 20.07.2007

Klaus Käppeler wird Schulleiter

HOHENSTEIN. Klaus Käppeler, bislang Hauptschullehrer in Zwiefalten, wird neuer Schulleiter der Hohensteinschule. Der frühere SPD-Landtagsabgeordnete tritt die Nachfolge des langjährigen Rektors Theodor Ebach an, der mit dem Ende des Schuljahres in den Ruhestand verabschiedet wird. Auch der stellvertretende Schulleiter der Hohensteinschule, Erich Roth, geht in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin wird Cordula Kring. Die Verabschiedung der alten und die Einsetzung der neuen Schulleiter wird am Mittwoch, 18. Juli, um 18.30 Uhr in der Hohensteinhalle sein. Die Hohensteinschule wird derzeit von rund 300 Grund- und Hauptschülern besucht. (GEA)